Deutsche Rentner in Spanien

Ab 2015 gelten neue Regeln


Viele deutsche Rentner ziehen nach ihrem Arbeitsleben in den Süden und verbringen ihren Ruhestand in Südspanien, auf Mallorca oder auf Teneriffa. Dorthin überweist die Deutsche Rentenversicherung ihre Rente. Die Frage ist, ob und wie diese Rente zu versteuern ist.

Rente bisher in Spanien versteuert

Nach dem bisherigen Doppelbesteuerungsabkommen mussten deutsche Rentner, die in Spanien “Residente” sind, in Spanien ihre deutsche Rente versteuern. Die “Residencia” muss jeder beantragen, der sich in Spanien mehr als 183 Tage aufhält. “Residente” sind in Spanien voll steuerpflichtig und müssen dieselbe Steuer wie spanische Bürger bezahlen. Ausgenommen sind deutsche Pensionäre- ihre Pension wird im Kassenstaat besteuert. Betriebsrenten und private Renten sind im Wohnsitzstaat zu versteuern.

Deutschland erhält nun Besteuerungsrecht

Deutschland hat nun mit Spanien ein neues Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen, das seit Anfang 2013 angewandt wird. Danach erhält Deutschland als Kassenstaat für deutsche Renten ein begrenztes Besteuerungsrecht.

  • Personen, die ab 2015 erstmals Rente beziehen, müssen in Deutschland 5 % Steuern auf ihre gesetzliche Rente bezahlen.
  • Für Neurentner ab 2030 beträgt der Quellensteuersatz 10 %.
  • Diese Regelung gilt ebenfalls für Betriebs-, Riester- und Rürup-Renten, deren Aufbau über einen Zeitraum von mehr als 12 Jahren in Deutschland staatlich gefördert worden ist.
  • Für andere Renten bleibt es dabei, dass das alleinige Besteuerungsrecht dem Wohnsitzstaat (Spanien) zusteht.

Als “staatlich gefördert” gelten Renten, deren Beiträge länger als zwölf Jahre geleistet wurden und diese entweder steuerfrei waren (nicht als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit steuerpflichtig) oder steuerlich abziehbar waren oder in anderer Weise staatlich gefördert wurden (z. B. durch Zulagen). Das Besteuerungsrecht fällt an den Wohnsitzstaat zurück, wenn die Förderung wegen Wegzugs aus Deutschland zurückgefordert wurde.

Abgabe der Steuererklärung wird Pflicht

Das bedeutet: Ab 2015 müssen deutsche Rentner, die in Spanien leben, auch in Deutschland eine Einkommensteuererklärung abgeben. Die in Deutschland gezahlte Steuer wird auf etwaige in Spanien zu entrichtende Steuern angerechnet.

Wichtig

Für Menschen, die vor 2015 in Rente gehen, ändert sich nichts. Sie brauchen ihre Rente auch künftig nur in Spanien zu versteuern und deswegen in Deutschland keine Steuererklärung abzugeben. Dies sollten Sie wissen, wenn Sie eine entsprechende Aufforderung vom Finanzamt Neubrandenburg erhalten.

Automatische Kontrollmitteilungen

Deutschland hat nun mit Spanien eine “Absprache über gegenseitige Amtshilfe in Steuersachen” unterzeichnet. Was so nebulös klingt, bedeutet konkret: Ab 2015 versenden Deutschland und Spanien automatische Kontrollmitteilungen über gezahlte Sozialversicherungsrenten sowie über Betriebs-, Riester- und Rürup-Renten, deren Aufbau über einen Zeitraum von mehr als 12 Jahren in Deutschland staatlich gefördert worden ist. So kann der jeweils andere Staat die Renten besser besteuern bzw. die Versteuerung besser kontrollieren.

