Burnout als Berufskrankheit

Sind die Behandlungskosten absetzbar?


Immer mehr Menschen sind vom Burnout-Syndrom betroffen – häufig verursacht durch zu hohe Belastung im Job. Doch kann man die Behandlungskosten auch von der Steuer absetzen?

Diagnose Burnout

Nach harter geistiger oder körperlicher Arbeit erschöpft zu sein, ist ganz normal. Doch immer mehr Menschen fühlen sich durch Stress, Leistungsdruck, Mobbing, Enttäuschung u. Ä. im Beruf geistig, körperlich und seelisch total erschöpft, ja “ausgebrannt”. Das sog. Burnout-Syndrom gleicht einer Depression. Heilung wird nicht mehr durch Feierabend und Urlaub erreicht, sondern nur durch medizinische Behandlungen. Da das Leiden durch den Beruf verursacht ist, liegt der Gedanke nahe, die Kosten für die Burnout-Behandlung als Werbungskosten geltend zu machen.

Typische Berufskrankheit?

Im Fall einer typischen Berufskrankheit sind Aufwendungen zu deren Behandlung in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten abzugsfähig, wobei hier – anders als bei außergewöhnlichen Belastungen – keine zumutbare Belastung angerechnet wird.

Kein Werbungskostenabzug

Nun hat das Finanzgericht München entschieden, dass Aufwendungen für eine mehrwöchige Behandlung in einer psychosomatischen Klinik nicht als Werbungskosten absetzbar sind. Bei einer psychischen oder psychosomatischen Erkrankung, die auch durch eine starke emotionale Belastung im Beruf ausgelöst wird, handelt es sich nicht um eine typische Berufskrankheit. Die Richter sehen keine zwingende Kausalität von Belastungssituationen und Stress im Beruf für eine manifeste psychische Erkrankung (FG München vom 26.4.2013, 8 K 3159/10).

Der Fall

Ein Abteilungsleiter wird nicht wie erwartet zum Prokuristen ernannt. Dies empfindet er als Degradierung und bekommt anschließend akute gesundheitliche Beschwerden. Seine Hausärztin überweist ihn deswegen in Abstimmung mit einem Facharzt für Psychiatrie in eine psychosomatische Klinik zur stationären Behandlung. Die Krankenversicherung verweigert trotz der Atteste die Kostenübernahme, weil ein stationärer Aufenthalt nicht erforderlich gewesen sei. Auch das Finanzamt sperrt sich.

Abzug als außergewöhnliche Belastung?

Wenn also ein Werbungskostenabzug der Behandlungskosten ausgeschlossen ist, müssen die Kosten doch wenigstens als außergewöhnliche Belastungen absetzbar sein, wobei hier eine zumutbare Belastung angerechnet wird und nur der übersteigende Betrag sich steuermindernd auswirkt. Ja, so sollte es tatsächlich sein! Doch bei psychotherapeutischen Behandlungen – um die es hier geht – verlangt das Gesetz, dass die medizinische Indikation durch ein Attest des Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen nachgewiesen wird und dieses Attest vor Beginn der Behandlung einzuholen ist. Im vorliegenden Urteilsfall hat das Finanzgericht München die steuerliche Anerkennung abgelehnt, weil ein amtsärztliches Attest nicht vorgelegt worden ist.

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