Jetzt planen: Betriebliche Altersvorsorge

So funktioniert die Förderung


Angesichts der ständigen Rentendiskussionen dürfte jedem Arbeitnehmer klar sein, dass die gesetzliche Altersrente zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand nicht mehr ausreicht. Es muss zusätzlich Vorsorge getroffen werden. Am besten mit der betrieblichen Altersvorsorge.

Neben der Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es als weitere Säulen der Alterssicherung noch die private und die betriebliche Altersversorgung. Während es bei der privaten Vorsorge meist um Anlagen auf dem Kapitalmarkt wie Sparpläne und Lebensversicherungen oder um das Eigenheim geht, hat die betriebliche Altersvorsorge (bAV) die spätere Auszahlung einer Betriebsrente zum Ziel.

Die arbeitsrechtliche Seite der betrieblichen Altersversorgung ist im Betriebsrentengesetz (BetrAVG) geregelt, die steuer­liche Seite im Einkommensteuergesetz (EStG).

Bei der bAV erhalten Sie von Ihrem Arbeitgeber die Zu­sage auf eine eigene betriebliche Versorgung im Alter und ggf. auch bei Berufsunfähigkeit sowie einer Versorgung Ihrer Hinterbliebenen bei Ihrem Ableben. Eine Vererbung Ihres angesparten Kapitals ist nicht zulässig, jedoch die Vereinbarung eines Sterbegeldes an eine beliebige Person.

Ihre betriebliche Altersvorsorge kann Ihr Arbeitgeber zusätzlich zu Ihrem Gehalt finanzieren (arbeitgeberfinanzierte bAV). Statistisch übernimmt die Firma in einem Viertel der Fälle die Kosten dafür komplett, vor allem in Großkonzernen. Die Höhe der bAV hängt dabei meist von der Höhe des Gehalts des Arbeitnehmers ab.

Sie dürfen aber auch selbst Teile Ihres Arbeitslohns in das betriebliche Versorgungs­system einzahlen (arbeitnehmerfinan­zierte bAV), entweder monatlich (z.B. Teile des Monatsgehalts, vermögenswirksame Leistungen) oder einmalig jährlich (z.B. Weih­nachtsgeld, 13. Gehalt).

Oft teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge für die betriebliche Altersvorsorge, so beispielsweise in der Metall- und Elektroindustrie.

Sie dürfen die bAV-Beiträge aus Ihrem Nettogehalt oder Ihrem Bruttogehalt bezahlen. Allerdings können Sie Lohnsteuer und Sozialabgaben nur bei Zahlung aus dem Bruttogehalt sparen. Dazu müssen Sie aber künftige, noch nicht fällige Gehaltsansprüche für die bAV verwenden. Man spricht dann von einer Entgelt- oder Gehaltsumwandlung (sog. “Deferred Compen­sation” oder “aufge­schobene Vergütung”).

Der Arbeitgeber will die betriebliche Altersvorsorge nicht zahlen?

Falls Ihr Arbeitgeber Ihre betriebliche Altersvorsorge nicht freiwillig oder aufgrund einer tarifvertraglichen Verpflichtung selbst finanziert, haben Sie als in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherter Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch gegen Ihren Arbeitgeber auf Gehalts­umwandlung. Das gilt auch für Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, nicht aber für Beamte.

Auch sog. Minijobber, also geringfügig Beschäftigte mit einem 400-Euro-Job, können eine Entgeltumwandlung verlangen, obwohl sie nicht rentenversicherungspflichtig sind. Angesichts des geringen Einkommens lohnt sich das aber nur, wenn der Minijobber sich extra für die bAV geleistete Mehrarbeit nicht auszahlen lässt, sondern der Arbeitgeber dafür einen Beitrag in die betriebliche Altersvorsorge einzahlt. Das ist aber noch nicht überall möglich. Weitere Einzelheiten dazu finden Sie im Internet unter www.minijobrente.de.

Der Anspruch auf Entgeltumwandlung ist insoweit eingeschränkt, als bei Existenz eines Tarifvertrags darin die Um­wandlung zugelassen sein muss. Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrem Betriebsrat bzw. Ihrer Personalstelle über die Einzelheiten.

