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Kirchensteuer und Kirchgeld

Die wichtigsten Infos auf einen Blick


Kirchen dürfen Steuern einfordern. Wer Mitglied in einer Kirche ist, die Steuern erhebt, muss Kirchensteuer zahlen. Das ist aber eine der wenigen Steuerarten, die man tatsächlich „abwählen“ kann. Wie genau das funktioniert und wie hoch die Steuerersparnis ist, lesen Sie hier.

Kurz & knapp

  • Kirchen dürfen Steuern erheben, Mitglieder dieser Kirche müssen Kirchensteuer zahlen
  • Die Kirchensteuer können Sie als Sonderausgabe von der Steuer absetzen
  • In bestimmten Fällen müssen Paare statt der Kirchensteuer Kirchgeld zahlen

Wie hoch ist die Kirchensteuer?

Die Höhe der Kirchensteuer hängt davon ab, wie viel Sie verdienen. Denn die Kirchensteuer berechnet sich anhand der Einkommensteuer, die Sie pro Jahr zahlen müssen. Das bedeutet: Je höher Ihr Einkommen, desto mehr Einkommensteuer zahlen Sie – und desto höher fällt auch die Kirchensteuer aus.

Info Glühbirne KirchensteuerDie Kirchensteuer wird monatlich zusammen mit Ihrer Lohnsteuer abgeführt. Sie müssen also nicht selbst tätig werden. Bei Selbstständigen ist sie Teil der vierteljährlichen Vorauszahlung.

Wie berechne ich die Kirchensteuer?

Die Kirchensteuer beträgt 9 Prozent Ihrer Einkommensteuer. Wohnen Sie in Baden-Württemberg oder Bayern, liegt sie bei 8 Prozent. Möchten Sie es ganz genau wissen, können Sie folgendermaßen rechnen:

Beispiel: Berechnung der Kirchensteuer

Stefan verdient im Jahr 40.000 Euro brutto. Davon zahlt er eine jährliche Einkommensteuer von 6.845 Euro. Da er in Nordrhein-Westfalen wohnen, liegt die Kirchensteuer bei 9 Prozent:

6.845 Euro x 0,09 = 616,06 Euro
Ergebnis: Pro Jahr zahlt Stefan Kirchensteuer in Höhe von 616,05 Euro.

Kirchensteuer bei Austritt

Zahlen Sie Kirchensteuer, können Sie sich davon befreien lassen. Dafür müssen Sie jedoch aus der Kirchengemeinschaft austreten – Sie sind dann also nicht länger Mitglied der Kirche.

Möchten Sie aus der Kirche austreten und sich die Steuer sparen, genügt der Gang zum Standesamt oder Bürgerservice. Je nach Bundesland wird für den Kirchenaustritt eine Gebühr von 10 bis 60 Euro fällig.

Unser Tipp: Gehen Sie auf Nummer Sicher und legen Sie für das Jahr Ihres Austritts die Bescheinigung Ihrer Steuererklärung bei. Haben Sie für das Jahr zu viel Kirchensteuer gezahlt, wird sie Ihnen im Rahmen der Steuererklärung erstattet.

Info Glühbirne Kirchensteuer SpendenUnabhängig von der Kirchensteuer können Sie auch mit Ihrer Spende an die Kirche Steuern sparen – auch dann, wenn Sie selbst ausgetreten sind. Wichtig ist, dass Sie für Ihre Spende einen Spendenbeleg haben. Mehr dazu erfahren Sie hier: Spenden absetzen

Wie viel spare ich beim Austritt aus der Kirche?

Wie viel Sie im Jahr des Austritts sparen, hängt davon ab, in welchem Monat Sie austreten. Die jährlich fällige Steuer verringert sich dann um jeweils 1/12. Die Steuerbefreiung beginnt nach Ablauf des Monats, in dem Sie ausgetreten sind.

Beispiel: Ersparnis bei Kirchenaustritt

Stefan ist im Juni 2021 aus der Kirche ausgetreten. Im ersten Beispiel hat er bereits berechnet, dass er pro Jahr 616,05 Euro an Kirchensteuern zahlt – also 51,34 Euro pro Monat. Der Betrag für das Jahr 2021 reduziert sich also um die Beiträge für die Monate Juli-Dezember:

6 x 51,34 Euro = 308,04 Euro.

Ergebnis: Im Jahr des Austritts spart Stefan 308,04 Euro.

