Die Abgeltungsteuer

Alles über einen Kamm geschert


Alle(s) über einen Kamm zu scheren, ist einfach. So soll es seit der Einführung der Abgeltungsteuer sein. Weg von der Pflicht, sein Kapitalvermögen in der Steuererklärung angeben zu müssen. Eine Vereinfachung für Anleger und Sparer. Wir erklären Ihnen, was hinter der Abgeltungsteuer steckt.

Der Hintergrund der Abgeltungsteuer: “Besser 25 Prozent von X, als 45 Prozent von nix.”

Die Abgeltungsteuer greift seit 2009. Glaubt man den Versprechen der Politik, wurde sie geschaffen, um Steuerzahlern das Leben leichter zu machen, und mehr im Portemonnaie der Sparer bleibt.

Der eigentliche Hintergedanke, geprägt vom einstigen Finanzminister Peer Steinbrück, lautete allerdings: „Lieber 25 Prozent von x als 45 Prozent von nix.“ Gemeint war die Kapitalflucht ins Ausland. Sie sollte mit dem niedrigeren Steuersatz gestoppt oder zumindest ausgebremst werden.

Klingt plausibel. Statt des Höchststeuersatzes von 45 Prozent nur noch 25 Prozent zahlen zu müssen, macht nach Adam Riese 20 Prozent Ersparnis. Selbst bei einem Steuersatz unterhalb des Spitzensteuersatzes lohnt sich die Rechnung oftmals.

Motto: 25 Prozent auf alles

Die Abgeltungsteuer beträgt 25 Prozent. Hinzu kommen noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und ggf. 8 oder 9 Prozent Kirchensteuer*. Sie wird direkt von der Bank einbehalten. Das war es schon. In der Steuererklärung müssen Sie die Kapitalerträge nicht mehr angeben. Denn wie der Name verrät, ist die Besteuerung damit abgegolten. Die 25 Prozent zzgl. Zuschlagsteuern gelten für jeden gleich – unabhängig vom persönlichen Steuersatz. Auch die Kapitalart spielt keine Rolle.

Trotzdem besteht die Option, die Kapitalerträge in der Steuererklärung anzugeben. Sinnvoll ist das, wenn Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt.

Für 2019 ist das üblicherweise bei Einkommen von unter 16.650 Euro (ledige) bzw. 33.300 Euro (verheiratete) pro Jahr der Fall. Trifft das auf Sie zu, werden nicht die pauschalen 25 Prozent angesetzt, sondern Ihr persönlicher Steuersatz – was zu einer Erstattung der zu viel gezahlten Steuer führt.

Aufwendungen können nicht mehr abgezogen werden

Abgeltung heißt nicht nur, dass maximal 25 Prozent zzgl. Zuschlagsteuern einbehalten werden. Sondern es bedeutet auch, dass damit gleichermaßen Aufwendungen abgegolten sind. Haben Sie also Kontoführungs- und Depotgebühren oder sonstige Kosten z. B. für Ihren Steuerberater, so gehen diese ins Leere. Lediglich der Sparer-Pauschbetrag wird zum Abzug zugelassen.

Der Sparer-Pauschbetrag beträgt:

  • bei Einzelveranlagung/ Ledige: 801 Euro
  • bei Zusammenveranlagung/ Verheiratete: 1.602 Euro

Beispiel: Insgesamt haben Sie mehrere Depots. Sie lassen diese von einem Broker verwalten. Dieser stellt Ihnen inkl. Depotgebühren 1.000 Euro in Rechnung. Kapitalerträge haben Sie 5.000 Euro erwirtschaftet. Sie haben die in Höhe des Sparer-Pauschbetrags freigestellt. Sie sind nicht kirchensteuerpflichtig:

 Einkünfteermittlung (in Euro)Zinsgutschrift (in Euro)Tatsächlich verbleiben (in Euro)
Brutto-Zinsen (Zinsen vor Steuern)5.000,005.000,005.000,00
Sparer-Pauschbetrag/ tatsächlicher Aufwand801,00801,001.000,00
Verbleiben/ Einkünfte4.199,004.199,004.000,00
Abgeltungsteuer (25 %)-1.049,751.049,75
Solidaritätszuschlag 5,5 %-57,7457,74
Netto-Zinsen/ tatsächlich verbleiben
(Zinsen nach Steuern)
4.199,003.091,512.892,51

Bei der Einkünfteermittlung bleiben Ihre tatsächlichen Aufwendungen also außer Ansatz. Stattdessen wird nur der Sparer-Pauschbetrag abgezogen.

Und was war davor?

Vor der Abgeltungsteuer war das anders. Zwar wurden von der Bank auch Steuern einbehalten. Aber nur als eine Art der Vorauszahlung auf die tatsächliche Steuerschuld. Dabei kam es darauf an, um welche Kapitalart es sich handelte. Zum einen gab es die Zinsabschlagsteuer mit 30 Prozent für Zinsen und zum anderen die Kapitalertragsteuer mit 20 Prozent für Dividenden.

Die Besteuerung war damit aber nicht erledigt. Stattdessen mussten die Kapitalerträge in der Steuererklärung angeben werden. Und das Finanzamt ermittelte dann den persönlichen Steuersatz auf Basis des Gesamteinkommens. War der persönliche Steuersatz dann höher als die Zinsabschlag- bzw. Kapitalertragsteuer, kam es zu einer Steuernachzahlung. Umgekehrt gab es eine Rückerstattung, wenn der persönliche Steuersatz niedriger war.

Holen Sie sich die Abgeltungsteuer zurück

Das geht tatsächlich. Und zwar über die Steuererklärung. Haben Sie Ihre Kapitalerträge beispielsweise nicht freigestellt, dann können Sie den Sparer-Pauschbetrag nutzen. Oder Sie lassen die Abgeltungsteuer insgesamt überprüfen. Vielleicht ist Ihr persönlicher Steuersatz ja geringer als die Abgeltungsteuer.

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*Stand 2020

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  1. 1
    Edgar Adolf Dörr

    Simpel und einfach erklärt. Allerdings gilt das nur für Geldanlagen im Inland, die bei einem Kreditinstitut verwahrt sind.
    Beim Auslandsdepot gilt zwar auch die Abgeltungssteuer, diese wird jedoch mit dem Steuerbescheid erhoben. Also insoweit muss man doch etwas angeben.

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