Frühestmöglicher Beginn der Betriebsrente

Das Mindestalter für eine Rente aus der betrieblichen Altersversorgung ist das 60. Lebensjahr, bei Versorgungs­zusagen ab 2012 das 62. Lebensjahr. Bei bestimmten Berufs­gruppen, wie etwa Piloten oder Bergleute, kann die Be­triebs­rente auch schon früher beginnen, wenn das betrieblich, tarif­vertraglich oder gesetzlich so geregelt ist. Eine Ende der beruf­lichen Tätigkeit ist für die Auszahlung nicht erforder­lich.

Bei Berufsunfähigkeit des Arbeitnehmers ist der Rentenbeginn oft von einem bestimmten Grad der Behinderung oder der Zahlung einer gesetzlichen Erwerbsminderungsrente abhängig.

Die Hinterbliebenenversorgung beginnt mit dem Tod des Arbeitnehmers. Versorgungsberechtigte Hinterbliebene können insbesondere die Witwe bzw. der Witwer, der geschiedene Ehepartner, die minderjährigen oder steuerlich noch berücksichtigungs­fähigen volljährigen Kinder (z.B. wegen Ausbildung) sein, unter bestimmten Voraussetzungen auch der Lebensgefährte.

5 bAV Möglichkeiten für Arbeitgeber

Ihr Arbeitgeber hat im Prinzip fünf verschiedene Möglichkeiten, seine betriebliche Versor­gungszusage zu erfüllen (sog. “Durchführungswege” gemäß § 1 BetrAVG):

Als Direktzusage (Pensionszusage):

Hier zahlt Ihr Arbeitgeber die spätere Betriebsrente aus der eigenen Kasse als Arbeitslohn aus, finanziert aus Pensions­rückstellungen in seiner Bilanz. Er muss also in der Ansparphase erst einmal kein Geld für Ihre spätere Betriebsrente zurück­legen.

Sie haben hier einen Versorgungs­anspruch direkt gegen Ihre Firma. Zur Absicherung Ihrer An­sprüche aus der bAV bei Insolvenz Ihres Ex-Arbeitgebers muss dieser Beiträge an den Pensionssiche­rungsverein abführen.

Über eine Unterstützungskasse:

Hier “unterstützt” eine firmeneigene, aber eigenständige Versorgungs­einrichtung Ihren Arbeitgeber bei der Durch­führung der betrieblichen Altersversorgung. Die Kasse wird in der Ansparphase zumindest teilweise vom Arbeitgeber mit dem Vorsorgekapital aus­gestattet und ist in ihren Anlageent­scheidungen frei.

Einen Leistungsan­spruch haben Sie nicht gegen die Kasse, sondern nur gegen Ihren Arbeit­geber. Daher muss auch hier Ihre Fir­ma zur Absicherung Ihrer Ansprüche Beiträge in den Pensions­siche­rungsverein einzah­len.

Über eine Pensionskasse:

Auch hier bedient sich Ihr Arbeitgeber einer eigenständigen, aber firmenfremden Kasse, die die eingezahlten Beträge anlegt und die Betriebsrente auszahlt.

Im Unterschied zur Unterstützungs­kasse haben Sie hier einen eigenen Rechts­anspruch gegen die Pensionskasse auf Auszahlung Ihrer Betriebsrente. Pensionskassen sind mit kleinen Lebensver­sicherungs­unternehmen ver­gleichbar und werden wie diese von der Bundesanstalt für Finanzdienst­leistungsaufsicht (BaFin) überwacht.

Über einen Pensionsfonds:

Hier gilt das Gleiche wie bei der Pensionskasse mit dem Unterschied, dass die von Ihnen eingezahlten Gelder zu einem viel größeren Teil am Aktien­markt angelegt werden dürfen. Das verspricht mehr Rendite, aber auch mehr Risiko.

Da im Verlustfall Ihr Arbeitgeber Geld nachschießen muss, weil die eingezahlten Beiträge garantiert sind, ist der Pensions­fonds eher für größere Unternehmen geeignet. Bei Insolvenz Ihres Arbeitgebers springt der Pensionssicherungs­verein ein, in dem Ihr Arbeitgeber Mitglied sein muss.

