Fahrtkosten von Azubis

Fahrtkosten von Azubis

Neue Regeln ab 2014


Der Fiskus beteiligt sich an den Fahrtkosten zum Ausbildungsbetrieb: Mit der Pendlerpauschale i.H.v. 30 Cent je Kilometer. Für den Weg zur Berufsschule gibt’s sogar doppelt so viel.

Fahrten zum Ausbildungsbetrieb

Ab 2014 heißt der Ausbildungsbetrieb nicht mehr „regelmäßige Arbeitsstätte“, sondern „erste Tätigkeitsstätte“. Dies ist:

  • die ortsfeste betriebliche Einrichtung
  • Ihres Arbeitgebers, eines verbundenen Unternehmens oder eines vom Arbeitgeber bestimmten Dritten,
  • dem Sie dauerhaft zugeordnet sind.

Pro Dienstverhältnis kann immer nur eine erste Tätigkeitsstätte bestehen. Fahrten dahin können nur mit der Pendlerpauschale als Werbungskosten abgesetzt werden kann.

Berechnung

Arbeitstage x Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro = Fahrtkosten

Wichtig: Egal ob der Weg zu Fuß oder mit dem Auto zurückgelegt wird: Die Pendlerpauschale kann immer abgezogen werden. Doch Vorsicht: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, kann nicht mehr als 4.500 Euro im Jahr absetzen.

Fahrten zur Berufsschule

Mehr gibt’s für die Wege zur Berufsschule: Hier kann sowohl die Hin- als auch die Rückfahrt abgesetzt werden. Der Grund: Sie können nur eine „erste Tätigkeitsstätte“ haben – das ist Ihr Ausbildungsbetrieb. Andere Orte – wie die Berufsschule – gelten als auswärtige Tätigkeitsstätten. Und diese sind mit der Dienstreisepauschale absetzbar.

Berechnung

Berufsschul-Tage x Kilometer einfache Fahrt x 0,30 Euro x 2 = Fahrtkosten

Die erhöhte Dienstreisepauschale gilt übrigens auch für alle weiteren beruflichen Fahrten, wie beispielsweise zu Fortbildungen.

Schön wärs gewesen:

Eine geradezu revolutionäre Idee hatte kürzlich das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern: Bei Azubis stelle der Betrieb keine „regelmäßige Arbeitsstätte“ dar, sondern nur eine vorübergehende Ausbildungsstätte. Denn die Ausbildung sei nicht auf Dauer angelegt, sondern zeitlich befristet. Daher seien Fahrten zwischen Wohnung und Ausbildungsstätte nicht mit der Entfernungspauschale, sondern mit der doppelt so hohen Dienstreisepauschale absetzbar (Aktenzeichen 1 V 30/12).

Doch leider widersprach der Bundesfinanzhof: Der Ausbildungsbetrieb stelle eine betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers dar, welcher der Azubi durch seinen Ausbildungsvertrag zugeordnet sei und in der er über einen längeren Zeitraum fortdauernd und immer wieder seine durch den Ausbildungscharakter geprägte berufliche Leistung gegenüber seinem Arbeitgeber zu erbringen habe (Aktenzeichen III R 60/13). Somit ist auch nach neuer Rechtslage der Ausbildungsbetrieb die „erste Tätigkeitsstätte“ – mit der Folge, dass Fahrtkosten nur in Höhe der Entfernungspauschale berücksichtigt werden.

Durchrechnen lohnt sich

Azubis müssen wegen ihres geringen Einkommens meist keine Steuererklärung abgeben. Doch dies kann sich lohnen: Bereits bei kurzen Wegen winkt eine Erstattung von Finanzamt.

Beispiel

Maria wohnt von ihrem Ausbildungsbetrieb nur 5 Kilometer entfernt. Diesen hat sie an 130 Tagen im Jahr besucht. Ihre Berufsschule ist etwas weiter weg – 14 Kilometer Fahrt hatte sie an 100 Tagen.

Berechnung:

Fahrten zum Ausbildungsbetrieb : 130 Tage x 0,30 € x 5 Km= 195 €

Fahrten zur Berufsschule:       100 Tage x 0,30 € x 2 x 14 Km= 840 €

Fahrtkosten insgesamt =                                                              1.035 €

Allein mit diesen Kosten liegt Maria bereits über dem Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 €. Ab dann lohnt sich jeder Euro: Setzt sie nun weitere Ausgaben für Lernbücher, Arbeitsmittel etc. an, kann sie sich über eine Erstattung vom Finanzamt freuen.

7 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    H.B.

    Aber auch nur in der Theorie! In der Praxis zahlen Azubis kaum bis gar keine Lohnsteuer. Entsprechend bekommt man trotz einigen tausend Euro Werbungskosten kaum bis garnichts zurück! Wer wenig verdient hat hier das Nachsehen.

  2. 2
    Azubine

    Wie werden Fahrten zur Berufsschule (als Reisekosten) abgerechnet, wenn mehrere Azubis eine Fahrgemeinschaft gegründet haben und sich die Fahrten teilen? Danke für die Rückmeldung.

  3. 4
    Gerd

    G.B.
    Ich bezahle für den Sohnemann die Schule (dauerhafte Schule zur Ausbildung) mit allem was dazu gehört. Wo trage ich nun in der Wiso-Software die Pendlerpauschale ein. Ich habe bis dto. keine Hilfe gefunden.
    Dank für eine Antwort.

  4. 5
    MePsst

    @ Gerd: Ich denke nicht das man die Pendlerpauschale für die Kosten die einem anderen entstanden sind ansetzten kann. (auch wenn du sie wirtschaftlich tragen magst) Das ist vom Gesetzgeber nicht so gedacht. Du könntest die Ausbildungskosten vllt in Summe bei den Sonderausgaben reinmoggeln, aber ob das durch geht….

  5. 7
    Chrisse

    Meine Freundin fährt täglich 71km zum Ausbildungsort und auch wieder zurück. Bei 0,30 € pro gefahrenem Kilometer einfacher Fahrt und 4 Arbeitstagen pro Woche, müsste sie eine ganze Menge Geld zurück bekommen. Jedoch wurden bei ihr lediglich 18,00 € errechnet. Wie kann das sein? Ich freue mich über Eure Hilfe.

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