Wie gewonnen, so zerronnen

Glück im Spiel, Pech bei der Steuer


Wer Glück im Spiel hat, muss damit rechnen, dass auch der Fiskus daran teilhaben will. Ist das Geld bereits ausgegeben, türmt sich schnell ein hoher steuerlicher Schuldenberg auf. Glücklicherweise sind aber nicht alle Gewinne steuerpflichtig.

Das Schicksal des “Big Brother”-Gewinners

Eine Million Euro sollten eigentlich für eine finanziell sorgenfreie Zukunft ausreichen. Für den Gewinner des Fernsehformats „Big Brother“ aus dem Jahre 2005 kam jedoch alles anders: Nachdem der ehemalige Containerbewohner Sascha Sirtl von seinem Millionengewinn bereits mehrere Hunderttausend Euro ausgegeben hatte, meldete sich zu seiner Überraschung das Finanzamt, das den Gewinn als steuerpflichtige Einnahme ansah.

Gegen die daraus resultierende sechsstellige Steuerforderung zog der ehemalige TV-Millionär bis vor den Bundesfinanzhof – jedoch ohne Erfolg. Die obersten deutschen Steuerrichter urteilten im Jahr 2012, dass der Geldgewinn zu den steuerpflichtigen „sonstigen Einkünften“ gehört (Aktenzeichen IX R 6/10). Ob in der TV-Sendung eine gute, schlechte oder gar keine schauspielerische Leistung erbracht wurde, war für die Richter unerheblich. Entscheidend war, dass das ausgezahlte Preisgeld steuerlich als Gegenleistung für das Verhalten im TV-Container zu werten war.

Auf den Richterspruch folgte der finanzielle Ruin des Gewinners, denn durch eine Verzinsung von sechs Prozent pro Jahr summierten sich seine Steuerschulden nach dem langjährigen Prozess auf mehr als 700.000 Euro. Geld, das Sirtl schon lange nicht mehr hatte.

Glück oder Geschick?

Am Beispiel des glücklosen TV-Gewinners können Steuerpflichtige lernen, dass sie im Falle eines Gewinns zuallererst die Besteuerungsfrage rechtssicher klären lassen sollten. Erst wenn feststeht, wie viel Steuern dem Fiskus zustehen, kann der restliche Gewinn nach Gutdünken verwendet werden. Dabei unterscheidet das deutsche Steuerrecht zwischen reinem Glücksspiel, für das keine Steuer anfällt, und Geschicklichkeitsspiel, das einem Steuerzugriff unterliegt.

Gewinne aus Lotterien und Sportwetten können steuerfrei bezogen werden, weil sie auf purem Glück basieren und daher keiner Einkunftsart des Einkommensteuergesetzes zugeordnet werden können. Auch auf Gewinne aus Quizshows wie „Wer wird Millionär?“ hat der Fiskus keinen Zugriff.

Private und berufliche Preisgelder trennen

Versteuert werden müssen hingegen Preisgelder, die in einem untrennbaren wirtschaftlichen Zusammenhang mit einer Einkunftsart des Einkommensteuergesetzes stehen – beispielsweise mit Einkünften aus einer freiberuflichen Tätigkeit. Zu diesen Geldern zählen unter anderem Gewinne aus Ideenwettbewerben von Architekten, weil die Preisverleihung hier den Charakter eines leistungsbezogenen Entgelts hat.

Auch Preisgelder in Zusammenhang mit werbewirksamen Auszeichnungen, die im Rahmen von betriebs- oder berufsbezogenen Ausstellungen stattfinden, oder Geldpreise mit Zuschuss-Charakter – wie beispielsweise zweckgebundene Filmpreise – sind steuerpflichtig. Buchautoren, Journalisten, Sänger oder Schauspieler, die für ein bestimmtes Werk ausgezeichnet werden, müssen den dabei überreichten Scheck mit dem Fiskus teilen.

Steuerfrei können dagegen Preisgelder vereinnahmt werden die für das Lebenswerk, das Gesamtschaffen, die Persönlichkeit, die persönliche Grundhaltung oder die Vorbildfunktion des Preisträgers gezahlt werden, da sich hier die Einnahme nicht einem bestimmten Jahr zuordnen lässt.

Steuer auf Pokergewinn

Dass Gewinne eines Turnierpokerspielers steuerpflichtige Einkünfte aus Gewerbebetrieb sein können, hat der Bundesfinanzhof kürzlich höchstrichterlich entschieden (Aktenzeichen X R 43/12). Der Kläger hatte in seiner Freizeit an zahlreichen internationalen Pokerturnieren teilgenommen und dabei innerhalb weniger Jahre rund 600.000 Euro gewonnen. Nachdem das Finanzamt im Internet auf seine spielerischen Erfolge aufmerksam geworden war, hatte es die Pokergewinne als Einkünfte aus Gewerbebetrieb besteuert.

Das Finanzgericht Köln folgte dieser Entscheidung zunächst in der ersten Instanz. Die Finanzrichter sahen die Merkmale eines Gewerbebetriebs als erfüllt an, weil der Pilot das Pokerspiel selbstständig und nachhaltig betrieben hatte und zudem eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgte. Auch hatte er mit seinen Aktivitäten nach Gerichtsmeinung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilgenommen. Er habe seine spielerischen Fähigkeiten gegenüber den Turnierveranstaltern als Dienstleistung angeboten, wofür ihm Preisgelder in Aussicht gestellt worden seien.

Da der Kläger fraglos über besondere Fähigkeiten im Pokerspiel verfügte, war der Spielerfolg nach Meinung der Richter eindeutig mehr vom Geschick als vom Glück abhängig. Somit habe es sich letztlich nicht um ein steuerlich irrelevantes Glücksspiel gehandelt. Bis zur abschließenden Entscheidung des Bundesfinanzhofs in dieser Sache hatten viele Pokerspieler, die ihre Gewinne versteuern sollen, Einspruch gegen ihre Steuerbescheide eingelegt und auf das anhängige Gerichtsverfahren verwiesen. Jetzt steht fest, dass sie ab sofort gegenüber den Fiskus schlechte Karten haben.

Folgeerträge sind steuerpflichtig

Unabhängig von der Frage, ob ein erzielter Gewinn selbst steuerfrei oder steuerpflichtig ist, lösen die mit dem Gewinn erzielten Folgeerträge stets steuerliche Folgen aus. Wird der Gewinn beispielsweise auf einem Festgeldkonto angelegt, muss der Glückspilz wie jeder andere Sparer auch eine 25-prozentige Abgeltungsteuer auf die Zinserträge zahlen.

Wer seinen Geldgewinn in ein privates Vermietungsobjekt investiert, muss seine anschließend damit erzielten Erträge als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung versteuern. Steuerliche Folgen ergeben sich meist auch, wenn der Gewinner einen Teil seines Gewinns verschenkt. Dann fällt eventuell Schenkungssteuer an.

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