Über eine Direktversicherung:

Hier schließt der Arbeitgeber einen Lebens- bzw. Rentenversiche­rungsvertrag mit einer Versicherungs­gesell­schaft ab, wobei er der Versicherungsnehmer und Sie bzw. Ihre Angehörigen der Bezugs­berechtigte sind.

Sie haben hier am Ende der Laufzeit einen Anspruch auf Aus­zahlung gegen die Gesellschaft, nicht gegen Ihren früheren Arbeit­geber. Geht die Gesellschaft pleite, springt die Sicherungs­einrichtung “Protektor” ein.

Welcher dieser fünf Wege zur Durchführung der betrieblichen Altersversorgung beschritten wird, bestimmt grundsätzlich Ihr Arbeitgeber, wenn sich aus einem Tarifvertrag nichts anderes ergibt. Am weitesten verbreitet ist die Direktzusage, bei der der Arbeitgeber meistens alleine die Beiträge zur bAV zahlt.

Organisiert Ihr Arbeitgeber die betriebliche Altersversorgung jedoch über eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds, ist dieser Weg für Sie verbindlich. Bietet Ihre Firma keinen eigenen Durchführungsweg an, können Sie den Abschluss einer Direkt­versiche­rung verlangen. Ihr Arbeitgeber wählt dann aber die Versi­cherungs­gesellschaft aus.

Unverfallbarkeit Ihrer Versorgungsansprüche

Bei allen genannten Durchführungswegen kann Ihnen der Arbeit­geber die Höhe Ihrer späteren Betriebsrente schon von Anfang an zusagen. Er kann Ihnen aber auch lediglich eine Mindest­leistung zusa­gen, bei der die endgültige Rentenhöhe erst später bei Rentenbeginn bestimmmt wird. Eine solche Mindest­zusage ist nur bei einer Direkt­versicherung, Pensionskasse oder einem Pensionsfonds erlaubt, nicht aber bei einer Direkt­zusage oder Unterstüt­zungs­kasse.

Üblicherweise erhalten Sie jedes Jahr von Ihrem Arbeitgeber eine Mitteilung über die Höhe der bereits erreichten Anwart­schaften auf eine Betriebsrente.

Scheiden Sie vor Erreichen des Bezugsalters für die Betriebs­rente aus Ihrer Firma aus, etwa wegen Arbeitsplatzwechsels, gilt für Ihre bei der alten Firma bereits erworbenen Versor­gungsanwartschaften Folgendes:

Bei arbeitgeberfinanzierten Beiträgen sind Ihre Anwart­schaften unverfallbar gewor­den, wenn Ihr Arbeitsverhältnis erst nach Vollendung Ihres 25. Lebensjahres endet und die Versorgungszusage Ihres Arbeitgebers zu diesem Zeitpunkt schon mindestens fünf Jahre bestanden hat (§ 1 b Abs. 1 BetrAVG). Als Zeitpunkt der Erteilung der Zusage gilt bei Abschluss eines Versicherungsvertrages der Versicherungs­beginn. Der früheste Zeitpunkt ist der Beginn der Betriebs­zugehörig­keit.

Beispiel

Sie suchen sich mit Mitte 35 eine neue Arbeitsstelle. Dann muss die Direktzusage Ihres alten Arbeitgebers erteilt worden sein, als Sie Mitte 30 oder jünger waren. Sonst verfallen Ihre Anwartschaften.

Bei vom 1.1.2001 bis zum 31.12.2008 erteilten Versorgungszu­sagen gilt als Mindestalter für die Unverfallbarkeit das 30. Lebensjahr.

Bei arbeitnehmerfinanzierten Beiträgen, die durch Gehalts­umwandlung aufgebracht wurden, sind bei ab dem 1.1.2001 erteilten Versorgungszusagen Ihre Anwartschaften sofort unverfallbar (§ 1 b Abs. 1 BetrAVG).

Ihre unverfallbar gewordenen Anwart­schaften können Sie von Ihrer alten Firma in die Versor­gungs­ein­richtung Ihres neuen Arbeit­gebers wertgleich übertragen bzw. von diesem über­nehmen lassen (§ 4 Abs. 2 BetrAVG). Dazu werden die erworbenen Rentenanwart­schaften in einen Kapitalbetrag umge­rechnet. Dieser Vorgang löst keine Lohn- bzw. Einkommen­steuerpflicht aus (§ 3 Nr. 55 EStG).

