Belege müssen nicht mehr zum Finanzamt

Belege müssen nicht mehr zum Finanzamt

Belegvorhaltepflicht ab der Steuererklärung 2017


Gute Nachrichten: Sie müssen dem Finanzamt keine Belege mehr vorlegen. Zumindest nicht, bis Sie ausdrücklich dazu aufgefordert werden. Was das für Ihre Steuererklärung 2017 bedeutet, lesen Sie hier.

Steuererklärung ohne Zettelkram

Willkommen im Zeitalter der Digitalisierung. Nun heißt es Belegvorhaltepflicht statt Belegvorlagepflicht. Nachweise und Quittungen müssen Sie dann nicht mehr mit der Steuererklärung zusammen beim Finanzamt einreichen. Erst wenn der Finanzbeamte Sie bei genauerer Prüfung Ihrer Steuererklärung dazu auffordert, müssen Sie die Belege nachreichen.

Reichen Sie daher künftig grundsätzlich keine Belege mehr mit Ihrer Steuererklärung ein. Es kann sonst sein, dass das Finanzamt diese Belege zunächst ungeprüft zurücksendet und später wieder anfordert – unnötige Arbeit für beide Seiten.

Stärkere automationsgestützte Bearbeitung in den Finanzämtern

Zur Vereinfachung kommt es dank des „Gesetzes zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens“. Damit soll die Wirtschaftlichkeit und Effizienz im Steuervollzug durch einen verstärkten Einsatz der Informationstechnologie gesteigert werden.

Die pauschale Prüfung der Masse der Steuererklärungen erfolgt nur noch durch ein automatisiertes Kontrollsystem. Dieses schickt die von Ihnen angegebenen Daten durch eine Art Risikofilter. So kann das Finanzamt herausfinden, ob es Besonderheiten gibt, die doch eine Prüfung durch einen Finanzbeamten erforderlich machen. Die Finanzverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen hat sogar die Prüffelder für dieses Jahr veröffentlicht (Mehr Infos dazu lesen Sie in unserem Beitrag hier). Doch auch wenn Sie keiner prüfungsrelevanter Gruppe angehören: Mit individuellen Stichproben ist in jedem Falle zu rechnen!

Die Vorteile der Automatisierung liegen auf der Hand: es kommt zu weniger Rückfragen bei den Steuerzahlern. Auch erfolgt die Bearbeitung der Steuererklärung schneller – und Sie haben früher Ihre Steuererstattung auf dem Konto.

Konkretisieren Sie Ihre Angaben

Um den automatisierten Prozess zu vereinfachen und Rückfragen zu vermindern, sollten Sie die Angaben so genau wie möglich gestalten. So ist es ratsam, dass Sie keine Gesamtsummen in der Erklärung eintragen, sondern die Einzelpositionen möglichst genau aufschlüsseln. Dies empfiehlt sich beispielsweise bei Werbungskosten, Spenden oder haushaltsnahen Dienstleistungen. Auch in der Anlage zu Ihrer vermieteten Immobilie sowie der Anlage EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) sollten Sie alles möglichst genau aufschlüsseln.

Nicht aussagekräftige DarstellungAussagekräftige Darstellung
Spende 250 €SOS-Kinderdorf (06/2017) 250 €
Fortbildung 700 €Ärztekongress Berlin (23.-26.03.2017) – Teilnahmegebühr 700 €
Reparaturen 800 €26.06.2017: Lohnanteil Reparatur Heizung (Heizungsbau GmbH) 800 €

Mehr Platz für Infos: „Ergänzende Angaben zur Steuererklärung“

Haben Sie für die Steuer relevante Sachverhalte, die Sie nicht in den üblichen Formularen der Steuererklärung angegeben können? Oder haben eine von der Verwaltungsauffassung abweichende Rechtsauffassung? Dann sollten Sie die neu eingeführte Zeile „Ergänzende Angaben zur Steuererklärung“ nutzen. Denn das Finanzamt kann aufgrund automatisierter Abläufe nur noch Angaben berücksichtigen, die Sie in den Formularfeldern der Steuererklärung eingetragen haben.

Doch hierbei sollten Sie unbedingt beachten, dass ein Eintrag in dieser Zeile in allen Fällen zu einer personellen Fallprüfung durch einen Finanzbeamten führt! Folge: längere Bearbeitungszeit sowie eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Rückfragen an Sie gestellt werden.

Wie lang müssen Sie die Belege aufheben?

Für die Steuererklärung relevante Belege müssen Sie für eventuelle Nachfragen aufheben. Diese sollten Sie nach der Abgabe der Steuererklärung gut aufbewahren – mindestens Sie Ihren Steuerbescheid erhalten haben. Für Privatleute gibt es keine gesetzliche Aufbewahrungsfrist.

Doch Vorsicht: Viele entsorgen die Steuerunterlagen dann gleich mit Eintreffen des Bescheids. Doch ist der Steuerbescheid mit einem Vorläufigkeitsvermerk versehen oder unter Vorbehalt versandt worden, müssen Sie Ihre Belege weiterhin archivieren. Gleiches gilt, wenn Sie Einspruch gegen den Bescheid einlegen wollen. Daher empfehlen wir Ihnen, die Steuerunterlagen nach Abgabe der Steuererklärung mindestens vier Jahre lang aufzuheben. Dann haben Sie alles griffbereit, wenn Sie Kosten nachweisen müssen.

Anträge getrennt von der Steuererklärung einreichen

Auch empfiehlt es sich, dass sie Anträge unabhängig von den Steuererklärungen einreichen sollten. Damit stellen Sie sicher, dass das Finanzamt diese zeitnah bearbeiten kann.

3 Comments

eigener Kommentar
  1. 2
    Wiedemann

    Frage: Müssen die von Banken ausgestellten Steuerbescheinigungen über Kapitalerträge und davon einbehaltene Steuern weiterhin deem Finanzamt vorgelegt werden?

  2. 3
    Potschien

    Wie reagiert das FA wenn ich eine Wohnung zu Anlagezwecken gekauft habe und lediglich die Werte (KP; AfA, Schuldzinsen usw.) einsetze?
    Diese Unterlagen werden doch ganz sicher dann angefordert, da ein gänzlich neuer Sachverhalt entstanden ist.
    Gibts da Erfahrungswerte oder Informationen bezüglich der Vorgehensweise des FA?

+ Kommentar hinterlassen