Pendlerpauschale

Pendlerpauschale

Mit jedem Kilometer Steuern sparen


Die Staumeldungen auf dem Weg zur Arbeit können Sie mitsprechen? Oder hat sich der Bahnfahrplan längst in Ihr Gedächtnis gebrannt? Dann zählen Sie sicher zu Deutschlands fast 13 Millionen Berufspendlern: Von Chaos auf den Straßen oder Verzögerungen im Betriebsablauf können Sie nur ein Lied singen. Eine kleine Wiedergutmachung für die Strapazen und Kosten gibt es jedoch: die Pendlerpauschale. Erfahren Sie hier, wie sich jeder Kilometer für Sie bezahlt macht.

Was ist die Pendlerpauschale?

Die sogenannte Pendlerpauschale heißt im Gesetz „Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte“. Sie ist im § 9 des Einkommensteuergesetzes festgehalten. Damit zählen Ihre Fahrten zur Arbeit als Werbungskosten – also als Kosten, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Erwerbstätigkeit haben. Sie vermindern den Betrag, auf den Ihre Steuer berechnet wird.
Aber wie viel kostet Sie ein Kilometer morgens auf dem Weg zur Arbeit tatsächlich? Da dies im Einzelfall nur sehr aufwändig zu ermitteln ist, hat der Gesetzgeber eine Pauschale vorgesehen. Diese Pauschale ersetzt die typischen Kfz-Kosten für die Wege zur Arbeit. Dazu zählen z. B. Benzin, Öl, Parkgebühren und die Kfz-Steuer.

Das Beste daran: Die Pauschale geben Sie auch dann in der Steuererklärung an, wenn Sie andere Verkehrsmittel benutzen oder zu Fuß gehen.

30 Cent pro Kilometer

Pro Entfernungskilometer können Sie 30 Cent ansetzen (Gesetzesfassung ab 2004). Dabei zählt allerdings nur die einfache Entfernung -- egal, wie oft Sie die Strecke am Tag tatsächlich fahren. Achtung: Bei den Kilometern wird abgerundet. Liegt Ihr Arbeitgeber also 10,9 Kilometer entfernt, werden nur 10 Kilometer berechnet. Die Pauschale gilt für jeden Arbeitstag, ganz egal ob Sie Voll- oder Teilzeit arbeiten oder noch in der Probezeit sind. Tage, an denen Sie krank waren oder Urlaub hatten, werden von Ihren jährlichen Arbeitstagen abgezogen.

Wer profitiert?

Sie profitieren von der Pauschale, wenn Sie Arbeitnehmer sind. Aber auch Auszubildende, die Ihre Ausbildung im Betrieb absolvieren, machen die Fahrten zum Ausbildungsbetrieb mit der Pauschale geltend. Bei Studenten im Zweitstudium sind die Fahrten zur Universität bzw. Hochschule abziehbare Fahrten. Im Erststudium werden die Fahrtkosten nach dem gleichen Prinzip berechnet. Allerdings sind sie hier nach neuster Rechtsprechung nur als Sonderausgaben abzugsfähig. Mehr dazu in unserem Artikel: Studienkosten absetzen
Als Selbstständiger oder Gewerbetreibender mindert die Pauschale für Sie als Betriebsausgaben die Steuer.

Alle wichtigen Informationen zu Pendlerpauschale erfahren Sie auch in unserem Video:

 

Erste Tätigkeitsstätte

Die Pauschale deckt die Aufwendungen für die Wege wischen Ihrem Wohnort und Ihrer Arbeitsstätte ab. Dabei zählen aber nur Ihre Wege zur sogenannten „ersten Tätigkeitsstätte“. Diese wird Ihnen in der Regel vom Arbeitgeber mitgeteilt oder ist in Ihrem Arbeitsvertrag festgehalten. Im Zweifelsfall ist damit der Arbeitsort gemeint, an dem Sie hauptsächlich arbeiten. Sind Sie innerhalb eines Dienstverhältnisses an mehr als einem Ort beruflich tätig, ist nur ein Arbeitsplatz Ihre erste Tätigkeitsstätte. Die Fahrten zu Ihrem anderen Einsatzort gelten dann als Dienstreisen.

