Volkskrankheit Rückenschmerzen

Rückenschule und Gesundheitssport absetzbar?


Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Beschwerden der Deutschen. Da müsste man vorbeugende Maßnahmen eigentlich als Krankheitskosten von der Steuer absetzen können, oder?

„Ich hab Rücken“

Wegen keiner anderen Krankheit fehlen Arbeitnehmer so oft wie wegen Rückenschmerzen. Zur Heilung und Linderung verordnen Ärzte meist Gymnastik mit Rückenschule und Rehabilitationssport.

Krankenkassen übernehmen dabei nur die Kosten für eine begrenzte Anzahl von Übungseinheiten. Darüber hinaus muss der Patient die Kosten selber tragen und fragt dann: Hilft mir das Finanzamt dabei?

Hilfe vom Fiskus?

Hier lautet die Antwort leider: Nein. Denn Ausgaben für die Ausübung von Sport gehören grundsätzlich zu den nicht abziehbaren Kosten der Lebensführung. Dies bestätigte nun wieder das Finanzgericht Sachsen mit seinem neusten Urteil und versagte den Kostenabzug für Krankengymnastik und Gesundheitssport als außergewöhnliche Belastungen.

Begründung: “Allein der Umstand, dass die Sportausübung für einen Steuerpflichtigen infolge eines körperlichen Leidens besonders dringlich notwendig oder ratsam ist, um seine Beschwerden zu lindern oder einer Verschlimmerung seines Leidens vorzubeugen, macht die Ausübung des Sports nicht zu einer Heilbehandlung und die mit ihr verbundenen Kosten nicht zu außergewöhnlichen Belastungen”(Aktenzeichen 8 K 1403/09).

Rückenschule und Gymnastik ab 50+

Auch fehle es nach Auffassung der Richter an der genauen Einzelverordnung des behandelnden Arztes. Dieser empfahl ganz allgemein die Teilnahme an einer “Rückenschule und Gymnastik ab 50+” – ohne weitere Vorgabe, welche Übungen wie oft durchgeführt werden sollten. Wegen dieses Mangels brauchte nicht mehr geprüft zu werden, ob die Sportübungen tatsächlich unter Anleitung einer Person durchgeführt wurden, die zur Ausübung der Heilkunde befähigt war.

Ein weiterer Ablehnungsgrund für die Richter: Die Sport- und Gymnastikkurse seien als Präventionsmaßnahmen konzipiert und würden deshalb auch für den Betroffenen nicht zu einer Heilbehandlung. Sie blieben ihrem Charakter nach Vorsorgemaßnahmen, die steuerlich nicht absetzbar sind.

Wann ist Rückensport absetzbar?

Eine Ausnahme gibt es daher: wenn der Sport betrieben wird, um eine Krankheit oder ein Gebrechen zu heilen oder zu seiner Linderung oder Besserung beizutragen. Dies ist nach BFH-Rechtsprechung aber nur der Fall, wenn die medizinische Notwendigkeit der Sportausübung durch ein Attest des Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen nachgewiesen wird und der Sport nach genauer Einzelverordnung und unter Verantwortung eines Arztes, Heilpraktikers oder einer sonst zur Ausübung der Heilkunde zugelassenen Person betrieben wird, z.B. Krankengymnastin, Physiotherapeut (Aktenzeichen III R 67/96).

Denken Sie an Ihren Arbeitgeber

Außer an die Krankenkasse und ans Finanzamt sollten Sie auch an Ihren Arbeitgeber denken:Fragen Sie ihn nach einer Kostenerstattung. Denn Zuwendungen Ihres Arbeitgebers für gesundheitsfördernde Maßnahmen sind bis zu 500 Euro im Jahr steuer- und sozialabgabenfrei. Begünstigt sind dabei nicht nur betriebliche Programme, sondern auch extern durchgeführte Maßnahmen.

Steuerberatung?

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