Steuerrecht soll vereinfacht werden

Länder schlagen erneut Elf-Punkte-Plan vor


Neuer Anlauf für eine weitere Steuervereinfachung: Der Bundesrat billigte nun einen Gesetzesantrag vierer Länder, die jetzt dem Bundestag vorgelegt wird. Derselbe Entwurf war 2012 gescheitert.

Neuer Anlauf für Vereinfachung

Letzen Freitag billigte der Bundesrat einen Gesetzesantrag der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Bremen. Bereits im Oktober 2011 hatten die vier Länder eine erste Initiative gestartet – und gleichen Gesetzesentwurf im Dezember 2012 vorgelegt. Doch damals scheiterte eine Einigung mit der schwarz-gelben Koalition. Nun wird der Gesetzesentwurf abermals der Regierung vorgelegt. Diese leitet ihn innerhalb sechs Wochen an den Bundestag weiter.

Ziel des Elf-Punkte-Planes sei eine Steuervereinfachung, die nicht zu Mindereinnahmen führe. Gleichwohl solle sie Steuerzahler entlasten. Auch soll dadurch der Arbeitsaufwand auf beiden Seiten – Steuerzahler und Finanzverwaltung – gemindert werden. Ein Abbau der kalten Progression ist leider wieder nicht geplant.

Arbeitnehmer-Pauschbetrag: Erhöhung auf 1.130 Euro

Zentraler Punkt der Steuervereinfachung ist die Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrages um 130 Euro auf 1.130 Euro im Jahr. Dadurch würden rund eine Millionen Arbeitnehmer profitieren, die ohne Belege bereits nicht über die 1.000 Euro-Grenze kämen. Dies würde auch den Einzelnachweis der Werbungskosten vereinfachen.

Handwerkerrechnungen: erst ab 300 Euro

Die Ausgaben für Handwerker von unter 300 Euro sollen nicht mehr geltend gemacht werden können. Gerade diese Möglichkeit wird von den meisten Steuerzahlern zur Steuerminderung genutzt.

Häusliches Arbeitszimmer: 100 Euro Pauschale

Noch müssen Arbeitnehmer, die Ausgaben für ihr Arbeitszimmer absetzen möchten, die Kosten nachweisen: Belege über Miete, Strom, Heizung und Finanzierung müssen dem Fiskus vorgelegt werden. Künftig soll eine Pauschale von monatlich 100 Euro die Ausgaben ohne Beleg decken. Höhere Kosten können mit Nachweis auch weiterhin abgezogen werden.

Sachbezüge: ab 20 Euro steuerpflichtig

Bisher können Arbeitnehmer monatlich 44 Euro steuerfrei von Ihrem Arbeitgeber erhalten -in der Praxis meist mittels Tankgutschein. Diese Grenze soll auf nur noch 20 Euro gesenkt werden.

Pflegekosten: vereinfachter Nachweis

Der Abzug von Heimkosten als außergewöhnliche Belastungen soll ins Gesetz aufgenommen werden. Heimunterbringungskosten sollen steuermindert wirken, soweit es sich um Pflegeleistungen handelt. Nicht abziehen kann man dagegen Verpflegungskosten.

Unterkunftskosten sollen berücksichtigt werden, wenn folgende Voraussetzungen vorliegen:

  • Vorübergehende Heimunterbringung bis zu sechs Monaten
  • Kurzzeitpflege
  • Übergangszeit nach stationärer Behandlung

Freibeträge: zwei Jahre gültig

Noch müssen Lohnsteuer-Freibeträge jedes Jahr neu beantragt werden. Dies soll sich künftig ändern: Die Freibeträge sollen zwei Jahre gültig sein.

Unterhaltsleistungen ins Ausland: strengere Vorgaben

Für den Abzug von Unterhaltszahlungen für Angehörige in Staaten außerhalb des EU/EWR-Raumes sollen nun höhere Nachweisauflagen gelten. Die Unterhaltsverpflichtung muss dann durch einen vollstreckbaren Titel ( zum Beispiel Gerichtsurteil) nachgewiesen werden.

Behinderten-Pauschbetrag: Erhöhung

Die Behinderten-Pauschbeträge sollen sich um bis zu 50 Prozent erhöhen. Dabei muss die Behinderung nunmehr mindestens 30 Prozent statt 25 Prozent betragen.

Grad der Behinderungalte Pauschbeträge in €neue Pauschbeträge in €Zuschlag in %
3031040030
4043056030
5057074030
6072094030
708901.25040
801.0601.59050
901.2301.85050
1001.4202.13050
Blinde und Hilfslose3.7005.55050

Arbeitgeberzahlungen zur Kinderbetreuung: Anpassung an Sonderausgaben

Arbeitgeberleistungen zur Kinderbetreuung sollen an die steuerliche Behandlung von Kinderbetreuungskosten als Sonderausgaben angeglichen werden. Darunter fallen z.B. betriebseigene Kindergärten oder Zuschüsse des Arbeitgebers zu Kita-Gebühren. Somit sollen zwei Drittel der Zuschüsse steuerfrei bleiben. Voraussetzung: Sie müssen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn gezahlt werden und max. 4.000 Euro betragen.

Private-Equity-Fonds: keine Steuerermäßigung

Noch müssen Investoren von vermögensverwaltenden Private-Equity-Fonds auf 40 Prozent der Einnahmen (“carried interest”) keine Steuern zahlen. Diese Vergünstigung soll wegfallen.

Kommanditist: vereinfachter Verlustabzug

Der Verlustabzug von Kommanditisten soll einfacher werden: Sowohl bei der Verlustermittlung als auch beim Kapitalkonto sollen nun auch Sonderbilanzen berücksichtigt werden.

 

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