Der längere, aber schnellste Weg zur Arbeit

Der längere, aber schnellste Weg zur Arbeit

Wie viel erkennt das Finanzamt an?


Der schnellste Weg zur Arbeit, das ist nicht immer der Kürzeste. Wie viele Kilometer der Entfernung die Finanzverwaltung für den Weg zur Arbeit anerkennt, ist im Einzelfall zu entscheiden.

Der Fall

Die Richter des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz haben in einem konkreten Fall (Aktenzeichen 4 K 1810/11) eine Entscheidung getroffen. Entgegen der Meinung der Klägerin gaben sie dem Finanzamt Recht und erkannten nur die kürzeste Verkehrsverbindung als Grundlage für die Entfernungspauschale von 30 Cent an.

Geklagt hatte eine Arbeitnehmerin. Sie machte unter anderem geltend, dass die Entfernung zu ihrer Arbeitsstätte von der Wohnung in Ludwigshafen 38 Kilometer betrage. Das Finanzamt erkannte nur 21 Kilometer an. Dies war die Entfernung für die kürzeste Verkehrsverbindung

Die Entfernungspauschale

Für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte können Arbeitnehmer Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung ansetzen. Dabei werden 30 Cent je Entfernungskilometer und Arbeitstag anerkannt. Grundsätzlich ist hier die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte maßgebend. Der Ansatz von mehr Kilometern ist in Ausnahmefällen möglich. Dazu sind zwei Voraussetzungen wesentlich:

  1. Die längere Verbindungsstrecke muss offensichtlich verkehrsgünstiger sein.
  2. Sie muss vom Arbeitnehmer regelmäßig für Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt werden.

Offensichtlich verkehrsgünstiger

Eine Fahrstrecke ist nicht offensichtlich verkehrsgünstiger, wenn sie bei ständig wechselnden Verkehrsverhältnissen nur bei bestimmten Verkehrslagen Vorteile gegenüber der kürzesten Strecke bietet. Wenn die Entscheidung, welche Strecke günstiger ist, vor jeder Fahrt anhand der aktuellen Verkehrslage neu getroffen wird.

In der Vergangenheit haben sich die Richter des Bundesfinanzhofs oft mit der Frage des Begriffs der „offensichtlich verkehrsgünstigeren Straßenverbindung“ beschäftigt. Nach deren Meinung war eine längere Straßenverbindung verkehrsgünstiger, wenn der Arbeitnehmer eine längere Strecke tatsächlich genutzt hat und in der Regel schneller und pünktlicher seinen Arbeitsplatz erreicht hat. Der Vorteil durch die Umwegstrecke sollte so klar erkennbar sein, dass jeder unvoreingenommene verständige Verkehrsteilnehmer sich für die längere Strecke entschieden hätte.

Zeitersparnis

Lange galt eine Zeitersparnis von 20 Minuten als offensichtlich verkehrsgünstiger. Irgendwann haben die Richter klargestellt, dass nicht immer eine Zeitersparnis von 20 Minuten gegeben sein kann. Wenn der Weg zur Arbeit keine zwanzig Minuten dauert, kann die Zeitersparnis keine 20 Minuten betragen. Deshalb muss in jedem Einzelfall entschieden werden.

Beträgt die Zeitersparnis weniger als 10 Prozent, spricht einiges dafür, dass dieser minimale Vorteil für einen neutralen Verkehrsteilnehmer nicht der alleinige Grund für die Wahl der Fahrstrecke sein kann. Auch andere Gründe können für die Wahl und die steuerliche Anerkennung der verkehrsgünstigeren Strecke stehen, wie zum Beispiel die Ampelschaltung.

In dem hier genannten konkreten Einzelfall erbrachte die Klägerin den Nachweis der „offensichtlichen verkehrsgünstigeren Straßenverbindung“ nicht. Da sie durch ihren Antrag einen steuerlichen Vorteil beantragte, war sie verpflichtet einen Nachweis zu erbringen. Konkret wollte sie höhere Werbungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anerkannt haben. Da sie hierdurch von der generellen Regelung abwich, war sie zum Nachweis verpflichtet.

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