Wenn der Chef das Fitnessstudio zahlt: 44 Euro-Freigrenze auch bei Jahresvertrag
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Fitnessstudio von der Steuer absetzen

Wann ist der Zuschuss vom Chef steuerfrei?


Immer mehr Arbeitgeber beteiligen sich an der Gesundheit ihrer Angestellten. Oft in Form von Fitnessstudio-Verträgen, die sie bezuschussen oder sogar komplett übernehmen. Doch was sagt eigentlich das Finanzamt dazu? Muss der Zuschuss vom Arbeitnehmer versteuert werden? Und kann man die Kosten für das Fitnesstudio in der Steuererklärung eintragen? Erfahren Sie mehr dazu in diesem Beitrag.

Kurz & knapp

  • Mitgliedschaften in Fitnessstudios zählen nicht zur betrieblichen Gesundheitsförderung
  • Unter bestimmten Voraussetzungen können ZuschĂĽsse als Sachbezug steuerfrei bleiben
  • Barleistung oder Erstattungen von GebĂĽhren sind immer steuerpflichtig

Fitnessstudio ArbeitgeberzuschĂĽsse steuerfrei

Was ist eine betriebliche Gesundheitsförderung?

Es ist wohl kein Geheimnis, dass ausgeglichene und gesunde Arbeitnehmer leistungsfähiger und motivierter am Arbeitsplatz sind. Dafür kann auch der Arbeitgeber aktiv etwas tun. Beispielsweise, indem er bestimmte Kurse oder Maßnahmen für sie bezahlt. Zahlt er das zusätzlich zum Arbeitslohn, können die Zuschüsse bis zu 600 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuerfrei bleiben. Zu den geförderten Maßnahmen gehören etwa:

  • Bewegungs- oder Ernährungsprogramme
  • Kurse zur Stressbewältigung und Entspannung
  • FĂĽhrungskräftetraining zur Konfliktbewältigung,
  • Seminare zur Sucht-Einschränkung (etwa zum Thema Rauchen und Alkohol am Arbeitsplatz)

Doch nicht immer lässt das Finanzamt die Steuerfreiheit zu. Zuschüsse zu Mitgliedschaften im Fitnessstudio oder im Sportverein werden leider nicht gefördert. Hier gilt die Freigrenze von 600 Euro also nicht. Es gibt jedoch trotzdem eine Möglichkeit, den Zuschuss zum Fitnessstudio steuerfrei zu erhalten: den Sachbezug.

Suche Icon betriebliche GesundheitsförderungWie die betriebliche Gesundheitsförderung genau funktioniert und welche Maßnahmen gefördert werden, erfahren Sie bei Ihrer Krankenkasse oder im Schreiben des BMF vom April 2021.

Sachbezug – was ist das?

Sind Sie bei Ihrem Arbeitgeber angestellt und erhalten dafür bestimmte Waren oder Dienstleistungen? Dann handelt es sich um einen Sachbezug. Und unter bestimmten Voraussetzungen kann das steuerfrei bleiben – und zwar bis zu einer Freigrenze von 44 Euro pro Monat (ab 01.01.2022 steigt die Grenze auf 50 Euro pro Monat an).

Blitz Icon Steuer ArbeitgeberzuschussWichtig ist dabei vor allem, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht einfach Geld in die Hand drĂĽckt. Denn fĂĽr Barleistungen und Erstattungen von Kaufpreisen gilt die Steuerfreiheit nicht. In diesem Fall mĂĽssen Sie die Leistungen wie normalen Arbeitslohn versteuern.

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Was gilt fĂĽr das Fitnessstudio?

Haben Sie ĂĽber Ihren Arbeitgeber eine Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio erhalten, ist auch das ein Sachbezug. Doch wann genau bleibt das steuerfrei?

Gutscheine fĂĽr das Fitnessstudio

Ihr Arbeitgeber schenkt Ihnen Gutscheine für den Besuch in einem Fitnessstudio? Sobald es sich um einen zweckgebundenen Gutschein handelt – Sie ihn also wirklich nur für das Fitnessstudio nutzen können – profitieren Sie vom Steuervorteil. Bis zu 44 Euro pro Monat bleiben also steuerfrei.

