E-Sport: Neues Prüffeld für die Finanzverwaltung

E-Sport: Neues Prüffeld für die Finanzverwaltung

E-Gamer müssen mit Nachfragen vom Finanzamt rechnen


Virtuelle Bundesliga oder Counter Strike – der sogenannte E-Sport hat sich in den vergangenen Jahren weltweit rasant ausgebreitet. Und auch steuerlich gewinnt das Thema eine neue Dimension: Derzeit nehmen Steuerbehörden Vereine, Veranstalter von Gamer-Events und Einzelpersonen unter die Lupe.

Finanzverwaltung prüft Steuerhinterziehung bei E-Gamern

Die E-Gamer-Branche boomt. Einschlägigen Brancheninformationen zufolge gibt es in Deutschland über vier Millionen Menschen, die Videospiele in Ligen und auf Events spielen. In Vereinen werden E-Sport-Abteilungen gegründet – selbst in Fußballclubs wie FC Schalke 04. Und natürlich spielt das liebe Geld eine wichtige Rolle: Bei Turnieren werden nämlich hohe Preisgelder erzielt.

Es überrascht also nicht, dass das Thema „E-Sport“ der Finanzverwaltung nicht verborgen bleibt. Ende 2018 haben die nordrhein-westfälischen Steuerbehörden Vorfeldermittlungen gestartet. Im Visier stehen Vereine, insbesondere in der Fußballbranche mit eigenen E-Sport-Abteilungen, Veranstalter von Gamer-Events und auch Spieler.

Zum einen werden bundesweit Erkenntnisse zu der Branche gesammelt, zum anderen schauen die Behörden genauer, ob Vereine, Veranstalter und Spieler ihren steuerlichen Verpflichtungen auch tatsächlich nachgekommen sind. Hinter den Ermittlungen steht die Sondereinheit ARES (Analyseeinheit für risikoorientierte Ermittlungen im Bereich der Steueraufsicht) zusammen mit dem Bochumer Finanzamt für Strafsachen.

Was sollten Sie beachten?

So ist damit zu rechnen, dass nun einige E-Gamer – und vor allem auch Vereinspräsidenten – mit unangenehmen Fragen der Finanzverwaltung rechnen müssen. Folgende Punkte sollten Sie daher im Auge behalten:

  • E-Gamer: Prüfen Sie, ob und inwieweit Sie die Einnahmen versteuern müssen. Zudem sollten Sie Ihre Ausgaben auflisten und Belege wie Startgelder, Fahrt- und Übernachtungskosten aufbewahren.
  • Vereinspräsidenten: Prüfen Sie, ob ihre E-Gamer möglicherweise lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig sind.
  • Veranstalter: Sie müssen ggf. beachten, dass Quellensteuer nach § 50a EStG fällig wird.

E-Sport: Sorry, leider nicht gemeinnützig

Zwar gewinnt die E-Sports-Branche weltweit an wirtschaftlicher Relevanz, beim Thema Anerkennung von E-Sport als Sportart scheiden sich jedoch die Geister. Anders als der klassische Sport, ist der E-Sport nicht als gemeinnützig anerkannt. Laut Bericht des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages können die Experten im E-Sport keine Anhaltspunkte dafür erkennen. Die Voraussetzung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist, dass

  • eine Körperschaft
  • ausschließlich und unmittelbar
  • steuerbegünstigte Zwecke selbstlos verfolgt.

Zu steuerbegünstigten Zwecken gehören neben mildtätigen und kirchlichen Zwecken vor allem gemeinnützige Zwecke. Ein Verein jedoch, dessen Mitglieder in Rahmen von E-Sport-Turnieren beachtliche Preisgelder erhalten, kann nicht selbstlos und ausschließlich dem gemeinnützigen Vereinszweck dienen.

Mit der Anerkennung als gemeinnützig hängen letztlich auch Steuervorteile zusammen, z. B. bei der Körperschaft- und Gewerbesteuer oder der Umsatzsteuer. Und: Nur, wenn E-Sport-Vereine als gemeinnützlich eingestuft werden, können sie ihren Mitgliedern steuerliche Spendenbescheinigungen ausstellen.

Wie erfolgt die Anerkennung als „gemeinnützig“?

Die Anerkennung als gemeinnützig durch das Finanzamt erfolgt nicht in einem besonderen Verfahren, sondern im Rahmen der normalen Veranlagung zur Körperschaftsteuer. Das Finanzamt überprüft dabei die Organisation bezüglich Satzung und tatsächlichem Geschäftsgebaren.

Statt eines Körperschaftsteuerbescheids erlässt das Finanzamt dann einen „Körperschaftsteuer-Freistellungsbescheid„. Für neu gegründete Organisationen kann das Finanzamt bis zur erstmaligen Körperschaftsteuer-Veranlagung eine „vorläufige Bescheinigung“ über deren Gemeinnützigkeit ausstellen, die bis zur Bekanntgabe des erstmaligen Freistellungsbescheids gilt, längstens jedoch für 18 Monate.

Noch nicht aller Tage Abend

Die Debatte um die Gemeinnützigkeit von E-Sport ist noch nicht abgeschlossen. Eine höchstrichterliche Rechtsprechung zu diesem Thema gibt es noch nicht, daher muss im Einzelfall entschieden werden, ob ein förderfähiger Vereinszweck oder ein steuerpflichtiger wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb vorliegt.

 

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