Haushaltsnahe Dienstleistung

Jetzt auch außerhalb der Grundstücksgrenze


Positive Nachrichten für Steuerzahler: Der Begriff „Haushaltsnah“ wird nun weiter gefasst als bisher. Auch Dienstleistungen jenseits der Grundstücksgrenze können nun als haushaltsnahe Dienstleistungen begünstigt sein.

Was wird nun begünstigt?

Zwei erfreuliche Urteile wurden nun veröffentlicht: Steuerbegünstigte haushaltsnahe Dienstleistungen sind nicht räumlich an Haushalt oder Grundstück gebunden. Der Begriff „haushaltsnah“ sei nicht räumlich, sondern funktionsbezogen zu verstehen, erklärten nun die Richter des BFH. Die Grenzen eines Haushaltes seien nicht durch die Grundstücksgrenzen abgesteckt – auch Leistungen darüber hinaus sind steuerbegünstigt. Vorausgesetzt, sie stehen in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang zum Haushalt.

Schneeschippen auf dem Gehweg

Das Schneeräumen auf öffentlichen Gehwegen gilt nun als „haushaltsnahe“ Dienstleistung. Beauftragen Sie Dritte zum Schneeräumen der Straße vor Ihrem Grundstück, können Sie einen Teil der Kosten steuermindernd ansetzen. Dies gilt vor allem dann, wenn Sie als Eigentümer oder Mieter verpflichtet sind, die Straße von Schmutz , Eis oder Schnee zu reinigen.

Der Fall: Ein Steuerzahler beauftragte eine Firma mit der Schneeräumung der öffentlichen Straße vor seinem Grundstück. Die Arbeitskosten setzte er als haushaltsnahe Dienstleistung an, welche dann prompt vom Finanzamt gestrichen wurde. Begründung: Das Schneeräumen habe nicht „im Haushalt“ sondern auf öffentlichem Gelände stattgefunden – und sei somit nicht begünstigt. Darauf hin klagte der Steuerzahler – und bekam vor dem Finanzgericht Recht. Dies bejahte den Abzug der Ausgaben als haushaltsnahe Dienstleistung. Nun vertritt auch der BFH diese Meinung, und wies die Revision des Finanzamts zurück. (Aktenzeichen VI R 55/12).

Verlegen von Anschlussleitungen

Auch in einem weiteren Urteil betonte der BFH, dass es nicht auf den Ort ankomme, sondern ob die Dienstleistung „für den Haushalt“ erbracht wurde.

Der Fall: Ein Ehepaar hatte ein Grundstück erworben und darauf ein Einfamilienhaus errichtet. Zunächst wurde das Haus über einen Brunnen mit Trinkwasser versorgt – und das Abwasser über eine Grube entsorgt. Nach einigen Jahren wurde der Haushalt nachträglich an die zentrale Trinkwasserversorgung sowie an die Abwasserentsorgung angeschlossen. Die Kosten dafür machte das Ehepaar in der Steuererklärung geltend . Nach einem Rechtstreit bestätigte nun der BFH, dass auch diese Kosten als haushaltsnahe Dienstleistungen abzugsfähig sind (Aktenzeichen VI R 56/12).

Haushaltnahe Leistung

Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen mindern direkt Ihre Steuer: Sie können 20 Prozent des Entgelts für Arbeitsleistung und Fahrtkosten zzgl. Umsatzsteuer bei Ihrer Einkommensteuererklärung abziehen – höchstens 1.200 € im Jahr.

Tipp: Tragen Sie die Arbeits- sowie die Fahrtkosten im Mantelbogen in Zeile 73 ein. Materialkosten bleiben außen vor.

Steuerberatung?

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  1. 1
    Erhard

    Wie verhält es sich eigentlich mit von der Kommune aufgezwungene Straßenausbau- bzw. Erschließungskosten? Nahezu überall in D werden diese Kosten den Anwohnern übergeholfen. Begründet wird dies mit der “Aufwertung der Immobilie”. Der Straßenausbau oder auch die Erschließung sind im engeren Sinn doch eigentlich nachträgliche Anschuffungs- u. Erwerbungskosten. Für das Steuerjahr 2014 hat das FA diese Kosten jedoch nicht anerkannt. Eine Begründung habe ich dafür noch nicht gesehen. Möglicherweise erfoglte die Ablehnung deshalb, weil die Kosten nicht 15% der gesamten Immobilienkosten übersteigt. Dann sollte es aber auöch möglich sein, die Kosten für den Straßenausbau als haushaltsnahe Dienstleistung an zu erkennen. Hat jemand in dieser Sache Erfahrung?

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