Bogen rund

Kurzarbeit & Steuern – Droht die Nachzahlung?

Alles, was Sie zum Thema Kurzarbeitergeld wissen müssen


Aufgrund der Corona-Pandemie sind zahlreiche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Aber was bedeutet das genau? Erfahren Sie in diesem Artikel, was Kurzarbeitergeld ist, unter welchen Voraussetzungen Sie es bekommen und was Sie bei der Steuererklärung beachten müssen.

 

Welche Informationen benötigen Sie?

Kurzarbeitergeld & Steuererklärung

Allgemeine Informationen

Corona Information Icon

Im Text werden Sie an vielen Stellen Info-Kästen mit dem Virus-Symbol finden. Diese Kästen erklären Ihnen, welche Regelungen ausnahmsweise und befristet aufgrund der besonderen Arbeitsmarktsituation in der Corona-Krise gelten.

 

Kurzarbeitergeld und Corona: Alle Neuerungen auf einen Blick

Nachfolgend fassen wir für Sie die vorläufigen Änderungen beim Kurzarbeitergeld aufgrund der Corona-Pandemie zusammen. Ausführliche Informationen und Voraussetzungen zu den einzelnen Punkten finden Sie über die verlinkten Stellen.

  • Bis zum 31.12.2021 beträgt die Höhe des Kurzarbeitergelds bis zu 80 bzw. 87 Prozent des Nettogehalts.
  • Der Zugang zum Kurzarbeitergeld ist bis zum 31.12.2021 erleichtert. Damit können auch Arbeitnehmer mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Vorausgesetzt, mindestens 10 Prozent der Belegschaft hat einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent.
  • Auf den Aufbau von Minusstunden zur Vermeidung der Kurzarbeit wird bis zum 31.12.2021 verzichtet.
  • Die Leistung erhalten bis zum 31.12.2021 auch Angestellte in Leih- bzw. Zeitarbeit.
  • Für den Zugang zum aufzustockenden Arbeitslosengelds II gelten bis zum 31.03.2021 erleichterte Regeln.
  • Einnahmen aus einem Nebenverdienst werden bis zum 31.12.2021 nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, wenn es sich um einen Minijob (450 Euro/Monat) handelt.
Banner Steuern Sparen Blau

Steuern sparen mit WISO Steuer

Steuern

Kurzarbeitergeld Steuern Hinweis

Kurzarbeitergeld Steuererklärung Infografik

Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Wenn Sie Kurzarbeitergeld erhalten haben, müssen Sie zwingend eine Steuererklärung abgeben.

Info Icon Steuer GrafikWichtig: Haben Sie im Jahr 2020 Kurzarbeitergeld bekommen, müssen Sie also im Jahr 2021 Ihre Einkommensteuererklärung ans Finanzamt schicken. Dafür haben Sie Zeit bis zum 31.07.2021 (ohne Steuerberater) bzw. 28.02.2022 (mit Steuerberater). Übrigens: Der 31.07.2021 fällt auf einen Samstag. Das heißt für Sie: Ausnahmsweise haben Sie sogar bis zum 02.08.2021 Zeit, die Erklärung abzugeben.

Wie gebe ich das Kurzarbeitergeld in der Steuererklärung an?

Das Kurzarbeitergeld steht in der Zeile 15 Ihrer Lohnsteuerbescheinigung. Diese erhalten Sie in der Regel nach Jahresende von Ihrem Arbeitgeber. Endete Ihr Dienstverhältnis bereits früher, dann erhalten Sie meistens auch die Lohnsteuerbescheinigung früher.

Info GlühbirneNoch einfacher geht das mit dem Steuer-Abruf von WISO Steuer! Daten aus der Lohnsteuerbescheinigung übermittelt Ihr Arbeitgeber jährlich an das Finanzamt. Und davon profitieren auch Sie! Der Steuer-Abruf ruft die Werte digital und automatisch beim Finanzamt ab und trägt Sie in Ihre Steuererklärung ein. So sparen Sie sich das Heraussuchen und Abtippen der Lohnsteuerbescheinigung!

Ist das Kurzarbeitergeld steuerpflichtig?