Beispiel

Sie arbeiten bei einer Versicherung. Morgens fahren Sie zunächst in Ihr Büro. Von dort aus steuern Sie im Laufe des Tages verschiedene Kunden an.
Fahrt zur Arbeit:       Pendlerpauschale
Fahrten zu Kunden: Auswärtstätigkeit / Dienstreise

Mehrere Jobs

Bei einem Jobwechsel berechnen Sie die Pauschalen für jeden Job einzeln und geben diese in der Steuererklärung an. Das gilt auch, wenn Sie jeweils unterschiedliche Verkehrsmittel genutzt haben. Wenn Sie mehrere Jobs haben, z. B. zwei Teilzeit-Jobs, wird für beide Arbeitswege die Pauschale berücksichtigt.

Kürzeste Entfernung

Ein paar extra Kilometer fahren, um zusätzlich Geld zu sparen? Hier macht das Finanzamt einen Strich durch die Rechnung: Anerkannt werden nur die Kilometer für die kürzeste Straßenverbindung von Ihrer Wohnung zum Arbeitsplatz. Einen weiteren Weg dürfen Sie nur ansetzen, wenn er z. B. aufgrund der Verkehrslage tatsächlich schneller ist und Sie ihn regelmäßig fahren. Wenn Ihre tatsählich gefahrene Strecke deutlich von der kürzesten Straßenverbindung abweicht, kann es sein, dass das Finanzamt einen Nachweis von Ihnen fordert.

Zweitwohnung

Haben Sie eine Zweitwohnung? Dann dürfen Sie grundsätzlich nur für den Weg zur nächstgelegenen Wohnung die Pendlerpauschale angeben. Es seidenn, Ihr Lebensmittelpunkt befindet sich an der weiter entfernten Wohnung -- dann können Sie die Fahrten von dieser Wohnung aus angeben. Eine besondere Regelung gilt, wenn Sie Kosten der doppelten Haushaltsführung in Ihrer Steuererklärung angeben. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel: Doppelte Haushaltsführung

Auto, Bus oder Fahrrad?

Um die Pauschale zu nutzen ist es egal, mit welchem Fahrzeug Sie zur Arbeit fahren. Egal ob Sie mit der Bahn, dem Auto oder einfach zu Fuß zum Arbeitgeber gelangen – die 30 Cent pro Kilometer sind Ihnen sicher. Ebenso wird nicht unterschieden, ob Sie mit dem eigenen PKW oder etwa mit dem Ihres Partners fahren. Mehr sparen können Sie, wenn Sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren:  Ihre tatsächlichen Kosten für die Fahrkarten sind höher als die errechnete Pauschale? Dann dürfen Sie statt der Pauschale die Summe der Tickets ansetzen -- auch, wenn es mehr als 30 Cent pro Kilometer sind. Hierfür stellen Sie am besten eine Vergleichsrechnung auf. Im folgenden Beispiel sehen Sie, wie eine solche Rechnung aussehen kann. Aber keine Sorge, das geht auch ganz ohne Taschenrechner: steuer:Web übernimmt diese Rechnung für Sie -- und setzt automatisch den höheren Wert für Sie an!

Beispiel

Sie fahren an 200 Arbeitstagen im Jahr 50 Kilometer mit dem Zug zur Arbeit. Dafür zahlen Sie insgesamt 2.500 Euro für Fahrkarten.
Kilometerpauschale: 200 Tage x 50 Kilometer x 30 Cent = 3.000 Euro
Fahrkarten: 2.500 Euro
Der Ansatz der Pauschale ist günstiger.

Ausgeschlossen ist die Pendlerpauschale für Flüge. Hier dürfen Sie lediglich die tatsächlichen Kosten für die Flugtickets ansetzen. Für die Wege zum Flughafen und vom Flughafen zum Arbeitgeber, gilt allerdings die Pauschale.

Höchstbetrag

Ist bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln dafür, die Pauschale für die kürzeste Straßenverbindung höher als die Fahrkarten, dürfen Sie die Pauschale ansetzen. Allerdings nur bis zu einem Betrag von 4.500 Euro. Waren stattdessen die tatsächlichen Kosten (Fahrkarten) teurer, dürfen Sie diese auch angeben, wenn sie mehr als 4.500 Euro gekostet haben.
Die Begrenzung der Pauschale auf 4.500 Eurogilt auch für Fahrten mit Mofa, Motorrad, Motoroller und ähnliches. Bei Fahrten mit dem PKW dürfen Sie die Pauschale auch mit einem höheren Wert als 4.500 Euro abziehen.

Park and Ride

Eventuell ist der nächste Bahnhof weiter entfernt und nur mit dem Auto zu erreichen (Park and Ride). Aber wie wird in solchen Fällen die Pendlerpauschale ermittelt? Im besten Fall müssen Sie sich gar nicht mit der Berechnung beschäftigen -- denn das übernimmt steuer:Web für Sie.

Falls Sie es aber genau wissen möchten: Um den höchstmöglichen Betrag anzusetzen, unterteilen Sie Ihren Fahrtweg in zwei Abschnitte. Zuerst finden Sie die kürzeste Straßenverbindung zu Ihrer Arbeit heraus. Für die Entfernung berechnen Sie dann die Pauschale: 30 Cent pro Kilometer. Danach errechnen Sie die Pauschale für die Strecke zwischen Ihrer Wohnung und dem Bahnhof. Jetzt fehlt nur noch die Bahnstrecke: Auch hierfür müssen Sie einmal separat die Kilometerpauschale ausrechnen. Im nächsten Schritt addieren Sie die Pauschalen für den Weg zum Bahnhof und die Bahnstrecke. Die Summe vergleichen Sie anschließend mit der Pauschale für die kürzeste Entfernung zwischen Ihrer Wohnung und der Arbeit.  In der Steuererklärung geben Sie den höheren Wert (BMF v. 31.10.2013) oder die höheren Fahrkarten an. Das folgende Beispiel verdeutlicht das Berechnungsschema:

Beispiel

Sie fahren an 200 Arbeitstagen pro Jahr zunächst 5 km mit dem Auto zum Bahnhof. Von dort aus fahren Sie mit dem Zug zu Ihrem Arbeitsplatz. Der kürzeste Weg von Ihrer Haustüre bis zum Arbeitsort wären 16 km. Für die Jahreskarte der Bahn zahlen Sie 900 Euro.

1) Ermittlung der „normalen“ Pauschale für die kürzeste Entfernung
200 Tage x 16 km x 30 Cent = 960 Euro

2) Ermittlung der Pauschale für die PKW-Strecke zum Bahnhof (kein Höchstbetrag)
200 Tage x 5 km x 30 Cent = 300 Euro

3) Ermittlung der Zug-Strecke
Kürzeste Entfernung (16 km) – PKW-Strecke (5 km) = 11 km

4) Ermittlung der Pauschale für die Zug-Strecke (Höchstbetrag: 4.500 Euro)
200 Tage x 11 km x 30 Cent = 660 Euro

5) Ermittlung der Gesamt-Pauschale
Pauschale PKW: 300 Euro
Pauschale Zug: 660 Euro
= 960 Euro

6) Vergleich mit tatsächlichen Kosten
Fahrkarten: 900 Euro
Pauschalen: 960 Euro

Der höhere Betrag i. H. v. 960 Euro darf angesetzt werden.

