Ferien auf dem Bauernhof

Ferien auf dem Bauernhof

Wann ist eine Zimmervermietung gewerblich?


Neben Kuhweide und Hühnergehege Urlaub machen – vor allem bei Kleinkindern sorgt das für leuchtende Augen. Und obwohl die Idee, Ferien auf dem Bauernhof anzubieten, bereits altbekannt ist, hat diese Art von Freizeitgestaltung nach wie vor Konjunktur. Deshalb vermieten viele Landwirte einige Zimmer ihres Bauernhofs oder Wohnungen und sichern sich damit ein Zubrot. Aber: Wann gilt die Vermietung als gewerblich und wann nicht?

Mit der Frage der Abgrenzung hat sich nun die Oberfinanzdirektion Frankfurt/M. befasst (Verfügung vom 15.02.2019, S 2230 A-008-St 216). Danach gilt:

1. Einkünfte aus Gewerbebetrieb

Die Erträge aus der Vermietung von Zimmern bzw. Ferienwohnungen (Urlaub auf dem Bauernhof) gehören zu den Einkünften aus Gewerbebetrieb, wenn

  • mindestens vier Zimmer oder mindestens sechs Betten zur Beherbergung von Fremden bereitgehalten werden (entsprechend R 15.5 Abs.13 der Einkommensteuer-Richtlinien).
  • unabhängig von der Zahl der Zimmer oder Betten außer dem Frühstück mindestens eine Hauptmahlzeit gewährt wird.

Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, gehören die Erträge aus der Überlassung der Zimmer an Feriengäste entweder zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft oder zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung.

2. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft

Die Erträge gehören zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, wenn das Zimmer bzw. die Wohnung

dem land- und forstwirtschaftlichen Betriebsvermögen zuzurechnen sind. Das ist u. a. dann der Fall, wenn

  • auf einem zuvor landwirtschaftlich genutzten Grundstück eine Ferienwohnung errichtet oder
  • in dem noch zum Betriebsvermögen gehörenden Wohngebäude das Dachgeschoss für Feriengäste hergerichtet bzw. ausgebaut wird. Die die Wohnung und der zugehörige Grund und Boden sind nicht durch eine eindeutige Entnahmehandlung aus dem Betriebsvermögen (unter Aufdeckung der stillen Reserven) entnommen worden. Die Räumlichkeiten gehören dann zum sogenannten gewillkürten (geduldeten) Betriebsvermögen.

3. Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung

Die Einnahmen sind bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung zu berücksichtigen, wenn der Land- und Forstwirt beispielsweise

  • das Zimmer bzw. die Wohnung (und den anteiligen Grund und Boden) aus dem Betriebsvermögen (steuerpflichtig) entnommen hat oder
  • eine Ferienwohnung auf einem Grundstück errichtet hat, das bisher zum Privatvermögen gehörte.

Eine Einlage in das land- und   forstwirtschaftliche Betriebsvermögen ist nicht möglich, da die Räumlichkeiten in keinem objektiven Zusammenhang zur Land- und Forstwirtschaft stehen und auch nicht geeignet sind, diese zu fördern. Das Gleiche gilt, wenn die Zimmer oder die Wohnung auf zugekauften, bisher nicht zum Betriebsvermögen gehörendem Grund und Boden errichtet oder einschließlich Grund und Boden erworben werden.

Die Finanzverwaltung weist ausdrücklich darauf hin, dass die Betriebe mit Fremdenbeherbergung durch Auswertung der öffentlichen Werbung oder im Internet ermittelt werden können.

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