Fehler beim Steuerbescheid

Fehler beim Steuerbescheid

Opfer legen erfolgreich Einspruch ein


Ein Steuerbescheid mit unerwartetem Ergebnis kann die private Finanzplanung mächtig aus dem Ruder laufen lassen. Nicht selten liegt der Fehler jedoch bei einem überlasteten Finanzbeamten.

Doch selbst wenn sich der Steuerpflichtige selbst verrechnet hat, muss er dafür nicht gnadenlos büßen. Recht einfach läuft das Verfahren ab, wenn er sich an die Einspruchsfristen hält.

Die Finanzbehörden sind restlos überfordert. Immerhin geben die Deutschen jedes Jahr mehr als 30 Millionen Steuererklärungen ab – Tendenz steigend. Neue Stellen werden in den Ämtern jedoch nicht geschaffen, und elektronische Prüfungsprogramme können erst in einigen Jahren tatsächlich für Erleichterung sorgen. Bis dahin heißt es: Augen zu und durch.

So haben Mitarbeiter nach Schätzungen von Insidern teilweise noch eine knappe halbe Stunde, um die Steuererklärung eines normalen Arbeitnehmers zu bearbeiten. Laut Bund der Steuerzahler nehmen sich die Beamten im Mittel sogar nur acht Minuten pro Fall Zeit – und das, während gleichzeitig die Gesetze und Spezialvorschriften immer komplizierter werden. Das Ergebnis: Bei einigen Finanzämtern weist schon jetzt jede dritte Steuerfestsetzung Rechen- oder Übertragungsfehler auf.

Forschung nach den Ursachen

Ein Tipp lautet daher für jeden Steuerpflichtigen: Wer seine Erklärung ohne Hilfe eines Steuerberaters erstellt, sollte sich eine Kopie gut aufheben. Diese kann er später mit dem erteilten Bescheid vergleichen. „Weichen die Beträge voneinander ab, muss nach der Ursache geforscht werden“, sagt Reiner Rügamer, Steuerberater aus Düsseldorf.

Die Suche ist oft schnell erledigt. Wurden etwa Angaben zu den Kindern falsch eingetragen oder Daten falsch übernommen, liegt der Fehler auf der Hand. Dann kann schon ein Telefonat mit dem Sachbearbeiter für Klarheit sorgen. „Auf der sicheren Seite ist aber nur, wer offiziell Einspruch einlegt“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbandes der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). „Dies ist bis zu einem Monat nach Bekanntgabe des Bescheides möglich.“ Da der Einspruch schriftlich eingelegt werden muss, ist ein Nachweis später leicht.

Vergessene Quittungen nachreichen

Doch auch andere Gründe können zu einer nachträglichen Änderung der Steuerfestsetzung führen: Findet der Steuerzahler noch Quittungen, die er nicht eingereicht hat, hilft der Einspruch. Genauso können auch noch günstigere Wahlrechte ausgeübt werden. Ist die einmonatige Einspruchsfrist jedoch erst einmal abgelaufen, wird es komplizierter.

Hat das Finanzamt, wie in den vergangenen Jahren immer häufiger, den Bescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung erlassen, ändert sich nichts. Der Steuerpflichtige kann – solange der Vorbehalt besteht – auch von seiner Seite her Änderungen vornehmen lassen. Gleichzeitig ist das Finanzamt berechtigt, die Steuerschuld noch zu erhöhen.

Kilometer rückwirkend geltend machen

Dasselbe gilt, wenn ein Einspruch innerhalb der Frist eingelegt, bisher über diesen aber nicht entschieden wurde. „Auch in solchen Fällen bleibt der gesamte Fall grundsätzlich offen, sodass auch andere Punkte im Nachhinein noch korrigiert werden können“, sagt Steuerberater Reiner Rügamer.

Unter Vorbehalt galten die Steuerbescheide zuletzt auch bei der Pendlerpauschale: Das Bundesverfassungsgericht hat bekanntlich im Dezember die Regelung gekippt, erst einen Arbeitsweg ab 21 Kilometern steuerlich zu berücksichtigen. Nun können rückwirkend zum 1. Januar 2007 – und bis zu einer erneuten Änderung der Rechtslage – wieder Fahrten zum Arbeitsplatz voll abgesetzt werden. Wer in seiner Steuererklärung 2007 keine Angaben zur Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und der Zahl der Arbeitstage gemacht hat, sollte das schnellstens nachholen. Der Fiskus wird von Amts wegen die Änderung der Steuerfestsetzung für 2007 veranlassen.

Vorbereiten auf den Streit

Greifen diese beiden Ausnahmen nicht, muss der Steuerpflichtige schon tiefer in die Trickkiste greifen. Denn eine Änderung des dann bestandskräftigen Bescheids ist nur noch in speziell geregelten Ausnahmefällen zulässig. Die wichtigsten Gründe sind hierbei nachträglich bekannt gewordene Tatsachen sowie sogenannte rückwirkende Ereignisse. Der Unterschied zwischen diesen beiden Gründen erschließt sich auf den ersten Blick zwar nicht. Im Steuerrecht ist aber genau geregelt, wann die beiden Ausnahmen greifen. Eine genaue Begründung und Unterscheidung ist zumindest dann sinnvoll, wenn es später zu Streitigkeiten mit dem Finanzamt kommt.

Erkennt der Steuerpflichtige beispielsweise erst Monate nach der Abgabe seiner Erklärung, dass er aus Versehen abzugsfähige Kosten bei der Berechnung seiner Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung anstatt von den Mieteinnahmen abzuziehen addiert hat, kann dies ein Fall einer nachträglich bekannt gewordenen Tatsache sein. Wichtig ist hierbei nur, ob der Fehler dem Sachbearbeiter im Finanzamt hätte auffallen können oder nicht. Wenn der Beamte die fehlerhafte Berechnung nicht gesehen hat, ist eine Korrektur möglich.

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