Kurzarbeitergeld ist steuerfrei – auch wenn Sie das Kurzarbeitergeld in der Steuererklärung angeben müssen. Sie erhalten die Leistung also ohne Abzüge für Sozialversicherungen oder Steuern.

Info Icon Steuerpflicht GrafikDie Sozialversicherungsbeiträge werden jedoch weiterhin von Ihrem Arbeitgeber gezahlt. Damit sind Sie auch in Kurzarbeit weiterhin versichert.

Unterliegt Kurzarbeitergeld dem Progressionsvorbehalt?

Auch wenn die Leistung an sich steuerfrei ist: Das Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet, dass die Zahlung Ihren individuellen Steuersatz beeinflusst und diesen erhöht. In Deutschland gilt ein progressiver Steuertarif: Je mehr Sie verdienen, desto höher ist Ihr individueller Steuersatz. Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sorgen also dafür, dass Ihr Steuersatz steigt. Zahlen müssen Sie die Steuer am Ende aber nur auf Ihr steuerpflichtiges Einkommen.

Dadurch kann es jedoch für das Jahr der Kurzarbeit zu Steuernachzahlungen kommen. Grund hierfür ist, dass bei Ihrem laufenden Gehalt zu wenig Lohnsteuer abgeführt wurde. Das passiert deshalb, weil vor dem Kurzarbeitergeld Ihr Steuersatz niedriger war. Im Rahmen der Steuererklärung erhöht das Kurzarbeitergeld aber den Steuersatz. Auf Ihr Gehalt wird nachträglich der höhere Steuersatz angewandt. Die zu wenig gezahlte Lohnsteuer müssen Sie dann mit der Steuererklärung nachholen.

Info GlühbirneUnser Tipp: Steuer frühzeitig berechnen

Um böse Überraschungen und finanzielle Engpässe zu vermeiden oder abzumildern, empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig auf die Steuernachzahlung einzustellen. Berechnen Sie mit WISO Steuer einfach vorab Ihr steuerliches Ergebnis. Falls Sie etwas nachzahlen müssen, haben Sie so genug Zeit, etwas zur Seite zu legen und die Finanzen zu planen. Steht beispielsweise eine Nachzahlung an, können Sie zumindest teilweise selbst steuern, wann diese fällig wird – je nachdem, wann Sie die Steuererklärung abgeben. Gleiches gilt natürlich für eine zu erwartende Erstattung. Die Frist bis zum 31.07.2021 für die Steuererklärung 2020 müssen Sie allerdings in jedem Fall einhalten.

Wann lohnt sich ein Steuerklassenwechsel?

Bei Ehepartnern mit den Steuerklassen III und V bleibt vor allem für den Ehegatten in Steuerklasse V in der Kurzarbeit nicht viel vom Gehalt übrig. Das liegt daran, dass das Kurzarbeitergeld auf Basis des Nettolohns berechnet wird. Da in der Steuerklasse V hohe Abzüge vom Lohn vorgenommen werden, fällt der Nettolohn entsprechend gering aus. Deshalb kann sich ein Wechsel in die Steuerklasse IV für beide Partner lohnen: Hier fällt das Gesamteinkommen der Eheleute eventuell erstmal niedriger aus. Der weniger verdienende Ehepartner kann hier im Fall von Kurzarbeit allerdings von einem höheren Leistungsbetrag profitieren. Im Rahmen der Einkommensteuerklärung wird der vorläufige Steuernachteil wieder ausgeglichen.

Ein weiterer Vorteil: In der Steuerklasse IV wird ein vorhandener Kinderfreibetrag bereits in der elektronischen Lohnsteuerkarte angegeben. Ein entsprechender Antrag mit Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit ist also nicht mehr notwendig.

Muss ich Steuern nachzahlen?

Einmal mehr heißt die Antwort: Es kommt darauf an. Wie bereits erwähnt, ist das Kurzarbeitergeld zwar steuerfrei, erhöht aber den individuellen Steuersatz für das steuerpflichtige Einkommen. Das nennt man Progressionsvorbehalt. Der Begriff dürfte bei vielen Steuerpflichtigen Angst und Schrecken auslösen: Denn in der Tat geht damit häufig eine Steuernachzahlung einher. Das Kurzarbeitergeld wird nämlich unterjährig grundsätzlich nicht berücksichtigt. Beispielsweise bei der monatlichen Lohnabrechnung.

