Wenn der Firmenwagen mehr als zehn Prozent privat gefahren wird

Wenn der Firmenwagen mehr als zehn Prozent privat gefahren wird

Kein Investitionsabzugsbetrag!


Wenn kleine und mittlere Betriebe in den kommenden drei Jahren Investitionen planen, können sie schon heute Steuern sparen: Sie dürfen einen Investitionsabzugsbetrag (IAB) von 40 Prozent der geplanten Anschaffungskosten in der Gewinnermittlung abziehen.

Welche Voraussetzungen hat der Steuervorteil?

Eine Voraussetzung für die Bildung eines IABs ist, dass der Firmenwagen mindestens bis zum Ende des folgenden Jahres, das auf die Investition folgt, ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt wird. Ist diese Bedingung bei geplanter Anschaffung eines Pkw realistisch?

Ein Pkw wird ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt, wenn Sie ihn zu nicht mehr als zehn Prozent privat nutzen. Dabei können Sie die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb der betrieblichen Nutzung zurechnen. Falls Sie den Privatanteil nach der Ein-Prozent-Pauschalmethode ermitteln, gehen die Finanzämter grundsätzlich von einer privaten Nutzung von mehr als zehn Prozent aus. Negative Folge: sie verweigern die Anerkennung des IABs.

Ein-Prozent-Methode nicht erlaubt

Nun hat das Finanzgericht Sachsen die Auffassung der Finanzverwaltung bestätigt. Es entschied, dass bei Anwendung der Ein-Prozent-Pauschalmethode für ein betriebliches Fahrzeug ein IABs nicht abgezogen werden darf. Der in einem Vorjahr für die Anschaffung des Fahrzeugs gebildete IAB mangels einer nahezu ausschließlich betrieblichen Nutzung rückgängig zu machen ist.

Es widerspreche jeglicher Lebenserfahrung, dass ein Firmenwagen mit Ein-Prozent-Regelung ausschließlich oder nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird. Denn die Besteuerung mittels Ein-Prozent-Regelung entspreche einem Privatanteil von 20 bis 25 Prozent. Und dies ist nicht mehr eine fast ausschließlich betriebliche Nutzung (Aktenzeichen 8 K 1799/15).

Versicherungsvertreter wurde IAB rückwirkend aberkannt

Ein Versicherungsvertreter hatte einen IAB für einen Firmenwagen steuermindernd abgezogen. Da er den neu angeschafften Pkw auch privat nutzte, legte er dem Finanzamt ein Fahrtenbuch vor. Doch dieses verwarfen die Beamten als nicht ordnungsgemäß. Stattdessen kam zur Ermittlung des privaten Nutzungsanteils die Ein-Prozent-Pauschalmethode zum Einsatz. An dieser Methode scheiterte schließlich der IAB.

Weil das Fahrtenbuch verworfen wurde, nahm das Finanzgericht also an, dass der Versicherungsvertreter den Pkw nur zu 75 Prozent bis 80 Prozent betrieblich genutzt hatte. Daher wurde ihm der IAB rückwirkend wieder aberkannt.

Wie Sie den Steuervorteil trotzdem erhalten

Für den neu angeschafften Firmenwagen dürfen Sie also nicht die Ein-Prozent-Pauschalmethode anwenden. Vielmehr ist die fast ausschließlich betriebliche Nutzung nur mittels Fahrtenbuches nachzuweisen. Sollten Sie für das alte Fahrzeug die Pauschalmethode angewendet haben, können Sie für das neue Fahrzeug die Fahrtenbuchmethode wählen.

Versprechen Sie dem Finanzbeamten, den Umfang der betrieblichen Nutzung des neuen Fahrzeugs in den ersten zwei Jahren durch ein Fahrtenbuch zu dokumentieren. Berufen können Sie sich dabei auf den Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VIII B 190/09).

Achtung

Die Finanzverwaltung hat klargestellt, dass es für den IAB nicht schädlich ist, wenn ein Firmenwagen in einem Jahr weniger als 90 Prozent betrieblich genutzt wird, dafür aber bezogen auf zwei Jahre die betriebliche Nutzung mindestens 90 Prozent beträgt (LFD Thüringen vom 9.2.2015, S 2183b A-09-A3.13).

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