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Umsatzsteuer-Voranmeldung fĂĽr Kleinunternehmer

Das sollten Sie wissen


Als Kleinunternehmer hat man eine bĂĽrokratische Sorge weniger? Das ist nicht immer der Fall. Denn auch dann kann das Finanzamt Sie dazu auffordern, eine Umsatzsteuer-Voranmeldung abzugeben. Wann auch Sie mit Post vom Finanzamt rechnen mĂĽssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Kurz & knapp

  • FĂĽr Kleinunternehmer gelten Umsatzhöchstgrenzen
  • Bei Auslandsgeschäften kann das Finanzamt eine Umsatzsteuer-Voranmeldung fordern
  • Nicht trödeln: Verspätete Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldung kann teuer werden

Ab wann bin ich Kleinunternehmer?

Um als Kleinunternehmer zu gelten, müssen Sie 2 Voraussetzungen erfüllen. Dafür reicht der Blick auf Ihre jährlichen Umsätze. Als Kleinunternehmer gelten Sie also, wenn Ihr Brutto-Umsatz:

  • im vergangenen Kalenderjahr unter 22.000 Euro (bis 31.12.2019: 17.500 Euro) lag
  •  und  im laufenden Kalenderjahr maximal 50.000 Euro beträgt .

Die gesetzliche Basis dafür, wer als Kleinunternehmer gilt, bildet § 19 des Umsatzsteuergesetzes (UStG).

Achtung Steuer Hinweis Icon Kleinunternehmer

Umsatzgrenze aufs gesamte Jahr beziehen

Die Umsatzgrenze von 22.000 Euro bezieht sich immer auf ein ganzes Kalenderjahr. Das bedeutet, machen Sie sich während des Jahres selbstständig, mĂĽssen Sie den voraussichtlichen Umsatz  auf 12 Monate hochrechnen.  Ăśberschreiten Sie im Jahr der GrĂĽndung die Umsatzgrenze, verlieren Sie den Kleinunternehmerstatus fĂĽrs folgende Jahr. Sie unterliegen dann der Regelbesteuerung.

Corona Information Icon

Haben Sie coronabedingte Hilfen und Zuschüsse erhalten, gehören diese auch zu den Brutto-Umsätzen.

Muss ich als Kleinunternehmer die Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben?

In der Regel müssen Sie als Kleinunternehmer keine Umsatzsteuer-Voranmeldung (UStVA) abgeben. Denn als solcher sind Sie von der Umsatzsteuer grundsätzlich befreit und dürfen diese auch nicht auf Ihren Rechnungen ausweisen. Im Gegenzug haben Sie aber kein Recht auf Vorsteuerabzug.

 Was passiert, wenn ich die Umsatzsteuer als Kleinunternehmer ausweise? 

Haben Sie unberechtigterweise die Umsatzsteuer in Ihren Rechnungen ausgewiesen, schulden Sie dem Staat die Steuer und müssen sie auch ans Finanzamt abführen. Hier heißt es: Tief durchatmen, denn es sind mehrere Schritte notwendig. Sie müssen die Korrektur schriftlich beim Finanzamt beantragen und den Empfänger der Rechnung über Ihren Fehler informieren. Dann gibt es 2 Möglichkeiten:

  • Das Finanzamt hat dem Rechnungsempfänger noch keine Vorsteuer erstattet: Sie erhalten den Betrag, den Sie an das Finanzamt abgefĂĽhrt haben, zurĂĽck.
  • Der Rechnungsempfänger hat den Vorsteuerabzug schon geltend gemacht: Den abgefĂĽhrten Steuerbetrag erhalten Sie erst zurĂĽck, Rechnungsempfänger die Vorsteuer korrigiert und den Betrag zurĂĽckgezahlt hat.

