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Gesundheit & Pflege

Ob Krankheit, Behinderung oder Pflege – jeden kann es treffen


Außergewöhnliche Belastungen

Entstehen Ihnen infolge von Krankheit, Behinderung oder Pflege zwangsläufig Ausgaben, die höher sind als bei der Mehrzahl der Steuerpflichtigen, greift Ihnen der Fiskus unter die Arme, indem er den Abzug als außergewöhnliche Belastungen in Ihrer Steuererklärung zulässt.

Das Finanzamt unterscheidet dabei zwischen „allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen“ und „besonderen außergewöhnlichen Belastungen“. Was das im Einzelnen bedeutet und in welcher Höhe eine zumutbare Eigenbelastung vorliegt, lesen Sie hier.

Krankheitskosten

Wenn die Gesundheit nicht (mehr) mitspielt und die Krankenkasse nicht zahlt kann es mitunter teuer werden. Ein kleines Trostpflaster: Krankheitskosten kann man von der Steuer absetzen – sofern sie die zumutbare Eigenbelastung übersteigen.

Welche Krankheitskosten Sie absetzen können?

  • Medikamente
  • Arztkosten
  • Heilpraktiker
  • Krankenhauskosten
  • Brillen
  • Kontaktlinsen
  • Orthopädische Hilfsmittel
  • Krankengymnastik
  • Zahnersatz
  • Fahrten zum Arzt
  • Blutdruckmessgerät
  • Hörgeräte
  • Beiträge zu Selbsthilfegruppen
  • Kurkosten
  • Geburtskosten

Grundsätzlich gilt: Sie können nur Kosten absetzen, die Sie tatsächlich auch bezahlt haben. Erstattungen von Krankenkassen, dem Arbeitgeber oder der Beihilfe sind davon abzuziehen.

Wichtig: amtsärztliches Attest

Der Bundesfinanzhof hatte Ende 2010 entschieden, dass für die Geltendmachung bestimmter Krankheitskosten das Finanzamt kein vorher ausgestelltes amtsärztliches oder vergleichbares Attest verlangen dürfe, weil das gesetzlich nicht vorgeschrieben sei. Daher könne die medizinische Notwendigkeit der Behandlung auch durch ein fachärztliches Attest nachgewiesen werden.

Der Gesetzgeber hat darauf reagiert und dieses Erfordernis nun festgeschrieben. Bei folgenden Maßnahmen sollten Sie vor Behandlungsbeginn dringend ein amtsärztliches Attest einholen:

  • Bade- oder Heilkur
  • Psychotherapeutische Behandlung
  • Medizinisch erforderliche auswärtige Unterbringung Ihres Kindes, das an Legasthenie oder einer anderen Behinderung leidet
  • Ihre Betreuung durch eine Begleitperson, sofern Sie eine Behinderung von unter 50 Grad nachweisen können
  • Medizinische Hilfsmittel, die Sie bei sich tragen, um sich im Umfeld besser zu bewegen, zurechtzufinden und die elementaren Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu befriedigen (z.B. Hörhilfen, Körperersatzstücke oder andere orthopädische Hilfsmittel)
  • Wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden, wie z. B. Frisch- und Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat- und Eigenbluttherapie
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„Sonder“krankheit: Berufskrankheit

Der Haken bei der steuerlichen Berücksichtigung üblicher Krankheitskosten ist Ihnen bereits bekannt. Stichwort: zumutbare Eigenbelastung! Anders bei einer typischen Berufskrankheit oder einer Krankheit, die offensichtlich mit dem Beruf in Zusammenhang steht.

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Vorteile: Zum einen keine Anrechnung einer zumutbaren Eigenbelastung. Zum anderen keine verlorenen Krankheitskosten, falls die Kosten höher als die Einnahmen sind. Negative Einkünfte können im Wege des Verlustabzugs in das Vorjahr oder in das Folgejahr vorgetragen werden.

Wann ein offensichtlicher Zusammenhang mit Ihrer Arbeit besteht, welche Krankheiten typische Berufskrankheiten sind und welche Kosten Sie im Einzelnen erklären können, lesen Sie hier.