Eine Steuernachzahlung muss aber nicht immer der Fall sein. Denn der Progressionsvorbehalt kommt nur dann zum Tragen, wenn man überhaupt steuerpflichtiges Einkommen hat. Wer also einen Großteil des Jahres in Kurzarbeit war und dessen steuerpflichtiges Einkommen etwa durch den Wegfall des Arbeitslohns vergleichsweise gering ist, dürfte auch von einer Steuernachzahlung verschont bleiben. Folgende Beispiele sollen dies deutlich machen.

Berechnung Beispiel Icon

Beispiel 1: Kurzarbeitergeld führt nicht zur Nachzahlung

Stefanie arbeitet bei einer Fluggesellschaft. Aufgrund von Einschränkungen im Flugverkehr ist sie seit dem 01.03.2020 in Kurzarbeit. Insgesamt hat sie im Jahr 2020 Kurzarbeitergeld in Höhe von 16.800 Euro bekommen. Dieser Betrag ist in vollem Umfang steuerfrei. In den Monaten Januar und Februar hat sie insgesamt 8.000 Euro steuerpflichtigen Arbeitslohn bekommen (soll zur Vereinfachung dem zu versteuernden Einkommen entsprechen). Hiervon wurden 1.300 Euro Lohnsteuer abgeführt. Weiteres Einkommen hat sie nicht.

Betrachtet man nur Stefanies zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 8.000 Euro Arbeitslohn, würde keine Steuer anfallen, da es unterhalb dem steuerauslösenden Grundfreibetrag liegt und der Steuersatz somit 0 Prozent beträgt. Rechnet man nun aber die 16.800 Euro Kurzarbeitergeld hinzu, ergibt sich ein fiktiv zu versteuerndes Einkommen, das 24.800 Euro beträgt und oberhalb des Grundfreibetrags liegt. Der Steuersatz auf 24.800 Euro beträgt in etwa 15 Prozent. Diese 15 Prozent werden dann auf das steuerpflichtige Einkommen von 8.000 Euro angewendet. Es ergibt sich eine Steuer von 1.200 Euro.

In diesem Fall erhält Stefanie also sogar eine Erstattung in Höhe von 100 Euro, denn ihr Arbeitgeber hatte 1.300 Euro an Lohnsteuer einbehalten.

Berechnung Beispiel 2 icon

Beispiel 2: Kurzarbeitergeld führt zur Nachzahlung

Das gleiche Beispiel wie oben, nur dass Stefanie zusätzlich noch zwei Wohnungen vermietet. Für diese Wohnungen hat sie für das Jahr 2020 insgesamt 18.000 Euro zu versteuern. Zusammen ergibt sich also ein zu versteuerndes Einkommen von 26.000 Euro. Stefanie berechnet hierfür einen Steuersatz von 15 Prozent und geht davon aus, dass sie insgesamt 3.900 Euro Steuern zahlen muss.

Allerdings vergisst sie das Kurzarbeitergeld zur Berechnung des Steuersatzes einzubeziehen. Der Steuersatz beträgt inklusive der 16.800 Euro Kurzarbeitergeld 22 Prozent. Dieser wird nun auf das steuerpflichtige Einkommen berechnet. Es ergibt sich eine Steuerlast von 26.000 Euro x 22 Prozent = 5.720 Euro. Aufgrund des Kurzarbeitergeldes fällt die Steuer also 1.820 Euro höher aus als erwartet.

Kann ich Werbungskosten absetzen?

Auch in Kurzarbeit dürfen Sie unter Umständen Werbungskosten ansetzen. Der Werbungskostenabzug kommt beispielsweise dann infrage, wenn Sie nur teilweise in Kurzarbeit waren oder steuerpflichtige Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld bekommen haben und tatsächlich berufliche Ausgaben hatten. Diese mindern dann – sofern vorhanden – Ihr steuerpflichtiges Einkommen. Dadurch sparen Sie Steuern.

