Kurzarbeitergeld – Wenn die Arbeit ausfällt

Alles, was Sie zum Thema wissen müssen


Aktuell rechnet die Regierung mit bis zu 2,35 Millionen Kurzarbeitern aufgrund der Corona-Krise. Aber was bedeutet das genau? Erfahren Sie in diesem Artikel, was Kurzarbeitergeld ist, unter welchen Voraussetzungen Sie es bekommen und was Sie bei der Steuererklärung beachten müssen.

Welche Informationen benötigen Sie?

Kurzarbeitergeld & Steuererklärung

Allgemeine Informationen

Kurzarbeit Saisonarbeit aktuelle Informationen Hinweis

Schutz vor der Kündigung

Manchmal verflucht man ihn: den ganz normalen Arbeitstag. Allerdings wünschen sich aktuell viele ein Stückchen Normalität zurück. Denn Arbeitnehmer stehen jetzt vor einem großen Problem: Sie würden gerne ihrer alltäglichen Arbeit nachgehen. Das ist in vielen Betrieben aber nicht möglich. Vielleicht musste das Unternehmen aufgrund behördlicher Anordnung schließen. Oder der Geschäftsbetrieb ist so weit eingeschränkt, dass viele Arbeitsplätze nicht mehr gebraucht werden. Etliche Bürgerinnen und Bürger sind davon betroffen. Vor allem Mitarbeiter von Geschäften, Friseursalons, Gaststätten oder Kitas.

Was passiert, wenn der Chef Ihr Gehalt unter solchen Umständen nicht mehr zahlen kann? Bevor Ihnen die Kündigung droht, springt der Staat in die Presche: mit der Kurzarbeit bzw. dem Kurzarbeitergeld. Wir haben für Sie das Wichtigste zum Kurzarbeitergeld und der Besteuerung zusammengefasst.

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Muss ich eine Steuererklärung abgeben?

Wenn Sie Kurzarbeitergeld erhalten haben, müssen Sie zwingend eine Steuererklärung abgeben.

Für erhaltene Zahlungen im Jahr 2020 müssen Sie also im nächsten Jahr Ihre Einkommensteuererklärung ans Finanzamt schicken. Dafür haben Sie Zeit bis zum 31.07.2021 (ohne Steuerberater) bzw. 28.02.2022 (mit Steuerberater).

Wussten Sie schon?
Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat auf seiner Website einen FAQ-Katalog rund ums Thema Kurzarbeit veröffentlicht.
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Wie gebe ich das Kurzarbeitergeld in der Steuererklärung an?

Wie viel Kurzarbeitergeld Sie erhalten haben, können Sie in Ihrer Lohnsteuerbescheinigung für das jeweilige Jahr nachlesen. Diesen Wert tragen Sie dann einfach bei den Lohnersatzleistungen in Zeile 28 der Anlage N ein.

Noch einfacher geht das mit dem steuer:Abruf von WISO Steuer! Daten aus der Lohnsteuerbescheinigung übermittelt Ihr Arbeitgeber jährlich an das Finanzamt. Und davon profitieren auch Sie! Der steuer:Abruf ruft die Werte digital und automatisch beim Finanzamt ab und trägt Sie in Ihre Steuererklärung ein. So sparen Sie sich das Raussuchen und Abtippen der Lohnsteuerbescheinigung!

Ist das Kurzarbeitergeld steuerpflichtig?

Auch wenn Sie das Kurzarbeitergeld in der Steuererklärung angeben müssen: Kurzarbeitergeld ist steuerfrei. Sie erhalten die Leistung also ohne Abzüge für Sozialversicherungen oder Steuern. Die Sozialversicherungsbeiträge werden jedoch weiterhin von Ihrem Arbeitgeber gezahlt. Damit bleiben Sie versichert. Auch wenn die Leistung an sich steuerfrei ist: Das Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt.

Das bedeutet, dass die Zahlung Ihren individuellen Steuersatz beeinflusst und diesen erhöht. In Deutschland gilt ein progressiver Steuertarif. Das bedeutet: Je mehr Sie verdienen, desto höher ist Ihr individueller Steuersatz. Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sorgen also dafür, dass Ihr Steuersatz steigt. Zahlen müssen Sie die Steuer am Ende aber nur auf Ihre steuerpflichtigen Einkünfte.