Was sind die Vorteile und Nachteile bei einem Austritt?

Das Hauptargument für einen Austritt aus der Kirche ist für die meisten sicherlich der Steuervorteil. Denn die Ersparnis fällt oft ziemlich üppig aus. Es reduziert sich immerhin nicht nur die Steuer auf Ihren Arbeitslohn. Auch bei Zinsen auf Kapitalanlagen müssen Sie keine Kirchensteuer mehr zahlen.

Weniger erfreulich ist dagegen der bürokratische Aufwand. Denn für den Austritt bleibt der Gang zum Standesamt oder Bürgerdienst nicht aus. Zusätzlich kommen noch die Bearbeitungsgebühren hinzu – betrachtet man aber die Steuerersparnis, sind die Gebühren sicherlich leicht zu verschmerzen.

Dafür fallen in der Regel aber die „Kirchen-Services“ weg. Das heißt: Kirchliche Trauungen, Taufen oder Totenmessen sind dann nicht mehr (kostenlos) möglich. Gleichzeitig sind Kirchen mit den Abgaben oft karitativ tätig und bewirken auch viel Gutes. Und: Sie erhalten für die gezahlte Kirchensteuer einen Steuerbonus, da man sie als Sonderausgabe angeben darf.

Sind Sie auf Jobsuche, sollten Sie auch Folgendes beachten. Denn: Kirchliche Arbeitgeber verlangen für eine Anstellung oft eine Mitgliedschaft. Treten Sie aus der Kirche aus, verringert das Ihre Jobchancen.

Info GlühbirneÜbrigens: Sind Sie aus der Kirche ausgetreten, können Sie trotzdem jederzeit wieder eintreten.

Erstattung der Kirchensteuer

Haben Sie in einem Jahr zu viel Einkommensteuer bezahlt, erhalten Sie über Ihre Steuererklärung auch eine Erstattung der Kirchensteuer. Doch ebenso wie Sie gezahlte Kirchensteuer absetzen können, müssen Sie auch Erstattungen in Ihrer Steuererklärung angeben. Durch die Erstattung verringert sich dann der Steuervorteil im Folgejahr.

Beispiel:

Stefanie hat für das Jahr 2019 über die Steuererklärung eine Kirchensteuer-Erstattung von 150 Euro erhalten. Der Betrag wurde ihr im Jahr 2020 vom Finanzamt überwiesen. In ihrer Steuererklärung für das Jahr 2020 muss sie diese erhaltene Rückzahlung angeben. Die Höhe der Kirchensteuer, die sie als Sonderausgabe absetzen kann, verringert sich für das Jahr 2020 also um 150 Euro.

Was ist ein Erstattungsüberhang?

In manchen Fällen kann es passieren, dass Ihre Erstattung höher ausfällt als die Kirchensteuer, die Sie in einem Jahr zahlen müssen. Es bleibt nach Abzug der Kirchensteuer also ein Plus bei Ihnen hängen. Das passiert oft in dem Jahr nach einem Kirchenaustritt.

Doch hier währt die Freude nicht allzu lang. Denn: Der positive Erstattungsbetrag wird zu Ihrem Gesamtbetrag der Einkünfte dazugerechnet – und mit Einkommensteuer belastet. Sie versteuern die Erstattung also genauso, wie Ihr übriges Einkommen.

Beispiel:

Stefanie hat, wie im oberen Beispiel, für 2019 eine Kirchensteuererstattung von 150 Euro erhalten. Im Jahr 2020 hat sie aber keine Kirchensteuer mehr gezahlt, weil sie ausgetreten ist. Die Erstattung bleibt ihr also in voller Höhe erhalten.

Ergebnis: In Ihrer Einkommensteuererklärung für 2020 muss sie die 150 Euro also zusammen mit ihren anderen Einnahmen angeben. Auf den Gesamtbetrag wird dann die Einkommensteuer berechnet.

Achtung Steuer Hinweis Icon Kirchensteuer VerlusteAchtung bei Verlusten! 2019 hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass der Erstattungsüberhang nicht mit Verlusten aus vorigen Jahren verrechnet werden darf. Es kann also passieren, dass Sie durch eine hohe Erstattung von Kirchensteuer trotz Verlustvortrag Steuern zahlen müssen.

Was ist die Kirchensteuerkappung?