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 Weitere Ausnahmen von der Abgabe-Pflicht: 
  • Alle gewerblichen Unternehmen und Freelancer sind umsatzsteuerpflichtig und mĂĽssen unterjährig Voranmeldungen abgeben. Allerdings gilt eine Ausnahme bei besonderen Umsatzgrenzen: Hat die Vorjahressteuer weniger als 1.000 Euro betragen, kann Sie das Finanzamt von der Abgabe-Pflicht der UStVA befreien. Lag diese unter 7.500 Euro, ist die vierteljährliche Voranmeldung fällig; lag sie ĂĽber 7.500 Euro mĂĽssen Sie die Voranmeldung monatlich abgeben.
  • Bestimmte Berufsgruppen wie Ă„rzte, Physiotherapeuten oder Heilpraktiker sind auch von der Umsatzsteuer ausgenommen und mĂĽssen keine UStVA beim Finanzamt einreichen.
 Ab 2021 gilt eine neue Regelung fĂĽr GrĂĽnder: Â Bisher mussten NeugrĂĽnder im Jahr der GrĂĽndung sowie im Folgejahr die Umsatzsteuer-Voranmeldungen monatlich abgeben. Diese Verpflichtung entfällt ab dem 01.01.2021 bis zum 31.12.2026. Der Voranmeldungszeitraum richtet sich also auch in den ersten GrĂĽndungsjahren nach der Vorjahressteuer.

Info Icon Umsatzsteuer ist ein Muss

Umsatzsteuererklärung ist ein Muss

Auch wenn Sie keine UStVA abgeben müssen, eine jährliche Umsatzsteuererklärung ist auch für Kleinunternehmer Pflicht. Diese ist aber nur einmal im Jahr fällig – bis zum 31. Mai des Folgejahres. Weitere Details lesen Sie in unserem Beitrag zur Umsatzsteuererklärung.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung im Video erklärt

Umsatzsteuer-Voranmeldung trotz Befreiung?

Keine Regel ohne Ausnahmen – das gilt auch für das Kleinunternehmertum. In bestimmten Fällen können seit 2019 neben Unternehmern mit geringen Umsätzen auch Kleinunternehmer vom Finanzamt aufgefordert werden, unterjährig Voranmeldungen abzugeben. Grund dafür ist eine Änderung im Umsatzsteuer-Anwendungserlass.

Betroffen ist vor allem, wer eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (USt-IdNr.) erteilt bekam. Dazu gehören zum Beispiel eBay-Verkäufer, die Waren aus dem Ausland beziehen. Aber auch diejenigen, die digitale Leistungen – etwa Werbung – im Ausland ansässiger Konzerne in Anspruch nehmen.

Hintergrund: Ă„nderung des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses

Im Dezember 2018 wurde der Umsatzsteuer-Anwendungserlass aktualisiert, genauer der Abschnitt 18.2 Abs. 2 UStAE. Dieser erlaubt der Finanzverwaltung eigentlich, Unternehmer von der Abgabe unterjähriger UStVA zu befreien, wenn sie nicht mehr als 1.000 Euro Umsatzsteuer pro Jahr zahlen müssen. Allerdings besagt Satz 3 der Vorschrift, dass die Finanzämter in bestimmten Ausnahmefällen doch Voranmeldungen verlangen sollen. Und diese Fälle sind drastisch ausgedehnt worden, genauer um die Sachverhalte, die in § 18 Abs. 4a UStG genannt sind und eine USt-IdNr. bedingen.

Nach dem aktualisierten Umsatzsteuer-Anwendungserlass sind damit zur Abgabe einer Umsatzsteuer-Voranmeldung verpflichtet:

  • Kleinunternehmer, die die Umsatzsteuer fĂĽr WarenbezĂĽge aus EU-​Mitgliedstaaten ins Inland entrichten mĂĽssen (innergemeinschaftliche Erwerbe, § 1 Abs. 1 Nr. 5 UStG),
  • Kleinunternehmer, die als Leistungsempfänger (= Kunde) die Umsatzsteuer entrichten mĂĽssen (Reverse-Charge-Verfahren, § 13b Abs. 5 UStG),
  • Kleinunternehmer, die die Umsatzsteuer als letzter Abnehmer eines innergemeinschaftlichen Dreiecksgeschäfts schulden (§ 25b Abs. 2 UStG) sowie
  • Fahrzeuglieferer (§ 2a UstG).

