Scheidungskosten gestrichen?

Scheidungskosten gestrichen?

Jetzt Einspruch einlegen!


Fast jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden. Das kostet die Beteiligten nicht nur jede Menge Nerven – sondern auch ordentlich Geld. Bisher konnten Prozesskosten von der Steuer abgesetzt werden – nun stellen sich die Finanzämter quer. Zu Recht?

Warum plötzlich kein Abzug mehr?

Grund ist eine Gesetzesänderung im Einkommensteuergesetz. Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Gesetzgeber in § 33 Einkommensteuergesetz festgelegt, dass private Rechtsstreitigkeiten grundsätzlich nicht mehr steuerlich angesetzt werden dürfen.

Die Finanzämter sollen Prozesskosten nur noch dann anerkennen, wenn der Rechtsstreit von so großer Bedeutung ist, dass die Existenz des Steuerzahlers gefährdet ist. Nach Ansicht der Finanzverwaltung sind damit selbst die Kosten für den Scheidungsausspruch vor dem Familiengericht steuerlich unbeachtlich, wie die amtliche Anleitung zur Einkommensteuererklärung 2013 aufführt. Zuvor wurden diese Kosten immer anerkannt.

Abzug nach Wortlaut weiterhin zulässig

Nach der Gesetzesbegründung sollte nur die für Steuerzahler freundlichere Rechtsprechung zur Absetzbarkeit von Zivilprozesskosten korrigiert – und die „Anwendbarkeit auf den bisherigen Rahmen“ beschränkt werden. Keinesfalls war aufgeführt, den bis dahin unbestrittenen Abzug von Scheidungskosten ebenfalls zu Fall zu bringen. Umso überraschender daher die jetzige Handhabung. Selbst der Wortlaut der Neuregelung deckt den Abzug der Kosten. Denn schließlich eröffnet der Scheidungsausspruch den Betroffenen oft überhaupt erst wieder die Möglichkeit, das eigene Leben neu zu ordnen. Insofern geht es um nichts Geringeres als die eigene Existenzgrundlage, wie es die neue Fassung des § 33 Einkommensteuergesetz vorschreibt.

So sollten Sie vorgehen

Tragen Sie Ihre unmittelbaren Anwalts- und Gerichtskosten im Mantelbogen im Bereich „Andere außergewöhnliche Belastungen“ ein. Sie finden den Bereich in der Einkommensteuererklärung 2013 auf Seite 3 ab Zeile 67. Sie können die Kosten in einer eigenen Anlage auflisten und nur den Gesamtbetrag mit Verweis auf diese Anlage in Ihrer Steuererklärung angeben.

Geben Sie auch alle Kosten an, die mit der Ehescheidung verbunden sind, also auch die Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Versorgungsausgleich, dem Zugewinn und den Ansprüchen auf Unterhalt. Denn diese Kosten sind für die Geschiedenen zwangsläufig. Streicht das Finanzamt diese Ausgaben, legen Sie binnen einem Monat Einspruch ein.

Den Mustereinspruch können Sie sich >>> hier <<< herunterladen.

2 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    D. Christ

    Es ist erstaunlich, wie lange sich die Juristen Zeit nehmen, obwohl in vielen Scheidungsfällen bereits vor Jahren enorme Kosten angefallen sind, die von existenzieller Bedeutung für die Geschiedenen sind. Vor allem Alleinerziehende, die nur in Teilzeit arbeiten sind auf diese Erstattungen durch das Finanzamt angewiesen – sonst würden ja die Aufwendungen nicht die Existenz der Betroffenen bedrohen.

  2. 2
    Meister Lampe

    Gott sei Dank gibt es diese Seite. Es gibt zwar auch unzählige andere Internetseiten, die sich mit dem Phänomen der steuerlichen Absetzbarkeit von Scheidungen befassen, aber keine, die das genaue Vorgehen ausführlich beschreibt. Als Laie ist dieser Artikel eine große Hilfe. Vielen Dank.

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