Dadurch kann es jedoch für das Jahr der Kurzarbeit zu Steuernachzahlungen kommen. Grund hierfür ist, dass bei Ihrem laufenden Gehalt zu wenig Lohnsteuer abgeführt wurde. Das passiert deshalb, weil vor dem Kurzarbeitergeld Ihr Steuersatz niedriger war. Im Rahmen der Steuererklärung erhöht das Kurzarbeitergeld aber den Steuersatz. Auf Ihr Gehalt wird nachträglich der höhere Steuersatz angewandt. Die zu wenig gezahlte Lohnsteuer, müssen Sie dann mit der Steuererklärung nachholen.

Unser Tipp: Steuer frühzeitig berechnen
Um böse Überraschungen und finanzielle Engpässe zu vermeiden oder abzumildern, empfehlen wir Ihnen, sich frühzeitig auf die Steuernachzahlung einzustellen. Berechnen Sie mit WISO Steuer einfach vorab Ihr steuerliches Ergebnis für das Jahr 2020. Falls Sie etwas nachzahlen müssen, haben Sie so genug Zeit, etwas zur Seite zu legen und die Finanzen zu planen. Steht beispielsweise eine Nachzahlung an, können Sie zumindest teilweise selbst steuern, wann diese fällig wird – je nachdem wann Sie die Steuererklärung abgeben. Gleiches gilt natürlich für eine zu erwartende Erstattung. Die Frist bis zum 31.07.2020 müssen Sie allerdings in jedem Fall einhalten.

Unser Tipp für Sie: Steuerklassenwechsel kann sinnvoll sein

Bei Ehepartnern mit den Steuerklassen III und V bleibt vor allem für den Ehegatten in Steuerklasse V in der Kurzarbeit nicht viel vom Gehalt übrig. Das liegt daran, dass das Kurzarbeitergeld auf Basis des Nettolohns berechnet wird. Da in der Steuerklasse V hohe Abzüge vom Lohn vorgenommen werden, fällt der Nettolohn entsprechend gering aus. Deshalb kann sich ein Wechsel in die Steuerklasse IV für beide Partner lohnen: Hier fällt das Gesamteinkommen der Eheleute eventuell erstmal niedriger aus. Der weniger verdienende Ehepartner kann hier im Fall von Kurzarbeit allerdings von einem höheren Leistungsbetrag profitieren. Im Rahmen der Einkommensteuerklärung wird der vorläufige Steuernachteil wieder ausgeglichen.

Ein weiterer Vorteil: In der Steuerklasse IV wird ein vorhandener Kinderfreibetrag bereits in der elektronischen Lohnsteuerkarte angegeben. Ein entsprechender Antrag mit Bescheinigung bei der Agentur für Arbeit ist also nicht mehr notwendig.

+++ Wissenswertes zum Kurzarbeitergeld +++

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Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Gute am Kurzarbeitergeld ist: Auch in Krisen gehen Sie als Arbeitnehmer nicht leer aus. Damit wirkt die Zahlung Kündigungen aufgrund von Liquiditäts-Engpässen entgegen. Trotzdem erhalten Sie die Leistung nicht in derselben Höhe wie Ihr normales Gehalt. Aktuell beträgt das monatliche Kurzarbeitergeld 60 Prozent der Höhe Ihres Nettogehalts. Wenn Sie Kinder haben, für die ein Kindergeldanspruch besteht, sind es 67 Prozent. Eine Tabelle zur Berechnung finden Sie auf der Website der Agentur für Arbeit. Ihr Arbeitgeber kann das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln aufstocken.

Aktuelle Regelung
Für die Zeit der Corona-Krise wird das Kurzarbeitergeld angehoben. Für Arbeitnehmer, mit einem Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozents soll die Leistung schrittweise steigen. Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit sollen Sie statt 60 Prozent nun 70 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Falls Sie Kinder haben, sind es 77 Prozent. Ab dem siebten Monat in Kurzarbeit steigt die Leistung auf 80 Prozent bzw. 87 Prozent.
AKTUELL wurde diese Regelung bis zum 31.12.2021 verlängert.