Wichtig

Die Voraus­setzungen für diesen Anspruch sind aber, dass die Versor­gungszusage Ihres bisherigen Arbeit­gebers nicht auf einer Direktzusage oder Unterstützungskasse beruht und dass ferner der übertra­gene Wert Ihrer Anwartschaften nicht höher ist als die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzli­chen Renten­versiche­rung (2010: 66000 €).

Bei den drei externen Wegen der baV – Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung – lassen sich somit wegen des Anspruchs die erworbenen Rentenansprüche beim Arbeitgeber­wechsel leichter mitnehmen. Bei der Direktzusage und der Unterstützungskasse geht das nur über eine Vereinbarung aller Beteiligen.

Allerdings bestimmt Ihr neuer Arbeitgeber den Durch­führungsweg und den Leistungsumfang der bAV. Dieser kann evtl. geringer werden (z.B. keine Absicherung mehr bei Berufsunfä­higkeit). Außerdem muss ein neuer Vertrag abgeschlossen werden, damit im Alter die Auszahlung der Betriebsrente aus einem einzigen Vertrag erfolgt. Das kann ggf. schlechtere Konditionen mit sich bringen, z.B. ungünstigere Sterbe­tafeln und gesunkener Garantiezins bei Neuabschluss einer Direkt­versicherung.

Lassen Sie Ihren bisherigen Vertrag ruhen (keine Übertragung), wird das angesparte Kapital weiter verzinst und am Laufzeit­ende fällig. Das führt dann zu einer nur geringen Betriebsrente. Eine Abfindung (Einmalauszahlung) Ihrer unverfall­baren Anwart­schaften ist in der Regel nur bei sehr niedrigen Renten möglich (§ 3 Abs. 2 BetrAVG).

Wenn Sie Ihren bisherigen Vertrag privat weiterführen, müssen Sie Ihre Beiträge aus Ihrem bereits versteuerten Nettogehalt auf­bringen, sparen also keine Steuern und Sozial­abgaben. Im Alter ist dafür die Besteuerung günstiger.

Die steuerliche Förderung der eingezahlten Altersvorsorge-Beiträge

1. Vorbemerkung

Wie viel Lohnsteuer und Sozialabgaben Sie auf Ihre in die betriebliche Altersvorsorge (bAV) eingezahlten Gehaltsteile sparen können, hängt vom gewählten Durchführungsweg ab. Und von der steuer­lichen Förderung in der Ansparphase hängt wiederum die Höhe der Besteue­rung der späteren Betriebsrente ab (siehe Abschnitt III). Denn was der Fiskus während des Arbeitslebens gibt, will er sich später im Ruhestand wieder zurückholen.

Grundsätzlich hängen Ansparphase und Auszahlungsphase steuerlich wie folgt zusammen:

Finanzieren Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge aus Ihrem Bruttogehalt, also aus noch nicht versteuertem Einkommen, sparen Sie in der Ansparzeit Lohnsteuer und Sozialabgaben. Denn der steuerpflichtige Bruttolohn sinkt durch die Gehaltsumwandlung. Dafür wird im Alter die Betriebsrente in voller Höhe der Lohn- bzw. Einkommenssteuer unterworfen, also zu 100 %.

Finanzieren Sie Ihre betriebliche Altersvorsorge aus Ihrem Nettogehalt, also aus bereits versteuertem Einkommen, sparen Sie in der Ansparzeit keine Lohnsteuer und keine Sozialabgaben. Dafür wird im Alter die Betriebsrente nur mit dem günstigen Ertragsanteil der Einkom­mensteuer unterworfen, der nach derzeitiger Rechtslage zum Beispiel bei einem 65-Jährigen nur 18 % beträgt. 82 % der jährlichen Betriebsrente bleiben damit steuerfrei.

Im Folgenden betrachten wir ab dem 1.1.2004 erteilte Versor­gungszusagen. Für Alt­zusagen vor 2004 gelten teilweise andere steuerliche Regelungen in der Ansparzeit (siehe Abschnitt IV).

