WG mit Kollegen

Wann liegt eine doppelte Haushaltsführung vor?


Wohnt ein verheirateter Angestellter mit einer guten „Kollegin“ am Beschäftigungsort in einer Art WG, kann er trotzdem die Kosten für die doppelte Haushaltsführung geltend machen. Wichtig ist nur, dass der Haupthausstand am Familienwohnsitz beibehalten wird.

Der Fall

Geklagt hatte ein zwischenzeitlich geschiedenes Ehepaar. Für den Ehemann wurden Kosten für eine doppelte Haushaltsführung nicht anerkannt. Der Kläger war 120 Kilometer von seinem Familienwohnsitz entfernt angestellt tätig. Mit einer befreundeten Kollegin mietete sich der Ehemann in der Nähe seiner Arbeitsstätte eine Dreizimmerwohnung an. Später kaufte er gemeinsam mit seiner Kollegin ein Haus, in dem die Wohngemeinschaft fortgesetzt wurde. An seinem Familienwohnsitz wohnte er mit seiner Ehefrau, den beiden Kindern und seinen Eltern zusammen.

Zuerst wollte das Finanzamt die Kosten für die Zweitwohnung am Beschäftigungsort nicht anerkennen. Für die Finanzbeamten war eindeutig zu erkennen, dass die Wohnung in der Nähe der Arbeitsstätte auch aus privaten Gründen gemietet wurde. Die Richter des Finanzgerichts sahen ebenfalls den Zusammenhang zwischen der angemieteten Wohnung und der Beziehung zu der Kollegin.

Berufliche Veranlassung entscheidet

Erst die Richter des Bundesfinanzhofs kamen zu einer anderen Entscheidung. Ihrer Meinung nach ist es unerheblich aus welchen Gründen sich der Steuerpflichtige für die Wohnform einer Wohngemeinschaft entscheidet. Beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung liegt vor, wenn der Arbeitnehmer außerhalb des Ortes, in dem er einen eigenen Hausstand unterhält, beschäftigt ist und am Beschäftigungsort wohnt.

Lebensführung entscheidet nicht

Es muss aus beruflichen Gründen eine zweite Wohnung bezogen werden. Nach Meinung der Richter am Bundesfinanzhof kann die Wohnform eine Zweckgemeinschaft sein oder auch aus persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitbewohnern gründen. Ihre Qualifikation als aus beruflichen Gründen unterhaltene Zweitwohnung verliert sie hierdurch nicht. Die Lebensführung am Beschäftigungsort ist grundsätzlich nicht entscheidend. Erst wenn der Mittelpunkt der Lebensinteressen an den Beschäftigungsort verlagert wird und diese Wohnung zur eigentlichen Haushaltsführung wird, kann eine steuerlich günstige doppelte Haushaltsführung nicht mehr angesetzt werden.

Mittelpunkt der Lebensinteressen

Im vorliegenden Fall gab der Kläger an, dass er von der Wohnung am Beschäftigungsort unter der Woche seinen Arbeitsplatz aufgesucht habe. Die Wochenenden habe er bei seiner Familie am Familienwohnsitz verbracht. Damit liegen die Voraussetzungen für eine beruflich veranlasste doppelte Haushaltsführung dem Grunde nach vor.

Nun bleibt noch die Frage offen, ob und in welcher Höhe dem Kläger durch die Wohnung und später das Haus Kosten entstanden sind, die als Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung steuerlich anerkannt werden. Hier ist auch die Begrenzung der Kosten auf eine 60 qm Wohnung zu beachten. Dies sollen nun die Richter des Finanzgerichts in einem zweiten Rechtsgang klären.

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 25/11

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