Steuererklärung – Pflicht oder Kür?

Wann Sie zur Abgabe verpflichtet sind


Ob für Ihre Steuererklärung eine Pflicht zur Abgabe besteht, hängt von einigen Faktoren ab. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Arbeitnehmern und Personen, die im Kalenderjahr keinen Arbeitslohn bezogen haben – zum Beispiel Gewerbetreibende, Freiberufler und Rentner. Wer dabei tatsächlich verpflichtet ist eine Steuererklärung abzugeben, zeigen wir Ihnen hier.

Grundsätzlich gilt: Die Steuererklärung ist Pflicht

Üblicherweise verzichtet das Finanzamt nicht auf Ihre Steuererklärung. Denn es möchte überprüfen, ob Sie genug Steuern bezahlt haben oder ob nicht doch noch etwas zu holen ist. Deshalb sieht das Gesetz eine grundsätzliche Steuererklärungspflicht vor.

Nur ausnahmsweise kommen Sie um die Abgabe der Erklärung herum. Etwa dann, wenn die Steuer bei Arbeitnehmern und Kapitalanlegern durch Lohn- oder Abgeltungsteuer als abgegolten gilt. Oftmals möchte das Finanzamt bei Arbeitnehmern aber genau prüfen, ob der bisherige Lohnsteuerabzug ausreicht. Daher sind für Arbeitnehmer zahlreiche Hürden im Gesetz enthalten. Zum Beispiel hängt die Erklärungspflicht davon ab, ob Sie weitere Einkünfte erzielen, welche Steuerklasse Sie haben und ob Lohnersatzleistungen bezogen wurden.

Eine Erklärungspflicht kann auch dadurch bestehen, dass Sie das Finanzamt zur Abgabe auffordert.

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Abgabefristen

Sie sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet? Dann gelten folgende Fristen: Wenn Sie Ihre Steuererklärung selbst erstellen, müssen Sie diese bis zum 31.07. des Folgejahres abgeben. Für die Steuererklärung 2019 haben Sie also noch Zeit bis zum 31.07.2020. Wenn Sie Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellen lassen, müssen Sie diese bis 28. bzw. 29.02. des übernächsten Jahres abgeben. Ihre Steuererklärung 2019 muss in dem Fall also bis zum 28.02.2021 beim Finanzamt sein. Abgesehen davon kann das Finanzamt eine Steuererklärung allerdings auch bereits vorab anfordern.

Sie müssen keine Steuererklärung abgeben? Dann dürfen Sie das aber dennoch gerne freiwillig tun. Als Arbeitnehmer können Sie nämlich oftmals mit einer Rückerstattung rechnen. Das geht sogar rückwirkend – 4 Jahre haben Sie dazu Zeit!

Beispiel: Sie rechnen für 2016 mit einer Steuererstattung? Dann geben Sie Ihre Steuererklärung bis zum 31.12.2020 ab. Wenn Sie für 2019 eine Erstattung erwarten, dann können Sie die Steuererklärung bis zum 31.12.2023 abgeben.
Steuererklärung-Pflicht: Bis wann muss ich abgeben? Infografik

Pflicht zur Steuererklärung? Bis wann muss ich abgeben? Infografik

Besonderheiten für Arbeitnehmer

Bei Beschäftigten in einem Arbeitsverhältnis ist die Einkommensteuer grundsätzlich durch den Lohnsteuerabzug abgegolten. Dann müssen Sie keine Steuererklärung abgeben. In bestimmten Fällen möchte das Finanzamt Ihre Steuererklärung aber dennoch haben. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn

  • Sie steuerfreie, aber dem Progressionsvorbehalt unterliegende Lohnersatzleistungen über 410 Euro erhalten haben (z.B. Arbeitslosengeld I, Kranken – oder Kurzarbeitergeld),
  • Sie nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn bezogen haben (dazu zählen auch Versorgungsbezüge aus früheren Dienstverhältnissen),
  • beide Ehepartner Arbeitslohn bezogen haben und einer nach der Steuerklasse V oder VI besteuert worden ist oder beide die Steuerklassen-Kombination IV/IV mit Faktor gewählt haben,
  • das Finanzamt Ihnen einen Lohnsteuerfreibetrag eingetragen hat (Ausnahmen: Behinderten-Pauschbetrag, Freibeträge für Kinder). Dies gilt aber nur, wenn Ihr Arbeitslohn im Jahr aktuell 11.900 Euro bzw. bei zusammenveranlagten Partnern 22.600 Euro übersteigt,
  • unverheiratete oder geschiedene Eltern jeweils eine andere Aufteilung der Kinderfreibeträge als 50/50 beantragen,
  • einer der Ehepartner die Einzelveranlagung beantragt,
  • Sie Entschädigungen oder Arbeitslohn für mehrere Jahre erhalten haben und diese ermäßigt besteuert worden sind (Anwendung der Fünftel-Regelung),
  • Ihre Ehe im Veranlagungszeitraum durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst wurde und Sie oder Ihr Ex-Partner im Veranlagungszeitraum wieder geheiratet haben,
  • die Summe der Einkünfte, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterlegen haben (zum Beispiel freiberufliche oder gewerbliche Einkünfte, Rente, Vermietung), mehr als 410 Euro beträgt (Härteausgleich). Kapitalerträge zählen jedoch nicht dazu, wenn Sie darauf Abgeltungsteuer gezahlt haben,
  • Sie Kapitaleinkünfte haben, die nicht der Abgeltungsteuer unterlegen haben, auch wenn die Einkünfte unterhalb von 410 Euro liegen (gilt ab Steuerjahr 2020),
  • bei einem Arbeitgeberwechsel der neue Arbeitgeber einen sonstigen Bezug zahlt, z. B. Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, und ihm die Lohnsteuerbescheinigung aus dem früheren Arbeitsverhältnis nicht vorliegt.
In dieser Aufzählung finden Sie nur die häufigsten Fälle. Der vollständige aktuelle Katalog der sogenannten Pflichtveranlagungsfälle für Arbeitnehmer findet Sie in § 46 Abs. 2 Nr. 1-9 des Einkommensteuergesetzes.

Kein Arbeitslohn – trotzdem Pflicht zur Steuererklärung?

Sind Sie nun aber nicht Arbeitnehmer, sondern beispielsweise Vermieter oder Rentner, dann müssen Sie Ihre Steuererklärung grundsätzlich immer abgeben, sobald einer der beiden Fälle vorliegt:

  1. Ihre Einkünfte übersteigen den Grundfreibetrag.
  2. Für das Vorjahr wurde ein Verlust festgestellt.

Für das Jahr 2020 (2021) beträgt der Grundfreibetrag:

  • bei Einzelveranlagung/Ledige 9.408 (9.696) Euro
  • bei Zusammenveranlagung/Verheiratete 18.816 (19.392) Euro

Auch hier gilt wieder: Kapitalerträge sind dabei nicht zu berücksichtigen, wenn sie der Abgeltungsteuer unterlegen haben. Denn dann gelten sie steuerlich bereits als abgegolten.

Rentner: Pflicht zur Steuererklärung?

Ein kleines Trostpflaster: Sie müssen nicht auf Ihre komplette Rente Steuern zahlen. Denn es wird nur der Besteuerungsanteil besteuert. Je nachdem, seit wann Sie Rente beziehen, gilt Folgendes:

  • Rentenbeginn bis 2005: 50 Prozent
  • Rentenbeginn bis 2020: jährlich + 2 Prozent (bei Rentenbeginn in 2020 also 80 Prozent)
  • Rentenbeginn nach 2020: jährlich + 1 Prozent (bei Rentenbeginn in 2040 also 100 Prozent)

Der übrige Teil wird als Rentenfreibetrag bezeichnet. Dieser wird vom Finanzamt festgeschrieben und von Ihrer Rente, auf die Sie Steuern zahlen müssen, abgezogen. Viele Rentner ohne zusätzliche Einkünfte müssen daher tatsächlich keine Steuererklärung abgeben, obwohl Renten grundsätzlich steuerpflichtig sind.

