Kurzarbeitergeld – Wenn die Arbeit ausfĂ€llt

Alles, was Sie zum Thema wissen mĂŒssen


Aktuell rechnet die Regierung mit bis zu 2,35 Millionen Kurzarbeitern aufgrund der Corona-Krise. Aber was bedeutet das genau? Erfahren Sie in diesem Artikel, was Kurzarbeitergeld ist und unter welchen Voraussetzungen Sie es bekommen.

Schutz vor der KĂŒndigung

Manchmal verflucht man ihn: den ganz normalen Arbeitstag. Allerdings wĂŒnschen sich aktuell viele ein StĂŒckchen NormalitĂ€t zurĂŒck. Denn Arbeitnehmer stehen jetzt vor einem großen Problem: Sie wĂŒrden gerne ihrer alltĂ€glichen Arbeit nachgehen. Das ist in vielen Betrieben aber nicht möglich. Vielleicht musste das Unternehmen aufgrund behördlicher Anordnung schließen. Oder der GeschĂ€ftsbetrieb ist so weit eingeschrĂ€nkt, dass viele ArbeitsplĂ€tze nicht mehr gebraucht werden. Etliche BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sind davon betroffen. Vor allem Mitarbeiter von GeschĂ€ften, Friseursalons, GaststĂ€tten oder Kitas.

Was passiert, wenn der Chef Ihr Gehalt unter solchen UmstĂ€nden nicht mehr zahlen kann? Bevor Ihnen die KĂŒndigung droht, springt der Staat in die Presche: mit der Kurzarbeit bzw. dem Kurzarbeitergeld. Wir haben fĂŒr Sie das Wichtigste zum Kurzarbeitergeld zusammengefasst.

Welche Voraussetzungen gelten?

FĂŒr die Zahlung von Kurzarbeitergeld gelten strenge Voraussetzungen. Das Geld zahlt Ihnen zwar der Arbeitgeber. Der Staat erstattet es ihm aber. Deshalb prĂŒft die Agentur fĂŒr Arbeit genau, ob die Leistung angemessen ist.

Wichtig: Kurzarbeit anmelden

Bevor Sie als Mitarbeiter Kurzarbeitergeld erhalten, meldet das Unternehmen bei der Agentur fĂŒr Arbeit Kurzarbeit an. Erst danach kann die Firma das Geld beantragen. Sie können also nicht fĂŒr sich selbst den Antrag stellen. Zu lange warten darf Ihr Arbeitgeber damit allerdings nicht. Denn es gilt eine Frist von drei Monaten. Die Frist beginnt nach Ende des Monats, in dem es zum Arbeitsausfall kam.

Es muss zum Arbeits- und Verdienstausfall kommen

Die Anmeldung von Kurzarbeit ist dann möglich, wenn es im Unternehmen zum Arbeitsausfall kommt. Das heißt, dass die Mitarbeiter oder zumindest ein Teil der Belegschaft nicht mehr ihrer TĂ€tigkeit nachkommen können. Aktuell ist das zum Beispiel der Fall, weil viele Betriebe wegen des Corona-Virus schließen mussten.

Gleichzeitig muss der Arbeitsausfall auch mit einem Verdienstausfall verbunden sein. FĂŒr die Mitarbeiter kann also das Gehalt nicht weitergezahlt werden.

Anders ist das ĂŒblicherweise bei Krankheits- oder Urlaubstagen. Auch hier wird der Arbeitnehmer nicht arbeiten. Ein Verdienstausfall liegt aber nicht vor, da der Arbeitgeber weiterhin das Gehalt zahlt.

Arbeitsausfall muss erheblich und unvermeidbar sein

Damit Betriebe nicht „einfach so“ ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken können, muss der Arbeitsausfall von großem Ausmaß sein. Zudem darf er nicht vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein.

Wann ist ein Arbeitsausfall erheblich?

„Erheblich“ ist ein relatives Wort. Im Zusammenhang mit dem Kurzarbeitergeld bedeutet das:

  • Jeder, der einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent hat, kann Kurzarbeitergeld bekommen.
  • Wenn mindestens ein Drittel der Belegschaft mehr als 10 Prozent Gehalt einbĂŒĂŸen muss, können auch diejenigen, mit weniger als 10 Prozent Gehaltsverlust Kurzarbeitergeld erhalten.