Grundsätzlich wird auch der Arbeitnehmerpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro nach wie vor abgezogen, wenn die tatsächlichen Werbungskosten darunter liegen. Liegt kein steuerpflichtiges Arbeitnehmer-Einkommen vor, so erfolgt der Abzug stattdessen beim Kurzarbeitergeld. Dadurch verringert sich der Betrag, der dem Progressionsvorbehalt unterliegt.

Haben Sie ausschließlich steuerfreie Einnahmen gehabt, wirken sich die Werbungskosten nicht aus. Denn Sie zahlen keine Steuer, die erstattet werden könnte. Übersteigen die Werbungskosten jedoch die steuerfreien Einnahmen, kann es jedoch zu einem Verlust kommen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag: Verlustvortrag.

Berechnung Beispiel 3 icon

Beispiel 3: Mit Werbungskosten sparen

Ähnlich wie in Beispiel 2, nur dass Stefanie noch Werbungskosten aus Arbeitnehmertätigkeit in Höhe von 3.500 Euro abziehen kann. Diese mindern das steuerpflichtige Einkommen auf 22.500 Euro. Der Steuersatz nach Einbezug der Progressionseinkünfte beträgt 21 Prozent. Daraus ergibt sich eine Steuerlast von 22.500 Euro x 21 Prozent = 4.725 Euro.

Wissenswertes zum Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld Wissenswertes Infos

Warum gibt es Kurzarbeitergeld?

Manchmal verflucht man ihn: den ganz normalen Arbeitstag. Allerdings wünschen sich aktuell viele ein Stückchen Normalität zurück. Denn Arbeitnehmer stehen jetzt vor einem großen Problem: Sie würden gerne ihrer alltäglichen Arbeit nachgehen. Das ist in vielen Betrieben aber nicht möglich. Vielleicht musste das Unternehmen aufgrund behördlicher Anordnung schließen. Oder der Geschäftsbetrieb ist so weit eingeschränkt, dass viele Arbeitsplätze nicht mehr gebraucht werden. Etliche Bürgerinnen und Bürger sind in Krisenzeiten davon betroffen. In der Corona-Pandemie vor allem Mitarbeiter von Geschäften, Friseursalons, Gaststätten, Reiseanbietern oder Kitas.

Was passiert, wenn der Chef Ihr Gehalt unter solchen Umständen nicht mehr zahlen kann? Bevor Ihnen die Kündigung droht, springt der Staat in die Bresche: mit der Kurzarbeit bzw. dem Kurzarbeitergeld. Nachfolgend erfahren Sie alles über die Höhe, Anspruchsvoraussetzungen und Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Gute am Kurzarbeitergeld ist: Auch in Krisen gehen Sie als Arbeitnehmer nicht leer aus. Damit wirkt die Zahlung Kündigungen aufgrund von Liquiditäts-Engpässen entgegen. Trotzdem ist die Leistung nicht genauso hoch wie Ihr normales Gehalt. Grundsätzlich beträgt das monatliche Kurzarbeitergeld 60 Prozent der Höhe Ihres Nettogehalts. Wenn Sie Kinder haben, für die ein Kindergeldanspruch besteht, sind es 67 Prozent. Eine Tabelle zur Berechnung finden Sie auf der Website der Agentur für Arbeit. Ihr Arbeitgeber kann das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln aufstocken.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Für die Zeit der Corona-Krise wird das Kurzarbeitergeld bisher befristet bis zum 31.12.2021 angehoben. Für Arbeitnehmer, mit einem Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozents soll die Leistung schrittweise steigen. Vorausgesetzt, Sie sind bereits vor dem 31.03.2021 in Kurzarbeit. Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit erhalten Sie nun 70 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Falls Sie Kinder haben, sind es 77 Prozent. Ab dem siebten Monat in Kurzarbeit steigt die Leistung auf 80 Prozent bzw. 87 Prozent.

Muss ich den höheren Leistungssatz beantragen?

