Dacherneuerung bei Photovoltaik

Vorsteuerabzug aus vorheriger Dachsanierung


Da eine Photovoltaikanlage mit Einspeisevergütung und Abschreibung auf 20 Jahre angelegt ist, sollte auch die Grundlage dafür – das Dach – noch mindestens 20 Jahre halten. Zu diesem Zweck wird oftmals vor der Installation eine Dachsanierung oder sogar eine Dacherneuerung vorgenommen.


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Eine Sanierung kann auch deshalb notwendig sein, weil das Dach asbesthaltig ist und die Installierung von Photovoltaikanlagen auf Asbestzementdächern verboten ist.

Die Frage ist, ob die Mehrkosten der Dachsanierung dem unternehmerischen Betrieb “Photovoltaikanlage” oder dem nicht unternehmerisch genutzten Wohnhaus zuzurechnen sind, ob also die Umsatzsteuer aus den Sanierungskosten als Vorsteuer abgezogen werden kann.

Bisher haben einige Finanzgerichte den Vorsteuerabzug bei Sanierung eines asbesthaltigen Daches in voller Höhe gewährt, andere hingegen haben ihn komplett verweigert. Die Finanzverwaltung hat bislang den Vorsteuerabzug gänzlich abgelehnt (OFD Frankfurt vom 10.7.2008, S 7300 A-156-St 111) oder ihn im Fall der Asbestsanierung lediglich zu 50 % zugelassen (OFD Karlsruhe vom 28.1.2009, S 7104/2).

Erhaltungsaufwendungen

Der Bundesfinanzhof hat jetzt die Frage des Vorsteuerabzugs aus den Kosten der Dachsanierung geklärt: Der Vorsteuerabzug ist zwar nicht in voller Höhe möglich, weil die Kosten der Neueindeckung nicht nur mit dem Betrieb der Photovoltaikanlage in Zusammenhang stehen, sondern als Erhaltungsaufwendungen auch dem Gebäude selbst zugute kommen. Doch der Vorsteuerabzug ist anteilig möglich (BFH-Urteil vom 14.3.2012, XI R 26/11).

  • Die maßgeblichen Verwendungsverhältnisse des gesamten Gebäudes umfassen nicht nur die innere Nutzfläche des Gebäudes, sondern auch die unternehmerische Nutzung des Daches. Die Frage also ist, wie hoch der unternehmerische Nutzungsanteil des Wohnhauses und folglich der abziehbare Vorsteueranteil ist. Dieser Nutzungs- und Vorsteueranteil ist “im Wege einer sachgerechten Schätzung” zu ermitteln (§ 15 Abs. 4 UStG). Aber wie?
  • Bei Gebäuden kommt nach Auffassung der Finanzverwaltung im Allgemeinen eine Aufteilung nach dem Verhältnis der Nutzflächen in Betracht. Doch diese Regelung schließt der Bundesfinanzhof hier aus. Denn Nutzflächen innerhalb eines Gebäudes und Nutzflächen auf dessen Dach können nicht einfach zu einer Gesamtnutzfläche addiert werden, weil sie nicht miteinander vergleichbar sind. Zudem macht es einen Unterschied, ob eine Photovoltaikanlage auf einem minderwertigen Gebäude, z. B. Carport oder Scheune, oder auf einem Ein- oder Mehrfamilienhaus installiert ist.
  • Vielmehr soll – so der BFH – die Aufteilung der Vorsteuer nach dem Verhältnis der Umsätze erfolgen. Doch es gibt weder Mieteinnahmen für das Innere des Wohnhauses noch Mieteinnahmen für die entgeltliche Nutzung der Dachfläche.
  • Weil keine tatsächlichen Umsätze vorliegen, sollen für beide Bereiche Gebäudeinnenraum und Dachfläche – fiktive Vermietungsumsätze herangezogen werden. Für das Dach sind fiktive Mieteinnahmen zu ermitteln, so als wenn die Dachfläche an einen Dritten zum Betrieb einer Photovoltaikanlage vermietet würde. Für das Innere des Wohnhauses muss ermittelt werden, welche Mieteinnahmen im Fall der Vermietung zu erzielen wären. Der Anteil der fiktiven Miete für die Dachfläche muss dann mindestens 10 % der fiktiven Gesamtmiete für Dach und Innenraum betragen, denn eine unternehmerische Nutzung von mindestens 10 % ist Voraussetzung für den Vorsteuerabzug.
Tipp: Sollte es infolge der Installation der Anlage notwendig werden, aus statischen Gründen Sparren zu verstärken oder Stützbalken einzuziehen, können diese Kosten als durch den Aufbau der Anlage verursacht angesehen werden. Das bedeutet: Zum einen gehören die entsprechenden Kosten zu den Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage und können damit zusammen abgeschrieben werden, zum anderen kann die Umsatzsteuer auf diese Mehrkosten als Vorsteuer abgezogen werden (FG München vom 27.7.2009, EFG 2009 S. 1977; ebenfalls FG Nürnberg vom 19.5.2009, 2 K 1204/2008).

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