Fahrten bei Menschen mit Behinderung

Privatfahrten über 15.000 km absetzbar?


Behinderte Menschen mit einer Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfähigkeit dürfen Aufwendungen für Privatfahrten in einem “angemessenen Rahmen” als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art absetzen.

Wobei das Finanzamt eine zumutbare Belastung anrechnet. Diese interessante Steuervergünstigung gibt’s zusätzlich zum Behinderten-Pauschbetrag. Für den Umfang der steuerlichen Entlastung kommt es allerdings auf die Art und Schwere Ihrer Behinderung an:

  • Bei einem GdB von mindestens 80 oder einem GdB von mindestens 70 und das Merkzeichen “G” sind alle durch die Behinderung veranlassten unvermeidbaren Fahrten zur Erledigung privater Angelegenheiten absetzbar. Ohne Nachweis erkennt das Finanzamt eine Fahrleistung von 3 000 km an – und somit einen Pauschbetrag von 900 EUR (3 000 km x 0,30 EUR).
  • Bei einem Merkzeichen “aG”, “H” oder “Bl” sind nicht nur die Aufwendungen für durch die Behinderung veranlassten unvermeidbaren Fahrten, sondern auch für Freizeit-, Erholungs- und Besuchsfahrten absetzbar. Als angemessen gilt hier eine Fahrleistung von 15 000 km im Jahr.
  • Die Frage ist, ob außergewöhnlich Gehbehinderte (“aG”) neben den “Freizeit-, Erholungs- und Besuchsfahrten” bis zu 15 000 km zusätzlich noch “unvermeidbare Fahrten” von 3 000 km absetzen dürfen.

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass mit der maximalen Fahrleistung von 15.000 EUR nicht nur die rein privaten Freizeit-, Erholungs- und Besuchsfahrten, sondern auch die unvermeidbaren behinderungsbedingten Fahrten abgegolten sind (BFH-Urteil vom 15.6.2010, VI B 11/10).

Zusätzlich zu den 15 000 km können Sie jedoch krankheitsbedingte Fahrten – sei es im Zusammenhang mit der Behinderung oder im Zusammenhang mit anderen Krankheiten – als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. Denn krankheitsbedingte Fahrten stellen für sich schon unmittelbare Krankheitskosten dar, die als außergewöhnliche Belastungen absetzbar sind. Dazu zählen beispielsweise Fahrten zur Reha, zu Ärzten, zur Schmerzbehandlung, zur Fußzonenreflexmassage, zur physikalischen Behandlung. Dies gilt auch dann, wenn diese Krankheitsfahrten auf die Behinderung zurückzuführen sind.

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2 Kommentare

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  1. 1
    Georg

    Ich verstehe den Pauschbetrag von 900€ (3000km x 0,30€) nicht ganz. Ich mache erstmalig die Steuererklärung für meine Mutter (82 Jahre/Pensionärin). Sie hat in 2019 erstmalig und direkt einen GdB von 80 bescheinigt bekommen. Sie hat selber kein Auto/Füherschein mehr und erledigt ihre Fahrten mit dem ÖPNV, Taxen mit dem Rollator, oder uns Kindern. Kann auch sie den Pauschbetrag von 900€ geltend machen, oder gilt dies nur für noch selbstfahrende Kfz-Führer mit eigenem Pkw/Führerschein ?

    • 2
      Alexander Müller

      Sehr geehrter Herr Schmitz,

      vielen Dank für Ihre Frage. Die Verwaltungs-Anweisungen für das Finanzamt sagen, dass sich die 3.000km auf Fahrtkosten allgemein beziehen. Dies gilt also auch für Taxi und ÖPNV. Die Summe soll eine Vereinfachung für den Steuerpflichtigen und das Finanzamt darstellen, sodass keine Einzelaufzeichnungen eingereicht werden müssen. In der Regel akzeptiert das Finanzamt auch den pauschalen Ansatz und fragt nicht weiter nach.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller
      Tax Specialist bei steuernsparen.de

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