Studienkosten absetzen

Studienkosten absetzen

Was Sie jetzt tun sollten


Schon lange streiten sich Fiskus und Studenten. Nun ist die heftig diskutierte Frage vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig:

Sind Kosten für das Erststudium oder eine Erstausbildung außerhalb eines Ausbildungsverhältnisses tatsächlich – wie es der Gesetzgeber will – nur begrenzt bis 6.000 Euro als Sonderausgaben absetzbar? Oder können sie – wie es der Bundesfinanzhof präferiert – in vollem Umfang als Werbungskosten berücksichtigt werden (Verfassungsbeschwerden, Aktenzeichen 2 BvL 22/14, 2 BvL 23/14 u.a.)? Manch ehemaliger Student erfährt erst jetzt von dieser Chance auf mögliche Absetzbarkeit seiner damaligen Studienkosten oder Kosten für eine teure Pilotenausbildung. Was Sie jetzt tun können:

Noch keine Erklärung abgegeben?

Falls Sie für die Studienjahre bisher keine Steuererklärung abgegeben haben, können Sie dies nun nachholen und darin die Studienkosten als Werbungskosten geltend machen. Allerdings ist die Abgabe einer Steuererklärung nur möglich, solange die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen ist. Diese beträgt im Allgemeinen vier Jahre. Also können Sie im Jahre 2015 eine Steuererklärung noch bis ins Jahr 2011 erstellen.

Es gibt es aber auch die Möglichkeit, eine Verlustfeststellung zu beantragen. Die Finanzämter meinen, dass auch für die Verlustfeststellung eine Verjährungsfrist von nur vier Jahren gilt.

Sieben Jahre Zeit für Verlustfeststellung

Nun hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass für die Verlustfeststellung eine Verjährungsfrist von sieben Jahren gilt – vorausgesetzt ein Einkommensteuerbescheid ist für das Verlustentstehungsjahr nicht ergangen und kann nicht mehr erlassen werden.

Auch wenn im Fall der Antragsveranlagung eine Steuererklärung nur bis zu vier Jahre rückwirkend möglich ist, so kann doch ein Antrag auf nachträgliche Verlustfeststellung bis zu sieben Jahre rückwirkend gestellt werden.

Die Frist von sieben Jahren ergibt sich aus der Festsetzungsfrist von vier Jahren, die spätestens erst nach dem dritten Jahr nach dem betreffenden Steuerjahr beginnt. Der Beginn nach dem dritten Jahr (sog. Anlaufhemmung) greift hier, weil für die Verlustfeststellung eine allgemeine Erklärungspflicht besteht. Also ist dies im Jahre 2015 noch rückwirkend bis ins Jahr 2008 möglich – drei Jahre länger als bei der Steuererklärung (Aktenzeichen IX R 22/14).

Jonas hat 2009 nach seinem Abitur eine Ausbildung zum Piloten absolviert. Kosten dafür:  70.000 Euro. Eine Steuererklärung hatte er damals nicht abgegeben. Im Jahre 2015 erfährt er von der Möglichkeit, dass die Kosten möglicherweise in voller Höhe Werbungskosten sein können.

Eine Einkommensteuererklärung zur Geltendmachung der Ausbildungskosten kann er jetzt nicht mehr abgeben, weil die Festsetzungsverjährungsfrist von vier Jahren abgelaufen ist.

Doch nicht alles ist verloren: Er kann noch einen Antrag auf Verlustfeststellung stellen. Denn er hat zum einen für das Jahr 2009 keinen Steuerbescheid erhalten und zum anderen ist die Verjährungsfrist für die Verlustfeststellung von sieben Jahren noch nicht eingetreten.

Profitieren Sie vom aktuellen Urteil

Praktische Bedeutung hat dieses Urteil vor allem für Bürger, die vor Jahren eine Ausbildung – beispielsweise ein Studium – absolviert haben. So ist es nun möglich, über den Antrag auf Verlustfeststellung und einen Einspruch gegen die Ablehnung des Finanzamtes von einer günstigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zu den Studienkosten bzw. den Kosten der Erstausbildung zu profitieren.

Die Ausbildung fand statt im JahreFestsetzungsverjährung für die Steuererklärung (4 Jahre!)Festsetzungsverjährung für die Verlustfeststellung (7 Jahre!)
200831.12.201231.12.2015
200931.12.201331.12.2016
201031.12.201431.12.2017
201131.12.201531.12.2018

Was Sie jetzt tun sollten

Für den Antrag auf Verlustfeststellung verwenden Sie den Mantelbogen und die Anlage N. Im Mantelbogen kreuzen Sie „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an. Listen Sie in der Anlage N Ihre damaligen Studienkosten als Werbungskosten auf – ganz egal, ob Sie damals Einnahmen hatten oder nicht.

Das Finanzamt stellt dann die negativen Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit fest. Dies dokumentiert es durch den Verlustvortrag in einem „Verlustfeststellungsbescheid“ zwecks Verrechnung in den Folgejahren. Dieser negative Betrag wird im Wege des Verlustabzugs jeweils ins nächste Jahr vorgetragen.

Darauf machen Sie das Finanzamt jeweils im Folgejahr aufmerksam – und zwar im Mantelbogen auf Seite 4 (Zeile 92). Auf diese Weise retten Sie Ihren Verlust hinüber ins erste Berufsjahr – und bekommen dann eine schöne Steuererstattung.

5 Comments

eigener Kommentar
  1. 3
    Angelika

    Was kann ich tun, wenn ich bereits Einkommensteuerbescheide erhalten habe, aber keine Verlustfeststellung für die letzten Jahre eingetragen habe? Kann ich noch was retten.

  2. 5
    Wilfried Schmoll

    Bei welchem Finanzamt muss die Verlustfeststellung beantragt werden. Beim Studium war meine Tochter in einem anderen Bundesland und eine Steuererklärung wurde dort erstellt. Die Verjährungsfrist der Steuererklärung ist noch nicht abgelaufen.

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