Vorsorge? Steuerlich nicht anerkannt

Maßnahmen zur Heilung oder Linderung einer Krankheit können als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend gemacht werden. Aufwendungen für Präventionsmaßnahmen hingegen nicht. Sportliche Aktivitäten, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparats vorzubeugen, sind Privatsache.

Die Richter des sächsischen Finanzgerichts haben mit einem Urteil (Aktenzeichen 8 K 1403/09) entschieden, dass eine einfache Empfehlung des behandelnden Arztes nicht ausreicht, damit Ausgaben steuerlich abgesetzt werden können. Dies ist auch dann der Fall, wenn, infolge eines körperlichen Leidens, der Sport besonders dringlich notwendig oder ratsam ist.

Sport-und Gesundheitskurse sind grundsätzlich so konzipiert, dass Krankheiten vorgebeugt werden soll. Auf die Leiden des Einzelnen im Falle einer Erkrankung einzugehen, dafür sind sie nicht geeignet. Die Kursgebühren mindern die Steuerlast nicht.

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Leben mit einer Behinderung

Wie Sie das Finanzamt an den Kosten beteiligen

In Deutschland leben über 10 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung. Um die Auswirkungen der Behinderung zumindest ansatzweise auszugleichen und Menschen mit einer Behinderung ein weitestgehend selbstständiges Leben zu ermöglichen, gibt es eine Reihe von Vergünstigungen – auch im Steuerrecht.

Leider ist nicht jede Behinderung steuerlich begünstigt. Wann eine steuerlich relevante Behinderung vorliegt, lesen Sie hier.

Behinderten-Pauschbetrag

Auf Antrag kann ein Behinderten-Pauschbetrag geltend gemacht werden. Die Höhe des Behinderten-Pauschbetrags richtet sich nach dem Grad der Behinderung und gegebenenfalls einem zusätzlichen Merkzeichen.

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Tatsächlich entstandene Kosten

Alternativ zum Behinderten-Pauschbetrag können jedoch auch die tatsächlich entstandenen Aufwendungen im Zusammenhang mit der Behinderung zum Ansatz gebracht werden. Im Gegensatz zum Behinderten-Pauschbetrag erfolgt der Ansatz hier aber nicht als besondere außergewöhnliche Belastung, sondern „nur“ als allgemeine außergewöhnliche Belastung.

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Behindertes Kind

Auch ein behindertes Kind hat Anspruch auf die gleichen Vergünstigungen wie Erwachsene – Behinderten-Pauschbetrag oder Abzug der tatsächlich entstandenen Kosten. Diesen können Sie auf sich übertragen lassen. Was Sie bei einer Übertragung des Pauschbetrages beachten sollten, lesen Sie hier.

Nachweispflichten gegenüber dem Finanzamt

Grundsätzlich ist eine Behinderung gegenüber dem Finanzamt nur nachzuweisen, wenn eine erstmalige Beantragung erfolgt, sich die Verhältnisse ändern oder die Gültigkeitsdauer eines dem Finanzamt bereits vorliegenden Nachweises bereits abgelaufen ist.

Die Art des Nachweises richtet sich nach dem Grad der Behinderung. Welcher Nachweis vorzulegen ist, lesen Sie hier.

Pflegekosten

Wie der Fiskus nahestehende Personen unterstützt

Mit zunehmendem Alter gewinnt das Thema Pflege in so gut wie jeder Familie an Bedeutung.
Wohin mit Oma, wenn Sie pflegebedürftig wird. Pflegen wir sie zuhause oder geben wir sie in ein Heim?

Ausgaben, die Ihnen für die persönliche Pflege einer Ihnen nahestehenden, dauernd hilflosen Person (Angehörige oder Lebensgefährte) in deren oder in Ihrer Wohnung entstehen, können Sie auf zwei Wegen geltend machen: als besondere außergewöhnliche Belastung in Form eines Pflegepauschbetrages oder als allgemeine außergewöhnliche Belastung durch den Abzug der tatsächlich entstandenen Kosten.

