Unerlaubte Hilfe in Steuersachen

Unerlaubte Hilfe in Steuersachen

Wer darf für wen die Steuer machen?


Helfen liegt im Trend. Egal ob im Verein, nach Umweltkatastrophen oder in der Nachbarschaft – wer anderen unter die Arme greift, macht sich Freunde. Meistens zumindest. Denn das Finanzamt sieht die Hilfe bei der Steuererklärung mit kritischem Auge.

Grund hierfür sind die Regelungen des Steuerberatungsgesetzes. Demnach darf eine Hilfeleistung bei der Steuererklärung ausschließlich von Personen und Vereinigungen erbracht werden, die hierzu ausdrücklich befugt sind. Darunter fallen Steuerberater, Lohnsteuerhilfevereine, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer. Darüber hinaus dürfen keine weiteren Personen und Vereinigungen steuerliche Hilfeleistungen erbringen.

Diesen Personen dürfen Sie bei der Steuer helfen

Ist nun also generell Hilfe bei der Steuererklärung verboten? Nicht ganz. Im engsten Familienkreis ist es erlaubt, einander kostenlos mit Rat und Tat zur Seite zur stehen. Sprich: Der Sohn kann sich auch weiterhin zurück lehnen und die Buchhaltung von seiner Mutter machen lassen. Ebenfalls üblich und zulässig: Der Vater erstellt die Steuererklärung für den studierenden Sohn, der noch zu Hause wohnt.

Wer zum engsten Familienkreis gehört, regelt das Steuergesetz. Aus Ihrer Sicht dürfen Sie folgenden Personen helfen oder sich helfen lassen:

Für wen dürfen Sie die Steuer machen?

Dies sieht bei entfernten Verwandten schon anders aus – da ist die Hilfe laut Vorschrift schon verboten. Entfernte Verwandte sind zum Beispiel Cousins und Cousinen oder Geschwister von angeheirateten Schwagern.

Besteht kein Verwandtschaftsverhältnis dürfen Sie gar nicht helfen. Die Steuererklärung für Freunde zu machen, ist also verboten. Darunter fällt sogar der feste Partner, solange man nicht verlobt oder verheiratet ist. Dass auch Bekannte darunter fallen, versteht sich von selbst.

Die Beratung ist bereits strafbar, wenn diese wiederholt und selbstständig erfolgt. Dem Fiskus ist dabei auch egal, ob die Steuerhilfe hauptberuflich oder nebenberuflich erfolgt. Selbst ob dafür Geld oder eine andere Gegenleistung gefordert wird, spielt keine Rolle. Die steuerliche Hilfe ist außerdem verboten, wenn sie „geschäftsmäßig“ durchgeführt wird. Dies liegt vor, wenn derjenige die Absicht hat, die Hilfe selbstständig in gleicher Weise zu wiederholen.

Warum das Verbot?

Der Gesetzgeber begründet das Verbot damit, dass im Falle einer unerlaubten Hilfe dem Steuerzahler enorme finanzielle Nachteile entstehen könnten – beispielsweise bei einer Falschberatung oder Fristversäumnissen. Denn: Ein Versicherungsschutz durch die Berufshaftpflichtversicherung besteht hier nicht.

Verstöße gegen das Verbot werden von den Finanzbehörden meist mit empfindlichen Sanktionen geahndet – und können bis zu 5.000 Euro kosten!

Die bitteren Folgen, zwei Beispiele

Ein Rentner geriet wegen seiner kostenlosen Hilfe für Freunde und Bekannte ins Visier der Oberfinanzdirektion Berlin. Die Steuerfahndung (!) stellte deswegen mit vier Mann seine Wohnung auf den Kopf. Und nach der Razzia kam ein Bußgeldbescheid über 1.500 Euro. Der hilfsbereite Rentner hat weder das Finanzamt noch seine Freunde geschädigt.

In einem anderen Fall half ein freundlicher Mensch leidgeprüften Steuerzahlern bei ihrer Steuererklärung, indem er deren Daten in sein PC-Steuerprogramm eingab, die Entfernungskilometer ermittelte, auf Fristen hinwies und weitere Hilfe gab. Dafür verlangte der Steuerkenner lediglich 30 Euro pro Steuerfall. Das Finanzamt sah hierin eine unerlaubte geschäftsmäßige Hilfe in Steuersachen und drohte ein Zwangsgeld an. Die Sache ging bis zum Bundesfinanzhof. Hier machten die Richter dem Helfer klar, dass die verbotene Hilfeleistung in Steuersachen auch „Hilfeleistungen bei weniger bedeutsamen steuerlichen Anträgen erfasst“.

