Fahrten zur Arbeit von Zweitwohnung

Fahrten zur Arbeit von Zweitwohnung

Wie werden die Fahrten berücksichtigt?


Arbeitnehmer, die weit außerhalb ihres Heimatortes tätig sind, fahren häufig von zwei Wohnungen zur Arbeit: und zwar von der Zweitwohnung am Beschäftigungsort und von der Hauptwohnung am Heimatort. Wie aber werden diese Fahrten von der weiter entfernt liegenden Wohnung steuerlich berücksichtigt?

  • Handelt es sich um eine Auswärtstätigkeit, sind alle Fahrten – auch die Heimfahrten – mit der Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer absetzbar, und zwar zeitlich unbegrenzt.
  • Handelt es sich um eine doppelte Haushaltsführung, sind die Heimfahrten mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer abziehbar, und zwar nur eine Fahrt pro Woche. Die erste Hinfahrt und die letzte Rückfahrt können mit der Dienstreisepauschale berechnet werden. Wahlweise können Sie auch auf die doppelte Haushaltsführung verzichten und stattdessen die Heimfahrten in beliebiger Anzahl mit der Entfernungspauschale absetzen.

Nicht nur gelegentlich

Diese Möglichkeit besteht ebenfalls, falls eine doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt wird. Die beliebig vielen Heimfahrten erkennt das Finanzamt jedoch nur dann als Werbungskosten an, wenn „die weiter entfernt liegende Hauptwohnung der Mittelpunkt der Lebensinteressen bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird“.

  • Bei Verheirateten wird unterstellt, dass der Lebensmittelpunkt dort ist, wo die Familie lebt. Das Finanzamt akzeptiert dies ohne nähere Prüfung, wenn Sie mindestens sechsmal im Jahr dorthin fahren.
  • Bei Alleinstehenden ist der Lebensmittelpunkt dort, wo die engeren persönlichen Beziehungen bestehen, wo also die Eltern oder die/der Verlobte leben, der Freundes- und Bekanntenkreis ist, Vereinsmitgliedschaften bestehen, andere Aktivitäten stattfinden. Ohne Bedeutung ist, ob Sie dort eine eigene Wohnung haben oder noch im Haushalt Ihrer Eltern ein Zimmer bewohnen. Das Finanzamt akzeptiert die Hauptwohnung ohne Weiteres als Lebensmittelpunkt, wenn Sie durchschnittlich mindestens zweimal im Monat nach Hause fahren, also mindestens 24 Fahrten im Jahr in der Steuererklärung geltend machen.

Lebensmittelpunkt

Das Finanzgericht Nürnberg hat bei einer ledigen Bürokauffrau akzeptiert, dass diese ihren Lebensmittelpunkt weiterhin an ihrem Heimatort hat und 28 Fahrten von der 280 km entfernt liegenden Zweitwohnung nach Hause anerkannt (FG Nürnberg vom 25.7.2012, 5 K 1354/2009).Die junge Dame konnte belegen, dass sie am Heimatort neben ihrer Familie auch ihren Freundeskreis hatte, dort
an Vereinsversammlungen teilnahm, bei Dorffesten mitwirkte, am öffentlichen Leben partizipierte, den Zahnarzt ihres Vertrauens beibehielt, bei der örtlichen Bank ihr Konto unterhielt und in der Firma des Vaters eine Nebentätigkeit ausübte.

Kein Rechtsgrundsatz

Die Richter rügten das Finanzamt, weil die Beamten 12 Fahrten als übliche Besuchsfahrten und damit als nichtabziehbare Privataufwendungen ansehen wollten. Einen solchen Rechtsgrundsatz gebe es nicht.

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