Beispiel: Sie sind verheiratet. 2010 sind Sie beide mit jeweils 800 Euro monatlich in Rente gegangen (Rentenfreibetrag 40 Prozent). 2020 beträgt Ihre monatliche Rente jeweils 1.000 Euro, zusammen also jährlich 24.000 Euro. Nach Abzug des festgeschriebenen Rentenfreibetrags in Höhe von 7.680 Euro (19.200 Euro x 40 Prozent) verbleibt eine Besteuerungsanteil von 16.320 Euro. Weil das unterhalb des Grundfreibetrags für 2020 (18.816 Euro) liegt, fällt keine Einkommensteuer an. Das Finanzamt könnte hier also auf Ihre Steuererklärung verzichten.

Die Rentenversicherungsträger teilen dem Fiskus die Renten auf elektronischem Wege mit. Daraufhin nimmt die Finanzverwaltung Abgleiche vor. Rentner, die vom Finanzamt die Steuervordrucke erhalten und unter dem Grundfreibetrag liegen, sollten mit Ihrem Finanzamt klären, ob nicht zukünftig auf die Abgabe der Einkommensteuererklärung verzichtet werden kann. Lesen hierzu mehr in unserem Beitrag zur NV-Bescheinigung.

Vorsicht bei Erbschaft!

Erben müssen ebenfalls aufpassen: Hätte der Verstorbene wegen seiner erzielten Einkünfte eine Steuererklärung abgeben müssen, sind die Erben verpflichtet, eine Erklärung für den Verstorbenen einzureichen.

Darin sind alle Einkünfte anzugeben, die vom Verstorbenen bis zu dem Todestag erzielt wurden und steuerpflichtig waren. Die Einkünfte, die nach dem Todestag erzielt wurden, müssen die Erben in ihrer eigenen Steuererklärung angeben.

Bei mehreren Erben muss ein Bevollmächtigter bestellt werden, der die steuerliche Abwicklung vornimmt.

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Ob Pflicht oder nicht – mit WISO Steuer erledigen Sie Ihre Steuererklärung schnell und einfach. Holen Sie sich jetzt Ihre Steuererstattung!

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Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

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Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

11 Kommentare

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  1. 1
    Ehlers

    Hallo. Ich beziehe eine normale und eine Betriebsrente welche Formulare, muss ich für welche Rente ausfüllen und wo trage ich welche Belastungen ein? Versicherungen, Nebenkosten, Zahnersatz Rechnungen?
    Ich finde das ist alles sehr Kompliziert!

    • 2
      Jochen Breunig

      Guten Tag,

      zugegebenermaßen ist das Steuerrecht ziemlich anspruchsvoll. Aus rechtlichen Gründen darf ich Sie steuerlich aber leider nicht beraten. Mit WISO Steuer versuchen wir aber, das ganze etwas zu vereinfachen.

      Grundsätzlich ist für die gesetzliche Altersrente (normale Rente) die Anlage R vorgesehen. Hierzu wählen Sie unter „Themen hinzufügen“ > „Weitere Einkunftsarten“ die Einkunftsart „Rentner“ > „Renten (Bezugsmitteilungen und Bescheide“ aus. Dort können Sie unter „Gesetzliche Rentenversicherungen“ Angaben zu Ihrer gesetzlichen Altersrente machen.

      Für die klassische Betriebsrente (Versorgungsbezug) ist die Anlage N vorgesehen: „Themen hinzufügen“ > „Weitere Einkunftsarten“ > „Arbeitnehmer, Betriebsrentner und Pensionäre“. Hier können Sie unter „Lohnsteuerbescheinigungen“ Angaben zur Betriebsrente machen.

      Sie brauchen die Daten jedoch nicht selbst einzugeben, wenn Sie das nicht möchten. Denn per steuer:Abruf trägt WISO Steuer beispielsweise die Daten aus der Lohnsteuerbescheinigung, zur Altersrente oder Versicherungsbeiträge automatisch ein. Alternativ können Sie in der Eingabemaske „Weitere Ausgaben“ Angaben zu Versicherungsbeiträgen, Handwerkerrechnungen und Krankheitskosten (Zahnersatz) selbst machen.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

  2. 3
    Wolfgang Zühlke

    Hallo,
    ich bin Rentner (vor 2005) 818,08 Brutto monatlich, meine Frau ist Berufstätig.
    Muss ich meine Rente versteuern?
    Mit freundlichen Grüßen