2. Direktzusage (Pensionszusage) und Unterstützungskasse

Bei diesen beiden Durchführungswegen führt die von Ihrem Arbeitgeber erbrachte Versorgungszusage nicht zu einem steuer­pflich­tigen Arbeitslohn.

Wandeln Sie selbst Gehaltsbestandteile zur betrieblichen Altersvorsorge um, sind diese ebenfalls lohnsteuerfrei und damit nicht in Ihrer Steuererklärung als steuerpflichtiger Bruttoarbeitslohn anzu­geben. Ein Abzug als Sonderausgaben ist jedoch nicht möglich.

Eine Obergrenze dafür, wie viel steuerfrei in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden darf, gibt es im Vergleich zu den anderen Durch­führungswegen hier nicht. Die Direktzusage wird daher meist von leitenden Angestellten in Anspruch genommen, da diese infolge ihres höheren Gehalts auch mehr in die bAV einzahlen und damit wegen der fehlenden Obergrenze ordentlich Steuern sparen können.

Die vom Arbeitgeber finanzierten bAV-Beiträge sind gänzlich von der Sozial­versicherungspflicht befreit.

Auf Ihre per Gehalts­um­wandlung einge­zahlten Beiträge werden Sozialabgaben erst erho­ben, wenn Ihre Beiträge über 4 % der Beitragsbemes­sungs­grenze in der gesetzlichen Renten­versi­cherung liegen. Im Jahr 2010 sind somit bis zu 2.640 € (4 % von 66000 €) oder 220 € monatlich sozialversicherungsfrei.

 GehaltserhöhungbAV
Bruttogehalt7000,00 €700,00 €
+ Zusatzleistung500,00 €500,00 €
./. betriebl. Altersvorsorge0,00 €500,00 €
sozialversicherungspflichtig7500,00 €7000,00 €
./. Lohnsteuer2208,50 €1998,50 €
./, Solidaritätszuschlag121,46 €109,91 €
./. Kirchensteuer (9 %) 198,76 €179,86 €
./. Sozialabgaben957,06 €957,06 €
Nettogehalt4014,22 €3754,67 €
./. privater Sparplan500,00 €0,00 €
verbleibendes Netto3514,22 € 3754,67 €

Vereinbaren Sie 2010 bei einem monatlichen Bruttogehalt von 7000 € mit Ihrem Arbeitgeber, dass er noch zusätzliche 500 € monatlich als Arbeitgeberbeitrag für Sie in seine Unterstüt­zungskasse einzahlt, gilt im Vergleich zu einer Gehalts­erhöhung um 500 € und Einzahlung dieses Betrages aus dem Nettoeinkommen in einen privaten Sparplan bei Steuerklasse I bzw. IV Folgendes

Als Ergebnis verbleiben Ihnen pro Monat 240,45 € mehr im Geldbeutel bei gleicher Höhe der eingezahlten Sparbeiträge (500 €). Die 240,45 € sind die Summe der infolge des geringe­ren Bruttogehalts eingesparten Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschläge.

3. Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung

Bei einer Betriebsrente aus einer Pensionskasse, einem Pensionsfonds oder einer Direktver­sicherung sind die von Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlten Beiträge grund­sätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn.

Das gilt aber nicht schon ab dem ersten Beitrags-Euro. Steuer- und sozialversicherungsfrei sind nämlich die Beiträge bis zu einem Höchstbeitrag von 4 % der Beitragsbemes­sungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversi­cherung pro Jahr (§ 3 Nr. 63 EStG). Im Jahr 2010 sind das bis zu 2640 € (4 % von 66000 €) oder 220 € monatlich. Weitere 1800 € sind steuerfrei, jedoch nicht sozialversiche­rungsfrei. Ob die bAV arbeitnehmer- oder arbeitgeberfinanziert wird, spielt hierbei keine Rolle.

Der steuerfreie Höchstbetrag beläuft sich damit im Jahr 2010 auf 4440 € jährlich (2640 € + 1800 €) bzw. 370 € monatlich. Soviel können Sie 2010 von Ihrem Bruttoarbeitslohn in die betriebliche Alters­vor­sorge einfließen lassen, ohne darauf Lohn- bzw. Einkommensteuer zu zahlen. Von diesen Steuervor­teilen können alle Arbeitnehmer profitieren, auch beherr­schende Gesell­schafter-Geschäftsführer.

