Bogen rund

Fiskus und künstliche Befruchtung

Steuerlich absetzbar – oder nicht?


Bei ungewollter Kinderlosigkeit versuchen viele Paare, dem Kinderwunsch durch “heterologe Insemination” nachzuhelfen. Was sagt Vater Staat dazu?

Die Kosten dafür gehen ordentlich ins Geld, denn die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur für drei Versuche jeweils 50 Prozent der Kosten – und auch nur dann, wenn die Partner verheiratet sind und ausschließlich Ei- und Samenzellen der Ehepartner verwendet werden. Bei der Frage, ob die nicht erstatteten Kosten steuerlich absetzbar sind, machen die Finanzämter einen feinen Unterschied:

  • Ist die Ehefrau empfängnisunfähig, dient die künstliche Befruchtung als Heilbehandlung der Krankheit. Denn durch die künstliche Befruchtung der Eizellen der Frau mit dem Samen ihres Ehemannes werden die Folgen des anormalen Körperzustandes überwunden (sog. homologe Insemination). Deshalb sind die Aufwendungen als außergewöhnliche Belastung absetzbar (BFH-Urteil vom 18.6.1997, BStBl. 1997 II S. 805).
  • Ist der Ehemann zeugungsunfähig, dient die künstliche Befruchtung nicht als Heilbehandlung der Krankheit, da der kranke Ehemann nicht behandelt wird und die behandelte Frau gesund ist. Wenn nämlich Eizellen einer gesunden Frau mit Samen eines fremden Mannes befruchtet werden, wird dadurch nicht die Zeugungsunfähigkeit des Mannes überwunden (sog. heterologe Insemination). Deshalb werden in diesem Fall die Aufwendungen steuerlich leider nicht anerkannt (BFH-Urteil vom 18.5.1999, BStBl. 1999 II S. 761).

Das Niedersächsische Finanzgericht hat – in Abweichung von der BFH-Rechtsprechung – entschieden, dass auch die Kosten für eine heterologe künstliche Befruchtung (mit dem Samen eines fremden Mannes) als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind, wobei das Finanzamt eine zumutbare Belastung anrechnet (FG Niedersachsen vom 5.5.2010, 9 K 231/07).

Der Fall

Der Ehemann litt unter einer inoperablen organisch bedingten Sterilität. Er war aufgrund dieses Befundes nicht in der Lage, auf natürlichem Weg selber Kinder zu zeugen. Sein Sperma war auch nicht geeignet, im Rahmen einer (homologen) künstlichen Befruchtung selbst nach ärztlicher Behandlung eingesetzt zu werden.

Die Entscheidung

Die nach erfolgloser homologer Befruchtung durchgeführte heterologe Insemination ist Teil einer auf das spezielle Krankheitsbild des Mannes abgestimmten, medizinisch indizierten und ärztlich zulässigen Therapiemaßnahme, die mit dem Ziel durchgeführt wird, die Krankheitsfolgen – die ungewollte Kinderlosigkeit der Eheleute – abzumildern. Daher sind die insoweit entstandenen Heilbehandlungskosten (für Medikamente, Behandlung und Fahrten) aus tatsächlichen Gründen auch zwangsläufig entstanden und damit steuermindernd zu berücksichtigen. Nun muss der Bundesfinanzhof abschließend entschieden.

Tipp: Nach neuerer BFH-Rechtsprechung sind die Kosten einer künstlichen Befruchtung ebenfalls bei Frauen absetzbar, die unverheiratet sind, aber in einer festen Partnerschaft leben. Und zwar für eine homologe Insemination mit dem Samen des Partners (BFH-Urteil vom 10.5.2007, BStBl. 2007 II S. 871).

 

 

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