Die Höhe der Kirchensteuer beträgt 8 bzw. 9 Prozent der Einkommensteuer. Mit steigendem Einkommen steigt also auch die Steuerbelastung. Um bei hohem Einkommen eine sehr hohe Kirchensteuer zu vermeiden, gibt es die Möglichkeit, die Kirchensteuer zu kappen.

Dabei zählt für die Berechnung der Kirchensteuer dann nicht mehr die Einkommensteuer, sondern das zu versteuernde Einkommen. Je nach Bundesland beträgt die gekappte Kirchensteuer 2,75 bis 4 Prozent.

Ob Sie für die Kappung einen Antrag stellen müssen, hängt vom Bundesland ab, in dem Sie wohnen:

  • Ein Antrag ist erforderlich in: Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland
  • Eine automatische Kappung gibt es in: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen
  • In Bayern ist eine Kappung der Kirchensteuer nicht möglich.

Ist dafür ein Antrag erforderlich, reichen Sie ihn direkt bei Ihrer Landeskirche bzw. Diözese ein. Das geht aber erst, wenn Sie für das jeweilige Jahr bereits den Steuerbescheid erhalten haben. Den legen Sie dann einfach Ihrem Antrag bei.

Erfolgt Ihre Kappung automatisch? Dann passiert das ab einer bestimmten Kappungsschwelle. Die Höhe hängt dabei vom jeweiligen Bundesland ab. Grundsätzlich ist die Schwelle erreicht, sobald die „normale“ Kirchensteuer höher ausfällt als die gekappte. Das passiert jedoch erst bei einem sehr hohen Einkommen von über 100.000 Euro.

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Kirchensteuerkappung mit WISO Steuer

Den Muster-Antrag auf Kirchensteuer-Kappung können Sie ganz bequem auf WISO Steuer herunterladen. Sie haben Ihre Kirchensteuer bereits kappen lassen und möchten, dass es im Programm berücksichtig wird?

So geht’s: Gehen Sie dazu auf Allgemeine Ausgaben > Kirchensteuer und Kirchgeld. Beantworten Sie anschließend die Frage Wurde ein Antrag auf Kappung der Kirchensteuer gestellt? mit Ja. Nun rechnet das Programm automatisch mit Ihrer gekappten Kirchensteuer weiter.

Steuern machen mit WISO Steuer Steuererklärung-Software

Erlass der Kirchensteuer

In einigen Fällen ist es möglich, einen Teil der Kirchensteuer zu sparen. Und zwar beispielsweise bei Abfindungen oder wenn Sie Ihren Betrieb oder Mitunternehmeranteil verkaufen. Dann kann die Hälfte der Kirchensteuer erlassen werden.

Aber Achtung: Das passiert nicht automatisch! Damit Ihre Kirchensteuer erlassen wird, müssen Sie das bei Ihrer Kirche beantragen. Allerdings sind die Kirchen nicht dazu verpflichtet, den Antrag auch zu bewilligen – einen Versuch ist es aber allemal wert.

Kirchensteuer für verstorbene Angehörige zahlen

Verstirbt ein Angehöriger, der vor dem Tod zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet war, geht diese Pflicht auf den oder die Erben über. Wird dabei eine Nachzahlung fällig, muss hier der Erbe ebenfalls einspringen.

Das Gute daran: Zahlen Sie für den Verstorbenen Kirchensteuer nach, können Sie diese ebenfalls in Ihrer Steuererklärung als Sonderausgaben ansetzen. So urteilte der BFH bereits 2016 (BFH, Urteil v. 21.7.2016, X R 43/13).

Was ist das Kirchgeld?

Was ist das allgemeine Kirchgeld?

Kirchenmitglieder mit einem geringen Einkommen müssen eigentlich keine Kirchensteuer zahlen. Und hier kommt das allgemeine Kirchgeld ins Spiel. Das besondere Kirchgeld zahlen alle Mitglieder, die mehr als 9.744 Euro (Grundfreibetrag) verdienen. Die Höhe liegt je nach Einkommen zwischen 5 und 120 Euro pro Jahr.

Was ist das besondere Kirchgeld?

Das besondere Kirchgeld ist – wie der Name schon sagt – eine besondere Form der Kirchensteuer. Das Kirchgeld wird dann erhoben, wenn nur ein Ehepartner Mitglied in der Kirche ist und Kirchensteuer zahlt.