Für die steuer- und sozialversicherungsfreie Entgeltumwandlung von Arbeitnehmern im öffentlichen Dienst gelten die gleichen Höchstbeiträge. Der steuerfreie Höchstbeitrag vermindert sich für sie aber um die Beiträge, die ihr Dienstherr bereits steuerfrei an eine Zusatzversorgungseinrichtung wie etwa die VBL abführt.

Tipp: Bei einem Arbeitgeberwechsel während des Jahres können Sie die steuerliche Begünstigung für Ihre Beiträge beim neuen Arbeitgeber noch einmal erhalten.

Zahlen Sie über 4.440 € hinaus weitere Beträge in Ihre bAV ein, sind diese steuer- und sozial­versicherungs­pflichtig. Davon gibt es aber eine Ausnahme bei Beendigung des Arbeitsverhält­nisses (“Verviel­fältigungs­regel” gem. § 3 Nr. 63 Satz 4 EStG).

Der Mindestbeitrag, den Ihr Arbeitgeber als Gehaltsumwandlung verlangen kann, beträgt 1/160 der monatlichen Bezugsgröße gemäß § 18 Abs. 1 SGB IV. Das sind 191,63 € im Jahr 2010.

Es werden insgesamt 1216,40 € an Lohnsteuer, Solidaritäts­zuschlag, Lohnkirchensteuer (bei 9 %) und gesetzliche Sozial­versicherungsbeiträge gespart. Ihre finanzielle Belastung für die bAV beträgt damit unter dem Strich nicht 2640 €, sondern nur 1423,60 € (2640 € ./. 1216,40 €).

Bitte beachten Sie: Übersteigt Ihr monatliches Bruttogehalt die Beitragsbemessungsgrenzen für die gesetzliche Sozialver­sicherung, sparen Sie durch die Gehaltsumwandlung keine Sozi­albeiträge. Die monatlichen Bemessungsgrenzen liegen 2010 bei der Kranken- und Pflegeversicherung bei 3750 € und bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung bei 5500 € (West) bzw. 4650 € (Ost). Das heißt, dass auf den Teil Ihres Bruttogehalts, der über diesen Grenzen liegt, der betreffende Versicherungsträger keine Abgaben mehr einziehen darf. Erfolgt dann aus diesem Teil Ihres Gehalts die Umwandlung in die bAV, können somit auch keine Sozialabgaben gespart werden.

Wichtig

Achten Sie darauf, dass Sie bei Abschluss eines Vertrages über die betriebliche Altersvor­sorge ein Wahlrecht zwischen Einmal­auszahlung einerseits und lebenslanger Renten­zahlung anderer­seits vereinbaren. Denn die Steuerfreiheit Ihrer Beiträge zur bAV entfällt, wenn Ihr Vertrag am Ende der Laufzeit nur eine Einmalauszahlung vorsieht (BMF-Schreiben vom 5.2.2008, BStBl. I 2008, S. 420 Tz. 211).

Steuerlich unbedenklich ist auch ein Auszahlungsplan mit an­schließender lebens­langer Teil­kapital­verrentung, wobei bis zu 30 % des bei Rentenbeginn verfügbaren Kapitals ausgezahlt werden dürfen.

Zahlen Sie lohnsteuerpflichtige Beiträge über dem Höchstbetrag in Ihre bAV ein, können Sie für diese Zahlungen die Riester-Förderung erhalten (Altersvorsorge­zulagen oder Sonderausga­benabzug), wenn Ihr bAV-Vertrag die Riester-Bedingungen erfüllt. Wollen Sie nicht mehr als den Höchstbeitrag in die bAV einzahlen, aber die Riester-Förderung erhalten, müssen Sie auf die Steuer- und Sozialversi­cherungsfreiheit Ihrer Beiträge zuguns­ten der Riester-Förderung verzichten.

Tipp:

Ob sich dieser Verzicht finanziell lohnt, muss in jedem Einzelfall durchgerechnet werden. Besserverdie­nende werden in der Regel mehr von der Steuerfreiheit haben, Verheiratete mit mehreren Kindern eher mehr von der Riester-Förderung.