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Wann muss ich die Voranmeldung abgeben?

Es gilt die 10-Tage-Regelung: Die Voranmeldung muss bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraums (Monat, Vierteljahr) beim Finanzamt eingehen. Gleichzeitig ist die Vorauszahlung der Umsatzsteuer fällig.

Außerdem haben Sie die Möglichkeit, eine Dauerfristverlängerung einzurichten. Auf diese Weise können Sie die Frist für die Abgabe der UStVA und die Entrichtung der Vorauszahlung um 1 Monat verlängern. Den Antrag dazu stellen Sie beim zuständigen Finanzamt. Bei Pflicht zur monatlichen Voranmeldung wird eine Sondervorauszahlung fällig. Mehr zum Thema lesen Sie hier: Dauerfristverlängerung

Was passiert, wenn ich die Umsatzsteuer-Voranmeldung zu spät abgebe?

Je nachdem wie häufig Sie die Voranmeldung abgeben müssen, kann der bürokratische Aufwand hoch sein. Dass der Enthusiasmus mit jeder weiteren Voranmeldung schwindet ist daher verständlich. Doch Sie sollten diese unliebsame Aufgabe nicht auf die lange Bank schieben: Bei verspäteter Abgabe drohen Verspätungs- und Säumniszuschläge.

Wie muss ich die Umsatzsteuer-Voranmeldung abgeben?

Grundsätzlich sind Unternehmer verpflichtet, die Umsatzsteuer-Voranmeldung und die Umsatzsteuer-Jahreserklärung  elektronisch  an das Finanzamt zu senden.

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4 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Hans Häberle

    Es lohnt sich nicht über solche Dinge wie die zuschreiben , wäre reine zeit Verschwendung, wie die
    Steuervoranmeldung ausfĂĽllen, man muss sich immer wieder Wundern ĂĽber solchen Unfug!!

  2. 2
    JĂĽrgen S.

    Nur mal zur Info an alle verwirrten hier: Diese Ă„nderung verändert genau 0 an der Steuerlast. Es ist “nur” eine (nervige) bĂĽrokratische Angelegenheit. Die Steuern mussten auch bisher gezahlt werden. Mit der Ă„nderung mĂĽssen nur zeitnäher schon während des Steuerjahres Voranmeldungen ausgefĂĽllt und ĂĽberwiesen werden, statt nur einmal alles am Jahresende zu machen.

  3. 3
    Hans-Georg Leffin

    Bei allen Kleinunternehmern halte ich diese Pflicht zur Abgabe von U-Steuer-Voranmeldungen in vierteljährlicher Form fĂĽr die in Deutschland typische, höchstmögliche “Erbsenzählerei” der ins Gigantische ausufernde BĂĽrokaten-Gaul-Gewieherei! – Der zu erwartende Ertrag ( fĂĽr den Fiskus ) steht in keinerlei nennenswertem Umfang zu diesem “Arbeitsbeschaffungsprogramm nach Muster der DDR”, obwohl angeblich zuwenig Personal vorhanden wäre. WER ist fĂĽr diesen Unsinn verantwortlich und haftbar zu machen und wir können wir – als Wähler und Steuerzahlen – diese verantwortungslosen Initiatoren gebĂĽhrend bestrafen?? HGLvom19052019um1407h .-…

  4. 4
    Wyatt

    Die Finanzämter sollten in diesem Zusammenhang einmal prüfen welches Treiben über EBay und Lieferanten aus China abläuft. Es kann jeder nachvollziehen, dass hier in den Preisen keine Mehrwertsteuer 19% drin ist und dann kommt auch nicht die Ware aus China sondern wird in Deutschland aufgegeben. Das ist bekannt aber scheinbar interessiert das niemanden weil man Angst vor China hat. China kann sich scheinbar alles erlauben, alles kopieren, jedes Patent unterlaufen von kleinen Herstellern und Erfindern. Da erfährt man von der Politik keine Unterstützung

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