Quelle: Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 09.04.2013

 

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10 Kommentare

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  1. 1
    Carl Richter

    Bin jetzt etwas verwirrt, wer kann mir eine Auskunft geben?
    Lebe auch in Spanien und habe die Residencia seit 2017. Jetzt will das span. Finanzamt eine EKst.-Erklärung von 2015, da ich meine Renten seit Jahren nach Spanien überweisen lasse. Sie haben auch die Beträge der beiden Renten-Träger genannt.
    Also bekomme 18.000 € Renten, abzgl. Freibeträge 5.500 + 1.150 € (Bin 70 Jahre) + 3.000 € Ehefrau (ohne Einkommen) = Freibetrag 9.750 € – verbleiben 8.150 €.
    Kann ich meine Miete von 600€ wirklich absetzen, wie Lambert Thomas oben anführt oder ist dies “frei erfunden”?
    Letzte Frage: Mit welchen %-Satz wird der Rest dann versteuert?

    • 2
      Anna Maringer

      Hallo Herr Richter,
      Leider ist es uns gesetzlich nicht erlaubt Ihnen hier Auskunft zu geben, da wir keine Steuerberatung anbieten dürfen. Unsere Empfehlung: In unserer Steuer-Software finden Sie viele hilfreiche Tipps rund um Ihre Steuererklärung.
      Liebe Grüße
      Ihre :buhl-Redaktion

  2. 3
    Andrea Möller

    Der persönliche Freibetrag ist grundsätzlich 5.550 €, wobei sich diese ab 65 Jahren um 1.150€ und ab 75 Jahren um weitere 1.400€ erhöht. Versteuern Sie zusammen (empfehlenswert wenn einer der Ehepartner keine Einkünfte hat), erhöht sich Ihr Freibetrag um weitere 3.000 €

  3. 4
    Lambert Thomas

    Ich bin aktuell 58 und möchte nach meiner Verrentung 2026 nach Spanien umziehen. Die Gesamtrente aus Rister und Altersrente wird um 1000 € monatlich liegen. 5 % sind zwar in Deutschland futsch, bleiben 950 Netto,aber in Spanien abzugsfähig. In Spanien beträgt der Steuersatz auf Brutto 25 %, macht 250 €. Bleiben monatlich zum Leben 700 € abzüglich KV.

    Macht in Deutschland 50 x 12 = 600 €, in Spanien 250 x 12 = 3000 € Einkommenssteuer, insges.3600 € / Jahr. Der spanische Freibetrag ist 5500 €, Wohnungsmieten sind in Spanien steuerlich abzugsfähig, macht bei einer günstigen Monatsmiete von 350 € 4200 € abzugsfähiger Miete plus 5500 € spanischen Freibetrag 9700 € Abzugsfähigkeit nach spanischen Steuerrecht.

    Somit verbleiben nach deutschem Steuerrecht am Jahresende 9100 € negativer Steuerlast, nach Spanischem 6700 €. Was passiert in beiden Ländern mit dieser negativen Steuerlast? können Rentner, ähnlich wie Unternehmen, einen vErlustvortrag bilden oder wird die negative Steuerlast in einem beider Länder ausgezahlt?

  4. 5
    Schmitz

    Hallo, ich lebe in Frankreich und muss seit Jannuar 2016 meine Rente in Frankreich versteuern. ( Neues DBA).
    Die Folge ist, dass das AltEinKG in Frankreich nicht greift. IN D musste ich nur 52% versteuern jetzt 100% in Frankreich.
    Wie ist die Situation in Spanien?

  5. 6
    Hans Schubert

    Hallo Herr Grimm,
    was bedeutet genau 90% der Einkünfte aus Deutschland? Ich beziehe “nur” eine Rente aus Deutschland, keine weiteren Einkünfte. Für mich müßte dann wohl die unbeschränkte Steuerpflicht in Frage kommen.
    Leider suche ich schon seit längerer Zeit nach einem Online-Steuerrechner für Spanien, mit dem die Steuerlast für die Deutsche Rente ermitteln kann. Ich bekomme unterschiedliche Antworten zur Versteuerung der Deutschen Rente in Spanien (Abzug von Freibetrag etc.). Klar ist für mich momentan nur, dass ich die Rente mit 5% versteuern muß und diese Steuerlast bei der spanischen Einkommensteuer wieder absetzen kann, aber die Höhe der Einkommensteuer in Spanien kann mir bis jetzt niemand genau verraten.
    Alles Gute und vielleicht haben Sie ja auch für mich einen guten Rat.