Die steuerfreien Beiträge zur bAV müssen Sie in Ihrer Einkommensteuer­erklärung nicht als Bruttoarbeitslohn in der Anlage N an­geben. Das ist nur bei den steuerpflichtigen Beiträgen nötig.

Ein Abzug in der Steuererklärung als sonstige Vorsorgeaufwen­dungen bei den Sonderausgaben ist nur für die als Arbeitslohn steuer­pflichtigen Beiträge möglich. Zahlen Sie Ihre Beiträge in eine Lebensversicherung ein (was insbesondere bei der Direkt­versicherung der Fall ist), ist der Sonderausgabenabzug nur bei Vertragsabschluss vor dem 1.1.2005 zulässig.

Sparen Sie einen Rürup-Renten-Vertrag an, sind Ihre steuer­pflichtigen Beiträge immer als Sonderausgaben absetzbar, und zwar bei den “Alters­vorsorgeaufwendungen”.

Mehr zur Steuererklärung für Arbeitnehmer

Die Besteuerung der betrieblichen Altersvorsorge im Ruhestand

1. Direktzusage (Pensionszusage) und Unterstützungskasse

Die ausgezahlte Betriebsrente gilt hier als Arbeitslohn, weil sie vom Arbeitgeber aus den laufenden Lohnkosten bezahlt wird (Pensionsrückstellung in der Bilanz). Daher ist die Rente in voller Höhe steuerpflichtig (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 EStG). Man spricht deshalb auch von einer Werks- bzw. Betriebspension in Anlehnung an die Beamtenpension. Der Arbeitgeber behält Lohnsteuer ein wie bei einem normalen Gehalt. In der Ein­kommensteuererklärung ist die Rente in der Anlage N anzugeben.

Anhebung der Krankenkassenbeitrage

Von der steuerpflichtigen Bruttorente kann ab dem 63. Lebens­jahr (bzw. ab dem 60. Lebensjahr bei Behinde­rung mit einem GdB von wenigstens 50) der Versor­gungsfrei­betrag samt einem Zuschlag abgezogen werden.

Wird der Versorgungs­freibetrag gewährt, bezeichnet man die Betriebs­rente auch als “Versorgungsbezug”. Den Freibetrag muss Ihr früherer Arbeit­geber bereits beim Lohn­steuerabzug berücksichtigen.

Da der Versorgungsfreibetrag immer niedriger wird, je später der Rentenbeginn ist, haben jüngere Arbeitnehmer nicht mehr allzu viel davon (siehe Tabelle in § 19 Abs. 2 EStG).

Beispiel: Bei Rentenbeginn im Jahr 2025 bleiben jährlich noch 1170 € der Rente bis zum Tod steuerfrei (900 € Versorgungsfreibetrag plus 270 € Zuschlag). Erhalten Sie erst im Jahr 2040 Ihre Betriebsrente, können Sie keinen Freibetrag mehr erhalten.

Wird Ihnen die Betriebsrente in einer Summe ausgezahlt (Kapitalabfindung), wird diese als Vergütung für eine mehr­jährige Tätigkeit nach der Fünftelregelung ermäßigt besteuert (BMF-Schreiben vom 5.2.2008, BStBl. I 2008, S. 420 Rz. 267).

2. Pensionskasse, Pensionsfonds und Direktversicherung

Die Betriebsrente gilt hier nicht als Arbeitslohn, weil sie nicht direkt vom Arbeitgeber, sondern von einer eigenständigen Versorgungseinrichtung als Versicherungsleistung gezahlt wird. Die Rente zählt daher zu den sonstigen Einkünften gemäß § 22 Nr. 5 EStG. Für die Steuerpflicht gilt Folgendes:

Der Teil Ihrer Rente, der auf steuerfreien Beiträgen beruht (derzeit bis 4440 € p.a.), muss voll versteuert werden. Das gilt auch für eine Riester-Rente, für deren Beiträge die Riester-Förderung gewährt wurde.

An der Vollversteuerung der Betriebsrente ändert sich nichts, wenn Sie sich nicht für einen lebenslangen Rentenbezug, sondern für eine Einmal- oder Teilauszahlung Ihres angesparten Kapitals entscheiden. Die Steuerermäßigung nach der Fünftelregelung gibt es hier leider nicht.

