Kurse zur Persönlichkeitsbildung

Als Werbungskosten absetzbar?


Viele Kurse und Lehrgänge, die aus beruflichem Grund absolviert werden, vermitteln Kenntnisse und Fertigkeiten, die auch für die eigene Persönlichkeitsbildung nützlich sind. Besonders gilt dies für psychologisch orientierte Kurse. Genau deshalb wollen die Finanzämter solche Ausgaben häufig steuerlich nicht anerkennen. In vielen Fällen aber können Sie Ihre Kosten doch erfolgreich als Werbungskosten absetzen.

Wann mindern die Kosten die Steuer?

Ausgaben für persönlichkeitsbildende Kurse sind als Werbungskosten absetzbar, wenn sie ganz überwiegend beruflich veranlasst sind. Dies kann angenommen werden, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  • Der Kurs muss primär auf die spezifischen Bedürfnisse des ausgeübten Berufs ausgerichtet sein.
  • Der Teilnehmerkreis muss homogen sein, d.h. die Kursteilnehmer müssen aufgrund der Art ihrer beruflichen Tätigkeit gleichgerichtete fachliche Interessen haben.

Speziell auf jeden Arbeitnehmer zugeschnitten

Nun hat das Finanzgericht Hamburg entschieden, dass Kosten für Seminare mit persönlichkeitsbildendem Charakter nur dann als Werbungskosten abziehbar sind, wenn sie auf die spezifische berufliche Situation des jeweiligen Arbeitnehmers zugeschnitten sind.

Es reiche nicht aus, dass die vermittelten Lerninhalte auch im beruflichen Alltag einsetzbar und der beruflichen Entwicklung förderlich sein können. Insbesondere bei einem inhomogenen Teilnehmerkreis trete der allgemein persönlichkeitsbildende Inhalt einer Fortbildung in den Vordergrund (Aktenzeichen 5 K 28/15).

Der entschiedene Fall

Ein Bereichsleiter nimmt an den Kursen “Coaching Ausbildung” und “Training” teil. Vermittelt werden u.a. Erkenntnisse eigener Stärken und Schwächen im Umgang mit Geld. “Das Training reicht bis tief in die Wurzeln der persönlichen Beziehung zu Geld, Wohlstand und Reichtum und bietet die Möglichkeit, diese gewinnbringend zu transformieren. Selbst wenn man schon erfolgreich ist, bietet dieses Geldtraining neue Erkenntnisse und Möglichkeiten, im Umgang mit Geld erfüllt zu leben.”

Das Finanzamt lehnt die Anerkennung der Kosten ab, weil die Kurse nicht primär auf die beruflichen Bedürfnisse zugeschnitten gewesen wären und keine unmittelbare berufliche Relevanz gehabt hätten. Sie hätten überwiegend der allgemeinen Persönlichkeitsentwicklung gedient und seien damit überwiegend privat veranlasst gewesen. Das Finanzgericht hat dies bestätigt.

Teilnehmer profitiert beruflich und privat

Natürlich kommen die Erkenntnisse und Befähigungen aus einem psychologisch orientierten Kurs immer auch der eigenen Persönlichkeitsentwicklung zugute. Bei dieser Art der Fortbildung ist der private Nutzungseffekt unvermeidlich, weil er zwangsläufig und untrennbar mit jeder Art psychologisch orientierter Unterrichtung und Übung verbunden ist. Dies ist aber für den Werbungskostenabzug unschädlich, solange die berufliche Veranlassung bei weitem überwiegt (Urteil des Bundesfinanzhofes, Aktenzeichen VI R 12/91).

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