Wann sind Krankheitskosten zwangsläufig?

Wann sind Krankheitskosten zwangsläufig?

Das sollten Sie beachten


Krankheitskosten werden als außergewöhnliche Belastungen steuerlich anerkannt, wenn sie zwangsläufig entstanden sind. Zu den zwangsläufig entstandenen Krankheitskosten gehören in diesem Zusammenhang Kosten, die zum Zwecke der Heilung einer Krankheit oder mit dem Ziel getätigt werden, dass die Krankheit erträglich gemacht wird.

Maßnahmen gelten dann als zwangsläufig, wenn sie medizinisch indiziert sind. Dies bedeutet, dass die Aufwendungen nach den Erkenntnissen und Erfahrungen der Heilkunde und nach den Grundsätzen eines gewissenhaften Arztes zur Heilung oder Linderung der Krankheit angezeigt sind und vorgenommen werden.

Abgrenzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen

Die Grenze zwischen den steuerlich anzuerkennenden Krankheitskosten und den für die Steuer nicht relevanten gesundheitsfördernden Kosten ist fließend. Deshalb ist in vielen Fällen ein formalisierter Nachweis zu führen:

  • Bei Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln bedarf es einer Verordnung des Arztes oder Heilpraktikers.
  • Bei vielen Aufwendungen, die nicht eindeutig den zwangsläufigen Krankheitskosten zugeordnet werden können, bedarf es eines amtsärztlichen Gutachtens. Dieses muss vor Beginn der Maßnahme oder vor Erwerb des Hilfsmittels ausgestellt sein. Dieser qualifizierte Nachweis ist beispielsweise bei Bade- und Heilkuren notwendig oder bei medizinischen Hilfsmitteln, die als allgemeine Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens anzusehen sind.
  • Bei Aufwendungen für Besuchsfahrten bedarf es einer Bescheinigung des behandelnden Krankenhausarztes.

Hintergrund

Der formelle Nachweis vor Beginn einer Behandlung war für die steuerliche Anerkennung der Aufwendungen lange Zeit unumstritten. Erst ein Urteil im Jahr 2010 durch die Richter des Bundesfinanzhofs erteilte dem formellen Nachweis eine Absage. Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass es für diese strenge Form des Nachweises keine gesetzliche Grundlage gab. Der Gesetzgeber holte dieses Versäumnis nach. Nun ist der strenge und formelle Nachweis für die steuerliche Anerkennung bestimmter Krankheitskosten gesetzlich vorgeschrieben. Dies gilt auch für Aufwendungen der Vergangenheit, sofern der Fall noch offen ist.

Sowohl der formelle Nachweis als auch dessen Rückwirkung durch das neue Gesetz sind rechtlich nicht zu beanstanden. Dies haben die Richter des Bundesfinanzhofs entschieden.

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 74/10

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