Photovoltaik bei Kleinunternehmern

Photovoltaik bei Kleinunternehmern

Nach fünf Jahren


Gerade bei Photovoltaikanlagen ist es vorteilhaft, bezüglich der Umsatzsteuer zunächst auf die Kleinunternehmer-Regelung zu verzichten und zur Regelbesteuerung zu optieren. Nach fünf Jahren kann aber eine Rückkehr zur Kleinunternehmer-Regelung durchaus sinnvoll sein.

Zu Beginn Regelbesteuerung

Unterliegt man mit seiner Solaranlage zunächst der Regelbesteuerung, kann man sich die Vorsteuer aus den Investitionskosten erstatten lassen. An diese Wahl man fünf Jahre lang gebunden. Doch ist es möglich, nach fünf Jahren wieder zur Kleinunternehmer-Regelung überzugehen und somit keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen und Umsatzsteuererklärungen mehr abgeben zu müssen?

Zehn oder fünf Jahre?

Zu beachten ist hier ein Berichtigungszeitraum, in dem der einstige Vorsteuerabzug zu korrigieren ist. Die Berichtigung des Vorsteuerabzugs erfolgt zeitanteilig. Der Berichtigungszeitraum beträgt:

  • bei Auf-Dach-Photovoltaikanlagen fünf Jahre
  • bei dachintegrierten Anlagen zehn Jahre

Wenn Sie also nach fünf Jahren wieder zur Kleinunternehmer-Regelung übergehen, ist eine Vorsteuerberichtigung für Photovoltaikanlagen nicht mehr erforderlich – Die im ersten Jahr erhaltene Vorsteuer können Sie in vollem Umfang behalten. Hingegen muss bei dachintegrierten Anlagen nach fünf Jahren die Vorsteuer zur Hälfte (= 5/10) ans Finanzamt zurückgezahlt werden. Hier empfiehlt es sich, erst nach zehn Jahren zur Kleinunternehmer-Regelung zurückzukehren.

Doch Vorsicht, es gibt eine Steuerfalle! Um diese zu erkennen und zu umgehen, müssen Sie den Unterschied zwischen Bindungszeitraum und Berichtigungszeitraum kennen:

Bindungszeitraum

Mit dem Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung im Jahr der Inbetriebnahme der Anlage sind Sie fünf Jahre an die Umsatzbesteuerung gebunden. Hierbei handelt es sich um Kalender- bzw. Veranlagungsjahre.

Beispiel

Bei Inbetriebnahme im Mai 2010 ist das Ende des Bindungszeitraumes der 31.12.2014. Sie können also ab dem 01.01.2015 Ihren Verzicht auf die Kleinunternehmer-Regelung erklären – Und die Umsatzsteuer belastet Sie nicht mehr.

Berichtigungszeitraum

Der Vorsteuer-Berichtigungszeitraum bei Solaranlagen beträgt ebenfalls fünf Jahre, doch hier werden fünf volle Jahre ab der Fertigstellung gerechnet.

Beispiel

Bei Fertigstellung im Mai 2010 und einem Beginn am 01.06.2010 ist das Ende des Berichtigungszeitraumes der 31.05.2015. Dies ist ein halbes Jahr später als der o.g. Bindungszeitraum für die Wahl der Kleinunternehmer-Regelung.

Fazit

Würden Sie also am 1.1.2015 zur Kleinunternehmer-Regelung zurückkehren, läge ein Fall der Vorsteuerberichtigung vor. Sie müssten hier für die fünf Monate des Jahres 2015 noch 5/12 von 1/5 des ursprünglichen Vorsteuerbetrages an das Finanzamt zurückzahlen. Da nach Ablauf von fünf Jahren die Wahl der Kleinunternehmer-Regelung erst mit Beginn eines Kalenderjahres möglich ist, sollten Sie diese Wahl zum 01.01.2016 treffen.

Tipp: Kehren Sie nicht nach dem fünften Jahr, sondern erst ab dem siebten Kalender- bzw. Veranlagungsjahr nach der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage zur Kleinunternehmer-Regelung zurück. Dann bleibt Ihnen die gesamte Vorsteuer erhalten, und Sie müssen nichts an das Finanzamt zurückzahlen

 

 

7 Comments

eigener Kommentar
  1. 3
    Thomas

    Das ist im zweiten Hinsehen verständlich. 2010 ist das erste – wenn auch nur zum Teil – Veranlagungsjahr, bis 2015 sind somit 6 Veranlagunsjahre vorbei und ab 2016 beginnt das 7. Veranlagungsjahr. Klingt zunächst komisch ist aber tatsächlich richtig.

  2. 4
    Rolf

    Welchen Vorteil bringt die Rückkehr zur Kleinunternehmer-Regelung, außer dass zukünftig die Arbeit für die UST-Erlärung enfällt? Hat man einen Vorteil in Bezug auf die Abschreibung (z.B. AfA vom restlichen Bruttobetrag statt vom Nettobetrag)?

  3. 5
    Florian Gentner

    @ Rolf: Da man bei neueren Anlagen (mit geringerer Einspeisevergütung) so viel Strom wie möglich selbst verbraucht – und diese Eigenentnahme mit Umsatzsteuer belastet wird – entfällt ab dem Jahr, in dem die Kleinunternehmerregelung wieder angewendet wird, die Versteuerung der Eigenentnahme. Das ist der Vorteil.

  4. 6
    Herbert Kuhn

    Hallo, ich habe noch einmal eine Frage zum 5-Jahre Berichtigungszeitraum. Meine Anlage wurde am 27.01.2014
    installiert und in Betrieb genommen. Die erste Umsatzsteuervoranmeldung habe ich für Jan 2014 abgegeben.
    Kann ich jetzt zum 01.01.2019 zur Kleinunternehmerregelung zurückkehren – ist der Berichtigungszeitraum von
    fünf Kalenderjahren damit erfüllt?

  5. 7
    Ingo

    Eine ähnlich gelagerte Frage: Wenn man zur Kleinunternehmer-Regelung zurückkehrt, aber die 20% Sonderabschreibung und so genutzt hat – hat das auch Auswirkungen? Oder läuft die Abschreibung einfach weiter? Oder endet die einfach mit der Umstellung egal wieviel abgeschrieben ist?

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