Nur, wenn diese Grenzen in einem Unternehmen erreicht sind, kann Kurzarbeitergeld beantragt werden. Welche Arbeitnehmer fĂŒr die maßgebliche Mitarbeiterzahl zĂ€hlen, ist genau geregelt. So zĂ€hlen z. B. auch beurlaubte und erkrankte Mitarbeiter oder Arbeitnehmerinnen in Mutterschutz mit dazu. Azubis oder Mitarbeiter in Elternzeit werden hingegen nicht berĂŒcksichtigt.

Aktuelle Regelung
Bis zum 31.12.2020 sind die Voraussetzungen fĂŒr das Kurzarbeitergeld fĂŒr BeschĂ€ftige mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent gelockert. Die Leistung wird bereits gewĂ€hrt, wenn mindestens 10 Prozent (statt wie bisher ein Drittel) der Belegschaft betroffen sind.

Wann ist ein Arbeitsausfall (un)vermeidbar?

Unvermeidbar sind beispielweise DienstausfĂ€lle aufgrund von Umweltkatastrophen oder Wirtschaftskrisen. Aber auch Entscheidungen Dritter zĂ€hlen als unvermeidbar. Das sind z. B. auch kurzfristig behördlich angeordnete Schließungen. Im Gegensatz dazu steht z. B. die willkĂŒrliche Schließung eines Betriebs wegen Renovierungsarbeiten.

GrundsĂ€tzlich darf zur Vermeidung von Kurzarbeit Ihr Chef von den Mitarbeitern fordern, Überstunden abzufeiern. Auch Resturlaubstage können fĂŒr die betroffene Zeit eingesetzt werden.

Aktuelle Regelung
Aufgrund der Corona-Krise dĂŒrfen Unternehmer auf den Aufbau von Minusstunden verzichten. Denn es kann niemand abschĂ€tzen, wie lange die EinschrĂ€nkungen andauern. Im schlimmsten Fall könnte es zu so vielen Minusstunden kommen, dass eine Aufarbeitung nur schwer möglich ist. Bis zum 31.12.2020 wird ebenfalls daraufverzichtet, den aktuellen Urlaubsanspruch der Mitarbeiter zur Vermeidung der Kurzarbeit einzusetzen.

Kurzarbeit und Urlaub – geht das?

Prinzipiell darf ein vorhandener Resturlaub aus dem Vorjahr dafĂŒr eingesetzt werden, um die Kurzarbeit abzuwenden. Wie sieht das aber mit dem Urlaubsanspruch fĂŒr das aktuelle Jahr aus? GrundsĂ€tzlich dĂŒrfen Sie auch wĂ€hrend der Kurzarbeit bezahlten Urlaub nehmen.
Allerdings darf Ihr Arbeitgeber Ihren jĂ€hrlichen Urlaubsanspruch kĂŒrzen. Da Sie in der Kurzarbeit nicht mehr Vollzeit arbeiten, ist es möglich, auch den Urlaubsanspruch nur anteilig zu gewĂ€hren. In etwa so, wie das bei TeilzeitkrĂ€ften der Fall ist.

Einen Trost gibt es aber immerhin: Die UrlaubsvergĂŒtung wird nicht gekĂŒrzt. Diese berechnet sich nĂ€mlich anhand des Gehalts der letzten 13 Wochen vor Urlaubsbeginn. GehaltskĂŒrzungen aufgrund von Kurzarbeit werden aber nicht berĂŒcksichtigt.

Stichwort: VorĂŒbergehend

Der Arbeits- und Verdienstausfall darf fĂŒr die Arbeitnehmer nur vorĂŒbergehend sein. Das schließt z. B. die FĂ€lle aus, in denen Betriebe dauerhaft geschlossen bleiben. Es muss fĂŒr Arbeitnehmer und Arbeitgeber absehbar sein, dass der Grund fĂŒr die Kurzarbeit wegfĂ€llt.

Wer erhÀlt Kurzarbeitergeld?

Die Anforderungen, die fĂŒr die Beantragung des Kurzarbeitergeldes fĂŒr den Arbeitgeber gelten, sind nun geklĂ€rt. Aber gibt es auch Voraussetzungen fĂŒr die Arbeitnehmer?