Aufstockendes Arbeitslosengeld II

Kurzarbeit heißt, auf einen Großteil des normalen Gehalts verzichten zu müssen. Das reicht nicht bei allen, um davon Miete und laufende Kosten zu zahlen. Deshalb besteht die Möglichkeit, zusätzlich zum Kurzarbeitergeld das aufstockende Arbeitslosengeld II zu beantragen. Hierfür führt die Agentur für Arbeit allerdings eine Vermögensprüfung durch. Sie müssen also Ihren Besitz und Ihre Einkommensverhältnisse offenlegen.

Aktuelle Regelung
Für die Zeit vom 01.03.2020 bis 30.06.2020 verzichtet die Agentur für Arbeit auf eine solche Vermögensprüfung.

Krankengeldbezug

Bei Krankheit zahlt Ihnen Ihr Chef das Kurzarbeitergeld bis zu sechs Wochen weiter. Sollten Sie länger krank sein, bekommen Sie Krankengeld gezahlt. Dieses Krankengeld wird allerdings nicht anhand des Kurzarbeitergeldes berechnet. Grundlage für den Krankengeldbezug ist das Gehalt, das Sie zuletzt vor dem Arbeitsausfall bekommen haben.

Aufstockung des Gehalts durch einen Nebenjob?

Sie haben einen Nebenjob? Glück haben Sie, wenn Sie den Nebenjob bereits vor Eintritt der Kurzarbeit begonnen haben. Dann steht Ihnen weiterhin die volle Höhe des Kurzarbeitergeldes zu. Nachteilig ist es aber, wenn Sie den Nebenjob erst während der Kurzarbeit angefangen haben. Der zusätzliche Verdienst kürzt nämlich die Zahlung des Kurzarbeitergeldes.

Aktuelle Regelung
Für die Zeit vom 01.04.2020 bis 31.10.2020 gilt eine Sonderregelung. Wenn Sie einen Nebenjob in einer systemrelevanten Branche beginnen, erfolgt keine Anrechnung. Dazu zählen z. B. Tätigkeiten im Rahmen der medizinischen Versorgung oder im Lebensmittelhandel.
Aktuelle Regelung
Ab dem 01.05.2020 bis zum 31.12.2020 soll es Ihnen – unabhängig vom Beruf – möglich sein, bis zur Höhe Ihres Gehalts vor Kurzarbeit mit einem Nebenjob dazuzuverdienen. Das Kurzarbeitergeld soll dadurch nicht gekürzt werden.

Bekommen auch Besserverdiener Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld wird auf den Nettolohn berechnet. Allerdings geht das nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese beträgt im Jahr 2020 6.900 Euro in West und 6.450 Euro in Ost. Für Besserverdiener wird zur Berechnung also höchstens die Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Liegt das Gehalt auch während der Kurzarbeit oberhalb dieser Grenze, besteht kein Anspruch auf Zahlung.

Zuschüsse durch den Arbeitgeber

Ihr Arbeitgeber stockt Ihr Kurzarbeitergeld aus eigener Tasche auf? Normalerweise sind diese Zuschüsse dann steuerpflichtiger Arbeitslohn. Allerdings müssen keine Beiträge zu den Sozialversicherungen gezahlt werden, wenn der Zuschuss (+ Kurzarbeitergeld) nicht höher ist als 80 Prozent Ihres ausgefallenen Gehalts. Übersteigt der Zuschuss diese Grenze, ist er übersteigende Teil auch sozialversicherungspflichtig.

Aktuell
Während der Corona-Krise sind Zuschüsse Ihres Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld teilweise steuerfrei, wenn er die Zuschüsse in der Zeit vom 29.02.2020 bis 31.12.2020 leistet. Steuerfrei bleiben 80 Prozent der Differenz zwischen Ihrem “Soll”-Gehalt und dem gezahlten Kurzarbeitergeld. Allerdings unterliegt auch dieser Zuschuss dem Progressionsvorbehalt.

