Zeigt her eure Konten!

Neue Rekorde Kontoabfragen


Die deutschen Behörden überprüfen immer häufiger private Konten auf Unregelmäßigkeiten. Mit Hilfe der automatisierten Kontenschnüffelei können sie heimlich, still und leise feststellen, wer wo wie viele Konten und Depots hat. Bürger und Banken erfahren davon nichts.

Nicht ersichtlich bei diesen Abfragen sind Kontenstände und Kontenbewegungen. Doch: Auch diese können abgefragt werden. Dafür muss die Behörde gezielt bei den betreffenden Banken nachfragen.

Bei diesen Kontenabrufen sind zwei Formen und Wege zu unterscheiden:

  • Kontenabrufe der Finanzämter: Finanz- und Sozialbehörden können Kontenanfragen über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Diesen Weg nutzen auch Gerichtsvollzieher und Jugendämter sowie die Vollstreckungsbehörden von Bund und Ländern.
  • Kontenabrufe der Polizei: Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften dürfen ebenfalls Konten und ihre Besitzer aufspüren und nutzen dazu die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Auch die Steuerfahndungsstellen der Finanzämter sowie die Zollfahndungsstellen gehen über die BaFin.

100.000 Abfragen mehr als im Vorjahr

Für das Jahr 2018 – wie bereits in allen Vorjahren – gibt es nun einen neuen zweifelhaften Rekord bei den Kontenabfragen. Finanzämter, Sozialbehörden, Gerichtsvollzieher und Jugendämter haben im vergangenen Jahr so viele heimliche Kontenabfragen gestartet wie noch nie zuvor: insgesamt 796.600! Und damit über 100.000 mehr als im Jahr zuvor.

Täglich 4.300 Bürger ausgespäht

Beim Start im Jahr 2005 waren es gerade mal 8.700. Doch selbst dieser unrühmliche Rekord ist noch nicht die ganze Wahrheit: Zusätzlich zu den Kontenabfragen der Finanz- und Sozialbehörden haben Polizei, Staatsanwaltschaften, Zoll- und Steuerfahndung weitere 142.888 (Vorjahr: 136.845) Kontenabrufe vorgenommen. Insgesamt sind das 939.488 Kontenabfragen (Vorjahr: 829.011). Heißt: Jeden Arbeitstag wurden durchschnittlich rund 4.300 Bürger ausgeforscht (Vorjahr: 3.800)!

Ab 2020 schauen die Behörden noch genauer hin

Eine Neuerung gibt es ab 2020: Dann werden die Zugriffe noch genauer, d. h. die Möglichkeit von fehlerhaften Datenübermittlungen oder Personenverwechslungen verringert sich. Künftig sind die Banken verpflichtet, neben den bisherigen Parametern (Name, Vorname und Geburtsdatum) auch die Adresse und die steuerliche Identifikationsnummer an das Bundeszentralamt für Steuer zu übermitteln. Durch die Übermittlung dieser weiteren Parameter wird eine noch genauere Auswertung der Abrufergebnisse durch das Bundeszentralamt für Steuern möglich sein (BT-Drucksache 19/9177 vom 08.04.2019).

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12 Kommentare

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  1. 1
    Luan

    Schönen guten Tag,
    persönlich möchte ich mich nicht vom Staat überwachen lassen.
    Für mich macht es den Eindruck einer Diktatur, wenn der Staat alle Bürger grundsätzlich durchleuchtet.
    In Ordnung fände ich es nur, wenn ein Bürger “kriminelle Hintergründe” hat, und dementsprechend durchleuchtet wird. Jetzt sind wir Alle unter “Generalverdacht”.
    Es hilft nur eins: Geld ausgeben, unter dem Kopfkissen legen oder gleich dem Staat alles verschenken. Dank der Digitalisierung wissen Alle alles 🙂

    Was mich interessieren würde ist, ob PayPal Konten und Auslandskonten davon auch betroffen sind?

    • 2
      Alexander Müller

      Hallo,
      ja – man kann die Kontoabfragen durchaus kritisch sehen. Vor allem, wenn vielleicht grundlos die Daten abgefragt werden. In der Regel haben die Behörden aber einen Grund und unterliegen auch einer regelmäßigen Überprüfung. Trotzdem hat gerade das Finanzamt viele Kompetenzen hinsichtlich z.B. der Vollstreckung von Steuerforderungen. Aber man darf nicht vergessen, dass die Finanzämter nur das umsetzen, was die Gesetzgebung hergibt.

      Auslandskonten sind davon nicht ausgenommen – es gibt mit vielen Ländern inzwischen Abkommen -siehe link zum BMF– , dass Bankdaten von dort an das Bundeszentralamt für Steuern gemeldet werden. Das ganze nennt sich dann “Erhöhung der Steuerehrlichkeit bei internationalen Sachverhalten”. Ob paypal mit darunter fällt, wissen wir leider nicht.

      Viele Grüße,
      Alexander von der buhl:Redaktion

  2. 3
    Gerhard Voigt

    Liebe Bürgerin & Bürger, wer glaubt der Irret.
    Es ist egal wer an der Macht bzw. welches System dran ist. Der kleine Bürger ist immer der Dumme. Sehet Euch vor wem Ihr Vertraut.

  3. 6
    G.W

    Der Meinung zum Überwachungsstaat kann ich mich nur anschließen. Dem “normalen” Bürger werden schon die Zinsen einbehalten (Zwangsenteignet) und dann wird das bisschen was noch bleibt von den Behörden einfach ohne richterlichen Beschluss für ihre Zwecke eingelesen.
    Mit Demokratie hat das alles schon lange nichts mehr zu tun.

  4. 8
    R.Hellwig

    Diese Schnüffelei halte ich für unvereinbar mit einer freiheitlichen Demokratie wenn es keinen aktuellen Grund und keine richterliche Genehmigung gibt. Lässt Geschmack nach Diktatur/ Überwachungsstaat aufkommen.

  5. 9
    Rener

    Nachdem das Finanzamt ja bestens im Bilde ist über die Geldangelegenheiten der Bürger, könnte uns wenigstens die jährliche öde Steuererklärung erspart bleiben…

  6. 11
    Harald Guist

    Digitalisierung auf dem Vormarsch. Der gläserne Bürger wird nicht nur “transparenter” sondern auch zerbrechlicher, bei Tricksereien. Ehrlich währt also am längsten.

  7. 12
    Otmar Ebenfeld

    Ich wusste immer schon, dass der Staat über die Finanzen der Bundesbürger gut orientiert ist. Die ganzen Meldeverfahren vom Notar, der Versicherer, Banken, Krankenkasse sind der Beweis dafür. Daher aufgepasst, die StErkl. ehrlich erstellen.

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