Umweg auf dem Arbeitsweg

Wann akzeptiert das Finanzamt eine längere Fahrtstrecke?


Fahrten zwischen Wohnung und erster T√§tigkeitsst√§tte sind mit 30 Cent je Entfernungskilometer als Werbungskosten absetzbar. Dies ist die so genannte Pendler- oder Entfernungspauschale. F√ľr die Entfernung ist die k√ľrzeste Stra√üenverbindung ma√ügebend. Allerdings wird doch eine l√§ngere Strecke akzeptiert, “wenn diese offensichtlich verkehrsg√ľnstiger ist und regelm√§√üig benutzt wird”.

Wann ist eine Strecke verkehrsg√ľnstiger?

Doch, wann ist eine Stra√üenverbindung als verkehrsg√ľnstiger als die k√ľrzeste Verbindung anzusehen? Dies liegt vor, wenn Sie die l√§ngere Stra√üenverbindung nutzen und damit Ihre Arbeitsst√§tte schneller und p√ľnktlicher erreichen.

Offensichtlich verkehrsg√ľnstiger ist die gew√§hlte Stra√üenverbindung dann, wenn ihre Vorteile auf der Hand liegen. Also dass sich auch ein unvoreingenommener, verst√§ndiger Verkehrsteilnehmer unter den gegebenen Verkehrsverh√§ltnissen f√ľr die Benutzung der Strecke entschieden h√§tte.

Umweg nur bei Zeitersparnis von 20 Minuten anerkannt?

Viele Finanzämter wollen eine längere Strecke nur dann akzeptieren, wenn die Zeitersparnis signifikant ist. Heißt, sie akzeptieren den Umweg nur, wenn Sie mindestens 20 Minuten schneller ankommen. Pro Fahrt wohlgemerkt!

Doch: diese Bedingung ist kein Kriterium daf√ľr, eine l√§ngere Wegstrecke abzulehnen. Sonst k√∂nnte ja bei einer Fahrzeit von 20 Minuten niemals eine schnellere Route in Betracht kommen. Vielmehr muss eine zeitliche Ersparnis im Verh√§ltnis zur Gesamtdauer der Fahrt gesehen werden (BFH-Urteile, Aktenzeichen VI R 19/11 und VI R 46/10).

Die Fahrzeitersparnis sollte mindestens 10¬†Prozent der f√ľr die k√ľrzeste Verbindung ben√∂tigten Fahrzeit betragen.

Verkehrsg√ľnstiger aufgrund weniger Ampeln

Eine Strecke kann – au√üer der Zeitersparnis – auch dann offensichtlich verkehrsg√ľnstiger sein als die k√ľrzeste Verbindung, wenn die l√§ngere Route bessere Stra√üen, weniger Ampeln, weniger Ortsdurchfahrten, weniger Verkehr usw. enth√§lt.

Deshalb kann eine offensichtlich verkehrsg√ľnstigere Stra√üenverbindung auch vorliegen, wenn nur eine relativ geringe oder gar keine Zeitersparnis zu erwarten ist, sich die Strecke jedoch aufgrund anderer Umst√§nde als verkehrsg√ľnstiger erweist als die k√ľrzeste Verbindung.

Ausnahme: Umweg aus gesundheitlichen Gr√ľnden

Fahren Sie eine weitere Strecke einen Umweg aus gesundheitlichen Gr√ľnden muss das Finanzamt auch diese Strecke akzeptieren. Ein Grund kann beispielsweise sein, dass die aufgrund Ihrer H√∂henangst nicht √ľber eine Hochbr√ľcke fahren k√∂nnen. Die Fahrtkosten sind allerdings nicht als au√üergew√∂hnliche Belastungen absetzbar. Selbst wenn der Amtsarzt die Angstzust√§nde attestiert hat.

Eine l√§ngere Fahrtstrecke ist ebenfalls anzuerkennen, wenn die k√ľrzeste Stra√üenverbindung √ľber einen beschr√§nkten Bahn√ľbergang f√ľhrt, an dem die Wartezeit bei geschlossener Schranke schwer vorherzusehen und einzuplanen ist. Die l√§ngere Route ist dann “offensichtlich” verkehrsg√ľnstiger (Urteil des Finanzgerichts Sachsen, Aktenzeichen 6 K 204/12).

Per Umweg zur Steuerersparnis

 

CW025

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2 Kommentare

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  1. 1
    Kati

    Vielen Dank f√ľr den hilfreichen Beitrag. Hierzu habe ich noch eine Frage: Wenn man eine Strecke zur Arbeit f√§hrt, auf der regelm√§√üig gr√∂√üere Unf√§lle passieren, kann man das auch in der Steuererkl√§rung angeben? Und wenn ja, wie bzw. wo? Lohnt es sich √ľber das Jahr die Zeitungsartikel des jeweiligen Unfalls als Nachweis aufzubewahren? Vielen Dank

    • 2
      Anna Maringer

      Hallo Kati,
      danke f√ľr Ihre Frage. Leider d√ľrfen wir aus gesetzlichen Gr√ľnden keine Steuerberatung durchf√ľhren. Daher k√∂nnen wir Ihnen keine Antwort geben. Gerne versuchen wir Ihre Frage aber in einem zuk√ľnftigen Blogartikel zu behandeln.
      Mein Steuer-Tipp: Schauen Sie doch mal in unsere WISO Steuer-Software. Hier finden Sie viele hilfreiche Anmerkungen rund um das Thema Steuererklärung.
      Viele Gr√ľ√üe
      Ihre :buhl-Redaktion

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