Wenn ein Single noch bei den Eltern wohnt

Wenn ein Single noch bei den Eltern wohnt

Ist eine doppelte Haushaltsführung möglich?


Auch Ledige können eine doppelte Haushaltsführung bei der Steuer geltend machen. Bei ihnen kommt allerdings dem eigenen Hausstand eine größere Bedeutung als Verheirateten zu.

Was ist ein eigener Hausstand?

Darunter versteht das Finanzamt eine eingerichtete Wohnung, die den Mittelpunkt der Lebensinteressen darstellt. Der Haushalt darin muss „unterhalten“ oder mitunterhalten werden. Heißt: Sie müssen die Haushaltsführung bestimmen oder wesentlich mitbestimmen und sich finanziell an den Haushaltskosten beteiligen.

Auf das Alter kommt es an

Einfach ist das Urteil daher bei jüngeren berufstätigen Kindern, die während oder nach der Ausbildung weiterhin im elterlichen Haushalt ein Zimmer bewohnen. Hier wird angenommen, dass sie keinen eigenen Hausstand unterhalten, auch wenn sie sich an den Kosten beteiligen. Denn sie sind im Allgemeinen in den Haushalt der Eltern eingegliedert. Folge: Eine doppelte Haushaltsführung wird hier nicht anerkannt.

Anders sieht es hingegen bei älteren berufstätigen Kindern aus, die mit ihren Eltern oder einem Elternteil in einem gemeinsamen Haushalt leben: In diesem Fall kann angenommen werden, dass sie die Führung des Haushalts maßgeblich mitbestimmen. Die steuerlich erfreuliche Folge: Ihnen wird dieser Hausstand als „eigener“ zugerechnet.

Der „kleinfamilientypische“ Haushalt der Eltern kann sich zu einem wohngemeinschaftsähnlichen, gemeinsamen und mitbestimmten Mehrgenerationenhaushalt oder gar zum Haushalt des erwachsenen Kindes wandeln, wenn die Eltern beispielsweise wegen Krankheit oder pflegebedürftigkeit darin aufgenommen werden (Aktenzeichen VI R 46/12).

Auch Ältere können noch Kind im steuerlichen Sinne sein

Nun hat das Finanzgericht Nürnberg entschieden, dass bei einem alleinstehenden Arbeitnehmer, der am auswärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung nutzt und im elterlichen Haus lediglich ein Zimmer bewohnt, eine doppelte Haushaltsführung nicht anzuerkennen ist. Bei Gesamtwürdigung aller Umstände habe der Ledige den Haushalt der Eltern nicht als „eigenen Hausstand“ geführt, sondern sei lediglich in den Haushalt der Eltern eingegliedert gewesen.

Der Ledige sei nicht wesentlich bestimmender bzw. mitbestimmender Teil des elterlichen Hausstandes gewesen. Er habe sich lediglich in dem Haushalt „aufgehalten“ (Aktenzeichen 4 K 323/16).

Der entschiedene Fall

Ein 27 Jahre alter lediger Arbeitnehmer nimmt in München eine Beschäftigung auf und nutzt dort eine Zwei-Zimmerwohnung mit einer Wohnfläche von 47,89 qm. Seinen Hauptwohnsitz behält er an seinem Heimatort bei und wohnt dort zusammen mit seinen Eltern im Einfamilienhaus. Dort nutzt er aber nicht eine abgeschlossene Wohnung, sondern lediglich ein Wohn-/Schlafzimmer mit 15 qm. Die Küche und das Bad nutzen er und seine Eltern gemeinsam. Das Finanzamt will eine doppelte Haushaltsführung nicht anerkennen, weil am Heimatort kein eigener Hausstand unterhalten werde.

Vom Kind zum Mitbewohner

Doch es geht auch anders: Es ist durchaus üblich, dass sich ein ehemals von den Eltern geführter Haushalt mit zunehmendem Alter der Eltern und Kinder zu einem wohngemeinschaftsähnlichen, gemeinsam bestimmten Haushalt wandelt. Nach neuerer BFH-Rechtsprechung ist bei älteren, wirtschaftlich selbständigen, berufstätigen Kindern davon auszugehen, dass sie die Haushaltsführung maßgeblich mitbestimmen, sodass ihnen dieser Haushalt als „eigener“ zugerechnet werden kann (Aktenzeichen VI R 76/13, VI R 10/13; VI R 46/12 , VI R 10/12).

Dabei ist es unerheblich, dass der Arbeitnehmer nicht über eine abgeschlossene Wohnung verfügt. Vielmehr kann ein eigener Hausstand auch dann unterhalten werden, wenn der Erst- oder Haupthausstand gemeinsam mit den Eltern oder einem Elternteil geführt wird, vor allem wenn die Eltern betagt, krank oder pflegebedürftig sind.

Das sollten Sie beachten

Falls das Finanzamt eine doppelte Haushaltsführung bei Ihnen ablehnt, kann der Ansatz von Fahrtkosten in Betracht kommen: Als Werbungskosten absetzbar sind nämlich Fahrten von zwei Wohnungen aus – von der Zweitwohnung und von der Heimatwohnung – zur Tätigkeitsstätte. Anerkannt werden die Fahrten mit der Entfernungspauschale von 0,30 Euro. Voraussetzung ist hierfür allerdings, dass die Heimatwohnung der „Lebensmittelpunkt“ ist.

Das ist der Fall, wenn Sie dort die engeren persönlichen Beziehungen haben, dort Eltern oder Verlobte(r) leben, sich der Freundes- und Bekanntenkreis befindet, Vereinsmitgliedschaften bestehen, ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt werden, andere Aktivitäten stattfinden usw. Diesen Nachweis können Sie sich ersparen, wenn Sie mindestens zweimal im Monat nach Hause fahren. Dann geht das Finanzamt davon aus, dass Sie dort Ihren Lebensmittelpunkt haben.

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