Arbeitnehmer

Nur, wenn Sie sozialversicherungspflichtig in einem Unternehmen angestellt sind, erhalten Sie Kurzarbeitergeld. Dadurch haben Minijobber keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld.

Aktuelle Regelung
Auch Leih- bzw. Zeitarbeiter erhalten bis zum 31.12.2020 Zugang zum Kurzarbeitergeld.

ArbeitsverhĂ€ltnis muss ungekĂŒndigt sein

Wichtig ist, dass Ihr ArbeitsverhĂ€ltnis auch tatsĂ€chlich noch besteht. Und zwar ungekĂŒndigt. Haben Sie oder Ihr Chef das ArbeitsverhĂ€ltnis bereits aufgelöst? Dann haben Sie in der Regel ab Ausspruch der KĂŒndigung keinen Anspruch auf das Kurzarbeitergeld. Stattdessen kann Ihr Arbeitgeber weiterhin zur Zahlung des vollen Gehalts verpflichtet sein. Der Anspruch auf Kurzarbeitergeld entfĂ€llt:

  • Bei Übergabe der KĂŒndigung mit dem darauffolgenden Tag
  • Bei Zusendung der KĂŒndigung per Post drei Tage nach Absendung
  • Bei Abschluss eines Aufhebungsvertrags mit dem darauffolgenden Tag

Ein auslaufender befristeter Arbeitsvertrag ist keine KĂŒndigung.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Gute am Kurzarbeitergeld ist: Auch in Krisen gehen Sie als Arbeitnehmer nicht leer aus. Damit wirkt die Zahlung KĂŒndigungen aufgrund von LiquiditĂ€ts-EngpĂ€ssen entgegen. Trotzdem erhalten Sie die Leistung nicht in derselben Höhe wie Ihr normales Gehalt. Aktuell betrĂ€gt das monatliche Kurzarbeitergeld 60 Prozent der Höhe Ihres Nettogehalts. Wenn Sie Kinder haben, fĂŒr die ein Kindergeldanspruch besteht, sind es 67 Prozent. Eine Tabelle zur Berechnung finden Sie auf der Website der Agentur fĂŒr Arbeit. Ihr Arbeitgeber kann das Kurzarbeitergeld aus eigenen Mitteln aufstocken.

Aktuelle Regelung
FĂŒr die Zeit der Corona-Krise wird das Kurzarbeitergeld angehoben. So soll bis Ende 2020 fĂŒr Arbeitnehmer, mit einem Arbeitsausfall von mindestens 50 Prozent die Leistung schrittweise steigen. Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit sollen Sie statt 60 Prozent nun 70 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Falls Sie Kinder haben, sind es 77 Prozent. Ab dem siebten Monat in Kurzarbeit steigt die Leistung auf 80 Prozent bzw. 87 Prozent.

Aufstockendes Arbeitslosengeld II

Kurzarbeit heißt, auf einen Großteil des normalen Gehalts verzichten zu mĂŒssen. Das reicht nicht bei allen, um davon Miete und laufende Kosten zu zahlen. Deshalb besteht die Möglichkeit, zusĂ€tzlich zum Kurzarbeitergeld das aufstockende Arbeitslosengeld II zu beantragen. HierfĂŒr fĂŒhrt die Agentur fĂŒr Arbeit allerdings eine VermögensprĂŒfung durch. Sie mĂŒssen also Ihren Besitz und Ihre EinkommensverhĂ€ltnisse offenlegen.

Aktuelle Regelung
FĂŒr die Zeit vom 01.03.2020 bis 30.06.2020 verzichtet die Agentur fĂŒr Arbeit auf eine solche VermögensprĂŒfung.

Krankengeldbezug

Bei Krankheit zahlt Ihnen Ihr Chef das Kurzarbeitergeld bis zu sechs Wochen weiter. Sollten Sie lĂ€nger krank sein, bekommen Sie Krankengeld gezahlt. Dieses Krankengeld wird allerdings nicht anhand des Kurzarbeitergeldes berechnet. Grundlage fĂŒr den Krankengeldbezug ist das Gehalt, das Sie zuletzt vor dem Arbeitsausfall bekommen haben.

Aufstockung des Gehalts durch einen Nebenjob?