Fahrgemeinschaften

Nehmen Sie auf dem Weg zur Arbeit Kollegen mit oder werden Sie selbst abgeholt? Bei Fahrgemeinschaften darf jeder Mitfahrer die Pauschale von 30 Cent pro Kilometer ansetzen. Umwege zur Abholung eines Kollegen werden allerdings nicht mit einbezogen.
Beim Höchstbetrags wird unterschieden: Für Tage, an denen Sie lediglich Mitfahrer sind, müssen Sie den Höchstbetrag von 4.500 Euro beachten. Sind Sie hingegen selbst gefahren, können Sie für diese Tage die Kosten unbegrenzt ansetzen.

Fahrtkostenerstattung

Wenn sich Ihr Arbeitgeber finanziell an Ihren Fahrtkosten beteiligt, müssen Sie diese Erstattung von der Pauschale abziehen.

Besonderheit: Behinderung

Liegt eine Behinderung vor, können Sie unter bestimmten Voraussetzungen die Entfernungspauschale für die tatsächlichen Fahrten ansetzen. Das ist in der Regel die doppelte Pauschale, also für Hin- und Rückweg. Die erhöhte Pauschale steht Menschen mit einem Grad der Behinderung von

  • mindestens 70 oder
  • mindestens 50 und zusätzlichen Merkzeichen „G“ oder „aG“
    zu.

So tragen Sie die Kilometerpauschale in WISO steuer:Web ein

Übrigens: Mit steuer:web geben Sie ganz einfach Ihre Fahrten an -- die jeweils günstigste Pauschale wird Ihnen automatisch ausgerechnet!

Wählen Sie einfach den Bereich „Arbeitnehmer, Betriebsrentner und Pensionäre“ aus. Es öffnen sich weitere Zeilen. Klicken Sie auf „Ausgaben (Werbungskosten)“. Im Fenster sehen Sie die Fahrtkosten direkt in der obersten Zeile. Zur Eingabe öffnet sich ein weiteres Fenster, in dem Sie ganz entspannt alle erforderlichen Eingaben tätigen.

Pendlerpauschale absetzen steuer:Web Beispiel

erste Tätigkeitsstätte Fahrtkosten absetzen steuer:Web

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Joerg

    Dies ist ein sehr schöner und hilfreicher Beitrag.
    Leider geht aus dem Text nicht hervor wie es aussieht, bei leuten welche einen Firmenwagen benutzen.
    Hierzu finde ich im netz unterschiedliche angaben von es kann eine nornmale Pauschale beantragt werden bis hin zu es steht einem keinerlei Pauschale zu.

    • 2
      Alexander Müller

      Hallo und vielen Dank für die gute Frage!

      Auch bei einem Firmenwagen vom Chef steht einem die Pendlerpauschale für die Fahrten Wohnung-Arbeit zu! Viele verwechseln es damit, dass man für den Firmenwagen steuerlich etwas zahlen muss – nämlich wenn man den Wagen auch privat nutzen darf und/oder für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit. Dies ist 1%-Regelung/Fahrtenbuch-Regelung. Und ja, es ist tatsächlich so: Auf der einen Seite Steuern zahlen, auf der anderen Seite Steuern wiederholen durch die Pendlerpauschale. Die Beträge sind nur völlig unterschiedlich.

      Bei Dienstreisen – also wenn man außerhalb der ersten Tätigkeitsstätte mit einem Firmenwagen für die Arbeit unterwegs ist, erhält man allerdings nix pro Kilometer. Denn diese Fahrten sind beruflich und der Chef bezahlt ja den Wagen.

      Da es bei einem Firmenwagen inzwischen sehr viele verschiedene Abmachungen zwischen Arbeitgeber/Arbeitnehmer gibt, wäre ein eigener Beitrag dazu sicher Interessant. Das nehme ich mal als Anregung mit.

      Viele Grüße,
      Alexander Müller
      Tax Specialist bei steuernsparen.de

      Viele Grüße,
      Alexander Müller
      Tax Specialist bei steuernsparen.de

+ Kommentar hinterlassen