Beispiel

Stefan erhält von seinem Arbeitgeber einmal pro Quartal einen Gutschein für Fitnessstudio-Besuche im Wert von 40 Euro. Da er damit unter der Freigrenze von 44 Euro pro Monat liegt, muss er den Wert des Gutscheins nicht versteuern.

Erstattung von Fitnessstudio-Beiträgen

Sie haben eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio abgeschlossen und Ihr Arbeitgeber erstattet Ihnen die Beiträge? In diesem Fall zählt das leider wie Barlohn – Sie müssen die Erstattungen leider in voller Höhe wie Arbeitslohn versteuern. Neben Lohnsteuer fallen dann auch Sozialversicherungsbeiträge und eventuell Kirchensteuer an.

Geld fĂĽr den Besuch im Fitnessstudio

Überweist Ihr Arbeitgeber Ihnen monatlich einen bestimmten Betrag für den Fitnessstudio-Besuch? Selbst wenn diese Überweisung an einen konkreten Zweck gebunden ist, stellt das ganz normalen Arbeitslohn dar. Von der Freigrenze können Sie also nicht profitieren.

Beispiel

Stefanie erhält jeden Monat von ihrem Arbeitgeber 40 Euro. Das Geld darf sie nur für den Besuch im Fitnessstudio verwenden. Der Betrag liegt zwar unter der Freigrenze von 44 Euro pro Monat. Da es ihr aber bar ausgezahlt wird, muss sie trotzdem den vollen Betrag versteuern.

Ăśberlassung einer Mitgliedschaft im Fitnessstudio

Erhalten Sie über Ihren Arbeitgeber eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio? Dann ist das Firmenfitness-Programm für Sie steuerfrei – wenn die Leistung maximal 44 Euro pro Monat beträgt. Doch was gilt für Verträge mit Laufzeiten von mehr als 1 Monat?
Hier hat der BFH entschieden: In diesem Fall stellt das einen fortlaufenden Arbeitslohen dar. Ihr Arbeitgeber überlässt Ihnen die Mitgliedschaft also Monat für Monat – so lange, wie Sie dort angestellt sind. Bleiben Sie als unter der Grenze von 44 Euro im Monat, müssen Sie keine Steuern zahlen.

Beispiel

Stefans Arbeitgeber schließt ein Firmenfitness-Programm mit dem örtlichen Fitnessstudio ab. Dafür erhält er 30 Lizenzen, von der auch Stefan eine bekommt. Pro Lizenz zahlt Stefans Arbeitgeber 55 Euro – für Stefan fällt ein Eigenanteil von 15 Euro pro Monat an. Damit bleibt Stefan insgesamt unter der Freigrenze von 44 Euro und muss auch keine Steuern zahlen.

Was gilt für Fitnessräume beim Arbeitgeber?

Ihr Arbeitgeber hat auf seinem Firmengelände einen Fitnessraum für seine Angestellten eingerichtet? Dann dürfen Sie es ruhigen Gewissens nutzen. Denn: Hier überwiegt das eigenbetriebliche Interesse Ihres Arbeitgebers. Für Sie bleibt die Nutzung also steuerfrei.

Kann ich das Fitnessstudio von der Steuer absetzen?

Sie zahlen das Fitnessstudio aus eigener Tasche? Mit diesen Kosten können Sie Steuern sparen – doch die Hürde ist groß. Denn: Das Finanzamt stellt dafür strenge Anforderungen:

  1. Sie besuchen das Fitnessstudio aufgrund einer bestimmten Erkrankung. Achtung: Das muss Ihnen ein Amtsarzt bestätigen. Besonders wichtig ist dabei, dass das amtsärztliche Attest noch vor Beginn Ihrer Mitgliedschaft ausgestellt wurde.
  2. Ihr Kurs im Fitnessstudio wird von einer Person geleitet, die zur Ausübung der Heilkunde zugelassen ist. Dazu gehören beispielsweise Ärzte oder Heilpraktiker etc.

Können Sie diese Voraussetzungen erfüllen? Dann können Sie die Kosten für das Fitnessstudio als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Hier kommt aber noch eine weitere Hürde ins Spiel: Die Kosten wirken sich nur dann aus, wenn Sie Ihre zumutbare Eigenbelastung übersteigen. Sie müssen also eine bestimmte Höhe betragen. Welche das ist, hängt davon ab, wie viel Sie verdienen und ob Sie verheiratet sind oder Kinder haben.

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