Wer mindestens ein Kind hat, bekommt mehr Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur für Arbeit erkennt das normalerweise daran, das Kinderfreibeträge auf Ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte vermerkt sind. Hier reicht bereits der Zähler 0,5 für die Zahlung des höheren Leistungssatzes aus. Einen besonderen Antrag müssen Sie also nicht stellen.

Wie ist das aber, wenn Sie in der Lohnsteuerklasse V sind? Hier werden nämlich keine Kinderfreibeträge in der Lohnsteuerkarte eingetragen. In diesem Fall weisen Sie der Agentur für Arbeit nach, dass Sie tatsächlich Anspruch auf den Freibetrag haben.

Um den höheren Leistungssatz beim Kurzarbeitergeld zu bekommen, müssen Sie oder Ihr Arbeitgeber zunächst einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Zusätzlich fügen Sie eine Kopie der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners bei. Alternativ können Sie auch eine Bescheinigung des Finanzamts oder des Arbeitgebers darüber beifügen, dass in der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners (Lohnsteuerklasse III) ein Freibetrag angegeben ist.

Info Icon GrafikWussten Sie schon?
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat auf seiner Website einen FAQ-Katalog rund ums Thema Kurzarbeit veröffentlicht.

Wie hoch ist das Krankengeld bei Kurzarbeit?

Bei Krankheit zahlt Ihnen Ihr Chef das Kurzarbeitergeld bis zu sechs Wochen weiter. Sollten Sie länger krank sein, bekommen Sie Krankengeld gezahlt. Dieses Krankengeld wird allerdings nicht anhand des Kurzarbeitergeldes berechnet. Grundlage für den Krankengeldbezug ist das Brutto-Gehalt, das Sie zuletzt vor dem Arbeitsausfall bekommen haben.

Darf mein Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld aufstocken?

Ja. Normalerweise sind diese Zuschüsse dann steuerpflichtiger Arbeitslohn. Allerdings müssen keine Beiträge zu den Sozialversicherungen gezahlt werden, wenn der Zuschuss (+ Kurzarbeitergeld) nicht höher ist als 80 Prozent Ihres ausgefallenen Gehalts. Übersteigt der Zuschuss diese Grenze, ist er übersteigende Teil auch sozialversicherungspflichtig.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Während der Corona-Krise sind Zuschüsse Ihres Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld teilweise steuerfrei, wenn er die Zuschüsse in der Zeit vom 29.02.2020 bis 31.12.2021 leistet. Steuerfrei bleiben 80 Prozent der Differenz zwischen Ihrem gewöhnlichen und dem gezahlten Kurzarbeitergeld. § 106 des Dritten Sozialgesetzbuches definiert das “Soll”- bzw. “Ist”-Entgeld. Aber Achtung: Auch dieser Zuschuss unterliegt dem Progressionsvorbehalt.

Geht die Kurzarbeit auf Kosten meines Urlaubs und Überstunden?

Grundsätzlich darf zur Vermeidung von Kurzarbeit Ihr Chef von den Mitarbeitern fordern, Überstunden abzufeiern und sogar Minusstunden aufzubauen. Auch Resturlaubstage können für die betroffene Zeit eingesetzt werden.

Wie sieht das aber mit dem Urlaubsanspruch für das aktuelle Jahr aus? Grundsätzlich dürfen Sie auch während der Kurzarbeit bezahlten Urlaub nehmen.
Allerdings darf Ihr Arbeitgeber Ihren jährlichen Urlaubsanspruch kürzen, wenn sie insgesamt weniger Tage arbeiten.

Einen Trost gibt es aber immerhin: Das Urlaubsentgeld – also das Gehalt, dass Ihnen im Urlaub zusteht – wird nicht gekürzt. Dieses berechnet sich nämlich anhand des Gehalts der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn. Gehaltskürzungen aufgrund von Kurzarbeit werden aber nicht berücksichtigt.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Aufgrund der Corona-Krise dürfen Unternehmer auf den Aufbau von Minusstunden verzichten. Denn es kann niemand abschätzen, wie lange die Einschränkungen andauern. Im schlimmsten Fall könnte es zu so vielen Minusstunden kommen, dass eine Aufarbeitung nur schwer möglich ist. Bis zum 31.12.2021 wird ebenfalls darauf verzichtet, den aktuellen Urlaubsanspruch der Mitarbeiter zur Vermeidung der Kurzarbeit einzusetzen.

