Richtig gekleidet?

Richtig gekleidet?

Wenn der Arbeitgeber Vorschriften macht


Bequeme Schuhe oder Strümpfe, die tägliche Kleidung kann nicht steuerlich geltend gemacht werden. Dies gilt selbst dann, wenn sie ausschließlich oder fast ausschließlich beruflich getragen wird. Dies haben die Richter des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg entschieden.

Damit folgen sie der Rechtsauffassung, die seit Jahren den Ansatz von Kosten für Alltagskleidung in der Steuererklärung verbietet.

Der Fall

Eine Stewardess hatte geklagt. Sie machte Kosten für Uniformschuhe und Uniformstrumpfhosen sowie Kosten für Koffer und Kofferersatz als Werbungskosten in Ihrer Steuererklärung geltend. Nicht nur die Sachbearbeiter im Finanzamt lehnten den Ansatz der Kosten in der Steuererklärung ab. Auch die Richter versagten den Ansatz.

Begründung der Richter

Aufwendungen für Kleidung können als typische Kosten der privaten Lebensführung grundsätzlich nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten angesetzt werden. Eine Ausnahme ist unter anderen die typische Berufskleidung. Sicherheitsschuhe zum Beispiel gehören dazu.

Aufwendungen für die private Lebensführung können auch der beruflichen Nutzung dienen. Sie dürfen mit ihrem beruflich bedingten Teil nur dann als Werbungskosten angesetzt werden, wenn eine leichte und nachprüfbare Trennung zwischen beruflicher und privater Nutzung möglich ist. Diese Aufteilung ist bei Alltagskleidung grundsätzlich nicht möglich.

Bedürfnis der Lebensführung

Für Karrierebewusste ist stilsicheres Auftreten ein Muss. Dazu gehört auch das modebewusste und gepflegte Erscheinungsbild. Viele Arbeitnehmer greifen tief in die Tasche, um dem Kleidungsstandard ihrer Berufsgruppe gerecht zu werden. So kam auch die Stewardess auf die Idee, dass es sich bei ihren Ausgaben um steuerlich relevante Betriebsausgaben oder Werbungskosten handeln muss. Doch Alltagskleidung wird grundsätzlich nicht anerkannt.

Denn Bekleidetsein ist nach Meinung der Richter ein Bedürfnis der privaten Lebensführung, auch bei der Ausübung der Arbeit. Vorgaben des Arbeitgebers und das Wechseln der Kleidung nach der Arbeit spielen keine Rolle. Da die Stewardess trotz der Vorgaben durch den Arbeitgeber die Kleidung in Farbe und Form selbst wählen konnte und eine private Nutzung möglich war, konnte sie Ihre Kosten steuerlich nicht geltend machen.

Der Koffer

Auch der Koffer der Stewardess kann auf einer privaten Reise  genutzt werden und damit ist ein Ansatz als Werbungskosten ausgeschlossen. Die Frage nach dem Inhalt des Koffers stellt sich automatisch. Auf einer Dienstreise der Stewardess werden in den Koffer sicherlich auch private Kleidungsstücke gepackt. Wie sollte hier eine klare Trennung zwischen Beruf und privat getroffen werden?

Finanzgericht Berlin-Brandenburg, 10 K 10202/09

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar