Privatfahrten mit dem Firmenwagen

Was muss versteuert werden?


Stellt der Arbeitgeber einen Firmenwagen zur Verfügung, ist in den meisten Fällen auch eine Nutzung für Privatfahrten erlaubt. Dafür muss der Arbeitnehmer dann einen privaten Nutzungswert von monatlich 1 Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern.

Fahren Sie in der Mittagspause nach Hause, brauchen Sie für diese Fahrt einen Zuschlagswert nicht zusätzlich zu versteuern. Es handelt sich hierbei um eine Privatfahrt, die mit dem Ansatz von 1 Prozent des Listenpreises abgegolten ist.

Es gibt aber auch Fälle, in denen die Privatnutzung explizit verboten ist und der Firmenwagen außer für dienstliche Fahrten allenfalls für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt werden darf. In diesem Fall braucht der Arbeitnehmer lediglich den Zuschlagswert von monatlich 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer versteuern.

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Mittagessen zu Hause

Was aber gilt, wenn der Arbeitnehmer den Firmenwagen nicht nur für die morgendliche Hinfahrt zur Arbeit und die abendliche Rückfahrt zur Wohnung nutzt, sondern auch noch für die mittäglichen Heimfahrten zur Einnahme des Mittagessens? Sind diese Fahrten ebenfalls mit dem Zuschlag von 0,03 Prozent abgegolten?

Privatfahrten

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat eine Entscheidung zu Ungunsten der Arbeitnehmer gefällt: Die mittäglichen Heimfahrten mit dem Firmenwagen gelten nicht als “Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte” und sind daher nicht mit dem 0,03 Prozent-Zuschlagswert abgegolten. Vielmehr sind diese Fahrten den “Privatfahrten” zuzurechnen und im 1 Prozent-Nutzungswert enthalten. Sofern aber wegen des Verbots der Privatnutzung die 1 Prozent-Pauschalmethode nicht zur Anwendung kommt, muss allein wegen der Mittagheimfahrten ein Nutzungswert von 1 Prozent des Listenpreises versteuert werden (FG Baden-Württemberg vom 27.10.2011, EFG 2012 S. 604).

Der Fall

Ein hauptamtlicher Bürgermeister nutzt den Dienstwagen zur Erledigung seiner Dienstgeschäfte und für die Fahrten zwischen Wohnung und Rathaus. Außerdem fährt er täglich zur Mittagzeit die 2 Kilometer nach Hause, um dort das Mittagessen einzunehmen. Daher versteuert er monatlich 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer: 30.000 EUR x 0,0003 x 2 km = 18 EUR monatlich.

Die Entscheidung

Finanzamt und Finanzgericht verlangen, dass für die Mittagsheimfahrten als Privatnutzung ein Geldwerter Vorteil nach der 1 Prozent-Pauschalmethode versteuert werden muss. Als steuerpflichtiger Nutzungswert ergibt sich also: 30.000 EUR x 0,01 = 300 EUR monatlich. Das ist ganz schön happig für diese kurze Strecke. Die Finanzrichter sehen in dieser Methode keine Übermaßbesteuerung und lassen eine Einzelbewertung der Fahrten und damit einen geringeren steuerpflichtigen Betrag leider nicht zu.

Tipp:

Um eine derartige Besteuerung zu vermeiden, hilft nur eines: die Anwendung der Fahrtenbuch-Methode. Das ist zwar mit erheblichem Mehraufwand verbunden, denn alle dienstlichen und privaten Fahrten müssen lückenlos aufgelistet werden. Doch der Lohn für die Mehrarbeit liegt in einem deutlich geringeren zu versteuernden Betrag

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