Wie lange wird Kurzarbeitergeld gezahlt?

Normalerweise kann die Bezugsdauer bis zu 12 Monaten lang sein. In Ausnahmefällen kann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aber auch eine längere Zahlung von bis zu 24 Monaten beschließen.

Kann ich mein Kurzarbeitergeld aufstocken?

… mit Arbeitslosengeld II?

Kurzarbeit heißt, auf einen Großteil des normalen Gehalts verzichten zu müssen. Das reicht nicht bei allen, um davon Miete und laufende Kosten zu zahlen. Deshalb besteht die Möglichkeit, zusätzlich zum Kurzarbeitergeld das aufstockende Arbeitslosengeld II zu beantragen. Hierfür führt die Agentur für Arbeit allerdings eine Vermögensprüfung durch. Sie müssen also Ihren Besitz und Ihre Einkommensverhältnisse offenlegen.

Corona Information IconBefristete Corona-Regelung

Für die Zeit vom 01.03.2020 bis 31.03.2021 erleichtert die Agentur für Arbeit den Zugang zum aufstockenden Arbeitslosengeld II. So wird beispielsweise auf eine Vermögensprüfung verzichtet, wenn die Angaben im Antrag plausibel sind. Ebenso muss in den ersten 6 Monaten ein vorhandenes Vermögen nicht aufgebraucht werden

… mit einem Nebenjob?

Sie haben einen Nebenjob? Glück haben Sie, wenn Sie den Nebenjob bereits vor Eintritt der Kurzarbeit begonnen haben. Dann steht Ihnen weiterhin die volle Höhe des Kurzarbeitergeldes zu. Nachteilig ist es aber, wenn Sie den Nebenjob erst während der Kurzarbeit angefangen haben. Der zusätzliche Verdienst kürzt nämlich die Zahlung des Kurzarbeitergeldes. Deshalb ist es wichtig, den Arbeitgeber über einen Nebenjob zu informieren und eine Zuverdienstbescheinigung vorzulegen.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Ein zusätzlicher Minijob wird bis zum 31.12.2021 nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Wann zahlt der Arbeitgeber Kurzarbeitergeld?

Für die Zahlung von Kurzarbeitergeld gelten strenge Voraussetzungen. Das Geld zahlt Ihnen zwar der Arbeitgeber. Der Staat erstattet es ihm aber. Deshalb prüft die Agentur für Arbeit genau, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

Wichtig: Kurzarbeit anmelden

Bevor Sie als Mitarbeiter Kurzarbeitergeld erhalten, meldet das Unternehmen bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit an. Erst danach kann die Firma das Geld beantragen. Sie können also nicht für sich selbst den Antrag stellen. Zu lange warten darf Ihr Arbeitgeber damit allerdings nicht. Denn es gilt eine Frist von drei Monaten. Die Frist beginnt nach Ende des Monats, in dem es zum Arbeitsausfall kam.

Es muss zum Arbeits- und Verdienstausfall kommen

Die Anmeldung von Kurzarbeit ist dann möglich, wenn es im Unternehmen zum Arbeitsausfall kommt. Das heißt, dass die Mitarbeiter oder zumindest ein Teil der Belegschaft nicht mehr ihrer Tätigkeit nachkommen können. Aktuell ist das zum Beispiel der Fall, weil viele Betriebe wegen des Corona-Virus schließen mussten.

Gleichzeitig muss der Arbeitsausfall auch mit einem Verdienstausfall verbunden sein. Für die Mitarbeiter kann also das Gehalt nicht weitergezahlt werden.

Suche IconAnders ist das üblicherweise bei Krankheits- oder Urlaubstagen. Auch hier wird der Arbeitnehmer nicht arbeiten. Ein Verdienstausfall liegt aber nicht vor, da der Arbeitgeber weiterhin das Gehalt zahlt.

