Wein bei Besprechungen

Keine bloße Aufmerksamkeit


Im Berufsleben spielen Essen und Trinken eine gewichtige Rolle. Spendierfreudigkeit erleichtert den Umgang mit Kunden und die Beziehungen zu Kollegen und Mitarbeitern. Derartige Bewirtungskosten können Sie in bestimmten Fällen “von der Steuer absetzen”.

Bewirtung aus Sicht des Fiskus

Als Bewirtung gilt die unentgeltliche Gewährung von Speisen, Getränken oder sonstigen Genussmitteln zum sofortigen Verzehr. Eine Bewirtung liegt nicht nur dann vor, wenn die Darreichung von Speisen und / oder Getränken eindeutig im Vordergrund steht, sondern auch dann, wenn die Verköstigungen in einen anderen betrieblichen Vorgang eingebunden und diesem gegenüber untergeordnet ist (Urteil des Bundesfinanzhof, Aktenzeichen III R 21/86).

Keine Bewirtung sind Aufmerksamkeiten: Dabei handelt es sich um “übliche Gesten der Höflichkeit“, wie die Darreichung von Kaffee, Tee, Wasser, Gebäck, Rauchwaren usw. anlässlich geschäftlicher Besprechungen. Die Höhe der Kosten ist dabei nicht ausschlaggebend.

Warum die Unterscheidung?

Ausgaben für Aufmerksamkeiten sind in voller Höhe als Betriebsausgaben oder Werbungskosten absetzbar.

Die Einstufung als “Bewirtung” und nicht als “Aufmerksamkeit” bedeutet, dass die Kosten nicht in voller Höhe, sondern nur zu 70 Prozent als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzbar sind.

Zudem gelten strengen Nachweisvorschriften mittels korrektem Bewirtungsbeleg mit Angabe von Ort, Tag, bewirteten Personen und Anlass der Bewirtung.
Fehlen diese Angaben oder sind sie zu allgemein gehalten, z.B. nur “Besprechung”, sind die Ausgaben nicht als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben absetzbar und bei Selbstständigen die Umsatzsteuer nicht als Vorsteuer abziehbar.

Alkoholausschank nicht üblich

Nun hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass der Ausschank von Wein während beruflicher oder geschäftlicher Besprechungen – zumindest steuerlich – keine Aufmerksamkeit mehr ist, sondern eine Bewirtung.

Denn das Anbieten und Darreichen von Weinen, also von alkoholhaltigen Getränken, liege unabhängig vom Wert des konsumierten Weines ihrer Art nach außerhalb dessen, was gewöhnlich bei einer beruflich bzw. geschäftlich veranlassten Besprechung erwartet werden kann, und überschreite  den Rahmen der Üblichkeit (Aktenzeichen 14 K 2477/12).

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  1. 1
    Schedlbauer

    Essen und Trinken ist lebensnotwendig und gehört für mich grundsätzlich vollständig zu den nichtabzugsfähigen Kosten der Lebensführung. Auch alkoholische Getränke sind eindeutig in diese Kategorie einzuordnen. Ausschließlich die Witrschafts- und Unternehmenslobbyisten haben das Essen und Trinken bei den steuerlich abziehbaren Aufwendungen, getragen von den Arbeitnehmern gemacht. Das Urteil ist absolut richtig und notwendig um die Unternehmerbegünstigenden Steuergestze ein bisschen gerechter für alle an deren Steuerzahler und Staatserhalter zu machen.

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