Pflegepauschbetrag

Der Pflegepauschbetrag beträgt pro Jahr 924 Euro. Er wird nur gewährt, wenn die Pflege unentgeltlich erfolgt. Falls der Pflegebedürftige Pflegegeld an die pflegende Person weitergibt, gilt Folgendes: Verwaltet die pflegende Person das Pflegegeld lediglich treuhänderisch für den Pflegebedürftigen und verwendet sie es ausschließlich für Aufwendungen des Pflegebedürftigen, ist die Pflege unentgeltlich. Andernfalls liegt eine entgeltliche Pflege vor.

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Tatsächliche Pflegekosten

Der Ansatz der tatsächlichen Kosten kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die gepflegte Person zwar pflegebedürftig, aber nicht hilflos ist oder die Pflege nicht zuhause erfolgt, sondern in einem Pflegeheim.

Wann ist eine Person pflegebedürftig?

Unter folgenden Voraussetzungen ist eine Person pflegebedürftig:

  • bei der zu pflegenden Person liegt die Pflegestufe I, II oder III vor
  • für die zu pflegende Person wurde eine dauerhaft erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt (z.B. im Fall von Demenz)
  • ein nach § 89 SGB XI anerkannter Pflegedienst wird mit der Pflege beauftragt
  • bei einer Heimunterbringung sind pflegebedingte Kosten entstanden und der Träger des Heimes hat den Pflegesatz für die inoffizielle Pflegestufe 0 mit dem Sozialversicherungsträger ausgehandelt
  • ferner muss die andere Person, für die Sie Pflegekosten übernehmen, bedürftig sein (bestimmte Obergrenzen bei Einkommen und Vermögen dürfen nicht überschritten sein)

Wie weisen Sie die Pflegebedürftigkeit nach?

Bei einer festgestellten Pflegestufe oder einer dauerhaft erheblichen Einschränkung kann die Pflegebedürftigkeit über den Schwerbehindertenausweis (Merkmal Bl oder H) oder eine Bescheinigung der Pflegekasse bzw. des Medizinischen Dienstes erfolgen.

In den allen anderen o.g. aufgeführten Fällen durch eine Rechnung des Pflegedienstes bzw. Heimträgers.

 

Die tatsächlich entstandenen Kosten sind nachzuweisen und zwar

  • bei einer Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft z.B. durch einen Arbeitsvertrag
  • bei der Unterbringung in der Pflegestation eines Altenheims oder in einem Pflegeheim durch eine Rechnung, in der die Pflegeleistungen gesondert von den Unterbringungs-und Verpflegungskosten ausgewiesen werden
  • bei der Inanspruchnahme eines Pflegedienstes durch eine Rechnung, in der die Pflegeleistungen ausgewiesen werden
  • bei Besuchsfahrten zu einem in einem Pflegeheim untergebrachten Angehörigen oder zur krankheitsbedingten Betreuung eines Angehörigen z.B. durch Vorlage von Fahrkarten und Tankquittungen

Heimunterbringung

Die Entscheidung für eine Unterbringung in einem Heim ist gefallen. Ob nun pflege-, krankheits-oder altersbedingt spielt für Sie oder Ihren Angehörigen vielleicht keine Rolle – für den Gesetzgeber aber schon. Wie Sie die Unterbringungskosten zum Abzug bringen können, lesen Sie hier.

Betreutes Wohnen

Immer mehr ältere Menschen entscheiden sich für Betreutes Wohnen in einem Seniorenheim. Dort unterhalten Sie einen eigenen Haushalt mit Kochgelegenheit. Doch die Verträge der Heimbetreiber sehen meist vor, dass der Bewohner verpflichtend für Mittagsmenüs im hauseigenen Restaurant bezahlen muss.

Ob die Kosten für die Mahlzeiten steuerlich als haushaltsnahe Dienstleistungen in der Steuererklärung absetzbar sind, lesen Sie hier.

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