Sie haben einen Nebenjob? GlĂŒck haben Sie, wenn Sie den Nebenjob bereits vor Eintritt der Kurzarbeit begonnen haben. Dann steht Ihnen weiterhin die volle Höhe des Kurzarbeitergeldes zu. Nachteilig ist es aber, wenn Sie den Nebenjob erst wĂ€hrend der Kurzarbeit angefangen haben. Der zusĂ€tzliche Verdienst kĂŒrzt nĂ€mlich die Zahlung des Kurzarbeitergeldes.

Aktuelle Regelung
FĂŒr die Zeit vom 01.04.2020 bis 31.10.2020 gilt eine Sonderregelung. Wenn Sie einen Nebenjob in einer systemrelevanten Branche beginnen, erfolgt keine Anrechnung. Dazu zĂ€hlen z. B. TĂ€tigkeiten im Rahmen der medizinischen Versorgung oder im Lebensmittelhandel.
Aktuelle Regelung
Ab dem 01.05.2020 bis zum 31.12.2020 soll es Ihnen – unabhĂ€ngig vom Beruf – möglich sein, bis zur Höhe Ihres Gehalts vor Kurzarbeit mit einem Nebenjob dazuzuverdienen. Das Kurzarbeitergeld soll dadurch nicht gekĂŒrzt werden.

Bekommen auch Besserverdiener Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld wird auf den Nettolohn berechnet. Allerdings geht das nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Diese betrĂ€gt im Jahr 2020 6.900 Euro in West und 6.450 Euro in Ost. FĂŒr Besserverdiener wird zur Berechnung also höchstens die Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Liegt das Gehalt auch wĂ€hrend der Kurzarbeit oberhalb dieser Grenze, besteht kein Anspruch auf Zahlung.

ZuschĂŒsse durch den Arbeitgeber

Ihr Arbeitgeber stockt Ihr Kurzarbeitergeld aus eigener Tasche auf? Normalerweise sind diese ZuschĂŒsse dann steuerpflichtiger Arbeitslohn. Allerdings mĂŒssen keine BeitrĂ€ge zu den Sozialversicherungen gezahlt werden, wenn der Zuschuss (+ Kurzarbeitergeld) nicht höher ist als 80 Prozent Ihres ausgefallenen Gehalts. Übersteigt der Zuschuss diese Grenze, ist er ĂŒbersteigende Teil auch sozialversicherungspflichtig.

Aktuell
WĂ€hrend der Corona-Krise sind ZuschĂŒsse Ihres Arbeitgebers zum Kurzarbeitergeld teilweise steuerfrei, wenn er die ZuschĂŒsse in der Zeit vom 29.02.2020 bis 31.12.2020 leistet. Steuerfrei bleiben 80 Prozent der Differenz zwischen Ihrem „Soll“-Gehalt und dem gezahlten Kurzarbeitergeld. Allerdings unterliegt auch dieser Zuschuss dem Progressionsvorbehalt.

 

Wie lange wird Kurzarbeitergeld gezahlt?

Normalerweise kann die Bezugsdauer bis zu 12 Monaten lang sein. In AusnahmefĂ€llen kann das Bundesministerium fĂŒr Arbeit und Soziales aber auch eine lĂ€ngere Zahlung von bis zu 24 Monaten beschließen.

Saisonales Kurzarbeitergeld

Besondere Regelungen fĂŒr den Bezug von Kurzarbeitergeld gelten fĂŒr Angestellte in saisonal abhĂ€ngigen Branchen. Darunter fallen: Bauhauptgewerbe, Dachdecker, Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau und GerĂŒstbau. Das Kurzarbeitergeld wird dann in der Zeit des Jahres gezahlt, in der es witterungsbedingt zu ArbeitsausfĂ€llen kommt. Das betrifft die Monate Dezember bis MĂ€rz, bzw. November bis MĂ€rz beim GerĂŒstbau.

ZuschĂŒsse

Je nach Tarifvertrag können Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Leistung aufstocken. Es besteht die Möglichkeit, Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld zu zahlen. Das passiert durch eine Umlage (WinterbeschĂ€ftigungsumlage), die Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen zahlen. Das Beste daran: Die ZuschĂŒsse sind steuer- und sozialversicherungsfrei. Zudem haben sie auch keine Auswirkung auf den individuellen Steuertarif.