Info Icon GrafikDas besondere Kirchgeld können Sie – ebenso wie die Kirchensteuer – als Sonderausgabe in Ihre Steuererklärung eintragen.

Wann muss ich das besondere Kirchgeld zahlen?

Das besondere Kirchgeld wird erhoben, wenn:

  • der Ehepartner, der Mitglied in der Kirche ist:
    kein eigenes Einkommen hat und somit gar keine Kirchensteuer zahlt
    oder ein kleines Einkommen hat, sodass die Kirchensteuer niedriger ausfällt als das besondere Kirchgeld;
  • beide Ehepartner eine zusammenveranlagte Steuererklärung abgeben.

Beispiel:

Stefan ist verheiratet, seine Ehefrau ist aus der Kirche ausgetreten und zahlt keine Kirchensteuer. Zusammen haben sie ein zu versteuerndes Einkommen von 89.000 Euro. Laut Tabelle (siehe unten) würde für Stefan besonderes Kirchgeld in Höhe von 696 Euro pro Jahr anfallen.

Ergebnis: Da Stefans Kirchensteuer mit 616,05 Euro geringer ist, muss Stefan stattdessen das besondere Kirchgeld von 696 Euro pro Jahr zahlen.

Info Icon Grafik Kirchgeld Ehepaare Sind beide Ehepartner aus der Kirche ausgetreten, fällt kein besonderes Kirchgeld an.

Wie hoch ist das besondere Kirchgeld?

Die Höhe des besonderen Kirchgelds hängt von Ihrem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen ab:

Gemeinsames zu versteuerndes Einkommen (in Euro)Jährliches besonderes Kirchgeld (in Euro)
30.000 – 37.49996
37.500 – 49.999156
50.000 – 62.499276
62.500 – 74.999396
75.000 – 87.499540
87.500 – 99.999696
100.000 – 124.999840
125.000 – 149.0001.200
150.000 – 174.9991.560
175.000 – 199.9991.860
200.000 – 249.9992.220
250.000 – 299.9992.940
Ab 300.0003.600
Info Glühbirne TippUnser Tipp: Leben Sie in einer glaubensverschiedenen Ehe, sollten Sie unbedingt prüfen, ob eine Zusammenveranlagung für Sie sinnvoll ist. Vor allem bei einem hohen Einkommen kann es passieren, dass das Kirchgeld höher ist als die Steuerersparnis bei der Zusammenveranlagung.

Kirchensteuer auf Kapitalerträge

Erhalten Sie Zinsen auf angelegtes Kapital, müssen Sie auf darauf Abgeltungsteuer zahlen. Diese führt die Bank automatisch an das Finanzamt ab. Doch damit nicht genug: Neben der Abgeltungsteuer wird auch Kirchensteuer einbehalten. Auch hier liegt die Höhe je nach Bundesland zwischen 8 und 9 Prozent der Abgeltungsteuer.

Kirchensteuer, die auf Ihre Abgeltungssteuer anfällt, können Sie auch nicht mehr als Sonderausgaben absetzen. Grund dafür ist, dass die Kirchensteuer automatisch steuersenkend bei der Abgeltungsteuer angerechnet wird.

Was gilt für glaubensverschiedene Ehepaare?

Haben Ehepaare gemeinsame Kapitalerträge, aber nur einer davon muss Kirchensteuer zahlen? Dann gehen Banken bei der Berechnung der Steuer folgendermaßen vor:

Die erhaltenen Zinsen werden beiden Partnern jeweils zu 50 Prozent zugeschrieben. Der Anteil des konfessionslosen Ehepartners bleibt kirchensteuerfrei. Auf die andere Hälfte kommt zusätzlich Kirchensteuer.

Kirchensteuer absetzen mit WISO Steuer

Mit gezahlter Steuer Steuern sparen? Mit WISO Steuer kinderleicht! Geben Sie einfach die Daten aus Ihrer Lohnsteuerbescheinigung ein. WISO Steuer setzt die gezahlte Kirchensteuer automatisch an die richtige Stelle bei den Sonderausgaben.

Aber es geht sogar noch einfacher: Mit dem Steuer-Abruf holt WISO Steuer alles Daten Ihrer Lohnsteuerbescheinigung automatisch vom Finanzamt ab und trägt sie in Ihre Steuererklärung ein. So sparen Sie sich die Tipperei – nur noch Angaben kontrollieren und fertig!

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Quelle: BZST

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