Höhere Pauschbeträge beim Umzug

Höhere Pauschbeträge beim Umzug

Mehr Werbungskosten bei beruflicher Veranlassung


Sind Sie aufgrund Ihrer Arbeit umgezogen? Dann können Sie die dadurch entstandenen Ausgaben bei der Steuer absetzen. Der Fiskus hat nun die ansetzbaren Pauschbeträge erhöht.

Voraussetzungen für den Abzug

Wenn Sie aus beruflichen Gründen umgezogen sind, können Sie die damit verbundenen Umzugskosten als Werbungskosten absetzen.

Steuerlich liegt ein beruflicher Grund für einen Umzug vor, wenn:

  •  Sie erstmals eine berufliche Tätigkeit aufnehmen, oder
  •  Sie Ihren Arbeitsplatz wechseln, z. B. durch Wechsel des Arbeitgebers oder Versetzung, oder
  •  Sie Ihren Arbeitsplatz nicht wechseln, sich Ihr täglicher Arbeitsweg durch den Umzug jedoch um insgesamt mindestens eine Stunde verkürzt, oder
  •  Ihr Arbeitsplatz durch den Umzug leichter erreichbar ist, oder
  •  der Umzug im Interesse des Arbeitgebers stattfindet, z. B. Bezug einer Dienstwohnung, oder
  •  wenn eine doppelte Haushaltsführung neu begründet oder beendet wird.

Wann gilt eine Fahrtzeitverkürzung?

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass berufliche Gründe im Ausnahmefall auch bei einer Fahrzeitverkürzung von unter einer Stunde vorliegen können, z. B. wenn Sie den Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mehrmals am Tag zurücklegen müssen oder durch den Umzug Ihre Arbeitsstätte leichter erreichen können (Aktenzeichen VI R 77/89).

Abziehbare Kosten

Kosten für den Transport des Umzugsgutes

Zu den Kosten gehören insbesondere:

  • Kosten für den Transport mit dem Möbelwagen
  • Arbeitslöhne für Möbelpacker
  • Verpackungsmaterial
  • Transportschaden-Versicherungen
  • Aufbau von Möbeln

Aufwendungen für die Verpflegung von Helfern und Trinkgelder werden als sonstige Umzugskosten berücksichtigt (siehe weiter unten).

Führen Sie den Umzug in Eigenregie durch, können Sie für die Fahrtkosten mit dem eigenen Pkw die tatsächlichen Kosten oder die Reisekostenpauschale ansetzen. Mieten Sie einen Transporter, können Sie die Mietzahlungen und das Kilometergeld geltend machen. Auch der Lohn für Helfer und Kostenerstattungen an Bekannte für den Einsatz des Pkws werden bei Nachweis anerkannt.

Wird Ihr Umzugsgut beschädigt, zerstört oder geht es verloren, können Sie die Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten ansetzen, soweit sie nicht durch Versicherungen erstattet werden. Nicht abzugsfähig sind Kosten der Zwischenlagerung von Möbeln.

Reisekosten am Umzugstag

Reisen am Umzugstag werden wie eine Auswärtstätigkeit abgerechnet. Sie können deshalb Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen vom Tag des Einladens bis zum Tag des Ausladens und Übernachtungskosten ansetzen.

Der Tag des Einladens und der Tag des Ausladens gelten dabei als volle Reisetage.

Reisekosten zum Suchen oder Besichtigen einer Wohnung

Das Finanzamt berücksichtigt entweder zwei Reisen für eine Person oder eine Reise für zwei Personen. Die Dauer einer Reise wird dabei für maximal zwei Reise- und zwei Aufenthaltstage anerkannt. Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen, Übernachtungen und sonstige Kosten werden wie bei Auswärtstätigkeit abgerechnet.

Doppelte Mietzahlungen

Leider oft Realität: Sie haben bereits eine neue Wohnung gemietet, müssen aber für die alte Wohnung ebenfalls noch Miete zahlen. Solche doppelten Mietzahlungen gehören ebenfalls zu den absetzbaren Werbungskosten. Sie können Mietzahlungen für die bisherige Wohnung ab dem Auszugstag bis zum Ablauf der Kündigungsfrist und für die neue Wohnung bis zum Einzugstag von Ihnen und ggf. Ihrer Familie ansetzen (Aktenzeichen VI R 2/11).

Zu den abzugsfähigen Kosten zählen auch Mietentschädigungen für die vorzeitige Entlassung aus einem langfristigen Mietvertrag. Eine fiktive Mietentschädigung (entgangene Miete) für das nach dem Auszug längere Zeit nicht vermietbare Eigenheim ist jedoch nicht absetzbar (Aktenzeichen VI R 25/10).

Kosten der Wohnungsvermittlung

Maklerkosten für die Suche einer Mietwohnung sind Werbungskosten. Kosten für Inserate gehören zu den sonstigen Umzugsauslagen (siehe weiter unten).Schalten Sie allerdings einen Makler für den Erwerb eines Eigenheims oder einer Eigentumswohnung ein, können Sie die Ausgaben nicht geltend machen. Diese zählen nämlich zu den Anschaffungskosten der Immobilie.

Kosten für Kochherde und Öfen

Abziehen können Sie Auslagen für einen Kochherd bis zu 230,08 Euro, wenn seine Beschaffung beim Bezug der neuen Wohnung notwendig ist. Notwendig ist die Beschaffung immer dann, wenn die alte Wohnung mit einem Kochherd vom Vermieter ausgestattet war, in der neuen Wohnung jedoch kein Kochherd vorhanden ist oder aufgrund der Umstellung von Gas oder Kohle auf Strom das bisherige Gerät nicht verwendet werden kann.

Sofern die neue Wohnung eine Mietwohnung ist, werden unter den gleichen Voraussetzungen auch die Auslagen für Öfen bis zu einem Betrag von 163,61 Euro für jedes Zimmer anerkannt.

Nachhilfe für die Kinder

Als umzugsbedingte Werbungskosten können die Kosten für Schulbücher oder Umschulungsgebühren, die durch den Schulwechsel der Kinder verursacht sind, abgesetzt werden.

Abziehbar sind auch Aufwendungen für den zusätzlichen, durch den Umzug bedingten Nachhilfeunterricht für die Kinder, allerdings nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag.

Beendigung des Umzugs abvolle Erstattung der Kosten bis zudarüber hinausgehender Teil zu 75 Prozent, maximal bis zuHöchstbetrag somit
01.03.2014901 €1.351,50 €1.802 €
01.03.2015920,50 €1.380.75 €1.841 €

 

Beispiel

Familie Müller ist am 10.06.2014 von Stuttgart nach Freiburg umgezogen. Für Sohn Paul entstanden 2014 zusätzliche Unterrichtskosten in Höhe von 2.000 Euro. Abzugsfähig sind zunächst einmal voll 901 Euro.

Von dem noch nicht berücksichtigten Betrag in Höhe von 1.099 Euro (2.000 Euro minus 901 Euro) sind weitere 824,25 Euro absetzbar (75 % von 1.099 Euro).

Insgesamt kann Familie Müller in der Einkommensteuererklärung 2013 Unterrichtskosten von 1.725,25 Euro geltend machen.

Bei den Höchstbeträgen handelt es sich nicht um Pauschbeträge. Die angefallenen Kosten sind durch eine Schulbescheinigung nachzuweisen.

Sonstige Umzugskosten

Neben den „klassischen“ Kosten (Spediteur, Makler, Fahrtkosten usw.) fallen durch einen Umzug auch sonstige Ausgaben in oft erheblicher Höhe an.

Zu den sonstigen Umzugskosten zählen z. B. Trinkgelder und Verpflegung für Möbelpacker, Kosten für die Übernahme des Telefonanschlusses, Ihre behördliche Ummeldung und die Ihres Autos, Inseratskosten, Anschlusskosten für Herde und Öfen usw.

Auch diese Kosten können Sie steuerlich geltend machen, und zwar wie folgt:

  •  Ohne Einzelnachweis können Sie eine Umzugskostenpauschale ansetzen. Dies gilt jedoch nicht, wenn Sie Ihre alte Wohnung beibehalten, z. B. im Rahmen der doppelten Haushaltsführung.
  •  Sollten Ihre sonstigen Umzugsauslagen jedoch höher sein als die Pauschale, können Sie sich auch die Mühe machen, Ihre Aufwendungen im Einzelnen zu ermitteln und gegen Nachweis als Werbungskosten geltend zu machen.

Die Umzugskostenpauschalen betragen für Inlandsumzüge:

Umzug Pauschale für Verheiratete Pauschale für Ledige Erhöhungsbetrag für weitere Kinder, Stief- und Pflegekinder
ab 01.03.2014 1.429 € 715 € 315 €
ab 01.03.2015 1.460 € 730 € 322 €

Ist innerhalb von fünf Jahren ein beruflich bedingter Umzug vorausgegangen, so erhöhen sich die obigen Pauschalen um 50 Prozent. Sind Sie nicht aus einer „Wohnung“ aus- und in eine „Wohnung“ eingezogen, verringert sich die Umzugskostenpauschale auf 20 Prozent bei Ledigen bzw. 30 Prozent bei Verheirateten (z.B. wenn ein Kind nach seinem Berufsabschluss aus seinem Zimmer im elterlichen Haushalt auszieht und an seinen Arbeitsort zieht). Für Umzüge ins Ausland gelten andere Pauschalen, ebenso für Rückumzüge aus dem Ausland ins Inland.

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