    • 7
      Wolfgang Schulze

      Hallo Herr Schubert,
      ich habe genau das gleiche Problem wie Sie. Gegen das ach so schlimme Stellen von Einkommensteueranträgen in Deutschland habe ich überhaupt nichts, werde ich doch als Rentner sehr viel Zeit haben und die kleinen grauen Zellen werden zwangsweise dabei mit trainiert. Aber irgendwelche Tipps für die deutsche Steuer sind doch letztlich uninteressant, wenn schließlich alleine die spanische Steuer zählt, die die deutsche gewissermaßen überholt. Ich hatte z.B. vor, mein Haus beim Auswandern zu vermieten, aber allein über das Thema der Versteuerung deutscher Mieteinnahmen in Spanien habe ich schon so viel widersprüchliches gelesen, daß mir schon ganz schwindlig davon ist. Mein Eindruck ist, dass da möglicherweise viel geschätzt wird, bekommt man angeblich doch noch nicht einmal eine Abrechnung über das Zustandekommen der Steuer. Vielleicht könnten wir uns ja zusammentun, um etwas brauchbares herauszubekommen.

  6. 8
    R. Grimm

    Sehr geehrter Herr Meine,
    vorgestern habe ich in der Zeitung “Die Welt” einen Artikel (www.welt.de/153260892) gelesen, der Sie interessieren dürfte. Darin ist zu lesen, dass es eine juristische Hintertür gibt, die jeder kennen sollte, der seinen Altersruhesitz in das Ausland verlegen will. Wichtigste Aussage in diesem Artikel: Wer mind. 90 Prozent seiner Einkünfte aus D bezieht, kann einen Antrag beim Finanzamt Neubrandenburg (www.finanzamt-rente-im-ausland.de/) stellen, um in D unbeschränkt steuerpflichtig zu bleiben. Dann gelten die Freibeträge und das Ehegattensplitting weiter.
    Vielleicht hilf Ihnen der Hinweis weiter.

    • 9
      Jürgen Meine

      Sehr geehrter Herr Grimm,
      erst jetzt stosse ich auf Ihre freundliche Antwort vom 16.03.2016 und danke Ihnen für den Hinweis auf den ‘WELT-Artikel’. Da mein spanisches Einkommen wesentlich höher liegt als die Rentensumme aus D., kommt die ‘Hintertür’ für mich ‘leider’ nicht infrage. Dennoch herzlichen Dank, verbunden mit meinen besten Wünschen für das kommende Jahr.

  7. 10
    Jürgen Meine

    Ich wohne seit 1970 in Spanien und beziehe seit 05/2002 aus Deutschland folgende Renten (p.a.):
    a) RV Bund €12.000, b) BVV €12.000 und c) Betriebsrente €8000, die ich voll versteuern muss. Meine deutschen Steuerfreibeträge in der Grössenordnung von insgesamt €20.000 p.a. werden nicht anerkannt. Gibt es rechtliche Möglichkeiten, diesen Sachverhalt (Indiskriminierung?) anzufechten oder muss ich mich im Alter von 76 Jahren gezwungen sehen, nach Deutschland zurückzukehren, z.B. in ein Seniorenheim. Mein Fall kompliziert sich insofern, als dass meine Beiträge an den BVV aus in Spanien vollversteuertem Arbeitseinkommen erfolgte. Erlauben die EU-Rechtsvorschriften zur Beseitigung von steuerlichen Hemmnissen für grenzüberschreitende Pensions- und Rentenzahlungen dem spanischen Fiskus seine Vorgehensweise? Gern würde ich eine Stellungsnahme Ihrerseits begrüssen. Vielen Dank.
    J.Meine

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