Erstattungen der Kirchensteuer

Erstattungen der Kirchensteuer

Was Sie beachten sollten


Grundsätzlich werden Kirchensteuer-Erstattungen bei der Einkommensteuererklärung mit der gezahlten Kirchensteuer desselben Jahres verrechnet – der Sonderausgabenabzug wird entsprechend geringer. Doch was ist, wenn der Erstattungsbetrag die Kirchensteuer-Zahlung übersteigt?

Ein höherer Erstattungsbetrag als Zahlungen im betreffenden Jahr kann sich aus verschiedenen Gründen ergeben: z. B. weil Sie aus der Kirche ausgetreten sind, weil Kirchensteuer auf eine Abfindung oder auf den Gewinn aus Geschäftsveräußerung erlassen wurde, weil die Einkommensteuer aufgrund von Arbeitslosigkeit, Verlusten, Existenzgründung oder Rentenbeginn erheblich niedriger als im Vorjahr. Die Frage ist, wie ein Erstattungsüberhang an Kirchensteuer steuerlich berücksichtigt wird.

Bis 2011

Nun hat der Bundesfinanzhof erneut klargestellt, dass erstattete Kirchensteuer, die nicht mit gezahlter Kirchensteuer im Jahr der Erstattung verrechnet werden kann (sog. Erstattungsüberhang), zur nachträglichen Kürzung der Kirchensteuer im Zahlungsjahr und somit dort zu einem geringeren Sonderausgabenabzug führt (Urteil des Bundesfinanzhofes, Aktenzeichen X B 110/11).

Diese Regelung betrifft die alte Rechtslage vor 2012. Zur Verrechnung des Erstattungsüberhangs wird der Steuerbescheid des Zahlungsjahres – auch wenn er schon bestandskräftig ist – wegen eines rückwirkenden Ereignisses geändert. Der Sonderausgabenabzug wird also insoweit rückgängig gemacht. Und deshalb müssen Sie für das „wieder aufgerollte“ Jahr mit einer Steuernachforderung rechnen.

Ab 2012

Neue Rechtslage ab 2012: Jetzt wird der Erstattungsüberhang nicht mehr umständlich in einem Vorjahr berücksichtigt, sondern ganz einfach im selben Jahr dem Gesamtbetrag der Einkünfte hinzugerechnet. Das bedeutet: Für diesen Hinzurechnungsbetrag wird nun zusätzlich Einkommensteuer berechnet.

Herr Müller ist Ende 2011 aus der Kirche ausgetreten und erhält im Mai 2012 mit dem Steuerbescheid 2010 eine Kirchensteuererstattung von 600 Euro. In der Steuererklärung für 2012 ist also dieser Erstattungsbetrag anzugeben. Die gezahlte Kirchensteuer beträgt 0 Euro.

In diesem Fall wird der negative Saldo von 600 Euro nicht mehr – wie bis 2011 – in das Jahr 2010 zurückgetragen und dort der abzugsfähige Kirchensteuerbetrag um 600 Euro vermindert, was zu einer Steuernachzahlung für 2010 führt. Nein, jetzt wird der Erstattungsüberhang in der Steuerveranlagung 2012 dem Gesamtbetrag der Einkünfte hinzugerechnet.

 

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar