Ausbildung: Fahrtkosten absetzen leicht gemacht

Ausbildung: Fahrtkosten absetzen leicht gemacht

Mit der Pendlerpauschale Geld zurĂĽckholen


In der Ausbildung richtig Geld sparen? Das geht, mit ein paar einfachen Tricks für die Steuererklärung. Besonders einfach bekommt man Kosten für Arbeitsweg und den Weg zur Berufsschule zurück, denn diese Fahrtkosten können in der Ausbildung abgesetzt werden. Und das teilweise sogar doppelt! Wie genau? Das erklären wir hier:

Fahrtkosten zum Ausbildungsbetrieb absetzen

Die Fahrkosten zum Ausbildungsbetrieb, der ersten Tätigkeitsstätte, können in der Steuererklärung pauschal angesetzt werden. Doppelt sparen kann man mit den Fahrten zur Berufsschule:

So werden die Fahrkosten richtig berechnet

Grundsätzlich wird zwischen zwei Pauschalen unterschieden: der Pendlerpauschale und der Dienstreisepauschale. In beiden Fällen können 30 Cent pro Kilometer angesetzt werden. Der entscheidende Unterschied: Bei der Pendlerpauschale zählt nur die einfache Strecke, für Dienstreisen jedoch die Hin- und Rückfahrt.

Und hier wird es spannend, denn in der Steuererklärung wird zwischen Fahrten zum Ausbildungsbetrieb und der Schule unterschieden.

Fahrten zum Ausbildungsbetrieb

FĂĽr jede Fahrt zum Ausbildungsbetrieb werden 30 Cent Pendlerpauschale pro Entfernungskilometer angesetzt. Diese Berechnung gilt fĂĽr eine Fahrt. Man berechnet also den Hinweg zur Arbeit, den RĂĽckweg aber nicht.

Beispiel: Ist der Arbeitsweg 15 km auf dem Hinweg und 15 km auf dem RĂĽckweg, werden die Arbeitstage x 15 Kilometer x 0,3 Euro berechnet.

Doppelte RĂĽckzahlung mit Fahrten zur Berufsschule/Fachschule

Mit dem Weg zur Berufsschule wird doppelt gezahlt. Hier können die Fahrtkosten sowohl für die Hin- als auch die Rückfahrt abgesetzt werden!

Wichtig: Egal ob der Weg zu Fuß, mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt wird: Ihre Fahrtkosten können Sie immer absetzen. Doch Vorsicht: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, kann nicht mehr als 4.500 Euro im Jahr absetzen.

Warum bekomme ich mehr Geld?

Es kann immer nur eine „erste Tätigkeitsstätte“ geben und das ist der Ausbildungsbetrieb. Andere Orte – wie eben die Berufsschule – gelten als auswärtige Tätigkeitsstätten. Hier gilt die Dienstreisepauschale, die sowohl bei dem Hin- also auch beim Rückweg berechnet wird.

Beispiel Rechnung: Warum sich die Steuererklärung lohnt!

Azubis müssen aufgrund ihres geringen Einkommens meist keine Steuererklärung abgeben. Doch dies kann sich lohnen: Bereits bei kurzen Wegen winkt eine Erstattung vom Finanzamt.

Maria wohnt von ihrem Ausbildungsbetrieb nur 5 Kilometer entfernt. Diesen hat sie an 130 Tagen im Jahr besucht. Ihre Berufsschule ist etwas weiter weg – 14 Kilometer Fahrt hatte sie an 100 Tagen.

Berechnung:

Fahrten zum Ausbildungsbetrieb : 130 Tage x 0,30 € x 5 Km= 195 €

Fahrten zur Berufsschule:       100 Tage x 0,30 € x 2 x 14 Km= 840 €

Fahrtkosten insgesamt =                                                              1.035 €

Allein mit diesen Kosten liegt Maria bereits über dem Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 €. Ab dann lohnt sich jeder Euro: Setzt sie nun weitere Ausgaben für Lehrbücher, Arbeitsmittel etc. an, kann sie sich über eine Erstattung vom Finanzamt freuen.

Ăśbrigens: Dauert die „Dienstreise“ zur Berufsschule länger als acht Stunden, erhält man fĂĽr jeden Tag 12 Euro Verpflegungsmehraufwand, der sich steuermindernd auswirkt. Bei 24 Stunden Abwesenheit erhöht sich der Betrag auf auf 24 Euro. FĂĽr An- und Abreisetage bei Ăśbernachtungen kann man ebenfalls 12 Euro pro Tag ansetzen.

Steuer-Wissen: Was ist die erste Tätigkeitsstätte?

Seit 2014 heiĂźt der Ausbildungsbetrieb nicht mehr „regelmäßige Arbeitsstätte“, sondern „erste Tätigkeitsstätte“. Voraussetzung fĂĽr eine „erste Tätigkeitsstätte“ ist, dass

  • es eine ortsfeste betriebliche Einrichtung
  • Ihres Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten ist
  • dem Sie dauerhaft zugeordnet sind.

Pro Dienstverhältnis kann immer nur eine erste Tätigkeitsstätte bestehen.

Was lohnt sich mehr? Eigenes Auto oder Ă–ffentliche?

Die Pauschalen gelten grundsätzlich für Fahrten mit dem eigenen Auto. Doch auch wenn eine Fahrgemeinschaft genutzt wird, kann man jeweils immer die vollen Fahrtkosten absetzen.

Nutzen Sie die öffentlichen Verkehrsmittel mit Wochen-, Monats,- oder Jahreskarten? Dann sollten Sie alle Tickets aufheben und am Ende des Jahres zusammenrechnen.

Wie berechne ich die Arbeitstage richtig?

Zuerst werden alle Arbeitstage im Jahr gezählt.  Grundsätzlich kann man  hier pauschal mit 220 bis 230 Arbeitstagen pro Jahr rechnen. Hiervon müssen aber Urlaubs-, und Krankheitstage abgezogen werden.

Wo trage ich das alles in der Steuererklärung ein?

Die Fahrtkosten zur ersten Tätigkeitsstätte werden in der Anlage N in den Zeilen 31 bis 40 eingetragen. Die „Dienstreise“ zur Berufsschule wird in den Zeilen 49 bis 50 eingefĂĽgt. Die Verpflegungsmehraufwendungen tragen Sie in den Zeilen 51 bis 54 ein.
Noch einfacher geht es aber mit WISO.

Ăśbrigens: Mit WISO steuer:Web werden alle Azubi-Pauschalen automatisch errechnet!

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9 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Heiko

    Kann ich denn auch Ausbildungskosten / Fahrkosten für meine Tochter (schulische Ausbildung) die in meinen Haushalt wohnt in meiner Steuererklärung geltend machen?

    • 2
      Alexander MĂĽller

      Hallo sehr geehrter Herr Häusler,

      vielen Dank für Ihre Frage. Wenn Ihre Tochter noch unter 25 ist und in Ausbildung, erhalten Sie in der Regel die sogenannten Kinderfreibeträge / Kindergeld. Dies wird automatisch in der Steuererklärung berücksichtigt, wenn Sie die Angaben für das Kind mit in die Steuererklärung aufnehmen (Anlage Kind).

      Leider sind dann aber mit den Kinderfreibeträgen / Kindergeld sämtliche Ausbildungskosten abgegolten. Eine Ausnahme sind nur das evt. zu zahlende Schulgeld (-> Sonderausgaben) und der „Ausbildungsfreibetrag“ in Höhe von 924 Euro / Jahr, falls das Kind direkt am Ausbildungsort untergebracht ist (zu beantragen ĂĽber die entsprechenden Angaben in der Anlage Kind).

      Viele GrĂĽĂźe
      Alexander MĂĽller von der buhl:Redaktion

  2. 3
    Chrisse

    Meine Freundin fährt täglich 71km zum Ausbildungsort und auch wieder zurück. Bei 0,30 € pro gefahrenem Kilometer einfacher Fahrt und 4 Arbeitstagen pro Woche, müsste sie eine ganze Menge Geld zurück bekommen. Jedoch wurden bei ihr lediglich 18,00 € errechnet. Wie kann das sein? Ich freue mich über Eure Hilfe.

  3. 5
    MePsst

    @ Gerd: Ich denke nicht das man die Pendlerpauschale fĂĽr die Kosten die einem anderen entstanden sind ansetzten kann. (auch wenn du sie wirtschaftlich tragen magst) Das ist vom Gesetzgeber nicht so gedacht. Du könntest die Ausbildungskosten vllt in Summe bei den Sonderausgaben reinmoggeln, aber ob das durch geht….

  4. 6
    Gerd

    G.B.
    Ich bezahle für den Sohnemann die Schule (dauerhafte Schule zur Ausbildung) mit allem was dazu gehört. Wo trage ich nun in der Wiso-Software die Pendlerpauschale ein. Ich habe bis dto. keine Hilfe gefunden.
    Dank fĂĽr eine Antwort.

  5. 7
    Azubine

    Wie werden Fahrten zur Berufsschule (als Reisekosten) abgerechnet, wenn mehrere Azubis eine Fahrgemeinschaft gegrĂĽndet haben und sich die Fahrten teilen? Danke fĂĽr die RĂĽckmeldung.

  6. 9
    H.B.

    Aber auch nur in der Theorie! In der Praxis zahlen Azubis kaum bis gar keine Lohnsteuer. Entsprechend bekommt man trotz einigen tausend Euro Werbungskosten kaum bis garnichts zurĂĽck! Wer wenig verdient hat hier das Nachsehen.

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