Steuerprofi mit dem steuer:Sparbuch

Doch es gibt auch amüsante Anekdoten aus der Welt der unerlaubten Steuerhilfe. So erreichte uns diese Woche eine E-Mail von Hans M., einem langjährigen Nutzer des WISO steuer:Sparbuchs. Auch in diesem Jahr erledigte er die Steuererklärung für sich und seine Familie mit dem Programm.

Nach einigen Wochen endlich ein Brief vom Finanzamt. Doch es war kein Steuerbescheid. Als Hans M. das Couvert öffnete und die Zeilen las, staunte er nicht schlecht: Ihm wurde unbefugte Hilfeleistung in Steuersachen bei der Steuererklärung seiner Tochter vorgeworfen! Er solle zur Behörde kommen und eine Eröffnung einer Sach- und Rechtslage machen. Dann der Kracher: Er solle einen Nachweis seiner Befähigung sowie seine Zulassung der Steuerberaterkammer vorlegen.

Was war passiert? Hans M. hatte doch nur die Ratschläge aus dem WISO steuer:Sparbuch übernommen! Anscheinend hatte er jede noch so kleine Steuersparmöglichkeit ausgeschöpft – und so beim Finanzbeamten den Verdacht erzeugt, die Steuererklärungen seien von einem Profi erstellt worden. Dies erläuterte Hans M. bei einem Telefonat seinem Bearbeiter – und dieser ließ von weiteren Schritten ab.

Hans M. jedenfalls nimmt die Sache mit Humor – und ist voll des Lobes für die Steuersoftware von Buhl: „Also Hut ab vor der Software. Diese kann ja nur spitzenmäßig sein, denn sonst würde ich doch nicht so ein Schreiben bekommen. Ich kaufe nur noch diese Software, die ist genial und irritiert sogar das Finanzamt.“

Werden Sie Ihr eigener Steuerberater

Unser Rat an Sie: Werden Sie doch einfach Ihr eigener Steuerberater – getreu dem Motto: „Jetzt helfe ich mir selbst!“. Mit der WISO-Steuersoftware steht Ihnen hierzu ein versierter Steuerratgeber jederzeit zur Seite. Hier bekommen Sie für kleines Geld werthaltige Tipps und Infos. Und das Beste: Diese Hilfeleistung in Steuersachen ist garantiert erlaubt.

9 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Jochen Schultz

    Das Finanzamt nimmt bestimmt Milliarden ein, weil die Bürger nicht wissen was ihnen zusteht und die Kosten für einen Berater scheuen. Und damit das so bleibt gibt es Gesetze…

  2. 2
    Wolfgang Neumann

    Die Lobbyisten gewinnen immer und das nicht nur in Steuersachen. Es ist m.E. schon in gewisser Weise problematisch -obwohl es sehr gute Steuerprogramme (WIESO !!!) für den PC gibt, dass eine derartige Rechtsprechung vorhanden ist.

  3. 3
    Stefanie S.

    In Sachsen wird das nicht so eng gesehen. Da lachen so etwas Richter aus und nehmen die armen „Steuerberater“ in Schutz. Da wird eine Schadensersatzklage am AG Plauen schon mal mit 10 Jahre alten Gesetzen (§ 68 StBerG) abgelehnt. In der Berufung am LG Zwickau (6 S 59/14) sieht der Richter auch keine Pflichtwidrigkeit, weil der Steuerberater nie selbst beraten hat, sondern eine Person 70 km entfernt mit der Steuerberatung beauftragte. Diese Person musste Mandanten anwerben, die Mandanten beraten und den Schriftverkehr mit dem FA führen. Ist auch keine Pflichtwidrigkeit, wenn das Büro nach § 34 StBerG nicht bei der Kammer registriert ist.
    Die Steuerberaterkammer Sachsen macht auch nichts, weil sich bisher keine anderen Mandanten beschwert haben.
    So wusste der „Schein-Steuerberater“ nicht, dass Zugfahrten zur Arbeitsstätte mit 30 Cent angesetzt werden dürfen oder Dienstfahrten mit Hin- und Rückfahrt. Aber in Sachsen ist das alles keine Pflichtwidrigkeit, dass FA Plauen unternimmt nichts gegen Schein-Steuerberater und der schein-Steuerberater darf vor Gericht als Steuerberater ausgegeben werden!
    Und, wenn man dann eine Dienstaufsichtsbeschwerde schreibt, dann wird sogar dafür noch der Ehe-Partner eine Woche vor Weihnachten mit strafverfolgt!

  4. 4
    Yvonne Kuefer

    Davon habe ich zuvor tatsächlich noch nichts gehört! Da bei uns in der Familie sich leider niemand sehr gut mit der Steuererklärung auskennt, habe ich mich die letzten Jahre lieber an einen Profi gewandt. Trotzdem ist es langsam an der Zeit, dass ich mich selbst damit beschäftige. Viele Grüße Yvonne

  5. 6
    Ernst Albus

    Nun ja, ich bin Buchhalter und habe alles bis zu Bilanzen schon erstellt, wenn es notwendig war. Habe jetzt erneut Buchhaltungen übernommen und bekomme heute einen solchen Brief prompt vom Finanzamt, mit derselbigen Verdachtsäußerung und Androhung etc. Es ist schon merkwürdig anzuschauen, wenn unser Staat bestimmte Grauzonen ganz absichtlich zulässt, um daraus sein eigenen Vorteile zu ziehen oder aber wie hier ganz sicher, die Lobby der Steuerberater und Rechtsanwälte zu schützen und deren Pfründe. Dazu ein absolut lächerliches Beispiel. Ich dürfte im Prinzip nach meinem Status keinen LSt-Verein aufmachen oder übernehmen, wenn ich aber meine Bürokollegin, die zufällig bei mir die Buchhaltung machen lässt und gar keine Ahnung hat, was Buchhaltung angeht und deren Nebengebiete, nun ein solches LSt-Büro aufmachen möchte, dann rennen alle Institutionen bei ihr die Türen ein, damit sie den Fuß da rein bekommen. ein krasseres Beispiel für Lobby-Schutz seitens unserer Regierung kann es nun gar nicht geben. Um der Sache die Krone aufzusetzen, könnte sie mich dann als selbständigen oder angestellten Buchhalter beschäftigen, weil sie ja keine Ahnung hat. Da stellt sich schon die Frage mit welcher Dreistigkeit sich Lobbyisten hier Pfründe sichern und anderen Leuten Quasi ein Arbeitsverbot durch die Hintertür anonym erteilen dürfen, was im übrigen das Grundgesetz verbietet. Ich glaube, mehr muss man dazu nicht sagen.

  6. 7
    Steuerzahler

    Aber wie sieht es aus, wenn ich meine Cousine, die eine Steuerberaterin ist meine Steuer (privat und gewerblich) machen lasse und sie dafür ordnungsgemäß bezahle?!

  7. 8
    hintzsche

    Ich werde den Leuten weiterhin helfen. Man darf das aber auch nicht verraten das man jemandem geholfen hat. Also man muss die Leute auch aufklärten das die Leistungen von mir nicht steuerlich absetzbar sind.

  8. 9
    Andre

    Warum das Verbot?
    Leider konnte ich keine triftige Begründung hierfür finden. Folgende Fakten habe ich bislang gesammelt:
    – Durch das Verbot entsteht für Steuerlaien eine Situation, in welcher er nur verliert. Wenn er die Steuererklärung selbst macht, entgehen ihm Nachlässe auf Steuern, die ihm gesetzlich ja zustehen. Wenn er die Hilfe beim zugelassenen Steuerberater einkauft, trägt er die Kosten. Ein Arbeitskollege, der sich gut auskennt, darf ja nicht helfen.
    – Ein ganzer Berufsstand der Steuerberater zählt auf dieses Verbot, denn würde er wegfallen, so würden auch die Umsätze signifikant einbrechen.
    – Die Komplexität des Steuersystems ist dermaßen hoch, dass ein normaler Mensch nicht mit einem vertretbarem Aufwand in Eigenleistung die Steuererklärung erstellen kann. So dass er auch alle Vergünstigungen, die im zustehen in Anspruch nehmen kann.
    – Die EU-Komission kritisiert dieses Verbot in Deutschland
    – Das Verbot wird aufrecht erhalten, weil durch die „falschen“ Steuererklärungen zu viel Steuern gezahlt werden, die ja in den Staatshaushalt, also unserem gemeinsamen Portemonnaie wandern. Die Hauptproblematik ist dabei aber, dass „zuviel Steuern“ solche Menschen zahlen, die keinen Steuerfachmann engagieren, Das sind natürlich diejenigen, die sich keinen leisten können oder wollen.

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