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Dachsanierung bei Photovoltaik

Anteilige Erhaltungsaufwendundungen


Da eine Solaranlage mit Einspeisevergütung und Abschreibung auf 20 Jahre angelegt ist, sollte auch das Dach noch mindestens 20 Jahre halten. Doch eine Sanierung oder Neueindeckung ist steuerlich nicht absetzbar.


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Gemischte Ausgaben

Nach Auffassung des Finanzgerichts München sind Kosten zur Dachsanierung anteilig als Erhaltungsaufwendungen absetzbar.

Die Aufteilung solcher gemischten Kosten richtet sich nach der Verwendung des gesamten Gebäudes. Die maßgeblichen Verwendungsverhältnisse des gesamten Gebäudes umfassen nicht nur die innere Nutzfläche, sondern auch das Dach des Gebäudes.

Als Aufteilungsmaßstab kann – genau wie bei der Umsatzsteuer – das Verhältnis der fiktiv erzielbaren Mieten für das Gebäude einerseits (nichtbetrieblich) und für das Dach andererseits (betrieblich) herangezogen werden (Aktenzeichen 15 K 770/12).

Aufteilung nicht möglich

Nun hat der Bundesfinanzhof jedoch entschieden, dass die Ausgaben für die Dachsanierung (z. B. einer Scheune) vor Installation einer Photovoltaikanlage nicht anteilig als Betriebsausgaben beim Gewerbebetrieb ‘Photovoltaik’ absetzbar sind.

Die Dachsanierung sei sowohl betrieblich als auch privat und damit gemischt veranlasst. Die Kosten seien nur zum Teil durch die Solaranlage veranlasst, könnten jedoch mangels geeigneter Aufteilungskriterien nicht aufgeteilt werden (Aktenzeichen X R 32/12).

Begründung der Richter

Die Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach bewirkt nicht, dass das Dach als Gebäudeteil oder gar die Scheune insgesamt dem Betriebsvermögen zugeordnet wird. Vielmehr bleibt die Scheune Privatvermögen.

Es ist auch nicht möglich, die Scheune teilweise dem Betriebsvermögen zuzuordnen, etwa nur das Scheunendach. Das Dach bleibt auch dann, wenn es für betriebliche Zwecke hergerichtet (erneuert) wird, wesentlicher konstruktiver Bestandteil der Scheune insgesamt. Auch behält es seine Funktion, den Scheunenraum zu umschließen und das Innere vor Witterung zu schützen.

Gleichwohl ist die Dachsanierung betrieblich mitveranlasst. Denn die Dachsanierung wurde nur deshalb vorgenommen, um die Photovoltaikanlage installieren zu können. Folglich handelt es sich um gemischte Ausgaben. Solche Kosten können grundsätzlich aufgeteilt werden.

Eine Aufteilung der Sanierungskosten ist hier allerdings nicht möglich, weil die private und betriebliche Veranlassung so vermischt sind, dass objektivierbare Kriterien für eine Aufteilung fehlen. Dann kommt ein Abzug der Kosten insgesamt nicht in Betracht.

Was gilt bei Verstärkung der Dachbalken?

Falls es im Zuge der Installation erforderlich werden sollte, aus statischen Gründen die Dachsparren zu verstärken oder Stützbalken einzuziehen, können diese Kosten als durch den Aufbau der Anlage verursacht angesehen werden.

Das bedeutet: Die Kosten sind als Betriebsausgaben absetzbar, zum anderen kann die Umsatzsteuer auf diese Mehrkosten als Vorsteuer abgezogen werden.

Für die Handwerkerleistungen (Arbeitslohn sowie Mehrwertsteuer) können Sie eine Steuerermäßigung geltend machen: Die Kosten bis 6.000 € werden mit 20 Prozent, höchstens 1.200 €, direkt von der Steuerschuld abgezogen.

Was ist die Bauabzugsteuer?

Unternehmer, die Bauleistungen an Gebäuden ausführen lassen, müssen in bestimmten Fällen vom Rechnungsbetrag (einschl. Umsatzsteuer) 15 Prozent für die Rechnung des Handwerkers einbehalten. Diesen Betrag muss der Handwerker dann an das für ihn zuständige Finanzamt abführen und hierüber eine Steueranmeldung auf amtlichem Formular abgeben. An den Handwerker dürfen folglich nur 85 Prozent des Rechnungsbetrages überwiesen werden.

