Standby-Wohnung in Deutschland

Führt sie zur unbeschränkten Steuerpflicht?


Innerhalb kurzer Zeit den Arbeitsplatz erreichen und dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen. Das ist nicht einfach, wenn der Wohnsitz der Familie nicht vor Ort ist. Eine sogenannte Standby-Wohnung kann hier Abhilfe schaffen. Führt sie für einen europäischen Nicht-EU-Bürger zur unbeschränkten Steuerpflicht in Deutschland?

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Standby-Wohnung

Eine sogenannte Standby-Wohnung ist in diesem Fall eine Unterkunft, die nur eingeschränkt dem Arbeitnehmer am Ort seiner Tätigkeit zur Verfügung steht. Er nutzt die Wohnung im Wechsel mit anderen Personen. Die Nutzung der Wohnung ist nur möglich, sofern die Kapazität noch nicht ausgeschöpft ist.

Ob eine solche Wohnung zur unbeschränkten Steuerpflicht eines Arbeitnehmers aus dem europäischen nicht EU- Land führt, hatten die Richter des hessischen Finanzgerichts (Aktenzeichen: 3 K 1062/09) zu entscheiden.

Der Fall

Geklagt hatte ein Pilot, der in einem anderen europäischen Nicht-EU-Land einen Familienwohnsitz hat. In der Nähe eines deutschen Flughafens unterhält er mit anderen Piloten zusammen eine Vier-Zimmer-Wohnung. Sie soll ihm vor Ort als Unterkunft dienen. Damit erfüllt er seine arbeitsvertragliche Verpflichtung, auf Abruf seines Arbeitgebers seinen Dienst innerhalb von 60 Minuten anzutreten. Die Wohnung kann von dem Piloten nur genutzt werden, wenn nicht zuvor drei andere Kollegen die Wohnung in Beschlag genommen haben. Ist die Wohnung belegt, muss er sich eine andere Unterkunft suchen.

Steuerpflicht

Als Arbeitnehmer in Deutschland ist der Pilot in jedem Fall beschränkt steuerpflichtig, so dass er seinen inländischen Lohnanteil in Deutschland versteuern muss. Das Finanzamt vertritt aber die Auffassung, dass mit dieser Standby-Wohnung ein Wohnsitz vorliegt. Damit hätte der Pilot seine gesamten Einkünfte in Deutschland zu versteuern.

Die Richter des hessischen Finanzgerichts widersprachen den Finanzbeamten. Da der Arbeitnehmer sich die Wohnung im ständig zeitlichen Wechsel und nur mit eingeschränkter Verfügungsmöglichkeit mit anderen Kollegen teilt, begründet er in Deutschland keinen steuerlichen Wohnsitz.

Gegen dieses Urteil wurde beim Bundesfinanzhof Revision eingelegt (Aktenzeichen: VI R 13/13). Damit bleibt weiter offen, ob der Arbeitnehmer beschränkt oder unbeschränkt in Deutschland steuerpflichtig ist.

Finanzgericht Hessen, Pressemitteilung

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