Den Versorgungsfreibetrag erhalten Sie für Ihre Rente nicht, den diesen gibt es nur für Betriebs­renten, die Arbeitslöhne sind. Der Freibetrag wird jedoch (weiterhin) gewährt, wenn eine Betriebsrente, die auf einer Direktzusage oder Unter­stützungskasse beruht, von Ihrem Arbeitgeber auf einen Pensionsfonds übertragen wurde.

Da kein Arbeitslohn vorliegt, besteht Anspruch auf den Altersentlastungs­betrag, der bestimmte Nebeneinkünfte bis zu einem Höchstbetrag steuerfrei stellt. Beispielweise bleiben 570 € p.a. Ihrer Jahresrente steuerfrei, wenn Sie im Jahr 2025 65 Jahre alt werden.

Der Teil Ihrer Rente, der auf steuerpflichtigen Beiträgen beruht (Beiträge über 4440 € hinaus), wird nur mit dem nied­rigen Ertragsanteil für lebenslange Leibrenten besteuert.

Beispiel: Beziehen Sie Ihre lebenslange Betriebsrente ab dem 65. Lebensjahr, beträgt der Ertragsanteil nach derzeitiger Rechtslage bis zum Tod nur 18 %. 82 % bleiben damit steuer­frei. Das heißt, dass Sie bei einer Rente von z.B. monatlich 400 € nur 72 € versteuern müssen (18 % von 400 €). Beträgt Ihr persönlicher Steuersatz im Ruhestand z.B. 25 %, fällt somit lediglich 18 € Einkommensteuer an (25 % von 72 €).

Erfolgt statt einer lebenslangen Rente eine Kapital­aus­zahlung (z.B. aus einer Direktversicherung), ist bei ab 2005 abge­schlos­senen Verträgen die Differenz zwischen dem Auszah­lungsbetrag und der Summe der ein­gezahlten Beiträge steuer­pflichtig. Diese Differenz ist aber zu 50 % steuer­frei, wenn Sie bei Auszahlung das 60. Lebensjahr voll­endet und die Mindestvertragsdauer von 12 Jahren eingehalten haben.

Leistungen aus einer Rürup-Rente werden mit einem Anteil besteuert, der höher als der Ertragsanteil ist und für jeden Neurentner weiter zunimmt. Beispiels­weise beträgt der Be­steuerungsanteil bei Rentenbeginn im Jahr 2025 bereits 85 %.

Beruht Ihre spätere Betriebsrente sowohl auf steuerlich geförderten als auch auf nicht geförderten (steuerpflichtigen) Beitragszahlungen, muss die Rentenleistung entsprechend aufgeteilt werden. Das übernimmt Ihr Versorgungsträger und über­sendet Ihnen darüber eine Bescheinigung für die Eintra­gungen der Rente in der Anlage R zu Ihrer Steuererklärung. Dazu muss Ihr Arbeitgeber dem Träger Auskunft geben, wie er Ihre bAV-Beiträge in der Ansparphase lohnsteuer­lich behandelt hat.

3. Beitragspflicht in der gesetzlichen Kranken­versicherung

Unabhängig davon, ob die Beiträge zur betrieblichen Alters­vorsorge (bAV) vom Arbeitgeber oder von Ihnen selbst finanziert wurden, ist Ihre spätere Betriebsrente – auch eine betrieb­liche Riester-Rente – bei allen fünf Durchführungs­wegen voll beitragspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversi­cherung (§ 229 SGB V)! Es wird also der volle Kran­kenkassenbeitrag auf Ihre Betriebsrente erhoben. Das gilt nicht nur für pflichtversicherte, sondern auch für alle frei­willig versicherten Rentner, nicht aber für Privatversicherte.

Nur Mini-Betriebsrenten sind bei gesetzlich Pflichtversicher­ten nicht beitragspflichtig. Das sind derzeit Renten von nicht mehr als 127,75 € monatlich.

Auch von einer Einmal­zahlung (Kapitalabfindung), z.B. aus einer Direktversicherung, werden Kranken- und Pflegeversiche­rungsbeiträge einbehalten. Diese werden aber nicht auf einen Schlag fällig, sondern müssen längstens über 10 Jahre verteilt beglichen werden. Auch hier gibt es für eine Mini-Auszahlung eine Befreiung.

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