Das Zuschuss-Wintergeld betrĂ€gt 2,50 Euro fĂŒr jede ausgefallene Arbeitsstunde. Im GerĂŒstbau sind es 1,03

Euro.

Das Mehraufwands-Wintergeld betrĂ€gt 1,00 Euro fĂŒr jede geleistete Arbeitsstunde in der Schlechtwetterzeit. Das gilt fĂŒr die Zeit vom 15. Dezember bis Ende Februar. Maximal berĂŒcksichtigungsfĂ€hig sind 90 Stunden fĂŒr den Dezember und 180 Stunden fĂŒr Januar und Februar.

ZusÀtzlicher Werbungskostenabzug

Da der Arbeitnehmeranteil an der Umlage unmittelbar der Einkunftssicherung dient, ist der Abzug als Werbungskosten möglich. Die Höhe der selbst getragenen Umlage finden Sie in der Lohnsteuerbescheinigung.

Wie wird der Kinderfreibetrag berĂŒcksichtigt?

Wie bereits geschildert, betrĂ€gt der Leistungssatz 67 statt 60 Prozent, wenn Sie ein Kind haben. Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit erkennt das normalerweise an den Eintragungen in Ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte. Hier reicht bereits der ZĂ€hler 0,5 fĂŒr die Zahlung des höheren Leistungssatzes aus.

Wie ist das aber, wenn Sie in der Lohnsteuerklasse V sind? Hier werden nĂ€mlich keine KinderfreibetrĂ€ge in der Lohnsteuerkarte eingetragen. In diesem Fall weisen Sie der Agentur fĂŒr Arbeit nach, dass Sie tatsĂ€chlich Anspruch auf den Freibetrag haben. DafĂŒr mĂŒssen Sie oder Ihr Arbeitgeber einen Antrag bei der Agentur fĂŒr Arbeit stellen. ZusĂ€tzlich fĂŒgen Sie eine Kopie der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners bei. Alternativ können Sie auch eine Bescheinigung des Finanzamts oder des Arbeitgebers darĂŒber beifĂŒgen, dass in der elektronischen Lohnsteuerkarte Ihres Ehepartners ein Freibetrag angegeben ist.

Wechsel der Steuerklasse kann sinnvoll sein

Bei Ehepartnern mit den Steuerklassen III und V bleibt vor allem fĂŒr den Ehegatten in Steuerklasse V in der Kurzarbeit nicht viel vom Gehalt ĂŒbrig. Das liegt daran, dass das Kurzarbeitergeld auf Basis des Nettolohns berechnet wird. Da in der Steuerklasse V hohe AbzĂŒge vom Lohn vorgenommen werden, fĂ€llt der Nettolohn entsprechend gering aus. Deshalb kann sich ein Wechsel in die Steuerklasse IV fĂŒr beide Partner lohnen: Hier fĂ€llt das Gesamteinkommen der Eheleute eventuell erstmal niedriger aus. Der weniger verdienende Ehepartner kann hier im Fall von Kurzarbeit allerdings von einem höheren Leistungsbetrag profitieren. Im Rahmen der EinkommensteuerklĂ€rung wird der vorlĂ€ufige Steuernachteil wieder ausgeglichen.

Ein weiterer Vorteil: In der Steuerklasse IV wird ein vorhandener Kinderfreibetrag bereits in der elektronischen Lohnsteuerkarte angegeben. Ein entsprechender Antrag mit Bescheinigung bei der Agentur fĂŒr Arbeit ist also nicht mehr notwendig.

Kurzarbeitergeld vs. kurzfristige BeschÀftigung

Kurzfristige BeschĂ€ftigung? Klingt Ă€hnlich, hat allerdings nichts mit dem Kurzarbeitergeld zu tun. Bei der kurzfristigen BeschĂ€ftigung handelt es sich um AnstellungsverhĂ€ltnisse, die von Beginn an auf drei Monate oder 70 Arbeitstage innerhalb eines Jahres begrenzt sind. Das Besondere hierbei: Auch, wenn der Lohn 450 Euro im Monat ĂŒbersteigt, ist er komplett sozialversicherungsfrei.

Aktuell
Aufgrund der Corona-Krise wurden die Zeitgrenzen vom 01.03.2020 bis 31.10.12 auf fĂŒnf Monate oder 115 Arbeitstage angehoben.

 

Muss das Kurzarbeitergeld versteuert werden?

