Bitcoins und Steuer

Wann das Finanzamt den Gewinn besteuert


Mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen lassen sich in den letzten Monaten ordentliche Gewinne verzeichnen. Doch: Wie werden diese eigentlich versteuert? Und was bedeutet das für die Steuererklärung?

Der Kurs steigt und steigt und steigt

In den letzten Wochen übersteigen sich die Pressemeldungen aufgrund der starken Wertsteigerungen. Anfang des Jahres 2017 notierte der Bitcoin noch rund 1.000 Dollar – und am 28. November 2017 knackte er die 10.000 Dollar-Marke. Am 6. Dezember durchbrach der Kurs die 12.000 Dollar, am 7. Dezember hat er sogar die 14.000 Dollar-Marke gerissen, und kurz vor Weihnachten war er sage und schreibe fast 20.000 Dollar wert! Momentan pendelt er zwischen 15.000 Dollar und 17.500 Dollar.

Wer nun glücklicher Besitzer solcher Bitcoins ist, überlegt sich sicher, ob er die gigantischen virtuellen Kursgewinne zu realen Geldgewinnen machen sollte und welche steuerlichen Konsequenzen dies wohl hat.

Gewinn unterliegt dem persönlichen Steuersatz

Die Finanzverwaltung hat aktuell klargestellt, dass Bitcoins Gegenstand eines privaten Veräußerungsgeschäfts können (BT-Drucksache 17/14530, S. 40). Das bedeutet:

Werden Euros in Bitcoins umgetauscht, wird damit das Wirtschaftsgut “Bitcoins” angeschafft. Festhalten sollte daher man unbedingt

  • den Anschaffungszeitpunkt
  • den Anschaffungspreis
  • die gekaufte Menge

Bitcoins weniger als ein Jahr halten

Werden Bitcoins innerhalb von zwölf Monaten nach der Anschaffung wieder verkauft, d.h. in Euros umgetauscht, sind Gewinne in voller Höhe als “sonstige Einkünfte” mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern. Abgeltungsteuer fällt darauf nicht an, denn es handelt sich steuerlich ja nicht um Kapitaleinkünfte.

Der Gewinn bleibt steuerfrei, wenn er unterhalb der jährlichen Freigrenze von 600 Euro bleibt.

Verluste dürfen nur mit Gewinnen aus privaten Veräußerungsgeschäften verrechnet werden, und zwar durch Verlustausgleich im selben Jahr sowie durch Verlustabzug im Vorjahr und/oder in den Folgejahren. Anzugeben sind die Geschäfte in der “Anlage SO”.

Gewinn nach zwölf Monaten steuerfrei

Erfolgt der Verkauf von Bitcoins nach dem Ablauf von zwölf Monaten, sind Gewinne vollkommen steuerfrei und Verluste steuerlich unbeachtlich.

Werden Bitcoins nacheinander angeschafft und im selben Depot gehalten, gilt die “First in, first out”-Regel: Für die Berechnung der Spekulationsfrist und des Veräußerungsgewinns gelten die zuerst gekauften Bitcoins als zuerst verkauft.

Sollten aus der Bitcoin-Anlage als Einkunftsquelle zumindest in einem Jahr Zinserträge erzielt werden, verlängert sich die Spekulationsfrist von einem Jahr auf zehn Jahre.

Umsatzsteuer fällt nicht an

Gerne möchte man auch wissen, ob beim An- und Verkauf von Bitcoins Mehrwertsteuer zu zahlen ist. Das Bundesfinanzministerium hatte im Jahre 2013 klargestellt, dass Bitcoins zwar kein gesetzliches Zahlungsmittel, aber doch “privates Geld” darstellen und deshalb von der Umsatzsteuer befreit sind (BT-Drucksache 17/14530, S. 41). Auch der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass auf den Umtausch der virtuellen Währung keine Mehrwertsteuer anfällt (EuGH-Urteil, Aktenzeichen C-264/14).

Vorsicht: Zinsen sind steuerpflichtig!

Erzielt man jedoch Zinsen, fällt Abgeltungssteuer an. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn man Bitcoins in Form eines Peer-to-Peer-Kredits an Kreditnehmer verleiht. Oder die Bitcoins an Börsen an andere Händler „verleiht“, damit diese die digitalen Token mit Hebel handeln können. Hier erhört sich Mindesthaltezeit sogar auf zehn Jahre!

Wurden nacheinander mehrere Bitcoins angeschafft und im selben Depot gehalten, gilt die „First in, first out-Regel: Für die Berechnung der Spekulationsfrist und des Veräußerungsgewinns gelten die zuerst gekauften Bitcoins als zuerst verkauft.

Sollten aus der Bitcoin-Anlage als Einkunftsquelle zumindest in einem Jahr Zinserträge erzielt werden, verlängert sich die Spekulationsfrist von einem Jahr auf zehn Jahre.

Welche Steuern fallen beim Mining an?

Wer seine Bitcoins durch das Mining verdient und durch das Schürfen Gewinne erwirtschaftet, hatEinkünfte aus einem Gewerbebetrieb. Diese müssen entsprechend versteuert werden. Auch beim Cloudmining, also dem Mieten von Rechenkapazitäten und dem Minen digitaler Münzen aus der Ferne fallen – je nach Vertrag und Anbieter – Steuern an.

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2 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Bill

    Bei den Zinserträgen handelt es sich nicht nur um Zinserträge. Es geht eher darum, dass durch jegliche Art von Fruchtziehung aus Coins eine Verlängerung der Haltefrist auf 10 Jahr möglich ist. Das heißt, wenn der Coin von sich aus Rechte gibt an Zinsen oder wenn man beispielsweise diese Coins verleiht (Stichwort Lending).
    Beste Grüße

  2. 2
    Nico

    Sie schreiben: “Sollten aus der Bitcoin-Anlage als Einkunftsquelle zumindest in einem Jahr Zinserträge erzielt werden, verlängert sich die Spekulationsfrist von einem Jahr auf zehn Jahre.” Was bedeutet Zinserträge in diesem Kontext? Muss das Cryptoasset an sich in einer Form Zinserträge abwerfen? In welche Form müssen diese ausgezahlt werden und welche Bedingungen müssen erfüllt sein, dass diese Erträge als Zinserträge gelten? Danke und freundliche Grüße

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