Karnevalsfeier nicht traditionell genug

Karnevalsfeier nicht traditionell genug

Kein Steuervorteil für Partyjecken


Karneval ist nicht gleich Karneval – zumindest steuerlich gesehen. Heißt in Zukunft: Beim Narrhallamarsch freuen sich alle, bei de Höhner nur der Fiskus.

Wolle mer se reinlasse?

Kein Herz für Karnevalsfeiern zeigten nun die Richter des Bundesfinanzhofes. Sie entzogen einer Kostümparty den Steuervorteil. Es geht um die „Nacht der Nächte“, eine populäre Veranstaltung mitten im Herzen des Jeckenreichs, genauer in Bergisch Gladbach. Der seit 41 Jahren bestehende Karnevalsverein Alt Paffrath feiert jährlich eine Kostümparty – und bis zu 1.2000 Jecken folgen dem fröhlichen Ruf.

Die Veranstaltung bietet alles, was das Karnevalsherz begehrt: tänzerische und musikalische Darbietungen, das Dreigestirn und die Prinzengarde kommen – mit Tanzmariechen versteht sich. Die Gäste zeigen sich ausnahmslos kostümiert, von Bienchen bis zu Piraten ist alles vertreten. Auch werden Orden verliehen und Ehrungen vorgenommen. Traditioneller kann regionales karnevalistisches Brauchtum doch nicht sein, oder?

Partymachen vs. Tradition

Doch! Die Feier ist den Richtern des Bundesfinanzhofes nicht traditionell genug. Sie strichen der Veranstaltung den Steuervorteil. Genauer gesagt: Sie entzogen der Veranstaltung die Gemeinnützigkeit.

Begründung der Herren aus München: Auf die Musik komme es an. Da auf der Veranstaltung großteils Stimmungslieder gespielt werden, würde dies nicht dem traditionellen Karneval- sondern dem Partymachen dienen. Bei der verhandelten Feier seien Musik, Tanz und Geselligkeit im Vordergrund, der karnevalistische Brauchtum hingegen spiele eine nur untergeordnete Rolle ( Aktenzeichen V R 53/15).

Was bedeutet das steuerlich?

Die Folge des nun veröffentlichten Urteils: Das Steuerprivileg für die Veranstaltung fällt weg. Statt dem reduzierten Steuersatz von sieben Prozent wird auf die Kostümparty nun satte 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Auch unterliegt die Veranstaltung nun der Körperschaftsteuer.

Eine karnevalistische Veranstaltung sei laut den Richtern erst förderungswürdig, wenn die traditionellen Programmpunkte mindestens 50 Prozent der Zeit ausmachen. Ob für den Steuervorteil zukünftig zwischen Büttenrede und dem Fliegerlied die Stoppuhr gezückt werden muss, bleibt abzuwarten.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar