Wenn der Chef das Fitnessstudio zahlt

Wenn der Chef das Fitnessstudio zahlt

44 Euro-Freigrenze auch bei Jahresvertrag


Wie praktisch: Arbeiten und danach noch fit bleiben – dank einer Firmenmitgliedschaft beim Fitnessstudio. Dies gilt auch beim Jahresvertrag. Unter einer Bedingung.

Jahresvertrag beim Fitnessstudio

Erhält ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber einen Sachbezug, bleibt dieser bei einem Wert bis zu 44 Euro im Monat steuerfrei. Einem Arbeitnehmer fließt der geldwerte Vorteil aus der vergünstigten Nutzung eines Fitnessstudios auch dann monatlich zu, wenn der Arbeitgeber einen Jahresvertrag abgeschlossen hat. Dies entschied nun das Niedersächsische Finanzgericht. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass der Anspruch zur Nutzung des Studios monatlich entzogen werden kann (Aktenzeichen 14 K 204/16).

Der entschiedene Fall

Ein Arbeitgeber schloss mit einem Anbieter von mehreren Fitnessstudios einen Rahmenvertrag. Die Beschäftigten hatten die Möglichkeit, die Einrichtungen des Studiobetreibers zu nutzen. Die Laufzeit des Vertrages betrug zunächst 12 Monate.

Die vom Arbeitgeber zu leistende Zahlung betrug auf der Basis von 100 Mitarbeitern monatlich insgesamt 1.000 Euro, also 10 Euro je Mitarbeiter. Die Teilnehmer erhielten gegen Zahlung einer kleinen Gebühr einen Mitgliedsausweis, der zum Ende der Trainingsberechtigung zurückzugeben war.

Finanzamt will Jahreswert versteuern

Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass die monatliche Freigrenze von 44 Euro überschritten sei. Denn der geldwerte Vorteil fließe dem Arbeitnehmer im Zeitpunkt der Überlassung für das gesamte Jahr zu. Das wären also 120 Euro.

Ein monatlicher Zufluss des geldwerten Vorteils liege nur dann vor, wenn die Dauer von vornherein auf einen Monat beschränkt gewesen wäre. Dieses sei nicht der Fall gewesen. Folglich sei bei den Arbeitnehmern nicht der Monatswert, sondern der Jahreswert als Arbeitslohn nachzuversteuern.

Finanzgericht sieht Steuervorteil gegeben

Das Niedersächsische Finanzgericht war jedoch anderer Meinung: den Beschäftigten fließe mit Aushändigung der Teilnahmebestätigung nicht der geldwerte Vorteil für den Zeitraum eines Jahres, sondern vielmehr während der Dauer ihrer Teilnahme fortlaufend monatlich zu.

Die Teilnehmer hätten allein durch den Erhalt der Trainingsberechtigung keinen unmittelbaren Anspruch gegen das Fitnessstudio oder gegen den Arbeitgeber zur Nutzung der Einrichtungen für die Dauer eines Jahres erworben.

Was Sie beachten sollten

Gegen das Urteil ist Revision zugelassen worden. Daher besteht noch eine gewisse Unsicherheit (Aktenzeichen VI R 14/18). Halten Sie und Ihr Arbeitgeber daher schriftlich fest, dass die Möglichkeit zur Nutzung des Fitnessstudios monatlich gekündigt werden kann (Kurzinfo LSt 7/2014).

Nicht zu knapp kalkulieren

Unabhängig davon sollten Sie stets beachten, dass die 44 Euro-Grenze nur insgesamt für alle Steuervorteile gilt. Es sind tatsächlich Fälle bekannt, in denen ein Arbeitgeber die 44 Euro-Grenze bis zum letzten Cent ausgeschöpft hat. Da dann aber Mitarbeiter die Möglichkeit hatten, die im Büro ausliegende Tageszeitung zu lesen, bewertete dies das Finanzamt diesen Vorteil mit 5 Cent.

Folge: Die 44 Euro-Grenze wurde überschritten. Die Angestellten mussten den geldwerten Vorteil versteuern. Daher sollten Sie darauf achten, dass stets einen gewisser Puffer für Betriebsprüfungen verbleibt.

Weitere Steuervorteile für Gesundheitsleistungen

Neben der Ausnutzung der 44 Euro-Grenze besteht im Zusammenhang mit Gesundheitsleistungen eine weitere Steuervergünstigung. Leistungen des Arbeitgebers zur Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und der betrieblichen Gesundheitsförderung sind steuerfrei, soweit sie 500 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen. Die Leistungen müssen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden.

Unter die Steuerbefreiung fallen insbesondere die Leistungen, die im Leitfaden Prävention der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen aufgeführt sind. Grundsätzlich können auch Leistungen begünstigt sein, die durch Fitnessstudios angeboten werden. Aber auch diese müssen den fachlichen Anforderungen des Leitfadens Prävention gerecht werden. Die reine Übernahme oder Bezuschussung von Mitgliedsbeiträgen an ein Fitnessstudio oder einen Sportverein fällt nicht darunter.

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