Wenn die Eltern das Studium zahlen

Wenn die Eltern das Studium zahlen

Kann das Kind die Studienkosten abziehen?


Die Antwort lautet Jain. Denn wie so oft im Steuerrecht kommt es auch hier auf die Details an. Der Grund: Generell darf nur derjenige Kosten steuermindernd ansetzten, der die Ausgaben auch tatsächlich getragen hat.

Zahlen daher die Eltern die Studienkosten für ihr Kind, können die Ausgaben grundsätzlich nirgends steuermindernd berücksichtig werden. Denn bei den Eltern gibt es keinen Zusammenhang mit Einkünften – und das Kind hat schlicht nichts bezahlt. Wohl gemerkt gilt dies aber nur grundsätzlich!

Abgekürzter Zahlungsweg

Wie ebenfalls so oft im Steuerrecht gibt es zu diesem Grundsatz auch eine Ausnahme: Die Rede ist vom sogenannten Drittaufwand. Dieser liegt vor, wenn nicht der Steuerzahler selbst, sondern ein Dritter den Aufwand im Rahmen eines abgekürzten Vertrags- oder Zahlungswegs bezahlt.

Eine solche Abkürzung liegt vor, wenn eine Schenkung in der Weise stattfindet, dass ohne Umweg über den Steuerzahler direkt eine Schuld für ihn getilgt wird. Das kommt gerade im Verhältnis zwischen Kindern und Eltern sehr häufig vor.

Beispiel

Anna hat einen dualen Studienplatz in Heidelberg ergattert. Dort möchte sie nun auch wohnen. Also beauftragt sie einen Makler mit der Suche nach einer Studentenwohnung. Bei Abschluss des Mietvertrags zahlt jedoch nicht sie die Maklerrechnung, sondern ihr Vater Stephan.

Zieht man diesen Vorgang auseinander, hat Stephan seiner Tochter das Geld für den Makler geschenkt und Tina mit dem Geldgeschenk den Makler bezahlt. Weil sie die Maklerkosten aus dem geschenkten Geld selber verausgabt hat, kann sie den Aufwand auch als Werbungskosten steuermindernd absetzen.

Die direkte Zahlung des Vaters an den Makler ist lediglich eine Abkürzung des eigentlichen Zahlungswegs, der jedoch steuerlich zu keinem anderen Ergebnis führen darf. Der Werbungskostenabzug von Anna bleibt also möglich. So auch eine aktuelle Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgerichts (Aktenzeichen 1 K 169/15).

Abgekürzter Vertragsweg

Eine solche Abkürzung ist auch grundsätzlich schon im Vertragsweg möglich. Dies bedeutet: Hätte nicht die Tochter den Vertrag mit dem Makler abgeschlossen, sondern ihr Vater, wäre ein vorweggenommener Werbungskostenabzug bei der Tochter aufgrund der Abkürzung des Vertragswegs immer noch möglich. Allerdings müssen hier Besonderheiten beachtet werden: Im Gegensatz zum Zahlungsweg kann nicht jeder Vertragsweg abgekürzt werden.

Besonderheit Dauerschuldverhältnisse

Anders sieht es nämlich bei den sogenannten Dauerschuldverhältnissen, wie z. B. einem Mietvertrag, aus. So hatte im vorgenannten Verfahren der Vater den Mietvertrag für die Studentenwohnung seiner Tochter abgeschlossen.

Der Grund: Der Vermieter akzeptierte die Tochter mangels Einkünften nicht als Vertragspartner. Die verheerende Folge der Vertragsunterzeichnung durch den Vater: Die Miete kann nicht mehr als Werbungskosten berücksichtigt werden.

Eine Abkürzung des Vertragswegs ist nämlich bei einem Dauerschuldverhältnis wie dem Mietvertrag nicht möglich. Da folglich die Abkürzung versperrt ist, verbleibt es dabei, dass der Vater als im Vertrag aufgeführter Mieter nur seine eigene Mietschuld bezahlt hat.

Das wäre die optimale Gestaltung

Besser wäre es daher gewesen, wenn die Tochter den Mietvertrag unterzeichnet hätte und die Forderung des Vermieters nach einem solventen Mieter mit einer Bürgschaft des Vaters begegnet worden wäre.

Wirtschaftlich hätte der Vermieter so auch auf den Vater zur Begleichung der Miete zugreifen können, die Mietzahlungen wären dann allerdings vorweggenommene Werbungskosten bei Tochter.

Das Urteil zeigt, das Zahlungen von Eltern nicht unbedingt zum Ausschluss von Werbungskosten bei den Kindern führen. Insbesondere bei Dauerschuldverhältnissen muss man jedoch vorsichtig sein.

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 2
    else25

    und wie sieht es hier dann beim Vater aus?
    Soweit ich verstanden habe, könnte der Vater monatlich bis 667 Euro an seine Tochter als Unterhalt zahlen und diese dann als Sonderausgaben geltend machen. Ist das richtig?

+ Kommentar hinterlassen