Nein. Sie erhalten die Leistung ohne AbzĂŒge fĂŒr Sozialversicherungen oder Steuern. Die SozialversicherungsbeitrĂ€ge werden jedoch weiterhin von Ihrem Arbeitgeber gezahlt. Damit bleiben Sie versichert. Auch wenn die Leistung an sich steuerfrei ist: Das Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt.

Das bedeutet, dass die Zahlung Ihren individuellen Steuersatz beeinflusst und diesen erhöht. In Deutschland gilt ein progressiver Steuertarif. Das bedeutet: Je mehr Sie verdienen, desto höher ist Ihr individueller Steuersatz. Leistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sorgen also dafĂŒr, dass Ihr Steuersatz steigt. Zahlen mĂŒssen Sie die Steuer am Ende aber nur auf Ihre steuerpflichtigen EinkĂŒnfte.

Dadurch kann es jedoch fĂŒr das Jahr der Kurzarbeit zu Steuernachzahlungen kommen. Grund hierfĂŒr ist, dass bei Ihrem laufenden Gehalt zu wenig Lohnsteuer abgefĂŒhrt wurde. Das passiert deshalb, weil vor dem Kurzarbeitergeld Ihr Steuersatz niedriger war. Im Rahmen der SteuererklĂ€rung erhöht das Kurzarbeitergeld aber den Steuersatz. Auf Ihr Gehalt wird nachtrĂ€glich der höhere Steuersatz angewandt. Die unterjĂ€hrig zu wenig gezahlte Lohnsteuer, mĂŒssen Sie dann mit der SteuererklĂ€rung nachholen.

Abgabe der SteuererklÀrung ist Pflicht

Wenn Sie Kurzarbeitergeld erhalten haben, mĂŒssen Sie zwingend eine SteuererklĂ€rung abgeben.

FĂŒr erhaltene Zahlungen im Jahr 2020 mĂŒssen Sie also im nĂ€chsten Jahr Ihre EinkommensteuererklĂ€rung ans Finanzamt schicken. DafĂŒr haben Sie Zeit bis zum 31.07.2021 (ohne Steuerberater) bzw. 28.02.2022 (mit Steuerberater).

Wussten Sie schon?
Das Bundesministerium fĂŒr Arbeit und Soziales hat auf seiner Website einen FAQ-Katalog rund ums Thema Kurzarbeit veröffentlicht.

Neues zum Kurzarbeitergeld auf einen Blick

Die wichtigsten Regelungen und Maßnahmen haben wir bereits erlĂ€utert. Nachfolgend fassen wir fĂŒr Sie die Neuerung zusammen:

  • Die Erheblichkeitsschwelle ist bis zum 31.12.2020 von einem Drittel auf 10 Prozent gesenkt worden. Damit können auch Arbeitnehmer mit einem Verdienstausfall von weniger als 10 Prozent Kurzarbeitergeld erhalten. Vorausgesetzt, mindestens 10 Prozent der Belegschaft hat einen Gehaltsausfall von mindestens 10 Prozent.
  • Auf den Aufbau von Minusstunden zur Vermeidung der Kurzarbeit wird verzichtet.
  • Die Leistung erhalten auch Angestellte in Leih- bzw. Zeitarbeit.
  • Bei Beantragung des aufzustockenden Arbeitslosengelds II verzichtet die Bundesagentur fĂŒr Arbeit vom 01.03.2020 bis zum 30.06.2020 auf die VermögensprĂŒfung.
  • Einnahmen aus einem Nebenverdienst in einer systemrelevanten Branche sorgen vom 01.04.2020 bis 31.10.2020 nicht fĂŒr eine KĂŒrzung des Leistungsanspruchs.

Ganz einfach mit WISO steuer:Web

Am einfachsten geben Sie die SteuererklĂ€rung mit WISO steuer:Web ab. Durch den steuer:Abruf werden die wichtigsten Daten ganz automatisch und verschlĂŒsselt beim Finanzamt abgefragt und eingetragen. So landet auch Ihr erhaltenes Kurzarbeitergeld an der richtigen Stelle, ohne dass Sie selbst etwas eintragen mĂŒssen!

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Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer SteuererklĂ€rung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch ĂŒber Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne fĂŒr zukĂŒnftige BeitrĂ€ge auf.
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