Wie wird der Kinderfreibetrag berücksichtigt?

Wie bereits geschildert, erhalten Sie einen höheren Leistungssatz, wenn Sie mindestens ein Kind haben. Die Bundesagentur für Arbeit erkennt das normalerweise an den Eintragungen in Ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte. Hier reicht bereits der Zähler 0,5 für die Zahlung des höheren Leistungssatzes aus.

Wie ist das aber, wenn Sie in der Lohnsteuerklasse V sind? Hier werden nämlich keine Kinderfreibeträge in der Lohnsteuerkarte eingetragen. In diesem Fall weisen Sie der Agentur für Arbeit nach, dass Sie tatsächlich Anspruch auf den Freibetrag haben. Dafür müssen Sie oder Ihr Arbeitgeber einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen. Zusätzlich fügen Sie eine Kopie der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners bei. Alternativ können Sie auch eine Bescheinigung des Finanzamts oder des Arbeitgebers darüber beifügen, dass in der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners ein Freibetrag angegeben ist.

Welche Voraussetzungen gelten für das Kurzarbeitergeld?

Für die Zahlung von Kurzarbeitergeld gelten strenge Voraussetzungen. Das Geld zahlt Ihnen zwar der Arbeitgeber. Der Staat erstattet es ihm aber. Deshalb prüft die Agentur für Arbeit genau, ob die Leistung angemessen ist.

Wichtig: Kurzarbeit anmelden

Bevor Sie als Mitarbeiter Kurzarbeitergeld erhalten, meldet das Unternehmen bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeit an. Erst danach kann die Firma das Geld beantragen. Sie können also nicht für sich selbst den Antrag stellen. Zu lange warten darf Ihr Arbeitgeber damit allerdings nicht. Denn es gilt eine Frist von drei Monaten. Die Frist beginnt nach Ende des Monats, in dem es zum Arbeitsausfall kam.

Es muss zum Arbeits- und Verdienstausfall kommen

Die Anmeldung von Kurzarbeit ist dann möglich, wenn es im Unternehmen zum Arbeitsausfall kommt. Das heißt, dass die Mitarbeiter oder zumindest ein Teil der Belegschaft nicht mehr ihrer Tätigkeit nachkommen können. Aktuell ist das zum Beispiel der Fall, weil viele Betriebe wegen des Corona-Virus schließen mussten.

Gleichzeitig muss der Arbeitsausfall auch mit einem Verdienstausfall verbunden sein. Für die Mitarbeiter kann also das Gehalt nicht weitergezahlt werden.

Anders ist das üblicherweise bei Krankheits- oder Urlaubstagen. Auch hier wird der Arbeitnehmer nicht arbeiten. Ein Verdienstausfall liegt aber nicht vor, da der Arbeitgeber weiterhin das Gehalt zahlt.

Arbeitsausfall muss erheblich und unvermeidbar sein

Damit Betriebe nicht „einfach so“ ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken können, muss der Arbeitsausfall von großem Ausmaß sein. Zudem darf er nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein.

Wann ist ein Arbeitsausfall erheblich?

„Erheblich“ ist ein relatives Wort. Im Zusammenhang mit dem Kurzarbeitergeld bedeutet das:

  • Jeder, der einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent hat, kann Kurzarbeitergeld bekommen.
  • Wenn mindestens ein Drittel der Belegschaft mehr als 10 Prozent Gehalt einbüßen muss, können auch diejenigen, mit weniger als 10 Prozent Gehaltsverlust Kurzarbeitergeld erhalten.

Nur, wenn diese Grenzen in einem Unternehmen erreicht sind, kann Kurzarbeitergeld beantragt werden. Welche Arbeitnehmer für die maßgebliche Mitarbeiterzahl zählen, ist genau geregelt. So zählen z. B. auch beurlaubte und erkrankte Mitarbeiter oder Arbeitnehmerinnen in Mutterschutz mit dazu. Azubis oder Mitarbeiter in Elternzeit werden hingegen nicht berücksichtigt.