    • 4
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      ob Sie Ihre Rente versteuern müssen oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab, die ich in Ihrem Einzelfall nicht beurteilen kann und darf.
      Ich bitte Sie deshalb um Verständnis.
      Für mehr Informationen werfen Sie gerne einen Blick auf unsere Ratgeber Seite “Rente und Pension“.
      Hier erfahren Sie alles über die Rentenbesteuerung sowie nützliche Hinweise und Tipps.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist von steuernsparen

  3. 5
    Enrico Schmidt

    Warum muß ich als Rentner noch mal Steuern zahlen. Habe doch vorher schon Rentenbeiträge in die Rentenkasse eingezahlt.
    Hier werde ich ja doppelt besteuert. Das ist für mich betrug am Steuerzahler.

  4. 6
    Birgit K.

    Sie schreiben, bei Rentenbeginn in 2005 müssen 50 % der Rente versteuert werden. Was gilt denn bei einem Rentenbeginn vor 2005?

    • 7
      Jochen Breunig

      Guten Tag Frau K.,

      vor 2005 wurden gesetzliche Renten (z. B. Altersrenten) mit dem Ertragsanteil besteuert. Abhängig vom Alter des bei Rentenbeginn betrug dieser etwa 27 bis 35 Prozent. Die Besteuerung mit dem Ertragsanteil findet aber nicht mehr statt.

      Seit 2005 erfolgt nun eine nachgelagerte Besteuerung mit dem Besteuerungsanteil. Dieser hängt vom Jahr des Rentenbeginns ab. Bei einem Rentenbeginn bis 2005 werden 50 % des Rentenbetrages der Besteuerung unterworfen, bei späterem Rentenbeginn steigt der Prozentsatz pro Jahr um zwei Prozentpunkte bzw. ab 2020 um einen Prozentpunkt. Erst bei einem Rentenbeginn in Jahr 2040 ist die volle Rente steuerpflichtig (100 %).

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

  5. 8
    Hans-Jürgen Stritter

    Als “Noch”-Besitzer-Ehepaar einer DH-Hälfte, das bereits verkauft wurde (aber die Vertragssumme noch nicht verfügbar ist) , die sich jetzt in ein Pflegeheim mit Betreutem Wohnen eine Wohnung gekauft haben, interessiert hochgradig, welche steuerlichen Positionen (z.B. Notarkosten Verkauf + Kauf oder öffentliche Gebühren wie Rathaus (Negativzeugnis) in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden können. Alles u.a. auch unter dem Aspekt der demenziellen Erkrankung u/o der Durchführung als Übungsleiter für GedächtnisFROH + GymnastikFIT-Aktivitäten im Pflegeheim.

    • 9
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      Die Beantwortung Ihrer Frage erfordert die Gesamtwürdigung Ihres steuerlichen Einzelfalls.
      Ich bitte Sie deshalb um Verständnis, dass ich Ihnen aus rechtlichen Gründen leider keine Antwort auf Ihre Schilderung geben darf.
      Eine so umfassende Beratung ist allein Steuerberatern vorbehalten.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann von steuernsparen

  6. 10
    MSB

    Muss ich vom Finanzamt zur Abgabe der verpflichtenden Einkommenssteuererklärung aufgefordert bzw. angemahnt werden und welche Folgen kann es für mich haben, wenn es trotzdem nicht passiert?
    Bisher war ich immer spät mit der Steuer dran und habe regelmäßig eine Abgabeverlängerung beantragt. Seit ein vier (gerade noch rechtzeitig für eine freiwillige Abgabe) Jahren bekomme ich jedoch weder eine Aufforderung noch eine Mahnung zu Abgabe.
    Bin ich da ohne Information aus der Pflicht gefallen oder wurde ich möglicherweise wegen des Arbeitsaufkommens und der Tatsache, dass ich bisher immer eine Steuerrückzahlung erhalten habe “vergessen”?

    • 11
      Jochen Breunig

      Guten Tag MSB,

      leider darf ich Sie aus rechtlichen Gründen steuerlich nicht beraten. Informationen zur Abgabepflicht und freiwilligen Abgabe der Einkommensteuererklärung finden Sie aber in unserem Beitrag Steuererklärung rückwirkend abgeben.

      Vielen Dank und Grüße
      Jochen Breunig
      Tax Specialist bei steuernsparen

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