Betroffen von der Bauabzugsteuer sind Auftraggeber, wenn sie Unternehmer gemäß Umsatzsteuergesetz sind. Und dies trifft auf Betreiber einer Photovoltaikanlage zu: Der Betreiber gilt aufgrund der Netzeinspeisung als Unternehmer und erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb.

Freistellungsbescheinigung verhindert Steuerabzug:

Der Steuerabzug kann vermieden werden, wenn der Handwerker dem Auftraggeber eine Freistellungsbescheinigung seines Finanzamtes vorlegt. Diese Maßnahme soll Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung von Ausländern verhindern oder zumindest erschweren.

Errichtung einer Anlage ist Bauleistung

Nun hat das Finanzgericht Düsseldorf entschieden, dass die Errichtung von Aufdach-Photovoltaikanlagen eine Bauleistung darstellt. Folglich muss der Anlagebetreiber die Bauabzugsteuer vom Rechnungsbetrag einbehalten und an das Finanzamt des Handwerkers abführen (Aktenzeichen 10 K 1513/14 E, Revision I R 67/17).

Begründung der Richter

Nach Auffassung der Richter sind Bauleistungen alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken oder deren bestimmungsgemäßer Nutzung dienen. Nach dem maßgeblichen weiten Begriffsverständnis würden alle Tätigkeiten “am Bau” erfasst. Die Tätigkeiten müssten im Zusammenhang mit einem Bauwerk ausgeführt werden und unmittelbar auf die Substanz des Bauwerks einwirken.

Der Begriff des Bauwerks sei weit auszulegen und umfasse nicht nur Gebäude, sondern auch mit dem Erdboden verbundene oder infolge ihrer Schwere auf ihm ruhende, aus Baustoffen oder -teilen mit baulichem Gerät hergestellte Anlagen. Dies könnten auch Betriebsvorrichtungen sein. Daher gehörten auch Aufdach-Photovoltaikanlagen zu den Bauwerken, sodass das Aufstellen einer Photovoltaikanlage grundsätzlich als bauabzugsteuerpflichtig anzusehen sei.

Achtung

Gegen die Entscheidung des Finanzgerichts ist die Revision beim BFH anhängig (Aktenzeichen I R 67/17). Denn bisher ist die Frage, ob die Montage von (Aufdach-)Photovoltaikanlagen Bauleistungen sind, höchstrichterlich noch nicht geklärt.

Das sind die Regeln zur Bauabzugsteuer

  • Der Betreiber einer Photovoltaikanlage muss vom Rechnungsbetrag des Handwerkers einen Steuerabzug von 15 Prozent des Brutto-Rechnungsbetrages (einschl. USt.) vornehmen.
  • Den Betrag muss er bis zum 10. Tag des Folgemonats an das Finanzamt des Handwerkers abführen und dort eine Steueranmeldung auf amtlichem Formular einreichen.
  • Der Steuerabzug muss nicht vorgenommen werden, wenn der Handwerker dem Auftraggeber eine gültige Freistellungsbescheinigung seines Finanzamtes vorlegt. Diese sollte in Kopie den Rechnungsunterlagen beigefügt und aufbewahrt werden.
  • Außerdem muss der Steuerabzug nicht vorgenommen werden, wenn der Auftragswert der Bauleistungen (einschl. USt.) eine bestimmte Bagatellgrenze nicht übersteigt. Diese Bagatellgrenze beträgt für Unternehmer bzw. Anlagenbetreiber 5.000 Euro und für Vermieter 15.000 Euro im Kalenderjahr.

Beispiel

Andreas lässt auf seinem Dach eine Photovoltaikanlage installieren. Dafür erhält er vom Handwerker eine Rechnung in Höhe von 30.000 Euro zzgl. 5.700 Euro Umsatzsteuer, insgesamt 35.700 Euro.

Andreas führt an das Finanzamt des Handwerkers einen Betrag von 5.355 Euro ab (15 Prozent von 35.700 Euro) und überweist dem Handwerker den Restbetrag von 30.345 Euro (35.700 Euro ./. 5.355 Euro).

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