Aktuelle Regelung
Aufgrund von Corona sind die Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld für Beschäftige mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent gelockert. Die Leistung wird bereits gewährt, wenn mindestens 10 Prozent (statt wie bisher ein Drittel) der Belegschaft betroffen sind.
AKTUELL wurden diese erleichterten Zugangsvoraussetzung bis zum 31.12.2021 verlängert.

Wann ist ein Arbeitsausfall (un)vermeidbar?

Unvermeidbar sind beispielweise Dienstausfälle aufgrund von Umweltkatastrophen oder Wirtschaftskrisen. Aber auch Entscheidungen Dritter zählen als unvermeidbar. Das sind z. B. auch kurzfristig behördlich angeordnete Schließungen. Im Gegensatz dazu steht z. B. die willkürliche Schließung eines Betriebs wegen Renovierungsarbeiten.

Grundsätzlich darf zur Vermeidung von Kurzarbeit Ihr Chef von den Mitarbeitern fordern, Überstunden abzufeiern. Auch Resturlaubstage können für die betroffene Zeit eingesetzt werden.

Aktuelle Regelung
Aufgrund der Corona-Krise dürfen Unternehmer auf den Aufbau von Minusstunden verzichten. Denn es kann niemand abschätzen, wie lange die Einschränkungen andauern. Im schlimmsten Fall könnte es zu so vielen Minusstunden kommen, dass eine Aufarbeitung nur schwer möglich ist. Bis zum 31.12.2020 wird ebenfalls daraufverzichtet, den aktuellen Urlaubsanspruch der Mitarbeiter zur Vermeidung der Kurzarbeit einzusetzen.

Kurzarbeit und Urlaub – geht das?

Prinzipiell darf ein vorhandener Resturlaub aus dem Vorjahr dafür eingesetzt werden, um die Kurzarbeit abzuwenden. Wie sieht das aber mit dem Urlaubsanspruch für das aktuelle Jahr aus? Grundsätzlich dürfen Sie auch während der Kurzarbeit bezahlten Urlaub nehmen.
Allerdings darf Ihr Arbeitgeber Ihren jährlichen Urlaubsanspruch kürzen. Da Sie in der Kurzarbeit nicht mehr Vollzeit arbeiten, ist es möglich, auch den Urlaubsanspruch nur anteilig zu gewähren. In etwa so, wie das bei Teilzeitkräften der Fall ist.

Einen Trost gibt es aber immerhin: Die Urlaubsvergütung wird nicht gekürzt. Diese berechnet sich nämlich anhand des Gehalts der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn. Gehaltskürzungen aufgrund von Kurzarbeit werden aber nicht berücksichtigt.

Stichwort: Vorübergehend

Der Arbeits- und Verdienstausfall darf für die Arbeitnehmer nur vorübergehend sein. Das schließt z. B. die Fälle aus, in denen Betriebe dauerhaft geschlossen bleiben. Es muss für Arbeitnehmer und Arbeitgeber absehbar sein, dass der Grund für die Kurzarbeit wegfällt.

Wer erhält Kurzarbeitergeld?

Die Anforderungen, die für die Beantragung des Kurzarbeitergeldes für den Arbeitgeber gelten, sind nun geklärt. Aber gibt es auch Voraussetzungen für die Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer

Nur, wenn Sie sozialversicherungspflichtig in einem Unternehmen angestellt sind, erhalten Sie Kurzarbeitergeld. Dadurch haben Minijobber keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld.

Aktuelle Regelung
Auch Leih- bzw. Zeitarbeiter erhalten bis zum 31.12.2021 Zugang zum Kurzarbeitergeld.

Arbeitsverhältnis muss ungekündigt sein

Wichtig ist, dass Ihr Arbeitsverhältnis auch tatsächlich noch besteht. Und zwar ungekündigt. Haben Sie oder Ihr Chef das Arbeitsverhältnis bereits aufgelöst? Dann haben Sie in der Regel ab Ausspruch der Kündigung keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld. Stattdessen kann Ihr Arbeitgeber weiterhin zur Zahlung des vollen Gehalts verpflichtet sein. Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld entfällt:

  • Bei Übergabe der Kündigung mit dem darauffolgenden Tag
  • Bei Zusendung der Kündigung per Post drei Tage nach Absendung
  • Bei Abschluss eines Aufhebungsvertrags mit dem darauffolgenden Tag

Ein auslaufender befristeter Arbeitsvertrag ist keine Kündigung.