Arbeitsausfall muss erheblich und unvermeidbar sein

Damit Betriebe nicht „einfach so“ ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken können, muss der Arbeitsausfall von großem Ausmaß sein. Zudem darf er nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein.

Wann ist ein Arbeitsausfall erheblich?

„Erheblich“ ist ein relatives Wort. Im Zusammenhang mit dem Kurzarbeitergeld bedeutet das:

  • Jeder, der einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent hat, kann Kurzarbeitergeld bekommen.
  • Wenn mindestens ein Drittel der Belegschaft mehr als 10 Prozent Gehalt einbüßen muss, können auch diejenigen, mit weniger als 10 Prozent Gehaltsverlust Kurzarbeitergeld erhalten.

Nur, wenn diese Grenzen in einem Unternehmen erreicht sind, kann Kurzarbeitergeld beantragt werden. Welche Arbeitnehmer für die maßgebliche Mitarbeiterzahl zählen, ist genau geregelt. So zählen beispielsweise auch beurlaubte und erkrankte Mitarbeiter oder Arbeitnehmerinnen in Mutterschutz mit dazu. Azubis oder Mitarbeiter in Elternzeit werden hingegen nicht berücksichtigt.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Aufgrund von Corona sind die Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld für Beschäftige mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent gelockert. Die Leistung wird bereits gewährt, wenn mindestens 10 Prozent (statt wie bisher ein Drittel) der Belegschaft betroffen sind. Diese Erleichterung gilt bis zum 31.12.2021 für Betriebe, die bis zum 31.03.2021 mit der Kurzarbeit begonnen haben.

Wann ist ein Arbeitsausfall (un)vermeidbar?

Unvermeidbar sind beispielsweise Dienstausfälle aufgrund von Umweltkatastrophen oder Wirtschaftskrisen. Aber auch Entscheidungen Dritter zählen als unvermeidbar. Das sind unter anderem auch kurzfristig behördlich angeordnete Schließungen. Im Gegensatz dazu steht beispielsweise die willkürliche Schließung eines Betriebs wegen Renovierungsarbeiten.

Stichwort: Vorübergehend

Der Arbeits- und Verdienstausfall darf für die Arbeitnehmer nur vorübergehend sein. Das schließt zum Beispiel die Fälle aus, in denen Betriebe dauerhaft geschlossen bleiben. Es muss für Arbeitnehmer und Arbeitgeber absehbar sein, dass der Grund für die Kurzarbeit wegfällt.

Wer erhält Kurzarbeitergeld?

Die Anforderungen, die für die Beantragung des Kurzarbeitergeldes für den Arbeitgeber gelten, sind nun geklärt. Aber gibt es auch Voraussetzungen für die Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer

Nur, wenn Sie sozialversicherungspflichtig in einem Unternehmen angestellt sind, erhalten Sie Kurzarbeitergeld. Dadurch haben Minijobber keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Auch Leih- bzw. Zeitarbeiter erhalten bis zum 31.12.2021 Zugang zum Kurzarbeitergeld, wenn die Kurzarbeit bis zum 31.03.2021 eingeführt wurde.

Arbeitsverhältnis muss ungekündigt sein

Wichtig ist, dass Ihr Arbeitsverhältnis auch tatsächlich noch besteht. Und zwar ungekündigt. Haben Sie oder Ihr Chef das Arbeitsverhältnis bereits aufgelöst? Dann haben Sie in der Regel ab Ausspruch der Kündigung keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld. Stattdessen kann Ihr Arbeitgeber weiterhin zur Zahlung des vollen Gehalts verpflichtet sein. Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld entfällt:

  • Bei Übergabe der Kündigung mit dem darauffolgenden Tag
  • Bei Zusendung der Kündigung per Post drei Tage nach Absendung
  • Bei Abschluss eines Aufhebungsvertrags mit dem darauffolgenden Tag
Achtung Steuer Hinweis IconEin auslaufender befristeter Arbeitsvertrag ist keine Kündigung. Deshalb liegt in diesem Fall ein ungekündigtes Arbeitsverhältnis vor.

