Wenn Aktien verklauft werden: Wie werden Gewinne und Verluste versteuert?
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Wenn Aktien verkauft werden

Wie werden die Gewinne versteuert?


Die Aktien befinden sich im Höhenrausch: So stand der DAX vor zehn Jahren noch bei 7.500 Punkten, jetzt hat sich der Index fast verdoppelt. Mitte Oktober 2017 hat er erstmals die Marke von 13.000 Punkten überschritten. Angesichts dieser Rekordkurse denkt sicher so mancher Aktienanleger an Gewinnmitnahmen, nach der klassischen Anlageregel “Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne”.

Dabei stellt sich die Frage: Verdient der Staat mit?

Aktuell weist der Bundesverband deutscher Banken auf einen interessanten steuerlichen Aspekt hin: Ob Kursgewinne bei Verkauf von Aktien steuerpflichtig sind, kommt allein auf den Zeitpunkt des Aktienkaufs an!

Wenn Sie Aktien nach 2009 gekauft haben

Haben Sie die Aktien nach dem 01.01.2009 gekauft, sind Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren steuerpflichtig. Sie unterliegen grundsätzlich der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Die Gewinne bleiben in Höhe des Sparerpauschbetrages von 801 Euro bzw. 1.602 Euro bei Verheirateten steuerfrei. Gewinne aus Aktien sind verrechenbar mit Veräußerungsverlusten aus Aktien, die ab 2009 gekauft wurden.

Wenn Sie Aktien vor 2009 gekauft haben

Haben Sie die Aktien vor 2009 gekauft, gilt weiterhin die damalige Rechtslage mit der Spekulationsfrist von zwölf Monaten. Da diese Frist längst abgelaufen ist, bleiben die Veräußerungsgewinne aus dem Aktienverkauf vollkommen steuerfrei. Veräußerungsverluste sind ebenso steuerlich ohne Bedeutung.

Außerdem wichtig zu wissen: Für die Berechnung des Veräußerungsgewinns gilt die Regel “First in, first out“. Das heißt: Haben Sie mehrfach Aktien eines Unternehmens erworben und verkaufen Sie davon einen Teil, dann gelten für das Finanzamt die zuerst gekauften Aktien auch als die zuerst verkauften.

Wichtig für Fondsanleger

Seit dem 1. Januar 2018 sind auch Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf oder der Rückgabe von Fondsanteilen aus “Altbeständen” steuerpflichtig – also von Fonds, die vor 2009 erworben wurden. Versteuern müssen Sie bei diesen “Altbeständen” aber nur die Kursgewinne, die ab dem 01.01.2018 entstehen. Und das gilt auch nur, soweit ein Freibetrag von 100.000 Euro pro Person überschritten wird.

Das bedeutet: Die meisten Privatanleger haben von dieser Neuregelung kaum Nachteile zu erwarten. Über einen vorschnellen Verkauf von Fondsanteilen vor Jahresende aus steuerlichen Gründen müssen Sie jedenfalls nicht nachdenken.

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2 Kommentare

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  1. 1
    olaf Graeber

    Ich habe einen Verlustvortrag von 9000 Euro. In 2020 habe ich Gewinne über 801 Euro. In welcher Anlage muss ich die dann angeben und wie kann ich dann den Verlustvortrag reduzieren oder macht das dann das Finanzamt selbst.????

    Danke Olaf

    • 2
      Carina Hagemann

      Hallo Olaf,

      bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich Ihnen aus rechtlichen Gründen keine steuerliche Beratung im Einzelfall anbieten darf.
      Grundsätzlich ist für die Verlustverrechnung bei Kapitaleinkünften entscheidend, wodurch der Verlust entstanden ist. Es gelten u. a. Beschränkungen für die Verrechnung von Verlusten aus Aktienverkäufen. Diese werden im Verlustjahr festgestellt und so lange vorgetragen, bis sie mit einem Aktiengewinn verrechnet werden können.
      Sind hingegen Verluste festgestellt, für die es keine Beschränkung bei der Verrechnung gibt, verrechnet das Finanzamt diesen Verlust mit im Steuerjahr erklärten positiven Einkünften. Mehr zum Thema Verluste lesen Sie in unserem Beitrag zum Verlustvortrag.

      Viele Grüße
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

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