Kurzarbeitergeld vs. kurzfristige Beschäftigung

Kurzfristige Beschäftigung? Klingt ähnlich, hat allerdings nichts mit dem Kurzarbeitergeld zu tun. Bei der kurzfristigen Beschäftigung handelt es sich um Anstellungsverhältnisse, die von Beginn an auf drei Monate oder 70 Arbeitstage innerhalb eines Jahres begrenzt sind. Das Besondere hierbei: Auch, wenn der Lohn 450 Euro im Monat übersteigt, ist er komplett sozialversicherungsfrei.

Aktuell
Aufgrund der Corona-Krise wurden die Zeitgrenzen vom 01.03.2020 bis 31.10.12 auf fünf Monate oder 115 Arbeitstage angehoben.

Wie lange wird Kurzarbeitergeld gezahlt?

Normalerweise kann die Bezugsdauer bis zu 12 Monaten lang sein. In Ausnahmefällen kann das Bundesministerium für Arbeit und Soziales aber auch eine längere Zahlung von bis zu 24 Monaten beschließen.

Saisonales Kurzarbeitergeld

Besondere Regelungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld gelten für Angestellte in saisonal abhängigen Branchen. Darunter fallen: Bauhauptgewerbe, Dachdecker, Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und Gerüstbau. Das Kurzarbeitergeld wird dann in der Zeit des Jahres gezahlt, in der es witterungsbedingt zu Arbeitsausfällen kommt. Das betrifft die Monate Dezember bis März, bzw. November bis März beim Gerüstbau.

Zuschüsse

Je nach Tarifvertrag können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Leistung aufstocken. Es besteht die Möglichkeit, Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld zu zahlen. Das passiert durch eine Umlage (Winterbeschäftigungsumlage), die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zahlen. Das Beste daran: Die Zuschüsse sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Zudem haben sie auch keine Auswirkung auf den individuellen Steuertarif.

Das Zuschuss-Wintergeld beträgt 2,50 Euro für jede ausgefallene Arbeitsstunde. Im Gerüstbau sind es 1,03 Euro.

Das Mehraufwands-Wintergeld beträgt 1,00 Euro für jede geleistete Arbeitsstunde in der Schlechtwetterzeit. Das gilt für die Zeit vom 15. Dezember bis Ende Februar. Maximal berücksichtigungsfähig sind 90 Stunden für den Dezember und 180 Stunden für Januar und Februar.

Zusätzlicher Werbungskostenabzug

Da der Arbeitnehmeranteil an der Umlage unmittelbar der Einkunftssicherung dient, ist der Abzug als Werbungskosten möglich. Die Höhe der selbst getragenen Umlage finden Sie in der Lohnsteuerbescheinigung.

Kurzarbeitergeld und Corona: Alle Neuerungen auf einen Blick

Die wichtigsten Regelungen und Maßnahmen haben wir bereits erläutert. Nachfolgend fassen wir für Sie die Neuerung zusammen:

  • Die Erheblichkeitsschwelle ist bis zum 31.12.2021 von einem Drittel auf 10 Prozent gesenkt worden. Damit können auch Arbeitnehmer mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Vorausgesetzt, mindestens 10 Prozent der Belegschaft hat einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent.
  • Auf den Aufbau von Minusstunden zur Vermeidung der Kurzarbeit wird verzichtet.
  • Die Leistung erhalten auch Angestellte in Leih- bzw. Zeitarbeit.
  • Bei Beantragung des aufzustockenden Arbeitslosengelds II verzichtet die Bundesagentur für Arbeit vom 01.03.2020 bis zum 30.06.2020 auf die Vermögensprüfung.
  • EinnahQuelle: BMGFmen aus einem Nebenverdienst in einer systemrelevanten Branche sorgen vom 01.04.2020 bis 31.10.2020 nicht für eine Kürzung des Leistungsanspruchs.

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Quelle: Bundesregierung

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