Bekommen auch Besserverdiener Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld wird auf den Nettolohn berechnet. Allerdings geht das nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese beträgt im Jahr 2021 4.837,50 Euro pro Monat, also 58.050 Euro im Jahr. Für Besserverdiener wird zur Berechnung also höchstens die Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Liegt das Gehalt auch während der Kurzarbeit oberhalb dieser Grenze, besteht kein Anspruch auf Zahlung.

Was ist der Unterschied zwischen Kurzarbeit und kurzfristiger Beschäftigung?

Kurzfristige Beschäftigung? Klingt ähnlich, hat allerdings nichts mit dem Kurzarbeitergeld zu tun. Bei der kurzfristigen Beschäftigung handelt es sich um Anstellungsverhältnisse, die von Beginn an auf drei Monate oder 70 Arbeitstage innerhalb eines Jahres begrenzt sind. Das Besondere hierbei: Auch, wenn der Lohn 450 Euro im Monat übersteigt, ist er komplett sozialversicherungsfrei.

Corona Information Icon

Befristete Corona-Regelung

Aufgrund der Corona-Krise wurden die Zeitgrenzen vom 01.03.2020 bis 31.10.2020 auf fünf Monate oder 115 Arbeitstage angehoben. Diese Regelung wurde bisher nicht verlängert.

Was ist saisonales Kurzarbeitergeld?

Besondere Regelungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld gelten für Angestellte in saisonal abhängigen Branchen. Darunter fallen: Bauhauptgewerbe, Dachdecker, Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und Gerüstbau. Das Kurzarbeitergeld wird dann in der Zeit des Jahres gezahlt, in der es witterungsbedingt zu Arbeitsausfällen kommt. Das betrifft die Monate Dezember bis März, bzw. November bis März beim Gerüstbau.

Zuschüsse

Je nach Tarifvertrag können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Leistung aufstocken. Es besteht die Möglichkeit, Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld zu zahlen. Das passiert durch eine Umlage (Winterbeschäftigungsumlage), die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zahlen. Das Beste daran: Die Zuschüsse sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Zudem haben sie auch keine Auswirkung auf den individuellen Steuertarif.

Das Zuschuss-Wintergeld beträgt 2,50 Euro für jede ausgefallene Arbeitsstunde. Im Gerüstbau sind es 1,03 Euro.

Das Mehraufwands-Wintergeld beträgt 1,00 Euro für jede geleistete Arbeitsstunde in der Schlechtwetterzeit. Das gilt für die Zeit vom 15. Dezember bis Ende Februar. Maximal berücksichtigungsfähig sind 90 Stunden für den Dezember und 180 Stunden für Januar und Februar.

Zusätzlicher Werbungskostenabzug

Da der Arbeitnehmeranteil an der Umlage unmittelbar der Einkunftssicherung dient, ist es möglichen, den eigenen Anteil an der Umlage als Werbungskosten abzuziehen. Die Höhe der selbst getragenen Umlage finden Sie in der Lohnsteuerbescheinigung.

Ganz einfach mit WISO Steuer

Rund 1,6 Milliarden Euro nimmt der Staat durch den Progressionsvorbehalt beim Kurzarbeitergeld ein. Da lohnt es sich umso mehr die Steuererklärung mit WISO Steuer zu machen. Denn: Mit WISO Steuer holen Sie im Schnitt 600 Euro mehr raus als der Durchschnitt!

Das Beste daran: Durch den Steuer-Abruf werden die wichtigsten Daten ganz automatisch und verschlüsselt beim Finanzamt abgefragt und eingetragen. So landet auch Ihr erhaltenes Kurzarbeitergeld an der richtigen Stelle, ohne dass Sie selbst etwas eintragen müssen!

Banner Steuern Sparen Kurzarbeitergeld Corona

Quelle: Bundesregierung

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

Auch wenn die kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte dieser Webseite mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keine Gewähr für deren Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Der Aufruf dieser Inhalte begründet mangels Rechtsbindungswillens unsererseits keinerlei Vertragsverhältnis. Außer im Falle von Vorsatz übernehmen wir keine Haftung für etwaige aus der Verwendung der Inhalte resultierende Schäden.

Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen