Hoch die Gläser, Kollegen!

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Geburtstagsfeier auf Arbeit absetzbar


Auf Kosten des Finanzamts feiern? Gar nicht so abwegig. Denn Bewirtungskosten sind dann als Werbungskosten absetzbar, wenn sie beruflich veranlasst sind. Bei privater Veranlassung wie Geburtstag, Hochzeit etc. wurden sie bisher nicht anerkannt. Doch nun gab es eine Kehrtwende.

Überraschung vor dem Bundesfinanzhof

Nun hat der Bundesfinanzhof für eine Sensation gesorgt: Der BFH betont zwar, dass Ausgaben für eine Geburtstagsfeier in der Regel auch durch die gesellschaftliche Stellung des Arbeitnehmers veranlasst und deshalb im Allgemeinen nicht als Werbungskosten absetzbar sind. Aber trotz des herausgehobenen persönlichen Ereignisses können die Kosten für eine solche Feier ausnahmsweise ganz oder teilweise beruflich veranlasst sein. Sind zu der Geburtstagsfeier ausschließlich Arbeitskollegen eingeladen, sind die Kosten als Werbungskosten abziehbar (Aktenzeichen VI R 7/16).

Der entschiedene Fall

Der Geschäftsführer einer GmbH lädt anlässlich seines 60. Geburtstages rund 70 Personen zu einer Geburtstagsfeier ein. Es handelte sich dabei ausschließlich um Arbeitskollegen bzw. Mitarbeiter, einige Rentner und den Aufsichtsratsvorsitzenden. Die Feier fand in Räumen des Unternehmens statt. Die Kosten in Höhe von 2.470 Euro erkannte das Finanzamt nicht als Werbungskosten an, wohl aber das Finanzgericht und ebenso der BFH.

Ein Geburtstag stelle – so der BFH – zwar ein herausgehobenes persönliches Ereignis dar. Aber trotzdem könne die Feier beruflich veranlasst sein. Dies sei möglich, wenn die Feier nicht in erster Linie der Ehrung des Jubilars und damit nicht der repräsentativen Erfüllung gesellschaftlicher Konventionen, sondern dem kollegialen Miteinander und daher der Pflege des Betriebsklimas dient, der Jubilar mit seiner Einladung der Belegschaft (den Kolleginnen und Kollegen) Dank und Anerkennung zollt oder gefestigten betrieblichen Gepflogenheiten Rechnung trägt.

Hier habe der Geschäftsführer keine privaten Freunde oder Verwandten eingeladen, sondern nur Personen aus dem beruflichen Umfeld. Die Veranstaltung sei in Räumen des Arbeitgebers (Werkstatthalle) und – zumindest teilweise – während der Arbeitszeit durchgeführt worden. Manche Gäste hätten sogar noch ihre Arbeitskleidung getragen. Der Kostenaufwand (pro Person 35 Euro) liege zudem deutlich unter dem Betrag, den der Geschäftsführer für seine Feiern mit privaten Freunden und Familienmitgliedern ausgegeben habe. Bei der gebotenen Gesamtwürdigung sei deshalb von beruflich veranlassten Aufwendungen auszugehen.

Wichtig

Die Kosten bei der Arbeitnehmerbewirtung sind – anders als bei der Arbeitgeberbewirtung – nicht auf 70 Prozent begrenzt, sondern in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar. Es handelt sich hier um die Bewirtung betriebsinterner Personen, also um eine Bewirtung aus „beruflichem“ Anlass. Dies wiederum bedeutet gleichzeitig, dass die strengen Nachweisvorschriften mittels förmlichen Bewirtungsbelegs nicht gelten. Die Rechnung des Cateringservice oder entsprechende Einkaufsbelege genügen.

1 comment

eigener Kommentar
  1. 1
    Klaus Brauner

    Lieber Herr Mäder,
    das war heute in meinem Newsletter meines Steuerprogramms. Ich sende es Ihnen, weil es Ihnen aus meiner Sicht nützen könnte.
    Freundliche Grüße

    Klaus Brauner

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