Erste eigene Wohnung

Erste eigene Wohnung

Wann liegt eine doppelte Haushaltsführung vor?


Viele junge Menschen, die an einem auswärtigen Ort fern der Heimat beschäftigt sind, unterhalten am Heimatort im Haus der Eltern eine eigene Wohnung – ohne dass sie dafür Miete zahlen müssen. Wollen Sie dann Kosten einer doppelten Haushaltsführung steuerlich geltend machen, zücken die Finanzbeamten gerne den Rotstift.

Eigener Hausstand

Denn bei einer doppelten Haushaltsführung müsse ein eigener Hausstand unterhalten werden, und dazu gehöre, dass Sie auch für die Kosten aufkommen. Und zwar sowohl für die Kosten der Wohnung als auch für die Kosten des Haushalts. Jetzt hat der Bundesfinanzhof gegen das Finanzamt entschieden.

Keine unerlässliche Voraussetzung

Auch bei unentgeltlicher Nutzung der Hauptwohnung kann ein eigener Haushalt vorliegen. Denn es sei zu unterscheiden zwischen dem Unterhalten eines eigenen Haushalts und der Frage, wer die Kosten dafür trägt. Deshalb könne ein Lediger auch dann einen eigenen Haushalt unterhalten, wenn eine andere Person die Kosten des Haushalts aufkomme. Das Merkmal der Entgeltlichkeit ist lediglich ein Indiz, jedoch keine unerlässliche Voraussetzung dafür, dass ein eigener Haushalt vorliegt (BFH-Urteil vom 28.3.2012, VI R 87/10).

Lebensumstände

Ob ein Steuerpflichtiger in einer Wohnung einen eigenen Hausstand führt, kann nur unter Berücksichtigung insbesondere der Einrichtung, der Ausstattung und der Größe eben dieser Wohnung entschieden werden. Wird der Haushalt in einer in sich abgeschlossenen Wohnung geführt, die auch nach Größe und Ausstattung ein eigenständiges Wohnen und Wirtschaften gestattet, wird regelmäßig vom Unterhalten eines eigenen Hausstands auszugehen sein. Weiter sind aber auch die persönlichen Lebensumstände, Alter und Personenstand des Steuerpflichtigen zu berücksichtigen.

So wird ein Lediger, der nach Schulabschluss gerade eine Ausbildung begonnen hat, noch eher in den Haushalt seiner Eltern eingegliedert sein, wenn er im Haus der Eltern eigene Räume bewohnt. Hingegen dürfte jemand, der schon im Rahmen einer Beziehung oder Ehe andernorts einen eigenen Hausstand geführt hat, einen solchen auch weiter unterhalten, wenn er wieder eine Wohnung im Haus seiner Eltern bezieht.

Hinweis: Immer wenn eine Wohnung unentgeltlich genutzt wird, prüfen die Finanzämter besonders, ob der Arbeitnehmer einen eigenen Haushalt unterhält oder in einen fremden eingegliedert ist. Künftig dürfen sie aber deswegen eine doppelte Haushaltsführung nicht mehr ablehnen. „Denn eine eigene Haushaltsführung des auswärts Beschäftigten ist nicht zwingend ausgeschlossen, wenn sich dessen finanzielle Beteiligung am Haushalt nicht feststellen lässt, wie auch umgekehrt aus einem finanziellen Beitrag allein nicht zwingend auf das Unterhalten eines eigenen Haushalts zu schließen ist“ (BFH-Urteil vom 28.3.2012, VI R 87/10).

 

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